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Sonntag, 24. November 2013

Tagesevangelium: Blitz aus Ost



Heute fünf Stunden Kirche. Morgens früh Schola in Nieder-Ramstadt, danach Chor in Ober-Ramstadt, um fünf Gregorianische Messe in Nieder-Ramstadt. Schola, Chor, Schola. Und ich fühle mich jetzt doch ein bißchen angestrengt und heiser. Am Morgen Te Deum, am Mittag Lobe den Herren, am Abend Ave Maris Stella.

Am letzten Sonntag im Kirchenjahr wird nach der alten Ordnung Matthäus 24, 15-31 gelesen. Ein Text, der heute ganz aus der Leseordung verschwunden ist. Obwohl man durch die Einführung eines auf drei Jahre verteilten Lesezyklus doch eigentlich mehr Texte erwarten sollte, sind es in Wahrheit weniger.
Auf daß den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden, so daß innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volk vorgetragen werden. 
Heißt es in Zif. 51 der Konstitution Sacrosanctum Concilium. Pustekuchen. Viel der alten Texte sind im Orkus verschwunden. Über die Lesung zum Fastnachtssonntag, wo sinnigerweise von der "Schelle" die Rede ist, habe ich schon häufiger geschrieben. Nun liegt Fastnachtsonntag "irgendwo" im Jahreskreis, so daß die so passende Lesung an diesem Tag, wo ein Pfarrer eigentlich so wunderbar über die Narrenschelle predigen könnte, fehlt.

Warum aber nun nicht mehr der alte Text der apokalyptischen Prophezeiung aus Matthäus? Weil man die Rede vom Gericht und der "großen Bedrängnis" nicht mehr hören will? In einer Zeit in der so viel und so falsch von der "Barmherzigkeit" zu hören ist, paßt die Rede vom Gericht nicht mehr.

"Ab oriente" soll der Herr kommen am Tag des Gerichts, heißt es in der Lesung heute. In dieser Erwartung hat man stets die Kirchen so gebaut, daß der Blick der Gläubigen nach Osten gerichtet war. Auch der Blick des zelebrierenden Priesters richtete sich nach Osten. Der Gottesdienst war "orientiert", geostet, wie die alten Kirchen selbst stets geostet waren. Mag sein, daß in einer Zeit, in der Pfarrer und Gemeinde den "Mahltisch" umstehen, keiner mehr hören soll, daß wir den Blick gen Osten richten sollen, in Erwartung der Wiederkunft des Weltenrichters. Die Schatzkammer ist nicht geöffnet worden. Man hat sie geschlossen.

Donnerstag, 8. August 2013

Veggie Day und Fastengebot: Katholisches Original und grünprotestantische Fälschung


Also wer noch immer nicht glaubt, daß er mit dem Veggie-Tag die Welt retten kann, der MUSS sich unbedingt diesen Film ankucken.

Und wer noch immer nicht glaubt, daß es sich wirklich um eine GLAUBENSFRAGE handelt, der MUSS umbedingt diesen Henryk-Broder-Artikel lesen.
... und jetzt gönnen wir uns am Donnerstag einen Veggie-Burger. Bei den Katholiken war das schon immer freitags der Fall, aber da ging es ja nur um einen religiösen Brauch, nicht um "Klimaschutz und Ernährungssicherheit". Verglichen mit den Grünen und ihrem Hang zum alltäglichen Totalitarismus ist die katholische Kirche eine libertäre Organisation mit Sinn für menschliche Schwächen.
Meine Rede seit Leipzig.Und Broders bösewichtige Witzischkeiten muß man sowieso immer lesen.

Doch mal ganz im Ernst. Der Veggietag ist in Wirklichkeit das Billigheimer-Angebot für Katholizismusverweigerer. Weil, katholisch ist halt nichts für Weicheier. und für Weicheier gibt es anstelle der katholischen Fastengebote eben den Veggietag.

Denn das katholische Fastengebot ist:

Viel, viel härter. Fleisch gibt es nicht nur nicht am Freitag sondern auch:
- während der Fastenzeit vor Ostern (40 Tage)
- während der Fastenzeit vor Epiphanias (zwischen dem 11.11. und dem 6.1, - 55 Tage)
- während der Quatembertage (nochmal 12 Tage)
- von Samstag abend bis zum Empfang der Eucharistie am Sonntag morgen
- natürlich jeden Freitag
zieht man Überschneidungen ab, sind das im Durchschnitt 145 Tage und keine schlappen 52.

Jedenfalls war das so vor den Liturgie- und sonstigen Reformen des 20igsten Jahrhunderts.

Das Fastengebot ist im übrigen:

Umweltschonender:

Fisch bleibt bei Katholiken erlaubt, also ein Nahrungsmittel, das in der Regel ohne zusätzlichen Verbrauch an Landfläche erzeugt wird. Die Ausnahmen von dieser Regel sind bekannt. Fischfarmen gab es - vor allem im Umfeld von Klöstern - schon im Mittelalter, ohne daß die Umwelt kollabierte, die Klimakatastrophe hereinbrach und die ausgebeuteten Massen verhungerten. Selbst Umweltorganisationen empfehlen wegen der umweltschonenden Erzeugung und der reichlichen Ressourcen den Konsum des klassischsten aller katholischen Fische; des Karpfen,

Gesünder:

Was die gesundheitlichen Vorzüge der katholischen Diät angeht, so sind sie erweislich der veganen weit überlegen. Nicht Vegetarier, sondern Pescetarier (die ihre Ernährung auf Gemüse, Getreide und Fisch beschränken) leben am längsten.

Intelligenter:

Fisch liefert die überlebenswichtigen und für das Ernährung des Gehirns essentiellen Omega-3 Fettsäuren. Was zu beweisen war: mit der Aufweichung des Fastengebots zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die katholischen Theologen erweislich immer dümmer geworden. Die evangelische Theologie war ja schon immer unterirdisch.

Zukunftsorientierter:
Die materialistische Einrichtung im Bestehenden, der partikulare Egoismus, war seit je mit Entsagung verknüpft, während der Blick des unbürgerlichen Schwarmgeists über das Bestehende hinaus, materialistisch zum Land von Milch und Honig schweift. (Adorno/Horkheimer, Dialektik der Aufklärung)
Richtig. Denn wir fasten nicht, um die Welt zu retten, sondern um christusförmig zu werden, um der Ewigkeit willen.

