Donnerstag, 26. April 2012

Papstbefehl zum Kelchwort: Im Exzellenzcluster wackeln die Bärte


Es gibt Menschen, die wandeln als Karikatur ihrer selbst einher. Ein Münsteraner Theologieprofessor mit Kassengestell, über das weitgehend entlaubte Haupt gekämmtem Resthaar, existenzialistischem Schwarzhemd und dreizipfeligem Rauschebart:

Wow!

Also, wenn ich Unterzeichner des "Memorandums der Theologen" wäre, würde ich im maßgeschneiderten Dreiteiler in edlem Zwirn, rahmengenähtem Schuhwerk, Seidenkrawatte, stylischer Frisur (Kunstglatze kommt derzeit sehr gut), Designer-brille und Brioni-Mantel aufschlagen. Weil, wenn ich schon bescheuerte Thesen vertreten müßte, ich dabei nicht auch noch bescheuert aussehen wollte.

Aber die Münsteraner Propellerheads der deutschen Theologie kennen keine Gnade. Inhaltlich sowieso nicht.
Der Münsteraner katholische Theologe Prof. Dr. Klaus Müller sieht den Papstbrief zur Änderung der Wandlungsworte in der Messfeier als kirchenpolitisches Zugeständnis an extrem konservative Kreise. „Denn Benedikt XVI. räumt ausdrücklich ein, dass der bisherige Wortlaut des Kelchworts ‚mein Blut, das für alle vergossen wird…‘ eine Verschmelzung von Übersetzung und Interpretation ist, ‚die sehr wohl begründet war und bleibt‘“, sagte der Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster am Mittwoch. „Der Papst will die Schwelle für die Piusbruderschaft und andere weiter absenken, die die Änderung der Einsetzungsformel in der Messe schon lange fordern.“ Vor allem die von Rom getrennte Priesterbruderschaft lehne wichtige Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, auch die erneuerte Liturgie.
Daran stimmt eigentlich gar nichts. Papst Benedikt hält die "Verschmelzung von Interpretation und Übersetzung" schon mal gar nicht für angemessen - ganz im Gegenteil. Die Änderung der Einsetzungsworte fordert nicht die Piusbruderschaft, vielmehr fordert dies die von der Gottesdienstkongregation erlassene Instruktion "liturgiam authenticam" schon seit dem 7.5. 2001. Den Piusbrüdern geht hingegen die forma ordinaria völlig am Bürzel vorbei, so daß aus dieser Richtung logischerweise bisher auch keine Forderungen zu vernehmen waren.

Unter den Sätzen dieser Erklärung hab ich wirklich Probleme, mir den rauszusuchen, der mir am besten mißfällt. Wie wärs mit diesem:
Prof. Müller plädierte dafür, bei der bisherigen Übersetzung „für alle“ zu bleiben, statt wie vor der Liturgiereform von 1970 während der Eucharistiefeier „für viele“ zu sagen. „Woher will der Papst wissen, ob nicht auch die Evangelisten interpretiert haben“, fragte der Theologe. Den aramäischen Wortlaut Jesu hätten weder die Evangelisten noch die heutige Kirche gehört.
And again: Wow!!!
Kann man eigentlich kaum noch nacherzählen. Danach haben die Liturgierevolutionäre des Jahres 1970 den aramäischen Wortlaut der Einsetzungworte gehört, die die Evangelisten des ersten Jahrhunderts offenkundig falsch verstanden haben. Das ist echt cluster, aber bestimmt nicht exzellent.

Ich hoffe da ja wirklich inständig, daß man auch noch woanders Theologie studieren kann, als in Münster.

Wer sich wundert, warum ich diesen Artikel mit einer Karikatur von Wilhelm Busch illustriere, findet hier eine Erklärung.

Kommentare:

  1. Aramäischer Wortlaut? Liegen da irgendwelche Evangelien in dieser Sprache vor? Sind diese Handschriften der Kirchenvätern bekannt gewesen? Mir schien es, sie seien für die Heiden und Diaspora-Juden auf Griechisch abgefaßt? Achja.

    Ich frage mich nun aber nicht, ob die Liturgieverformer echt glaubten, die Apostel wissen, was sie schreiben. Glaubten sie überhaupt an Beistand und Eingebung des Hl. Geistes beim Abfassen dieser Texte!?!?

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  2. Ihr habt ja alle keine Ahnung!

    Unsere Memorandisti haben eine Zeitmaschiene (nach den Plänen netter verfolgter Freimaurer aus den gotischen Dombauhütten oder so) und mit selbiger sind sie zu Jesus gereist und haben all das gehört was er wirklich gesagt hat, auch die Fortsetzung der Stelle mit der Frau die beim Ehebruch ertappt wurde:
    http://beiboot-petri.blogspot.de/?zx=7bb1a935f0537268

    Davon abgesehen finde ich es süß. wie die Herren sich winden und besorgt sind um ihre Schäfchen denen eine Änderung nicht zuzumuten ist
    Dem normale Novus Ordo Messbesucher wird doch jeden Sonntag eine eigenmächtige Änderung zugemutet, da könnte man doch mal wenigstens die Wandlungswort anständig sprechen und die Gemeinde zum Beten und Apostolat ermuntern, damit aus den Vielen dann doch Alle werden.

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  3. ... in Münster kann man Theologie studieren. Na klar! Auch in Tübingen (wenn's noch so ist, wie's mal war) und in Würzburg. Weiter fällt mir jetzt leider gerade nichts ein.

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  4. Kunstglatze sieht aber auch bescheuert aus!;-)

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