Eine der besseren konservativen katholischen Webseiten nennt sich übrigens Fisheaters.

Fischfresser gilt im angelsächsischen Raum als Spitzname für Katholiken. Lies nach bei Shakespeare:
I do profess to be no less than I seem—to serve him truly that will put me in trust, to love him that is honest, to converse with him that is wise and says little, to fear judgment, to fight when I cannot choose, and to eat no fish. (King Lear, Erster Akt, Vierte Szene)
Leider hat die Kirche verlernt, in einer protestantisch gewordenen Welt, die überwältigenden Vorzüge des Fastengebots bekannt zu machen. Der Veggie-Day ist jedenfalls eine billige und völlig dysfunktionale Kopie einer weit weiseren Speiseregel. (Aus meiner Serie: und die Kirche hat - wie immer - recht)

Donnerstag, 30. Mai 2013

Fronleichnam und seine Rätsel

Jedes Jahr wirft Fronleichnam für mich neue Rätsel auf. Warum gibt es keine Haltegurte für Baldachinträger und warum muß man immer über diese blöden Stangen stolpern? Warum ist der Fußgängerweg immer genau so breit, daß einer der Baldachinträger mit einem Fuß auf dem Bürgersteig und einem Fuß auf der Straße laufen muß? Warum bin immer ich dieser Baldachinträger? Gibt es einen besonderen Ablaß für Baldachinträger? Ist ein Dreiteiler zwingend vorgeschrieben? Haben wir dieses Dilemma der Liturgiereform zu verdanken? Wie trägt man einerseits einen Hut in der Hand und andererseits eine Baldachinstange? Was sagt die Rubrik über das Tragen von Rayban-Sonnenbrillen durch Baldachinträger? Wo finde ich die Trainingseinheiten insbesondere für die Technik des Hut- sowie Baldachinstangentragens? Ist das Hütetragen für Männer außer Mode gekommen aufgrund des Baldachindilemmas und der epidemischen Ausbreitung verschiedener Formen der Reißmatismus bei Baldachinträgern? Welche Beitrag haben die Baldachinträger zur christlich-abendländischen Kultur geleistet?

Rätsel über Rätsel. Fragen über Fragen.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Marienmonat Mai: Hier unser Gartenplan

"Meister des Frankfurter Paradiesgärtleins"
So in etwa soll unser Pfarrgarten in ein paar Jahren aussehen. Im Moment sieht er allerdings mehr nach Mondlandschaft aus. Heute wieder Stunden gegraben, Gejätet, gegossen. So ist das eben mit Gärten, sind sie endlich fertig, ist man ein paar Jahre älter. In den nächsten Tagen wird "unsere" Maria aufgestellt, vor einer Kulisse aus einem alten Holunderbaum, Alant, Marienblatt, Veilchen, Centifolien, Levkojen und einem Erdbeerbeet vor ihren Füßen. Das Kräuterbeet ist fast fertig, die Rosenhecke wird dieses Jahr noch nicht fertig, aber die Stockrosen wachsen schon, die Pfingstrosen sind schon am aufgehen, Im Herbst wird das Beet für die Madonnenlilien vorbereitet, und wenn die Mondlandschaft - die bis vor einigen Wochen eher Wald als Garten war, nach Garten aussieht, gibt es hier vielleicht auch ein paar Fotos.

Eine Beschreibung des Paradiesgärtleins findet sich hier.

Mittwoch, 13. März 2013

Schwarzer Rauch

Hoffentlich ist das endlich vorbei. Die papstlose Zeit. Die leider keine nachrichtenlose Zeit ist.

Und so quillt die Qualitätspresse (hierorts: die Verlautbarungsorgane der Plutokratie) über von Nachrichtenmüll.

Im Wirtschaftsteil der FAZ dräut der finanzkapitalistische Dunkelmann.
Der Vatikan ist ein Offshoreparadies für dunkle Finanzgeschäfte. Mitten unter den Pilgern im Kirchenstaat tummeln sich dubiose Geldwäscher und windige Prälaten. Ein Sittenbild.
In der Welt befürchten "Vatikan-Insider" eine "Spaltung des Konklave.

Das sexualpädagogische Fachblatt der Nation präsentiert einen moppeligen Pfarrer mit Konkubine und schwadroniert über die "Lüge von der Enthaltsamkeit".

Der Spiegel variiert das Mißbrauchsthema. Und ist ansonsten eher zurückhaltend. Hat die Grippewelle etwa die üblichen Verdächtigen dahingerafft?

Natürlich kann da die Süddeutsche nicht zurückstehen.

ABER: Ausnahmslos alle schauen gebannt auf das Ofenrohr. Auch die Süddeutsche. Mit Newsticker und allem was dazugehört. Ist schon keine schlechte Idee, die Sache mit dem weißen und schwarzen Rauch.

Samstag, 2. Februar 2013

Mariä Lichtmeß: Katholisch first class


Ich genieße das Privileg, einer Gemeinde anzugehören, deren Pfarrer regelmäßig die Messe im Usus antiquior feiert. Ein nicht nur mystisches, sondern auch irdisches Erlebnis, denn Riten und Gesten gehen in eine sinnlich-manifestere Zeit zurück.

Die Messe zu Mariä Lichtmess beginnt mit einer Prozession und der Pfarrer, der an der Spitze der Prozession geht, trägt - ein Pluviale. Einen Regenmantel (pluvium=Regen), um es der Wortbedeutung gemäß zu übersetzen. Prozessionen fanden in sinnlich-manifesteren Zeiten außerhalb der Kirchengebäude statt.

Die Hymne des Tages ist die der Complet, das nunc dimittis. Hier in einer irdischen Version der Voices8. Und hier noch einmal etwas ätherischer in der Fassung des Exeter Cathedral Chor.



Gegengift, wo doch jetzt auf allen Kanälen nicht nur vom post-agrarischen, sondern selbst vom post-industriellen Zeitalter die Rede ist. Vor allem von den Protagonist_Innen, die irgendwas mit Medien machen.

Die Alte Messe vermittelt uns die irdische Tatsache, daß unser Leben in seiner bloßen Existenz noch immer von Regen und Sonnenschein abhängig ist. Und daß sich die Gläubigen nicht zum Stelldichein am Mahltisch einfinden, sondern zur Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

LUCIA!



Neben Midsommar ist das Luciafest das populärste schwedische Familienfest. Ausgerechnet in einem der am radikalsten von jeder katholischen Reminiszenz gesäuberten europäischem Land hat sich das Fest einer katholischen Heiligen als Nationalfest gehalten. 

Lucia wird nicht nur in allen Familien, Kindergärten, Schulen und Städten Schwedens gefeiert, Lucia ist ein nationales Ereignis, ein Staatsakt. Hier eine ein bißchen verwackelte Aufnahme des Festes in Stockholm, dafür mit meinem Lieblingsadventslied "Veni Immanuel".

Leider keine Lussekatter zu kriegen in dieser Gegend. Muß mir mal das Rezept geben lassen.

Sonntag, 4. November 2012

Gänsehautmusik: dies irae, Karajan, Verdi


Nachdem der beste Pfarrer von allen heute über das "dies irae" gepredigt hat, hier eine absolute Gänsehautversion der Komposition von Verdi, dirigiert von Herbert Karajan.

Tag des Zorns? Geht heute offenbar gar nicht mehr. Selbst aus dem offiziellen Graduale ist das dies irae verschwunden. Nicht so aus den Konzertsälen. Aber da gehört es eigentlich nur urlaubsweise hin. Liturgisch und musikalisch zeigt eine Sequenz (das dies irae ist eine solche) die besondere Bedeutung eines kirchlichen Festes an. Nun tritt Allerseelen immer schon hinter Allerheiligen zurück, aber da beide Feste immer schon gemeinsam gefeiert wurden, haben sie in der Zusammenschau eine liturgische Ordnung, die sie in der Bedeutung neben Weihnachten, Ostern und Pfingsten stellt. Die dreitägige Festordnung beginnt mit der Vigil ((All) Hallow(s) e(v)en(ing) und setzt sich fort mit Allerheiligen und Allerseelen. Noch 1915 steigerte Benedikt XV die Bedeutung des Festes Allerseelen, indem er erlaubte, an Allerseelen drei Messen zu feiern - wie an Ostern. War es wohl das Grauen der europäischen Urkatastrophe, des Ersten Weltkrieges, das den Papst dazu veranlasste?

Vom ersten Tag seines Pontitikates an hatte sich der Papst bemüht, einen Frieden zu vermitteln. Vergeblich. Sein Friedensappell blieb ungehört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Niedergang des Triduums der Toten. 1955 wurde die Vigil gestrichen, die Liturgiedekonstruktion infolge DES KONZILS kassierte unter anderem die Sequenz dies irae. Der Rang von Allerseelen wurde allerdings erhöht Allerseelen kann nun auch an einem Sonntag gefeiert werden. Über den liturgischen Verlust von Vigil und Sequenz kann das nicht hinwegtrösten.

Hier ein ausführlichster Kommentar zum dies irae.

Freitag, 2. November 2012

Black is beautiful


Zur heutigen Messe trug der beste aller amtierenden Päpste die Farbe schwarz. Lang nicht mehr gesehen. Seitdem im Novus Ordo die liturgische Farbe schwarz gleichsam ausgemerzt wurde, ist es nun fast schon ein revolutionäres (präziser wäre: reaktionäres) Ereignis, daß der Papst zur heutigen Allerseelenmesse die Farbe schwarz trägt. Ob wohl das "dies irae" angestimmt wurde? Sicher nicht. Aber vielleicht im nächsten Jahr.

Montag, 2. Juli 2012

Das Euangelion als Oper: 2. Juli Visitatio Mariae

Muß man sich die Heilsgeschichte als Oper vorstellen? Als eine von einem Sprecher vorgetragenen Geschichte, immer wieder unterbrochen von Gesängen? Und wenn es so war, welche Stimme hatte dann Maria? Alt oder Sopran? Gab es ein begleitendes Orchester von Engeln? Bach jedenfalls hat sich für den Alt entschieden. Und für Pauken und Trompeten.

Sonntag, 1. Juli 2012

Festum Sacratissimi Sanguinis D.N.J.C.: Warum Italien heute verlieren wird


1969 wurde das Fest des Heiligen Blutes Jesu Christi abgeschafft. Angeblich, weil dasFest eine Doppelung desHerz-Jesu-Festes und von Fronleichnam darstellt. Wenig überzeugend, den Heiligblut-Feste, - Prozessionen, -reliquien gab es schon seit langer Zeit, und daß Pius IX dieses Fest für die gesamte Kirche verbindlich gemacht hat, bedeutete zunächst, wie so häufig, daß damit nur eine Fest verallgemeinert wurde, daß bisher schon lokal und regional gefeiert worden war. So entstanden viele andere Feste, selbst Hochfeste der Katholischen Kirche.

Dieses Fest hat aber eine eigene, mit der Tradition Europas und Italiens verbundene Entstehungsgeschichte. Pius IX führte das Fest nach seinem Exil in Gaeta  ein, als Dank für seine Rückkehr nach Rom. Im November 1848 wurde der Premierminister des Vatikanstaates Rossi ermordet, ein Fanal für den revolutionären Aufstand in Rom, der zur Entwaffnung der Schweizergarde und zur Vertreibung des Papstes führte. Im Februar 1849 errichteten die Revolutionäre eine kurzlebige, aber in ihren antikatholischen Äußerungen radikal antichristliche Republik. Karfreitag 1849 veranstaltete die Republik eine Freudenfeuerwerk auf dem Petersplatz, Ostersonntag provozierte die revolutionäre Junta die römischen Katholiken mit einer Siegesfeier im Petersdom. Wenige Monate später vertrieben spanische und französische Truppen die italienischen Jakobiner aus Rom. Mit der Einführung des Festes stattete Pius IX vor allem den spanischen Truppen seinen Dank ab.

Heute wird erneut Spanien gegen Italien siegen.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Siebenschläfer, Mann bin ich müde.


Heute Siebenschläfer. Nicht mehr im neuen Kalender enthalten. Trotzdem oder gerade deshalb populär. Wegen Wetter. Legende uralt. Fünftes Jahrhundert. Auch bei Muslimen bekannt. Achtzehnte Sure. Al-kahf. Die Höhle. Nach dem Koran handelte es sich um sieben Männer und einen Hund. Und sie ruhten 309 Jahre. Sagt Der Koran. Die Legenda aurea rechnet korrekt mit 196 Jahren. Aber ohne Hund. Hier Seite der Siebenschläferkirche. Mit Film. Unbedingt ansehen. Guter Artikel über die Legende hier. Müde. Geh schlafen.

Samstag, 26. Mai 2012

Wave Gothic Leipzsch: Gregorianik statt NGL


Ihre Lieblingsfarbe ist schwarz. Sie mögen gotische Kathedralen und stehen auf Gregorianik. Zum Eröffnungskonzert führt der MDR-Rundfunkchor Johannes Ockhegems "Requiem" auf, es folgt György Ligetis "Lux aeterna", abschließend hört man Gregorianische Gesänge. Es treten Bands auf mit wunderlichen Namen wie "Crimson Ghost" aber auch das Leipziger Gewandhausorchester. Am Sonntag gibt's einen Gottesdienst, der- catholically völlig korrekt - in einer Kontemplation mündet. Es gibt Musik des Mittelalters und der Renaissance zu hören. Es wird eine Hommage an Astor Piazzola geboten, und Music von Guilaume Dufay.

Am Freitag wird ein Viktorianisches Picknick gegeben. Dresscode ist "Viktorianisch", "Barock", "Rokoko" oder "Romantic Gothic". Damen in Hosenanzug, oder Herren in Jeans und Unterhemd dürften wohl keinen Zutritt haben. Eine Dame mit Stil trägt Rock. Der Herr Anzug, viktorianisch.

Das Durchschnittsalter dürfte so um die 25 liegen. Ist es vorstellbar, daß man solche Jugendliche mit Schlagermusik aus der Dieter-Thomas-Heck-Epoche in eine Kirche locken könnte? Oder daß sie einen Priester in Jeans und Holzfällerhemd angemessen gekleidet finden?


Montag, 14. Mai 2012

Father Kung, the left-wing-wacko on the fringe speaks out

Dieser Papst wagt es sogar, sich vielfach gegen das Ökumenische Konzil - nach dem Kirchenrecht die höchste Autorität in der katholischen Kirche - zu stellen. Er gefährdet die Einheit der Kirche, indem er illegal ordinierte Bischöfe der traditionalistischen Pius-Bruderschaft ohne Vorbedingungen in die Kirche aufnimmt, obwohl sie das Konzil in zentralen Punkten ablehnen. So betreibt er die 'Rückkehr' der Konzilsfeinde, um einige hundert Pius-Priester zu gewinnen.
usw. usf.  Father Kung übertrifft sich mal wieder selbst. Die Empörung geht sogar so weit, daß er NICHT zum Katholikentag kommt. Da fehlt einem doch direkt was. Der Drewermann kommt ja auch nicht mehr. Ist wenigstens Uta Ranke-Heinemann da? Sonst lohnt sich doch sowieso kein Besuch. Außer zur Heiligen Messe am 19.5.2012 um 9 Uhr in Maria Hilf.

Sonntag, 13. Mai 2012

Wallfahrt nach Trier II: Friedrich! Der Kampf geht weiter!

Pilgerin, Messe der Piusbruderschaft 6. Mai 2012, Trier
Es ist nicht so, daß ich mich inzwischen zum Dauerwallfahrer entwickelt habe, aber aus Gründen, die ich ein andermal und auch nur vielleicht berichten werde, war ich am 6. Mai 2012 noch einmal in Trier. Noch einmal Alte Messe, noch einmal 3 Stunden anstehen, um den Heiligen Rock nur zu sehen, nur das Glas zu berühren, hinter dem der Rock ausgestellt ist. Das muß genügen. Mehr war im übrigen für die meisten Wallfahrer aller Jahrhunderte auch nicht drin.

Die Gregorianische Messe am 6. Mai richtet die Piusbruderschaft aus. Auch wenn die veranstaltende Diözese die Bruderschaft noch immer mit spitzen Fingern anfasst, und man sich selbstverfreilich beeilt zu betonen, daß die vollständige Wiedereingliederung noch nicht erreicht sei, wird auch die Piusbruderschaft in Trier willkommen geheißen. Die Messe findet - wie auch die gregorianische Messe mit Kardinal Brandmüller am 21. April - in St. Maximin statt. Die ehemalige Abteikirche dient heute als Turnhalle. Was nicht bedeutet, daß wir uns hier nicht an einem heiligen Ort befinden. St. Maximin ist, wie manch andere Kirche, wie der Petersdom selbst, auf einem antiken Gräberfeld errichtet, mit um tausend Gräbern. Eines dieser Gräber beherbergt den Bischof Agritius, der für die Überführung des Heiligen Rocks und die Reliquien des Heiligen Matthias gesorgt hatte. Ein zentraler Ort für Trier also, und nicht etwa ein Ort, an den man die Anhänger der Alten Messe "verbannt" hatte.

Außerdem gibt es wenige Versammlungsgebäude in Trier, die, wie heute, 2.500 Menschen aufnehmen können. So viele sind erschienen, offenbar nicht nur Mitglieder der Gemeinden der Piusbruderschaften, einige treffe ich wieder, die ich auch vor 15 Tagen getroffen haben.

Die Bruderschaft hat den Raum mit rot-goldenen Wandbehängen, Statuen, einem monumentalen Altar, vielen Kerzen und Blumen zu einem beeindruckenden Kirchenraum umgestaltet. Katholische Prachtentfaltung eben, wie auch das levitierte Hochamt, daß in diesem Raum zelebriert wird, die katholische Messe in ihrer ganzen liturgischen Pracht erstrahlen läßt. Bei der Wandlung schlägt eine Glocke. Ich wundere mich. Dieses Gebäude ist wirklich eine Heilige Turnhalle, ohne Orgel, Glocke oder irgendeine andere gottesdienstliche Ausstattung. Beim Hinausgehen entdecke ich einen fahrbaren Glockenstuhl, auch die Glocke hat die Bruderschaft mitgebracht. Unwillkürlich suche ich nach dem Giga-Sattelschlepper, mit dem die Brüder ihre Faltkathedrale transportiert haben, und finde nichts. Ein Wunder, offenkundig.

Wie auch bei dem Gottesdienst der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften fällt auf, daß eine ungewöhnlich hohe Zahl von jungen Priester und Seminaristen anwesend ist. Anders als vor fünfzehn Tagen sind auch zahlreiche Nonnen und Mönche aus diversen Orden anwesend. Mir fällt die ungewöhnlich hohe Zahl von jungen Frauen auf, die "exzentrisch" gekleidet sind, also mit züchtigem wadenlangem Rock, mit langen Haaren, ungeschminkt und unaufgebrezelt, überhaupt ist dies eine junge Versammlung, junge Priester, junge Ordensangehörige, viele junge Menschen, kinderreiche Familien. Katholisches Leben, wie es noch vor vierzig, fünfzig Jahren ganz alltäglich war.

Auch die Alte Messe ist für diese Versammlung offenbar ganz alltäglich. Die Gesänge des Ordinariums singt hier keiner vom Blatt, auch wenn die besonders feierliche Gesangsweise der Osterzeit nicht ganz unkompliziert ist. Jeder weiß, was zu tun ist, beim "descendit de caelis" des Credo fallen alle auf die Knie, man erhebt sich, kniet wieder, erhebt sich, bekreuzigt sich, verneigt sich. Diese Versammlung ist eines Geistes. Faith is in the air. In Chor und Schola singen viele junge Stimmen, offenbar stellt das Seminar der Bruderschaft die Schola, die Mädchengymnasien den Chor. Ich bin gerührt. Ein Indianer weint nicht. Manchmal aber verquetscht er ein paar Tränen, die keiner sieht.

Die Predigt handelt von einem Thema, daß die Offiziellen der Wallfahrt peinlichst vermeiden. Es geht um die Echtheit der Tunika. Es geht um die Verehrung einer der bedeutendsten Reliquien der Christenheit. Der Prediger hält sich dabei nicht mit den durchaus interessanten Erkenntnissen der Archäologie und der Textilforschung auf. Sein Argument für die Echtheit des Heiligen Rocks ist beschämend schlicht. Insbesondere bei den großen Wallfahrten im Jahre 1891 und 1933 seien zahlreiche Wunderheilungen dokumentiert worden. Für diese Heilungen gebe es ärztliche Gutachten, 1891 seien elf medizinisch und wissenschaftlich nicht erklärbare Heilungen dokumentiert, 1933 sogar 40. Man habe sie nicht weniger sorgfältig untersucht, als die von der Kirche anerkannten Heilungen in Lourdes. Dies spreche unwiderlegbar für die Authentizität der Reliquie.

Der Ökumenereferent des Bistums sieht dies offenbar ganz anders:
Insbesondere den seitens evangelischer Christen wiederholt geäußerten Vorwurf der "Reliquienverehrung" gelte es zu entkräften. "Die Kirche von Trier verzichtet radikal auf die Frage der Echtheit. Sie betont den Symbolcharakter des Heiligen Rocks", 
Rrrrrrrradikal. Als ehemaliger Radikalinski zucke ich bei diesem Wort noch immer zusammen. Soviel zum Selbstbild der offiziellen Kirche. Es dominiert offenkundig in der Öffentlichkeit. Der theologische Eiertanz wird da nicht nur von den "Ökumenereferenten" geübt, sondern offenbar auch von einfachen Priestern:
Pater Johannes predigt: "Man kann den Heiligen Rock mit den Augen eines Skeptikers betrachten. Ist er echt? Wissenschaftlich beweisbar?" Er macht eine kunstvolle Pause und fährt fort: "Aber geht es wirklich um diese Fragen?" Kunstpause. "Nein, es geht um eine Begegnung mit Jesus. Er trägt das Kleid meines Lebens, der Kirche. Das Kleid der Armen. Tunika Christi!
Michel Friedmann berichtet das, und scheint sich doch ein wenig zu wundern. Ja so ist das, der moderne Katholik wallfahrtet nicht nach Trier, um eine heiligste Reliquie zu verehren, um einen Ablaß zu erwerben, oder gar, weil er auf ein Wunder, auf Heilung hofft, sondern um "mit den Füßen zu beten". Dies ist die banale Formel, auf die sich offenkundig die Ökumenereferenten aller Konfessionen geeinigt haben. Ich kann das nicht abstellen, ich stelle mir bei diesem dummdeutschen Satz eine ziemlich komische Sportübung vor, die vor allem ältere Menschen wohl vor unüberwindliche Probleme stellen dürfte.

Nach zwei Stunden ist die Messe zu Ende. Mittagszeit. Wieder steht ein junger Priester am Mikrophon und ruft zum Mittagsgebet: "Vater segne Diese Gaben, Amen, Amen". Ein Kinderlied? Ja, dies ist Volkskirche, so unverkrampft katholisch, wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe, als meine katholischen Mitschüler noch Heiligenbildchen tauschten, noch zur Beichte gingen, noch ihren Namenstag feierten, brav jeden Sonntag zur Kirche gingen, als der Herr Pfarrer und der Herr Kaplan noch Soutanen trugen.

Wieder im strömenden Regen beginnt die Wallfahrt, Vorneweg Priester und Ordensangehörige, dann der ganze Stolz der deutschen Piusbruderschaft, die Schülerinnen des Sankt Theresen-Gymnasiums. 2.500 Menschen auf dem Weg zur Tunika Christi, viele Priester in Chorhemd und Soutane, Ordensleute im Habit, Fahnen, eine Blaskapelle, singende und betende Menschen, junge Frauen in Schuluniform. In der Kathedrale soll eigentlich eine von der Bruderschaft gestaltete Andacht stattfinden, aber als ich ankomme, hat die Kapelle schon ihre Instrumente eingepackt, obwohl noch viele hunderte ankommen.

Die Mikrophonbesitzer halten eine der beliebten Themenmeditationen. Pädagogisch wertvoll, geistlich hohl, irgendwas mit Feuer. Abgeschlossen wird die Meditation mit einem zum Thema passenden Liedlein aus dem NGL-Repertoire zum Mitschnippsen: "Wenn wir das Leben teilen, wie das täglich Brot" - "Jesus Christ, Feuer, das die Nacht erhält."

Dammdadadammdammdadadammdammdadadaaaaaaaahh!!

Nach fünf Stunden Gregorianik und klassischem katholischen Liedgut wirkt das wie eine kalte Dusche. Ich bestreike das Neue Geistliche Liedgut ja gewohnheitsmäßig durch Nicht-Mitsingen und ernte von meiner Herzallerliebsten missbilligende Blicke. Heute aber bin ich nicht der einzige, es breitet sich eisiges Schweigen in der Kirche aus. Niemand singt mit. Daß man auch anders katholisch sein kann, als es die offizielle Pilgerbroschüre vorsieht, ist bei den Organisatoren offenbar nicht angekommen.

Ich bin da. Mir bleiben jetzt fünf Sekunden (Michel Friedmann hat das so ausgerechnet). Ich drücke meinen Rosenkranz an die Glasplatte und sehe wie kleine Kinder ihre Hand auf das Glas legen. Pilger haben sich das offizielle Andachtsbild besorgt und berühren mit den Bildern das Glas. Es ist, wie es immer war, beim Heiligen Rock. Und die klugen Literaten, die gebildeten Theologen, die berühmten Schriftsteller, die witzigen Satiriker, sie rümpfen die Nase. Auch das war zwar nicht schon immer so, aber doch schon sehr lange.

Das Pilgerheft der Bruderschaft enthält zu meiner Freude auch einen kleinen katholischen Fremdenführer über die vielen heiligen Stätten der Stadt. Zu meiner besonderen Freude entdecke ich, daß das Grab des hochverehrten Friedrich Spee zu Langenfeld sich in der Jesuitenkirche befindet. Der Autor der "Cautio criminalis", der neben Johannes Scheffler begnadetste katholische Hymnendichter des Barock, einer der größten Prediger und geistlichen Poeten vor dem Herrn. Da muß ich hin.

Auf dem Weg begegne ich wieder der offiziellen Kirche. Vor der Konstantinsbasilika steht eine sechs Meter hohe Plastik aus rostfreiem Lochblech in der Form einer Tunika. Das Trumm soll die Stadt auch noch nach dem Ende der Wallfahrt verschönern. Für ein paar Euro kann man sich eine kleine Blechtunika kaufen, die dann von einem Angehörigen der Arbeiterklasse ans Lochblech geschweißt wird. Mit dem Erlös soll eine Arbeitsloseninitiative gefördert werden. Auf dem Platz steht eine Rednerin, die die versammelten Pilger beschallt. Ich höre etwas von Ordnungspolitik, Kritik an der ausufernden Zeitarbeit, kämpferische Töne. So muß es beim ersten Mai auf der Gewerkschaftskundgebung gewesen sein.

Ich gehe schnell weiter, finde die kleine Straße, die zum Priesterseminar und zur Jesuitenkirche führt und stehe vor dem Grab Friedrich Speees. Der Fußboden ist durchbrochen, es scheint fast so, als könnte man hinunterrufen. Auf dem Grab liegen Blumen. Ich schlage vor, die linke Faust gen Himmel zu recken und hinunterzurufen: "Friedrich! Der Kampf geht weiter!" Ich lasse mich von einem Augenrollen überzeugen, daß das gefälligst zu unterbleiben hat. Ich bleibe noch etwas und freue mich, hier zu sein.

Sonntag, 29. April 2012

Von Glaubens- und Geschmacksverirrungen; der Tag der Diakoneuse


Die Kirche begeht heute den Tag der Heiligen Katharina von Siena. Der KDFB hingegen eher den Katherina Jefferts Schori-Tag, Lieblingsobjekt eines meiner Lieblingsblogs.

Das letzte überlebende Zentralkomitee auf europäischem Boden begeht heute auch den Tag der Diakonin. (Da streikt übrigens gerade mein Rechtschreibprogramm, Diakonin, sagt es mir, geht gar nicht: Versuchs mal mit Diakonisse. Et voilá: Das Rechtschreibprogramm ist katholisch! Oder genauer gesagt, christgläubig.)

Über Diakonissen hab ich mal was geschrieben. Über Diakoninnen (wieder streikt das Rechtgläubigschreibprogramm und verlangt definitiv: Diakonissen) noch nicht. Muß man auch nicht. Was der KDFB, InitiatorIn des Tags der DiakonIn schreibt, reicht völlig aus.

Ganz besonders erschüttert mich der Beitrag, den der KDFB-Zweigverein Schamberg zur Feier des Tages der Diakoneuse geleistet hat. Was sich beim Lesen dieses Entwurfs für einen Gottesdienst am Tag der Diakonin vor meinem geistigen Auge abspielt, läßt sich eigentlich nur noch durch eine volle Packung Edle Tropfen in Nuß schönfressen. Ein Schwarm mittelalter Damen in Hosenanzügen und AliceSchwarzerGedächtnisSchlabberKleidern gekleidet, die mit bunt gebatikten Tüchlein durch die Kirche wallen, handgehäkelte Besinnungstexte rezitierend, und gar schröckliche Liedlein singend:

Farben und Klänge,
neue Gesänge,
tastende Schritte
führ´n in die Mitte
werden zum Tanze
lassen das Ganze
ahnen und spüren!

Da ergreift mich schon irgendwie ein Schauder, nur ist es ganz bestimmt kein heiliger.

Meine Damen!

Ganz abgesehen von den gravierenden theologischen Bedenken, die an anderer Stelle schon erschöpfend dargelegt wurden, bedenken Sie doch bitte die nicht weniger gravierenden ästhetischen Bedenken, die sich hier auftun.

Ein Bischofshut, z.B. einst für einen tonsurierten Mönchscharakterkopf entworfen, sieht auf Dauerwelle einfach ganz verwegen aus.

Und bei einer Dalmatika - dem Gewand eines Diakons - handelt es sich keineswegs um eine für Damen geeignete Bekleidung, da sich diese bei einer Dame an den falschen Stellen wölbt und an den falschen Stellen eine schlichtere, sozusagen weniger pneumatische Körperform verlangt. Bitte bedenken Sie auch nicht zuletzt, daß die Schärpe eines Diakons, einst für einen Beamten am Hof des ägyptischen Pharao entworfen, bei Ihnen einen Körperteil umwindet, um den sich geeignetere Kleidungsstücke winden sollten. (Meine natürliche Schamhaftigkeit verbietet es, hier deutlicher zu werden.)

Kurzum meine Damen: es kleidet Sie nicht. Könnte das ein Argument sein?

Freitag, 27. April 2012

Katholikentag: Die Heilige Messe als Bückware


Den Begriff Bückware kann man möglicherweise nicht mehr als bekannt voraussetzen. Der Begriff stammt aus den Zeiten der Mangelwirtschaft während des 2. Weltkrieges und hielt sich in der Zeit der kommunistischen Planwirtschaft der DDR. Es geht um Waren, deren Angebot die Nachfrage bei weitem unterschreitet, so daß Ladenbesitzer die seltenen und kostbaren Produkte unter dem Ladentisch horteten, um sie nur auf Nachfrage und nur an erlesene Kunden herauszugeben. Dafür mußte sich dann der Verkäufer unter den Ladentisch bücken: Bückware somit.

Weitere Bedingung für die Entwicklung der Kategorie der Bückwaren ist die Abwesenheit einer Marktwirtschaft, die Angebot und Nachfrage durch den Preis regelt. Das Vorhandensein von Bückwaren weist in jedem Fall darauf hin, daß hinsichtlich bestimmter Waren das Angebot wesentlich geringer ist, als die Nachfrage, die Erhöhung des Angebots aber durch eine planwirtschaftlich agierende Administration verhindert wird.

Es erlaubt daher tiefe Einblicke in die Glaubensökonomie des deutschen Katholizismus, wenn die einzigen beiden Messen, die anlässlich des Katholikentages in der forma extraordinaria zelebriert werden, als Bückware behandelt werden. Die eine taucht im Programmheft überhaupt nicht auf, die anderen unter einem irreführenden Titel.

Für die bevorzugten Leser dieses Blogs darf ich daher einen ganz heißen Tip veröffentlichen:

Levitiertes Hochamt
in der außerordentlichen Form des römischen Ritus
Zelebrant Pater Bernward Deneke
Freitag, den 18. Mai 2012 18 Uhr
Maria Hilf, August-Bebel-Straße 49

Choralamt 
in der außerordentlichen Form des römischen Ritus
Zelebrant; Hochwürden Hendrick Jolie
Samstag, den 19. Mai 2012, 9 Uhr
Maria Hilf, August-Bebel-Straße 49

Das Levitierte Hochamt am Freitag taucht in der Rubrik "Veranstaltung aus Anlaß" und nicht etwa unter "Gottesdienst" auf. Das Choralamt am Samstag ist im Programmheft gleich gar nicht zu finden. 

Als Mitwirkender des Choralamtes am Samstag fühle ich mich natürlich im höchsten Maße dadurch geehrt, daß "unser" Choralamt ÜBERHAUPT NICHT ERWÄHNT WIRD. Offenkundig will man vermeiden, daß TAUSENDE GLÄUBIGE das kleine Kirchlein in der August-Bebel-Straße (TARNUNG!!! wer erwartet schon eine Kirche in einer nach dem Atheisten Bebel benannten Straße!!!) regelrecht ÜBERRENNEN!

Die Heilige Messe auf Augenhöhe mit klassischen Bückwaren-Produkten wie Rotkäppchen-Sekt: das muß einfach eine tiefere Bedeutung haben. Wo doch Rotkäppchen mittlerweile Mumm-Sekt geschluckt hat, und als Rotkäppchen-Mumm Blanchet, und dann Eckes und dann Geldermann und dann Nordhäuser Korn und mittlerweile der größte Wein- und Spirituosenkonzern Deutschlands ist. So kanns kommen.

Bei Gelegenheit des Studiums des Programmheftes fiel mir auf, daß der Titel "einen neuen Aufbruch wagen", der ja zunächst nach einer Parole des kirchlichen Progressismus riecht, und dazu noch doppelt gemoppelt ist (ist doch jeder Aufbruch "neu"), doch einen Bezug zum Evangelium hat, oder wenigsten haben soll. Auf Lukas 5,4 f. soll sich das Motto beziehen.
3. ascendens autem in unam navem quae erat Simonis rogavit eum a terra reducere pusillum et sedens docebat de navicula turbas 4. ut cessavit autem loqui dixit ad Simonem duc in altum et laxate retia vestra in capturam 5. et respondens Simon dixit illi praeceptor per totam noctem laborantes nihil cepimus in verbo autem tuo laxabo rete 6. et cum hoc fecissent concluserunt piscium multitudinem copiosam rumpebatur autem rete eorum 7. et annuerunt sociis qui erant in alia navi ut venirent et adiuvarent eos et venerunt et impleverunt ambas naviculas ita ut mergerentur
3. Da trat er in eines der Schiffe, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Lande wegzufahren; und er setzte sich und lehrte die Menge vom Schiffe aus. 4 Als er aber zu reden aufgehört hatte, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Höhe und lasset eure Netze zu einem Fang hinunter! 5. Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht hindurch gearbeitet und nichts gefangen; aber auf Dein Wort will ich das Netz auswerfen! 6. Und als sie das getan, fingen sie eine große Menge Fische; aber ihr Netz zerriß. 7. Da winkten sie den Gefährten, die im andern Schiffe waren, daß sie kämen und ihnen hülfen; und sie kamen und füllten beide Schiffe, so daß sie zu sinken begannen.
Duc in altum: das Motto des Apostolischen Schreibens novo millenio ineunte. Der katholische Doppel-Moppeltag birgt doch noch Überraschungen. Und es hat sicher seine Bewandtnis, daß die wirklich wichtigen Botschaften nur für den Eingeweihten zu entschlüsseln sind. (Bild: besagter Fischzug des Simon)

Donnerstag, 26. April 2012

Papstbefehl zum Kelchwort: Im Exzellenzcluster wackeln die Bärte


Es gibt Menschen, die wandeln als Karikatur ihrer selbst einher. Ein Münsteraner Theologieprofessor mit Kassengestell, über das weitgehend entlaubte Haupt gekämmtem Resthaar, existenzialistischem Schwarzhemd und dreizipfeligem Rauschebart:

Wow!

Also, wenn ich Unterzeichner des "Memorandums der Theologen" wäre, würde ich im maßgeschneiderten Dreiteiler in edlem Zwirn, rahmengenähtem Schuhwerk, Seidenkrawatte, stylischer Frisur (Kunstglatze kommt derzeit sehr gut), Designer-brille und Brioni-Mantel aufschlagen. Weil, wenn ich schon bescheuerte Thesen vertreten müßte, ich dabei nicht auch noch bescheuert aussehen wollte.

Aber die Münsteraner Propellerheads der deutschen Theologie kennen keine Gnade. Inhaltlich sowieso nicht.
Der Münsteraner katholische Theologe Prof. Dr. Klaus Müller sieht den Papstbrief zur Änderung der Wandlungsworte in der Messfeier als kirchenpolitisches Zugeständnis an extrem konservative Kreise. „Denn Benedikt XVI. räumt ausdrücklich ein, dass der bisherige Wortlaut des Kelchworts ‚mein Blut, das für alle vergossen wird…‘ eine Verschmelzung von Übersetzung und Interpretation ist, ‚die sehr wohl begründet war und bleibt‘“, sagte der Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster am Mittwoch. „Der Papst will die Schwelle für die Piusbruderschaft und andere weiter absenken, die die Änderung der Einsetzungsformel in der Messe schon lange fordern.“ Vor allem die von Rom getrennte Priesterbruderschaft lehne wichtige Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, auch die erneuerte Liturgie.
Daran stimmt eigentlich gar nichts. Papst Benedikt hält die "Verschmelzung von Interpretation und Übersetzung" schon mal gar nicht für angemessen - ganz im Gegenteil. Die Änderung der Einsetzungsworte fordert nicht die Piusbruderschaft, vielmehr fordert dies die von der Gottesdienstkongregation erlassene Instruktion "liturgiam authenticam" schon seit dem 7.5. 2001. Den Piusbrüdern geht hingegen die forma ordinaria völlig am Bürzel vorbei, so daß aus dieser Richtung logischerweise bisher auch keine Forderungen zu vernehmen waren.

Unter den Sätzen dieser Erklärung hab ich wirklich Probleme, mir den rauszusuchen, der mir am besten mißfällt. Wie wärs mit diesem:
Prof. Müller plädierte dafür, bei der bisherigen Übersetzung „für alle“ zu bleiben, statt wie vor der Liturgiereform von 1970 während der Eucharistiefeier „für viele“ zu sagen. „Woher will der Papst wissen, ob nicht auch die Evangelisten interpretiert haben“, fragte der Theologe. Den aramäischen Wortlaut Jesu hätten weder die Evangelisten noch die heutige Kirche gehört.
And again: Wow!!!
Kann man eigentlich kaum noch nacherzählen. Danach haben die Liturgierevolutionäre des Jahres 1970 den aramäischen Wortlaut der Einsetzungworte gehört, die die Evangelisten des ersten Jahrhunderts offenkundig falsch verstanden haben. Das ist echt cluster, aber bestimmt nicht exzellent.

Ich hoffe da ja wirklich inständig, daß man auch noch woanders Theologie studieren kann, als in Münster.

Wer sich wundert, warum ich diesen Artikel mit einer Karikatur von Wilhelm Busch illustriere, findet hier eine Erklärung.

Donnerstag, 12. April 2012

AIEEEK!!!!!!! DAS ARCHITEKTURELLE UND TEXTILE GRAUEN NAHT!


Nachdem Alipius auf diese wahrlich erlesene kirchenarchtektonische Abscheulichkeit hingewiesen hat, ein kleiner Link auf eine meiner Lieblingsseiten, die es sich angelegen sein läßt das vorwiegend TEXTILE GRAUEN insbesondere der anglikanischen Reformfraktion ungeschminkt und ohne Gnade an das Licht der Öffentlichkeit zu zerren.

Montag, 2. April 2012

Geistesblitz: Palmsonntag und ein Regenmantel


We did it. Wir haben am Sonntag den Tractus (das heißt übersetzt gaaaanz langes Lied) gesungen. Keiner ist eingeschlafen, die Menge der Gläubigen hat nicht gemurrt, vielmehr war es ganz mucksmäuschenstill in der Kirche. (Keinem ist aufgefallen, daß wir uns mehrfach "versungen" haben). Vor der Messe eine kleine Prozession halt nur in der Kirche und - weil wir eben so was nicht mehr haben - ohne Pluviale.

Ich habe mich eigentlich immer gewundert, warum die Priester in der gregorianischen Messe während des Asperges ein solches Dings tragen. Ein Pluviale nämlich. Kommt von (bininderschulemitlateingequältworden) pluvia. Regen. Der Priester tritt in der gregorianischen Messe also zunächst mal im Regenmantel auf. Verschwindet dann in der Sakristei und kommt in der Kasel gekleidet wieder. Warum?

Hier ein kleiner Hinweis. Darum. Weil nämlich in alter Zeit jede Messe mit einer Prozession begann. Die Prozession vor Beginn der Messe am Palmsonntag ist also gar nichts besonderes. Und weil Prozessionen im Freien stattfinden, braucht es eben ein Pluviale, einen Regenmantel. Später wurden die Prozessionen auf die paar Minütchen eingedampft, während denen die Schola das "Asperges" singt. Und in der nachkonziliaren Reform fiel dann dieses sowieso nur ganz kleinwinzige Prozessiönchen ganz weg. Auch die Pluviale landeten bei der Altkleidersammlung (oder wie das obige Prachtexemplar im Museum).

Ein Hinweis darauf, daß die Palmsonntagsliturgie auf sehr alte Traditionen zurückgeht, die offenbar vergessen sind. Wie ja auch der tractus, der in der Messe von Palmsonntag gesungen wird, musikalisch und liturgisch auf eine sehr alte Tradition zurückgeht. Sonntag also waren wir Jesus Christus ein ganzes Stück näher, wir sind auf seinem Weg gewandelt, dem Weg nach Jerusalem, und der Psalm der als tractus gesungen wird, ist der Psalm, den Jesus Christus am Kreuz zitiert: Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen.