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Dienstag, 13. Mai 2014

Das ist nicht wurst: der European Song Contest als hate session.


Trocken nordisch analysiert, läßt sich der Sieg der Wurst bei dem European Song Contest recht einfach erklären.

Conchita verfügt über eine bemerkenswert kraftvolle, warme Stimme und hat offenkundig eine professionelle Gesangsausbildung absolviert. Wer genau hinhört, wird feststellen, daß schon Conchitas Gesangsstil reine Travestie ist. Vor wenigen Jahren trat die Wurst noch als Tom Goldfinger auf. Conchita imitierte die Sängerin des Titelsongs von Goldfinger, Shirley Bassey, sie beherrscht diese Technik fast perfekt, wie hier zu hören ist.

Der Song ist Dutzendware. Es handelt sich bei "Rise like a Phoenix" offenhörlich um die Filmmusik zu einem imaginären James-Bond-Film. Folgerichtig für einen Mann, der sich als Wiedergeburt von Shirley Bassey sieht. Bond-Titel-Songs sind stets nach einem einfachen Strickmuster gewirkt, teilweise sind die Bond-Titel nach der Methode des cut and paste zusammengeschustert, die Urheberrechtsstreitigkeiten um die Bond-Musiken sind jedem musikhistorisch Interessierten bekannt.

Um aus dem Einheitsbrei des Irgendwie-schon-mal-Gehörten herauszustechen, bedurfte es, wie Politiker es nennen würden - und Conchita denkt politisch - eines Alleinstellungsmerkmals. Auch der Auftritt als Transe hätte da nicht genügt, denn Transen sind nicht zum ersten Mal bei ESC-Wettbewerben aufgetreten.

Dieses Alleinstellungsmerkmal war zum ersten die Präsentation einer doppelten Perversion. Ein Mann, der singt wie eine Frau (Shirley Bassey), der sich kleidet wie eine Frau, aber einen Bart trägt wie ein Mann. Einzigartig. Werbetechnisch perfekt.

Zum zweiten war es die Selbstinszenierung als Rächerin der Unterdrückten, der angeblich diskriminierten Schwulen und Lesben, Conchita lieferte die perfekte melodramatische Inszenierung des verlogenen Betroffenheitskults der angeblich Benachteiligten, die in Wahrheit die Unterstützung des Juste Milieu genießen.

Zum dritten war es offenkundig massive politische Einflußnahme. Conchita mußte sich in Österreich keiner Auswahl stellen. Sie wurde durch das ORF ohne Wettbewerb ausgewählt, eine späte Folge der etatistischen Konstruktion des ESC, der seit seiner Gründung im Jahre 1951 als Grand Prix Eurovision de la Chanson von den staatlichen "Landesrundfunkanstalten" dominiert wird, den Staatssendern also. Denen ist es selbst überlassen, wie sie ihre Kandidaten auswählen. Der ORF entschied sich erstmals seit 1951 für eine schlichte Benennung. Angesichts der unübersehbaren politischen Dimension der Kandidatur ein kultureller coup d`état.

Zum vierten wurde Die Wurst durch den politisch-medialen Komplex massiv aufgebaut. Keine Zeitung, keine Zeitschrift, kein Sender, der nicht im Vorfeld über die bizarre Kandidatin berichtete, über ihren Mut, über ihren Symbolwert als Ikone von "Akzeptanz" (die Phase der bloßen Toleranz ist medial eindeutig überwunden), Frieden und Freiheit.

Zum fünften hätte der Wurst nichts Besseres passieren können, als der Konflikt zwischen der EU und Rußland über die Ukraine. Jetzt war sie auch noch das Symbol des "freien, toleranten Westens" gegen das "homophobe, autoriäre und imperialistische" Rußland. Wer sich die Show reingezogen hat, wer die Kommentare der Moderatoren gehört hat, die Buh-Rufe oder Beifallskundgebungen der Meute (ich lehne es ab, hier einfach von Zuhörern zu sprechen) wird den kriegerischen Unterton nicht überhört haben.

Die Voten aus dem katholischen Irland, dem katholischen Polen und dem orthodoxen Rußland wurden durch den ARD-Moderator mit hörbarem "Aha"aufmerksam registriert, so als ginge es um einen Fortschrittsbericht hinsichtlich der Déchristianisation des europäischen Kontinents. Der Pöbel - wie soll man ihn anders nennen - buhte bei jedem Votum für die beiden russischen Mädels, denen nun ja im Gegensatz zur Wurst gerade keine politische Parteinahme vorzuhalten war.

Abgesehen von der aggressiven kulturellen, religiösen und politischen Zielrichtung dieser Bewerbung gruselt mich die Namenswahl noch in besonderer Weise. Die Bedeutung des Namens Conchita dürfte auch einem nur angeblichen Südamerikaner bekannt sein. Der Vorname leitet sich ab von Concepción, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dez. Daß eine Person die aggressiv die Agenda der lesbischwulen Community vertritt, sich einen Vornamen gibt,  der auf ein hochkatholisches Fest, vielleicht das hochkatholischste und mit Sicherheit umstrittenste Fest der Kirche hinweist, halte ich für eine bewußte Provokation.

Daß Wurst auf Hanswurst anspielt, wird Tom Goldfinger vielleicht nicht bekannt sein. Aber wir sind ja nicht nur für unser bewußtes Handeln verantwortlich, sondern - seit Freud - auch für unser unbewußtes. Hanswurst ist wie sein Vetter Harlekin eine diabolische Theaterfigur. Sie repräsentiert den Widerspruch gegen die Ordnung. In Karnevalsspielen steht sie für das karnevalistische Thema der civitas diaboli. Man kann sich den Hanswurst wie den Harlekin durchaus mit Hörnern vorstellen wie eine andere Figur der commedia dell´arte, die Colombina diavolo. Der Hanswurst war in der Zeit seiner Entstehung keineswegs das harmlose Kasperle, das sich auf den Hanswurst bezieht, der Hanswurst ist Teil des Dualismus des Guten und des Bösen, der das mittelalterliche Theater und den Karneval beherrscht. Im Zuge der Theaterreform der Aufklärung verschwand diese Figur, das diabolisch-anarchische an dieser Figur war den Theaterreformern ein Dorn im Auge, das kleine Teufelchen mutierte zum lieben Kasper oder behielt seinen mörderischen Charakter in der englischen Punch and Judy Show.

Das feuerrote Bühnenbild habe ich nicht als Phönix erkannt, sondern als die Schwingen des Roten Drachen, aber das ist möglicherweise ja mein Problem.

Ich hatte am Samstag abend spät in der Nacht, nicht den Eindruck, einem Song-Contest beigewohnt zu haben, sondern einer hate-session.

Freitag, 1. November 2013

Causa Limburg: Der böse und der gute Bischof.

Die katholische Kirche baut. Gottlob. Würde sie nicht bauen, und hätte sie nie gebaut, es fehlten der Welt zahllose einzigartige Baudenkmälern, deren architektonische Qualität und kulturelle Höhe niemand ernsthaft bestreitet. Unter den 39 deutschen Stätten des Weltkulturerbes finden sich fünf Kathedralen, vier Kirchen und vier Klöster. Die Innenstadt von Regensburg, ebenfalls eine Weltkulturstätte, wird, wie die Stadt Lübeck von zahlreichen Gebäuden dominiert, die katholische Bauherren hatten.

Kirchliche Bauten sind niemals nur Zweckbauten. Auch ein Gemeindezentrum, das vorwiegend funktionalen Zwecken dient, wird immer auch "ad maiorem Dei gloriam" erbaut. Und so findet sich selbst in diesen nüchternen Zweckbauten meist mehr an "Kunst am Bau" als in jedem anderen Bauwerk, werden auch einfache Versammlungssäle mit aufwendigen Bronzetüren geschmückt, die den Glauben ihrer Erbauer darstellen.

Die Kirche hätte, würde sie den protestantischen Gebetsturnhallen nacheifern, einen Ruf zu verlieren.

Und so hat es denn auch seine Richtigkeit, wenn für das Ensemble auf dem Limburger Domberg einer der renommiertesten deutschen Architekten beauftragt wurde, Michael Frielinghaus, Präsident des Bundes Deutscher Architekten. Fachliche Kritik ist an diesem Bauwerk übrigens nie geübt worden, keiner der militanten Kritiker hat es auch nur gewagt, Zweifel an der Qualität des Entwurfs oder der Ausführung zu üben. Nein, das Gebäudeensemble wird vielmehr als vorbildliche Architektur gewürdigt. Vor allem die, wie immer. schwierige Verbindung vorbildlich restaurierter historischer Gebäude und moderner Neubauten ist nach Meinung aller fachkundigen Kritiker wohl geraten.

Und jeder, der ein wenig Ahnung von Qualitätsarchitektur und ihren Kosten hat, wird anerkennen müssen, daß die Kosten von voraussichtlich 31 Millionen Euro nicht unangemessen sind.

Die Qualitätspresse sieht das natürlich anders. So phantasiert die "Süddeutsche" (Haupteigner Dieter Schaub, Privatvermögen 1,1 Milliarden Euro) noch in einem Artikel 11.10.2013 von einer Kostensteigerung um das sechsfache. Faktenbasis: nicht vorhanden.

Kleiner Einschub: Ich habe es mir inzwischen zur Angewohnheit gemacht, darauf hinzuweisen, wer da schreiben läßt, diesmal Dieter Schaub. Warum eigentlich halten sich Milliardäre "linke" Zeitungen? Chesterton weiß es, Heribert Prantl weiß es natürlich nicht. Das würde ihm ja den Job kosten. Und Bruder Heribert haut ja in der causa Limburg ganz besonders heftig auf die Kacke.

Aber es gibt da noch ein anderes kirchliches Gebäude in der Bundesrepublik, daß sogar 40 Millionen gekostet hat, wo die selben Probleme zu bewältigen waren, und das ebenfalls als gelungen, vorbildlich und qualitätsvoll gerühmt wird.

Dieses andere Gebäudeensemble ist das teilweise neu gebaute, teilweise restaurierte Bischöfliche Ordinariat in Rottenburg. Es ist mit 38,6 Millionen Euro noch teurer als der Limburger Neubau. Auch hier waren die Kosten um Millionen Euro höher, als ursprünglich geplant. Auch hier hat man nicht gespart. Auch hier wäre es sicher billiger gegangen, hätte man davon abgesehen, auch schön und repräsentativ und nicht nur funktional zu bauen. Ein Plattenbau geht immer, anspruchsvolle Architektur hat ihren Preis. Auch hier gab es Kritik der Journaille. Sie fällt aber wesentlich dezenter aus, als im Fall Limburg.

Ganz persönlich finde ich beide Gebäudeensemble der katholischen Kirche würdig. Die katholische Kirche ist kein nebulös-geistliches Etwas, sie ist keine unsichtbare Kirche, das Zentrum ihres Glaubens ist die Gottessohnschaft Jesu Christi, der Höhepunkt ihres liturgischen Handelns ist die Anbetung des Heiligen Messopfers, das Sinnbild ihres Da-Seins ist die geweihte Hostie. katholische Kirchen sind steinerne Herbergen für das Tabernakel, das Zelt Gottes. Und die Pracht der Gotteshäuser strahlte auch immer auf die sonstige Architektur der Kirche aus.

Gegen den gleichfalls prachtvollen, sogar noch teureren Bau in Rottenburg gab es nun zwar Proteste, wie immer, doch waren sie mit dem Kampagnen-Overkill von Limburg nicht zu vergleichen.

Könnte es damit zusammenhängen, daß der Bischof von Rottenburg-Stuttgart stets so windelweich, so zeitgeistig-stromlinienfürmig, so liberalalomäßig daherkommt? Wenn man die verknurzte und vernuschelte Stellungnahme von Bischof Fürst zur unsäglichen Freiburger "Handreichung" für die wiederverheirateten Geschiedenen liest, weiß man, welchem "Lager" dieser Bischof zuzurechnen ist.

Könnten es damit zu tun haben, daß der eine, der Rottenburger, der "Hollow Elite" angehört, der andere, der Limburger, nicht?

Liest man den Schwarzwälder Boten, hat es damit zu tun, daß in Rottenburg kein Wohnraum gebaut wurde. Echt jetzt? Auch in Limburg macht die Wohnung des Bischofs nur weniger als ein Zehntel des Bauvolumens aus. Bleibt nur eine Erklärung - der unauffällige Bischof von R. der es nicht wagt, sein weises Haupt aus dem Zeitgeistschlammbambes zu erheben, hat einfach keine Feinde.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

causa Limburg: Der Kampf der Milliardäre für die "Arme Kirche"

In kaum einem anderen Presseerzeugnis wurde und wird so gnadenlos gegen den Limburger Bischof gehetzt wie im einstmals als konservativ geltenden "Focus". Kein Tag verging, da nicht irgendein Redakteur mit gehörig Schaum vor dem Mund gegen die "reiche" Kirche und den - wahlweise - Prunk- oder Protz-Bischof polemisierte.

Kaum ein anderes Presseorgan hat so intensiv und penetrant und unterhalb der Gürtellinie den Güllekübel über dem Bischof von Limburg ausgegossen.

Mit einer Artikelserie des progressiven Liberalen Kubicki ereicht die Kampagne des Focus ihrem pseudointellektuellen Höhepunkt. Schon mehrfach hat der Advokat Kubicki sein Forum in dieser Sache genutzt. Und heute erklärt uns der progressistische Anwalt Kubicki "Warum der Staat die Zahlung an die Kirche stoppen muß."

Der Vorschlag, den Kubicki unterbreitet, ist uninteressant, weil er praktisch jede rechtliche wie auch historische Grundvoraussetzung ignoriert, interessant ist allenfalls daß der Jurist Kubicki an eine - rechts-, verfassungs-, und völkerrechtswidrige - entschädigungslose Enteignung der Kirchen denkt und ihr das Wort redet.

Kubicki ist ja möglicherweise als Strafverteidiger nicht gerade der Spezialist für komplizierte Verfassungs- und Völkerrechtsprobleme. Aber ich unterstelle ihm, daß er seine Zuhörer bewußt nur unvollständig informiert. Hier die Quintessenz des Focus-Artikels:
Eine Lösung (für die Abgeltung der sogenannten Dotationen) könnte ... die Einrichtung einer Kommission beim Bundesfinanzministerium sein, die einerseits in einer Art Eröffnungsbilanz die 1803 verstaatlichen Kirchengüter bewertet und anderseits die Summe der seitdem an die Kirchen geflossenen Entschädigungen ermittelt. Dabei sollte transparent, offen und für jeden nachvollziehbar dargelegt werden, welchen Wert die Kirchengüter damals hatten und wie viel an bisherigen Zahlungen geleistet wurden. 
Eine Überprüfung dieser Zahlen durch sachverständige Dritte sollte selbstverständlich möglich sein. Am Ende dieses Prozess müsste der dann fällige Restbetrag abgelöst und somit der Auftrag aus dem Grundgesetz vollzogen werden. Dabei kann als Ergebnis auch herauskommen, dass mit den bisher geleisteten Zahlungen alles abgegolten ist. Die Steuerzahler haben es verdient, dass der Staat seiner im Grundgesetz verankerten Verpflichtung nachkommt und dieses Kapitel nun endlich abschließt.
Daran stimmt so gut wie nichts.

1. Kubicki verschweigt, welche Rechtsgrundlage die heutigen Zahlungen an die Kirchen haben: die Konkordate, die die Kirchen im 20. Jahrhundert abgeschlossen haben. Das für die Katholische Kirche maßgebliche Konkordat ist das Reichskonkordat von 1933, sowie die vorausgegangenen preußischen, badischen und bayerischen Konkordate.. Auch das Reichs-Konkordat sieht  wie die Weimarer Verfassung und das Grundgesetz die Ablösung der Dotationen in Artikel 18 vor:
Falls die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die katholische Kirche abgelöst werden sollten, wird vor der Ausarbeitung der für die Ablösung aufzustellenden Grundsätze rechtzeitig zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Reich ein freundschaftliches Einvernehmen herbeigeführt werden. Zu den besonderen Rechtstiteln zählt auch das rechtsbegründete Herkommen. Die Ablösung muß den Ablösungsberechtigten einen angemessenen Ausgleich für den Wegfall der bisherigen staatlichen Leistungen gewähren.
Festzuhalten ist dabei zweierlei: eine Ablösung setzt ein "freundschaftliches Einvernehmen" voraus und  die Ablösung muß dem Ablöseberechtigten (der Kirche) einen angemessenen Ausgleich für den Wegfall der bisherigen staatlichen Leistungen gewähren. Damit ist ein entschädigungsloser Wegfall der Zahlungen ausgeschlossen.

2. Es kann nicht darum gehen "welchen Wert die Kirchengüter damals hatten", sondern, wenn man schon von einer Enteignung ausgeht, darum, welchen Wert sie heute haben. Der Anspruch der Kirche ginge, legt man die heutigen Maßstäbe des Eigentumsschutzes von Verfassungs wegen zugrunde, auf Restitution ihres Eigentums.

3. Die Zahlungen an die Kirchen nach dem Reichsdeputationshauptschluß hatten gerade keine Entschädigungsfunktion, sondern sollten lediglich die wegfallenden Erträge aus dem enteigneten Vermögen ausgleichen. Die Staaten zahlten also nur die "Zinsen". Die Kirche war vor der Enteignung wirtschaftlich autonom, konnte also ihren Finanzbedarf, die Besoldung ihres Personals wie die Unterhaltung ihrer Einrichtungen aus den Erträgen des eigenen Vermögens bestreiten.

4. Gegenüberzustellen ist damit betriebswirtschaftlich nicht der "damalige" Wert der enteigneten Kirchengüter, sondern ihr heutiger Wert und ihr Ertrag über mehrere Jahrhunderte. Nur dieser Ertrag wäre mit den geleisteten Zahlungen der Staaten finanzmathematisch auszugleichen, ein  betriebswirtschaftlich praktisch aussichtsloses Unternehmen. Mit einem Überschuß, der als Tilgung zu verstehen wäre, von dem Kubicki ausgeht, ist in keinem Fall zu rechnen.

5. Die Zahlungen der Staaten reichten nämlich bereits im Lauf des 19. Jahrhunderts nicht mehr aus, um auch nur den laufenden Finanzbedarf der Kirchen sicherzustellen. Die Einführung der Kirchensteuer wurde notwendig, weil die Staaten ihre Zusagen nicht einhalten konnten oder wollten. Die Kirchensteuer wurde unter dem Protest der Kirchen eingeführt, die darauf hinweisen konnten, daß sie ja schon einmal bezahlt hatten, nämlich mit der Enteignung ihres gesamten Vermögens. Die Gläubigen wurde mit der Einführung der Kirchensteuer zum zweiten Mal zur Kasse gebeten.

6. Dieser Vorgang legt nahe, daß nicht einmal die wegfallenden Erträge ausgeglichen wurden. Von einer "Tilgung" des Werts des enteigneten Vermögens ist schon gar nicht auszugehen, das von Kubicki ersonnene Rechenexempel ist betriebswirtschaftlich nicht nur kaum durchführbar, sondern völlig überflüssig, weil das Ergebnis schon feststeht.

7. Art 138 WRV, der die Ablösung der Dotationen fordert, ist nie umgesetzt worden. Die Schwierigkeiten, die mit der Umsetzung verbunden wären, werden in der Rechtsprechung und Kommentierung vorwiegend als unlösbar angesehen. Eine entschädigungslose Einstellung der Zahlungen legt Art. 138 WRV nicht nahe. Nach Art. 138 sollte im übrigen nicht nur die Enteignung 1803 sondern auch diverse altrechtliche Verpflichtungen abgelöst werden, die zum Teil noch aus der Zeit der Reformation stammten. Ein sinn- und aussichtsloses Unternehmen.

8. Das Reichskonkordat hat, wie das BVerfG in mehreren Entscheidungen festgestellt hat, auch für die Bundesrepublik Geltung. Für die evangelischen Landeskirchen findet das Konkordat im übrigen entsprechend Anwendung. Die Verhandlungsparteien der Konkordate waren sich sehr wohl dessen bewußt, daß man besser von Entschädigung gar nicht erst reden sollte. Diese zu bemessen, hätte endlose und fruchtlose Ermittlungen und ebenso endlose Streitigkeiten provoziert.

9. Die Ablösung nach Maßgabe der einzig praktiblen Regelung, nämlich der des Konkordats, ist ein einfaches finanzmathemathisches Rechenexempel, bei dem die einzige Komplikation darin besteht, sich auf einen Zinssatz für die Ablösung einer zeitlich nicht befristeten Staatsleistung zu einigen. Finanzmathematisch ist dies nahezu banal. Es bedarf nur einer einzigen Zahl: Wie hoch sollte ein Kapitalbetrag verzinst sein, der zur Ablösung der Staatsleistung dient. Einigt man sich auf 3 Prozent, ist der 33fache Betrag zu zahlen. Rechnet man mit höheren Renditen, ist der Betrag geringer. In der Diskussion ist der Faktor 25. Macht 12 Milliarden Euro. Dies sind gerade einmal 2 Prozent der jährlichen Steuereinnahmen, keine unerschwingliche Summe.

Aber Kubicki geht es um etwas anderes. Wieder einmal soll suggeriert werden, daß sich die Kirche auch auf Kosten der Kirchenfernen "bereichert". Ein klassisches Thema, so recht nach dem Geschmack der Kulturkämpfer, deren Speerspitze schließlich nicht etwa der in diesem Zusammenhang teilweise zu unrecht gescholtene Bismarck war, sondern die Deutsche Fortschrittspartei, auf deren Tradition sich die FDP beruft. Nicht Bismarck, sondern der Polenhasser und Katholikenfresser Prof. Dr. Virchow, der - typisch Pathologe - den polnischen Katholizismus für eine Art auszumerzende Krankheit hielt, hat den Begriff des Kulturkampfes geprägt.

Der Kulturkampf führte im übrigen zu einer weiteren, im Sinne der Verfassung des Reiches und der Länder verfassungswidrigen Enteignung der Kirche.

Der liberale Herr hat also einen weiteren, den dritten Verfassungsbruch zu Lasten der Kirche im Sinne. Wie überhaupt die Liberalen den angemaßten Artikel einer "Verfassungspartei" völlig zu unrecht tragen. Den deutschen Liberalen sei angeraten, sich mit ihren Leichen im Keller auseinanderzusetzen, zu denen nicht nur der Kulturkampf, sondern auch der Annexionismus des hochverehrten Herr Naumann, sowie die Zustimmung zu Hitlers Ermächtigungsgesetz gehört. Reue und Einsicht, sowie die Bereitschaft hinfort nicht mehr zu sündigen, stünde den Liberalen, auch einem Herrn Kubicki, gut zu Gesicht. Andernfalls droht der endgültige Absturz in das politische Nichtsein.

Ich will zum Abschluß nicht vergessen, zu erwähnen, wer hier schreiben läßt. Der Focus gehört heute zum Konzern Hubert Burdas. Nach der Forbes-Liste der reichsten Deutschen aus dem Jahre 2007 steht Burda bereits auf Platz 18. Privatvermögen: 4,3 Milliarden US-Dollar.

In Abwandlung einer Kampfparole von Karl Marx könnten man also behaupten, daß die Expropriateure für die vollständige Expropriation der bereits Expropriierten schreiben lassen. In Deutschland kämpfen die Milliardäre für die "Arme Kirche", und behaupten sie stünden an der Seite des Papstes. Das verlogen zu nennen, wäre eine Untertreibung.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

casus Limburg: die Katze ist aus dem Sack, aber interessiert das wen?

Ich habe mir von meinem Hausarzt bestätigen lassen, daß ich nicht zu Paranoia neige. Und außerdem habe ich ja auf diesem Blog immer mein Vorbild vor Augen, Juan Francisco Maria de la Salud Donoso Cortéz y Fernández i Marqués de Valdegamas (dieser schöne Name mußte mal ausgeschrieben werden. Den frio politico, den kalten Politiker. Ich sach also mal ganz cool, völlig vorurteilsfrei und bar jeden Verfolgungswahns, daß es sich beim casus Limburg um eine koordinierte Medienkampagne eines Bündnisses der deutschen Medien-Plutokratie und des Neu-Deutsch-Katholizimus handelt.

Wenn ich hinter der Medienkampagne gegen Tebartz-Van Elst eine koordinierte Aktion von Memorandums-Professoren (Schüller), antikatholischen und linkskatholischen Journaillisten(Wensierski, Deckers) , "basisdemokratischen" Gremienkatholiken, und deutschkatholischen Heckenschützen (von Elst) in der katholischen Hierarchie selbst sehe, dann kann ich das inzwischen passabel begründen. Johannes zu Eltz, dem man wohl unterstellen muß, daß er der  Großwesir Isnogud des Bistums Limburg ist (das ist der, der immer Kalif werden will anstelle des Kalifen), hat nun die Katze aus dem Sack gelassen:
Am vergangenen Mittwoch hat der Papst eine merkwürdige und denkwürdige Entscheidung getroffen....Die Ambivalenzen der Regelung deuten in meinen Augen darauf hin, dass der Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland, in dem unserem Bischof eine wichtige Rolle zugedacht war, noch nicht entschieden und noch nicht zu Ende ist.
Das ist ja ganz richtig gesehen. Dem neuen Bischof von Limburg war die schwierige Aufgabe zugedacht, den Augiasstall, den sein Vorgänger Kamphaus hinterlassen hatte, auszumisten. Unvergessen, daß Kamphaus der einzige Bischof war, der sich der Forderung Johannes Paul II widersetzte, aus der staatlichen "Schwangerenkonflikberatung" auszusteigen und um der Klarheit der Botschaft der Kirche willen, keine (Abtreibungs-)Scheine mehr auszustellen, Schließlich wurde dem widerspenstigen Bischof ein Weihbischof vor die Nase gesetzt, der den Willen des Papst zu exekutieren hatte. Kamphaus, der Lieblingsbischof der deutschen Journaille, war selbst nicht in der Lage, dem Willen des Papstes, dem er Gehorsam gelobt hatte, Folge zu leisten. Im Konflikt zwischen dem Gehorsam zum Papst und der Loyalität zum linkskatholischen juste millieu ging der "tapfere" Herr Kamphaus doch wohl vor den Schreihälsen der antikatholischen Kampfpresse in die Knie. Oder war er selbst einsichtsunfähig. Das wäre doch zu dumm.

Es wäre jetzt nicht blogkompatibel, die Zustände in der Kamphaus-Diözese im einzelnen zu beschreiben, aber es genügt eigentlich zu wissen, daß Prof. Dr. Schüller, einer der Hauptinitiatoren des unsäglichen "Memorandums 2011" und einer der Hauptbetreiber der Kampagne gegen TvE über viele Jahre einer der engsten Mitarbeiter Kamphausens war. Schüller legte sein Amt in der Diözese bezeichnenderweise in dem Moment nieder, als TvE einen Pfarrer degradierte, der gemeinsam mit einem protestantischen Kollegen im Wetzlarer Dom eine Segnungsfeier für ein homosexuelles Paar zelebriert hatte. Daß der frühere Sprecher der knallliberalen WiSiKi, Hubertus Janssen Limburger Pfarrer war, also der Disziplinargewalt Kamphaus unterstand, gehört zum Bild.

Es war abzusehen, daß TvE sich in dieser Diözese zahlreiche Feinde schuf, unter anderem als er die Order Kamphaus widerrief, nach der auch Laien als Gemeindeleiter fungieren durfte.

Wie also funktioniert die koordinierte Aktion? Zunächst gewissermaßen auf Zuruf. Den bekannten Stichwortgebern, Wensierski vom "Spiegel", Deckers von der "FAZ" et. al. werden Informationen zugesteckt, die sie umgehend im gewünschten Sinn einsetzen.

Aber gibt es da noch mehr? Operiert da ein "Wir"? FAZ-Redakteur Deckers (es geht in diesem Interview um den "Abschuß" des Bischos Mixa) hat es uns verraten:
E.: Ihre Quelle sind frühere enge Mitarbeiter Bischof Mixas, wie erklären Sie sich das solche sensiblen Informationen gerade jetzt auf den Markt kommen. 
D.: Die Erklärung ist relativ einfach. Alle, oder die meisten und ich auch haben gehofft, daß dieses Faß, das jetzt aufgemacht worden ist, daß es zubleiben würde. Allerdings war diese Rückkehr Mixas nach Augsburg insofern orchestriert worden als in einigen Blättern der Springerpresse Informationen verhandelt wurden, die nur aus dem Umfeld Mixas kommen konnten, derzufolge Erzbischof Marx und Erzbischof Zollitsch den Papst mit getürkten  Informationen über einen mutmaßlichen sexuellen Mißbrauch gewissermaßen über den Tisch gezogen hätten. Und diese Version war am vergangen Sonntag zuächst in der Welt am Sonntag zu lesen, dann in der Bildzeitung und dann hat Mixa in der Zeitung "Die Welt" am Dienstag selber nachgelegt und diese Beschuldigung erhoben. Daß war dann für mich und für andere Kollegen das Signal, zu sagen gut jetzt, wenn man jetzt sozusagen diese Auseinandersetzung auf dieser Ebene sucht, dann kann er diese Auseinandersetzung auch haben.
Wer ist wohl "alle" oder "die meisten"? Wie darf man sich das vorstellen? Wahrscheinlich ganz schlicht, es gibt offenkundig eine eingespielte Koordination zwischen "Kirchenreformern" und der entsprechenden linkskatholischen und antikatholischen Journaille, die sich gegenseitig auf Zuruf, aber offenkundig auch nach Absprache, die Bälle zuwerfen. Im Fall Mixa war die Front noch nicht ganz geschlossen, die Springerpresse scherte aus - heute schert sie nur teilweise aus - aber die dramatis personae, die Gegenpäpste Deutschlands, sollten eigentlich heute allen bekannt sein.

Es ist der ewige Investiturstreit. Wer bestimmt wer in Deutschland Bischof werden kann und bleiben darf? Ist es der Papst? Sind es die Hilfstruppen der Neuen Kaiser, Wensierski, Deckers, Schüller, von Elst, WiSiKi, die seit je vom "antikatholischen Affekt" gekennzeichnete deutsche Presse.

Oder einmal anders gefragt - bestimmen die Familien Augstein(Spiegel), Markwort(Focus), Jahr(Stern), Springer(Bild, Welt, BamS), Mohn(Bertelsmann) - nicht nur, wer Bundeskanzler wird und wer nicht, wer in den Bundestag gewählt wird und wer nicht, sondern auch, wer in diesem Land Bischof werden darf?

Als naiver Jüngling trug ich dermaleinst ein "Enteignet Springer" - Button. Damals ahnte ich noch nicht, daß die Plutokratie erzkapitalistisch lebt, aber - soweit ihr die Medien gehören - links schreiben (läßt). Hätte mal früher Spengler lesen sollen. Oder besser noch Chesterton. Daß sich Hudge und Gudge bestens verstehen, habe ich damals nicht geahnt.
"A horrible supicion thas has sometimes haunted me: the suspicion that Hudge (der Sozialreformer) and Gudge (der Kapitalist) are secretly in partnership... Gudge the plutocrat wants an anarchic industrialism; Hudge the idealist provides him with lyric praises of anarchy. Gudge wants women workers because they are cheaper; Hudge calls the woman´s work "freedom to live her own life." (G.K. Chesterton, What´s Wrong With the World! London: Cassell, 1910)

Dienstag, 29. Oktober 2013

TvE und der "Stern": Die Porno-Postille will auch mal

Nun muß auch noch der "Stern" seinen Senf dazugeben. Womit denn in der unsäglichen Debatte über die Protz-, Prunk- und Bling-Bling-Kirche der Tiefpunkt endlich erreicht ist. Eines der Highlights des unsäglichen Artikels über die "unüberschaubar reiche" Kirche:
Als der damalige Papst Benedikt XVI im Bundestag auftrat, erklärte er den Volksvertretern, daß er demokratisch beschlossene Gesetze im Vergleich zum göttlichen Recht für zweitklassig hält. Letztlich ist die Kirche eine absolutistisches Gebilde in einem Land, dessen Souverän das Volk ist.
So what. Das ist jedenfalls die mit Abstand dümmste Interpretation der Rede Benedikts, die ich jemals gelesen haben.

Ich lese ja eigentlich außer der "eigentümlich frei", der "Vatican" und noch ein paar weiteren Kleinstzeitungen aus dem katholisch-konservativen Spektrum nur noch Auto-Zeitungen. Weil da Redakteure schreiben, die von dem Gegenstand, über den sie schreiben, wirklich Ahnung haben.

(Für den, der Benedikts Rede weder gelesen noch von ihr gehört hat: es geht in dieser Rede gerade nicht um "göttliches Recht" und "Demokratie", sondern um Naturrecht und Positivismus, um das Verhältnis von Natur und Vernunft, und es ging auch um die späten Erkenntnisse des großen Theoretikers des Rechtspositivismus, Hans Kelsen.) :

Der Artikel im Stern über die "Dunkle Macht" befaßt sich intensiv mit den Automarken, die unsere Bischöfe fahren (vorwiegend BMW, na klar, ist schließlich ein Auto, das die Überlegenheit der katholischen Kultur beweist) der Größe ihrer Wohnung und dem Kapitalbesitz der jeweiligen Diözesen. Wäre ja mal interessant, von der selben Journaille zu hören, welche Autos die wirklich Mächtigen unserer Gesellschaft fahren, und in welchen Häusern sie wohnen; die Plutokraten und Politokraten die die veröffentlichte Meinung im festen Griff haben. Welches Auto fährt Friede Springer? Und wo wohnt sie? Und wie stehts mit Reinhard Mohn? Oder Angelika Jahr? Alleine das Vermögen der Familie Jahr wird auf 2,4 Milliarden geschätzt. Friede Springer verfügt über ein Vermögen von 2,5 Milliarden Euro. Auch nicht so viel wie das Vermögen des reichsten Medienmagnaten Deutschlands, Reinhard Mohn (Bertelsmann). Dem gehören 6,5 Milliarden. Die reichste Diözese Deutschlands, Köln, verfügt angeblich über ein Vermögen von 166 Millionen. Peanuts. Wem eine Kirche wie der Kölner Dom gehört, der hat kein Vermögen, sondern einen Klotz am Bein.

Wo bleibt der investigative Journalist, der mal bei den Springers, Mohns und Jahrs in das Badezimmer kriecht?

Dienstag, 22. Oktober 2013

TvE und die 3-Pünktchen-Partei

Als ich noch ziemlich jung war, da hatte die F.D.P. noch drei Pünktchen, und manchmal wurde gelästert, das bedeute Fast Drei Prozent. Heute ist dieser Scherz Realität geworden.

Und warum das so ist, und wohl immer so bleiben wird, zeigt uns heute der liberale Hoffnungsträger Lindner. Das kirchliche Arbeitsrecht, "das das Privatleben der Beschäftigten" zensiere, passe nicht mehr "in die Zeit". Sagt er.

Für unbefangene Menschen hört sich das ganz harmlos an. Für befangene Menschen, zu denen ich mich unbedingt zähle, hört sich das nach einem Anschlag auf das Staatskirchenrecht an. Das regelt nämlich:"Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes."(Art 140 GG unter Bezug auf Art. 137 Weimarer Verfassung)

Dies bedeutet gerade nicht, daß die Religionsgemeinschaften auf ein eigenes Arbeitsrecht verzichten müssen, und schon gar nicht, daß die "Religionsgesellschaften" Menschen beschäftigen müssen, die weder die religiösen Überzeugungen ihres Arbeitgebers teilen, noch dessen moralischen Prinzipien. Die Katholische Kirche muß weder Atheisten noch Agnostiker beschäftigen, auch keine Muslime, Buddhisten, Taoisten, Konfuzianer, Vegetarier, Kommunisten oder Humanisten. Nicht mal Protestanten (was sie allerdings seit langer Zeit tut). Noch gilt die famose "Antidiskriminierungs"gesetzbarkeit der EU nicht für die Kirche. Die Kirche muß auch keine Ehebrecher und Anhänger der Homoehe beschäftigen.

Wenn die liberale Zukunft aus einer Rückbesinnung auf die jakobinische - antiklerikale -  Vergangenheit bestehen soll, dann wird sie wohl ausfallen. Denn wer nur mit den Wölfen heult, fällt in der zähnefletschenden Meute halt nicht weiter auf.

Montag, 21. Oktober 2013

"Wir sind Papst": das haben wir wohl mißverstanden

Gegen den Widerstand der deutschsprachigen Journaille kann niemand Bischof werden - siehe den casus Wagner - und niemand Bischof bleiben - siehe den casus Mixa.

Im Juni 2010 erschien ein Interview des Deutschlandfunks mit dem antikatholischen Aktivisten und FAZ-Redakteur Deckers, in dem dieser offen einräumt, daß Mixa einer konzertierten Intrige von linkskatholischen Heckenschützen und Journaillisten verschiedener linksliberaler Follitons zum Opfer gefallen ist. Das Interview ist im internet nicht mehr zu finden. Meine Mitschrift läßt sich hier nachlesen.

Vergleichbares ist im Fall Tebartz-van Elst nicht nur vorstellbar, sonder gewiß. Wer also ist Papst? Je nachdem, wie der Papst in Sachen TvE entscheidet, werden wir wissen, ob der Papst der Papst ist. Die historische Schlagzeile der Bildzeitung werden wir dann endgültig nicht mehr als lustigen Wortwitz, sondern als Drohung verstehen müssen.

Dienstag, 28. Mai 2013

Mein Gott Heiner: Heiner Geißler knutscht mit David Berger


Christenverfolgung lohnt sich.

Der Theologe David Berger hatte über Jahre seinem katholisch-konservativen Arbeitgeber sein Doppelleben verschwiegen. Als er von Dritten als aktives Mitglied der hochpromisken schwulen Datingszene geoutet wurde, verlor er seine Arbeit. In der Folge gelang es Berger, sich zur verfolgten Unschuld zu stilisieren, aus dem Betrüger wurde der hochgelobte Publizist, der der verlogenen katholischen Kirche "die Maske vom Gesicht" riß.

Der stets sprungbereite publizistische Antikatholizismus war schnell mobilisiert. Die Anti-kreuz-net-Affäre hat David noch einmal zu sensationeller Publizität verholfen. Die Aktionen der antikatholischen Qualitätspresse nahmen zeitweise den Charakter einer Hatz an, vor allem gegen Mitglieder des Netzwerks katholischer Priester. Gleichzeitig jammerte Berger, er werde bedroht - was offenbar gelogen war - während Priester, die sich nicht viel mehr haben zu schulden kommen lassen. als bei kreuz.net gelesen oder kommentiert zu haben, eine regelrechte Hetzjagd über sich ergehen lassen mußten, bis hin zu Bombendrohungen.

Dieses Filmchen, veröffentlicht von dem verdientermaßen eingestellten Portal Spiegel-TV, gibt das Klima dieser Hatz in athmosphärischer Dichte wieder. Wer sich da noch einmal einfühlen will, und über einen starken Magen verfügt, kann sich die Jagdszenen ansehen.

Für Berger hat sich die Katholikenhatz gelohnt. David Berger hat sich "neu erfunden", allerdings in einer Weise, die bei David Berger ganz bestimmt nicht neu ist. Sein Mitkämpfer Bruno Gmünder hat ihn ab Juni zum Chefredakteur der führenden deutschen Schwulen-Zeitung "Männer" gemacht.

Das Juni-Heft werd ich mir ganz bestimmt kaufen. Da schreibt nämlich mein katholischer Lieblingsschreiber, Heiner Geißler. Der uns immer sagt, was Jesus Christus heute sagen würde. Der Heiner hat ja, wie wir alle wissen, einen wesentlich direkteren Draht zum Herrn als wir alle. Jesus Christus wird sozusagen in unserer Zeit durch Heiner Geißler gechannelt.

Jesus Christus - ganz klar - wäre heute wie Heiner bei ATTAC. Vergeßt Leo den XIIIten, den Sozialistenfresser. Und Jesus Christus ist natürlich heute - anders hätten wir das ja auch nicht erwartet - für die Homo-Ehe.
Das "Männer"-Heft will eine Art schwuler "Stern" sein: mit Fotostrecken, Mode und Lifestyle neben politischen und gesellschaftlichen Themen. Diesen Kurs will Berger fortsetzen. In seinem ersten Heft gibt es ein Interview mit Heiner Geißler. Der CDU-Politiker wirft darin seiner Partei vor, ihren christlichen Grundlagen nicht gerecht zu werden, wenn sie die Homo-Ehe ablehne.
Ob sich der Heiner wohl die weiteren Angebote des Bruno Gmünder-Verlags angesehen hat. Vor allem die "Lover-Boy" Serie? Mit Texten wie:
Vorstadtlümmel:Weil Alex den BMW seines Vaters zu Schrott gefahren hat, darf er nicht mit ins sonnenverwöhnte Spanien. Er muss in den Ferien zu Hause schwitzen und soll das Geld für die Reparatur auftreiben. Zum Glück sorgt der knackige Arsch des Nachbarsjungen für Ablenkung – und bringt ihn auf eine schamlose Idee: Sein eigener Hintern müsste doch auch bares Geld wert sein
Schuljungenreport:Daniel steht kurz vor dem Abitur, aber statt zu büffeln hat er nur eins im Kopf: seine Mitschüler. Was als Tagträumerei beginnt, wird schnell geile Realität, und weil ihm die strammen Jungs aus dem Sportkurs nicht genug sind, lässt er sich auch von seinen Lehrern zeigen, wo’s langgeht. Ob in der Dusche nach dem Sportunterricht oder im Lehrerzimmer – Daniel lernt schnell, wer das Heft in der Hand hat.
Was uns nebenbei  zeigt, daß die Reform des § 175 ungeahnte neue Geschäftsfelder eröffnet hat. (Die "Sexarbeit" von Strichjungen war bis dahin strafbar). Und daß die Schwulenszene schon die Reform des § 174 StGB fest im Auge hat (wo das Schutzalter ja leider noch bei 18 Jahren liegt). Knapp rechtmäßig ist auch schon vorbei.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Grüner Parteitag: Genosse Yue Gen erläutert die nächsten Schritte

Der Große Vorsitzende erläutert die nächsten Schritte.
Ist es ein Zufall, daß die maßgeblichen Persönlichkeiten der Grünen aus der maoistischen Linken stammen? Jürgen Trittin ist ehemaliges Mitglied des maoistischen "Kommunistischen Bundes", Winfried Kretschmann ehemaliges Mitglied des "Kommunistischen Bundes Westdeutschland" (KBW).

Offenkundig nicht. Denn mit dem Ziel der Übernahme der ursprünglich ökoconservativen (Gruhl, Springmann u.a.) Grünen verfolgten beide Organisationen nichts anderes, als die entstehende Massenbewegung unfreundlich zu übernehmen. Auch die übrigen Kampforganisationen der extremen Linken, Spontis (Gruppe Revolutionärer Kampf in Person von Daniel Cohn-Bendet und Joschka Fischer), Anarchos (Claudia Roth als Managerin der "Ton Steine Scherben") verfolgten kein anderes Ziel. Es waren die egalitaristischen Linken, die alsbald die Partei überschwemmten und alles, was sich ihnen in den Weg stellte, niederwalzte. Im Bündnis mit den gleichfalls egalitaristischen Feministinnen und den ungemein einflußreichen Homolobbyisten, ebenfalls egalitaristisch ausgerichtet, haben diese Gruppen die letzten Überreste conservativen und libertären Denkens innerhalb der Partei geradezu zerkrümelt.

Dabei war doch das ursprüngliche Anliegen der Grünen, Umwelt- und Gesundheitsschutz so erzkonservativ, wie man es sich nur vorstellen kann. War es nicht Edmund Burke, der die Verengung des politischen Denkens des Rousseauschen "Contrat social" auf die Generation der lebenden Erwachsenen kritisierte? War es nicht Gilbert Keith Chesterton, der es ablehnte "to submit to the small and arrogant oligarchy of those who merely happen to be walking about".

Die Ökoconservativen verließen schon 1982 die Grünen und gründeten die wenig erfolgreiche ödp. Die Ökolibertären (prominentestes Miglied ist wohl der heutige Chefredakteur der Welt, Thomas Schmid) lösten sich Anfang der 90er auf. Was blieb, war der linke Sumpf. Kretschmann, ehemals ökolibertär, blieb standhaft und dient heute der am radikalsten egalitaristischen Partei als Feigenblatt.

Das auf dem Parteitag der Grünen verabschiedete Programm ist weit links von dem der SED. Während die noch immerhin den "Kapitalistenschweinen" 40.000 Euro im Monat belassen wollen, steuern die Grünen vermögenden Familien- Unternehmern mit Spitzensteuer und Vermögensabgabe und Wegfall des Ehgattensplittings praktisch alles Einkommen oberhalb von 80.000 Euro per anno weg.

Niemand soll mehr verdienen als ein Oberstudienrat. Die waren in ihrer Studentenzeit ja schließlich auch meistens beim KBW, woran ich mich noch sehr gut erinnern kann. (Die Rote Zelle Pädagogik war die kopfstärkste Bastion des KBW an der Uni, Juristen waren ausschließlich Spontis)

Daß die Grünen gleichzeitig noch die radikalsten Gegner der Familie sind (Kinder in die Krippe, Mütter in die Produktion, wie ja schon bei Mao selig) und bis hin zur offenen Verfassungsfeindschaft Gegner der Kirche, paßt ins Bild. Offenkundig übersieht man bei den ehemals stark von christlichen Basisbewegungen beeinflußten und von einem organisierten Katholiken (Kretschmann) und einer prominenten Protestantin (Göring-Eckhardt) repräsentierten Grünen gerne, daß sie eine antikirchliche Programmatik vertreten, die die ehemals traditionell atheistischen linken Parteien, etwa die deutsche Sozialdemokratie auf dem Hintergrund ihrer langen historischen Erfahrung niemals so vertreten würden.

Dienstag, 7. Mai 2013

Repent, Lauryn Hill, Repent! Warum Lauryn Hill in den Knast muß, und warum Strafverteidiger wirklich manchmal ganz bedauernswerte Menschen sind.


Lauryn Hill, die Sängerin der Fugees, wurde vor nunmehr 10 Jahren in den Vatikan eingeladen. Sie mißbrauchte ihren Auftritt für eine klassische hate session gegen die katholische Kirche. Ihre Ansprache vor den versammelten Prälaten, und - indirekt - vor dem hochverehrten Papst Johannes Paul dem IIten handelte von dem Mißbrauchsskandal, der damals die katholische Kirche erschütterte. Die Ansprache endete mit den Worten:
There is no acceptable excuse to defend the church.
Keine Gnade. "There ist no acceptable excuse"

Heute ist zu lesen, daß Lauryn Hill in Haft geht. Lauryn hat Einnahmen von 1,8 Millionen Dollar nicht versteuert. Geiz ist, wie Wollust, eine Todsünde. Und nun? "There is no acceptable excuse to defend Lauryn Hill?"

Der Kontrast zwischen der gnadenlosen Selbstgerechtigkeit gegenüber anderen, und eigener Straffälligkeit, und zwar über einen langen Zeitraum von mehreren Jahren, macht Lauryn Hill zur peinlichen Figur. Und ihre Verteidigung vor Gericht rührt mich zu Tränen. Nicht über die arme Lauryn Hill, sondern über den bedauernswerten Kollegen und Strafverteidiger, der diese selbstgerechte und offenkundig uneinsichtige Frau verteidigen muß, die vor Gericht auf die Tränendrüse drückt, dummdreist von "Sklaverei" plappert und sich selbst als Heldin preist, die den "Unterdrückten" eine Stimme verleiht.
"Someone did the math, and it came to around $600 million," she said. "And I sit here before you trying to figure out how to pay a tax debt? If that's not like enough to slavery, I don't know."
Spätestens nach diesem Spruch hätte ich der lieben Mandantin den Mund verboten. Aber es geht noch besser.
"I didn't make music for celebrity status," she told the court. "I made music for artistic and existential catharsis, which was not just necessary for myself but it was also necessary for the generations of oppressed people who hadn't had their voices expressed like I was able to do it."
Die Stimme der Unterdrückten, selbst Multimillionärin, die trotz ihres exorbitanten Einkommens über mehr als fünf Jahre ihre Steuern nicht gezahlt hat. Der bedauernswerte Kollege wird wohl all sein Talent, alle seine Redegewandheit aufgeboten haben müssen, um bei dem zuständigen Richter noch ein Urteil unterhalb lebenslänglich zu erwirken. Ich nehme mal an, daß er sich das gut hat bezahlen lassen. Mit einem satten Zuschlag als Schmerzensgeld.

Wen haben wir hier vor uns? Die peinliche Figur einer "Führerin der Unterdrückten", der "Stimme der Entrechteten", die ihre Millionen mit niemandem teilt, noch nicht einmal mit der Steuerbehörde, die einen legalen Anspruch auf einen  - in den USA eher bescheidenen - Anteil an ihrem Einkommen hat.

Unsere Sünden holen uns immer wieder ein. Auch die Sünde des Richtgeistes. Diese Frau saß vor Jahren zu Gericht über einen Papst Johannes Paul II, der, wie alle Päpste, arm und ohne jeden persönlichen Besitz gestorben ist.

Ich werde nicht für Lauryn Hill beten. Zeitverschwendung. Eine reuelose Sünderin ist nicht zu retten.

Sonntag, 28. April 2013

Grüner Parteitag: Den Staat als Räuberbande denken.

Aurelius Augustinus, älteste Darstellung

Wie wohl Augustinus und Leo der XIIIte den heute endenden Grünen-Parteitag kommentiert hätte?

Die Grünen haben eine lineare Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 45 % (bis 60.000 Euro Jahreseinkommen) und 49 % (ab 80.000 Euro Jahreseinkommen) beschlossen, bei gleichzeitiger Abschaffung des Ehegattensplittings. Gleichzeitig soll eine Vermögensabgabe von 1,5 % gezahlt werden, aus verfassungrechtlichen Gründen gedeckelt auf 35 % des Jahreseinkommens. Ein Gutverdiener - nicht etwa ein Bestverdiener - zahlt damit bis zu 84 % Einkommenssteuern per anno, und zwar unabhängig davon, ob er eine Familie zu ernähren hat, oder nicht. Die Grünen also, so schließe ich, sind die geschworenen Feinde des Privateigentums, der Familie und - die durch die Verfassung garantierten Sonderrechte der Kirchen im Arbeitsrecht sollen abgeschafft werden - der Kirche.

So hätte Leo den Parteitag kommentiert:
The right to possess private property is derived from nature, not from man; and the State has the right to control its use in the interests of the public good alone, but by no means to absorb it altogether. The State would therefore be unjust and cruel if under the name of taxation it were to deprive the private owner of more than is fair.
Und so Augustinus:
Remota itaque iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia?

Mittwoch, 13. März 2013

Schwarzer Rauch II: Die Morgige von gestern

Wenn der Spiegel über die Religion schreibt ist das - mit der löblichen Ausnahme gewisser Spiegel-Redakteure, die das Spektrum des Quotenkatholikschen abdecken - etwa so, wie wenn ein Alien-Reporter von einer fernen, fernen Galaxie, bewohnt von einer quallenförmigen Spezies, die sich von Arsendämpfen nährt, über das befremdliche Sozialleben zweifüßigerr Erdlinge schreibt.

Gar schröcklich, was über den theologischen Nachwuchs zu berichten ist. Er (der Nachwuchs) ist gegen Abtreibung, hält Homosexualität nicht für völlig normal, schon gar nicht für ersprießlich, eine junge Frau (oha!) hält Womynpriests für ziemlich überflüssig - das kann gar keine Zukunft haben das sind die "Gestrigen von Morgen". Weißer Rauch! Bitte! Aber subito!

Das Leben in der Sedisvakanz ist ein qualvolles Purgatorium für jeden katholischen Zeitungsleser.

Montag, 11. Februar 2013

Fratres carissimi - Benedikt tritt zurück.

Fratres carissimi

Non solum propter tres canonizationes ad hoc Consistorium vos convocavi, sed etiam ut vobis decisionem magni momenti pro Ecclesiae vitae communicem. Conscientia mea iterum atque iterum coram Deo explorata ad cognitionem certam perveni vires meas ingravescente aetate non iam aptas esse ad munus Petrinum aeque administrandum.

Bene conscius sum hoc munus secundum suam essentiam spiritualem non solum agendo et loquendo exsequi debere, sed non minus patiendo et orando. Attamen in mundo nostri temporis rapidis mutationibus subiecto et quaestionibus magni ponderis pro vita fidei perturbato ad navem Sancti Petri gubernandam et ad annuntiandum Evangelium etiam vigor quidam corporis et animae necessarius est, qui ultimis mensibus in me modo tali minuitur, ut incapacitatem meam ad ministerium mihi commissum bene administrandum agnoscere debeam. Quapropter bene conscius ponderis huius actus plena libertate declaro me ministerio Episcopi Romae, Successoris Sancti Petri, mihi per manus Cardinalium die 19 aprilis MMV commissum renuntiare ita ut a die 28 februarii MMXIII, hora 29, sedes Romae, sedes Sancti Petri vacet et Conclave ad eligendum novum Summum Pontificem ab his quibus competit convocandum esse.

Fratres carissimi, ex toto corde gratias ago vobis pro omni amore et labore, quo mecum pondus ministerii mei portastis et veniam peto pro omnibus defectibus meis. Nunc autem Sanctam Dei Ecclesiam curae Summi eius Pastoris, Domini nostri Iesu Christi confidimus sanctamque eius Matrem Mariam imploramus, ut patribus Cardinalibus in eligendo novo Summo Pontifice materna sua bonitate assistat. Quod ad me attinet etiam in futuro vita orationi dedicata Sanctae Ecclesiae Dei toto ex corde servire velim.

Ex Aedibus Vaticanis, die 10 mensis februarii MMXIII

BENEDICTUS PP XVI

Es fiel mir schon häufiger auf, daß die Übersetzung der Reden der Päpste in die deutsche und englische Sprache einen eigentümlichen Charakter haben. Dies beginnt bei der Übersetzung der Anrede. Heißt es im lateinischen Original "Carissimi" also "Liebste", in der italienischen Übersetzung entsprechend "Carissimi", im Französischen "Frères très chers", im spanischen "Queridisimos hermanos", so übersetzen die Angelsachsen und Germanen mit "Dear brothers" und "Liebe Mitbrüder". Meine Emotionen beziehen sich nun nicht wesentlich auf die Übersetzung, aber warum ist die deutsche Übersetzung eigentlich immer die schluffigste? Nicht nur "Liebe" statt "Liebste", sondern auch noch "Mit"brüder statt einfach nur "Brüder"?

Es hat mir immer in der Seele weh getan, daß dieser Papst, der wegen meiner späten Konversion zur katholischen Kirche im letzten Jahr des Pontifikates von Johannes Paul II auch biographisch "Mein" Papst gewesen war, von seinen "Mit"brüdern so wenig angenommen und so wenig unterstützt worden ist. Sagen wir es doch, wie es ist - abgesehen von vorschriftsmäßigen Floskeln, die einem deutschen Bischof ja nicht erspart bleiben, ist dieser so liebenswürdige, so feine, so kluge, so gebildete Papst von seinem deutschen "Mit"brüdern eher als Unglück angesehen worden.

Dabei war es doch dieser Theologenpapst, der am besten geeignet gewesen war, dem hochwissenschaftlich daherkommenden Neoatheismus (oder theologisch gesehen, dem Neoarianismus) die "eigene Melodie vorzusingen" um die "Verhältnisse zum Tanzen zu bringen".

Doch aus deutschen Landen kam etwa in der Kommentierung zu Benedikts Jesusbüchern nur Altbackenes und Altbekanntes oder - gar nichts. Und die große Rede Benedikts vor dem deutschen Parlament ist, wenn ich die Meinungsäußerung deutscher Politiker Revue passieren lasse - einfach nicht verstanden worden. Klassische Bildung geht der demokratischen Elite offenbar völlig ab.

Rückblickend scheint mir, als habe es der Heilige Geist mit uns Deutschen noch einmal im Guten versucht.

Der nächste Papst wird breitere Schultern haben. Daß nun ausgerechnet Bischof Müller, den man hierorts mit dem unübersetzbaren Begriff des "Urumbels" bezeichnen würde, Benedikts Position bei der Glaubenskongregation besetzt, könnte rein klimatisch darauf hindeuten, welche Statur der künftige Papst haben wird. Ich habe da eine konkrete Vorstellung, wer es werden könnte.

Freitag, 30. November 2012

Der neue Trend: Diakonie-Bashing und ein Vorschlag zur Güte

Zeitgleich in ARD und Wirtschaftswoche kann man in diesen Tagen eine wohl den dortigen Redakteuren zu Herzen gehende Geschichte sehen, hören oder lesen. Eine Frau Bernadette Knecht, Leiterin einer Kindertagesstätte in christlicher Trägerschaft, wurde, nachdem sie ihren Mann verlassen und sich einen neuen zugelegt hat, "gefeuert".

"Dort dürfen nur Christen arbeiten", heißt es bei dem öffentlich-rechtlichen Sender ARD, "doch finanziert werden diese Einrichtungen nicht aus Kirchengeldern, sondern fast ausschließlich vom Geld der Allgemeinheit."

Auch der Pfarrer, der in dieser Sendung interviewt wird, spricht nur vom "Geld vom Staat". Ein ziemlich laue Verteidigung.

Der Staat müsse ein Interesse daran haben, daß unterschiedliche Anbieter soziale Leistungen erbringen. Im übrigen werde die Caritas und die Diakonie nicht anders behandelt als die AWO und der DPWV, so der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Im Ernst? War da nicht noch was?

Ich muß bei diesem Bericht an Brechts Ausspruch denken, daß sich die Dummheit ganz groß macht, so groß, daß sie keiner mehr erkennen kann. Und alle plappern die große Dummheit nach. Aber schlüssig wären die Argumente der Frau Bernadette Knecht, ihres Arbeitgebers und des Herrn Meister nur dann, ginge man davon aus, daß die Steuern und die daraus bestrittenen Ausgaben einem Wesens namens Staat "gehören".  Daß dieses Wesen uns bezahlt, wo wir doch in Wirklichkeit dieses Wesen bezahlen.

Daß das Geld von uns Steuerzahler an den Staat fließt und mit einem gehörigen Abschlag für Bürokratie und dummes Zeug wieder zurück an die Bürger, sollte eigentlich jeder wissen, dem es gelungen ist, ggf. nach einem starken Kaffee, seinen Denkapparat in Gang zu setzen. Daß nicht nur Agnostiker und Atheisten, nicht nur Geschiedene, Alleinerziehende und Partner einer homosexuellen Lebenspartnerschaft, sondern auch katholische und evangelische Christen, treue Eheleute, verheiratete Eltern und Heterosexuelle Steuern zahlen, kann man annehmen.

Man kann sogar davon ausgehen, daß religiöse Menschen einen größeren Anteil an den steuerlichen Belastungen tragen, als andere. Denn entgegen einer landläufigen Meinung, sind gut ausgebildete, gut verdienende Menschen eher religiös geprägt und religiös praktizierend, als schlecht ausgebildete, geringverdienende, oder gar von staatlichen Leistungen abhängige Menschen. Man kann das in Untersuchungen wie Charles Murrays "Coming Apart" nachlesen.

Entgegen der gerne von organisierten Atheisten verbreiteten Theorie, daß es sich bei unreligiösen oder antireligiösen Menschen um die "Brights" handelt, handelt es sich rein statistisch gesehen eher um die "Dumbs". Es ist die ungebildete, unintelligente Unterschicht, die im statistischen Mittel häufiger areligiös ist, gleichzeitig seltener eine feste Arbeit hat, von Stütze lebt, in zerrütteten (die Journaille spricht da gerne von "alternativen") Familienverhältnissen lebt, und häufiger gegen die Gesetze verstößt.

Die "Stützen der Gesellschaft" haben nicht nur eine bessere Ausbildung, sind im Durchschnitt intelligenter, verdienen besser, arbeiten fleißiger, zahlen mehr Steuern, sie leben auch häufiger in "traditionellen" auf der "lebenswierigen" Ehe eines Mannes und einer Frau gegründeten Familienverhältnissen, und  - sie gehören häufiger einer Kirche an und gehen häufiger in die Kirche.

Auf dieser Basis können wir der "Wirtschaftswoche", der ARD, den Grünen, den Piraten, den "Laizisten in der SPD", und der Linken locker folgenden Deal unterbreiten: die Atheisten, Agnostiker, Karteileichenchristen, grün, piratisch, links und liberal Wählenden kriegen die auf Sozialeinrichtungen entfallende Steuerkohle - selbstverständlich an der Steuerprogression orientiert - nicht erstattet. Die Gelder werden in staatliche Kindergärten, Schulen etc. investiert. Denn der historischen Erfahrung entsprechend würde diese Klientel sonst dann wohl dieses Geld in Dreier-BMWs, Flachbildfernseher, und Kartoffelchips investieren. Oder hat schon mal jemand einen "humanistischen" Kindergarten, eine dementsprechende Schule, ein Krankenhaus, Altenheim, oder ein Hospiz gesehen?

Dem christlichen Rest wird das "Sozialgeld" erstattet, die Christen (vielleicht auch: die Religiösen) würden das zurückerstattete Geld wie seit je in Kindergärten, Schulen,  Krankenhäuser, Altenheime und Hospize investieren und würde damit voraussichtlich auf jeden Fall über die finanziell besser ausgestatteten und professioneller geführten Einrichtungen verfügen. Eine mehr als tausendjährige Erfahrung läßt sich schließlich durch nichts ersetzen. Und - wie gesagt - wir Christen haben die meiste Kohle, wir schaffen das meiste Geld ran.

Selbstverständlich dürften dann - um nur ein Beispiel zu nennen - die Redakteure der ARD und der "Wirtschaftswoche" nicht die christlichen Einrichtungen nutzen, nicht zuletzt um sie vor dem Anblick von Kruzifixen, Nonnen im Habit oder Pfarrern mit Römerkragen zu bewahren. Ganz nebenbei wäre damit auch endlich die "negative Religionsfreiheit" gewahrt.

Es herrschte also eitel Freude und Wonne.

Nur daß sich z.B. die nichtchristlichen Kindergärten bedauerlicherweise mit Kindern von Alleinerziehenden, aus zerrütteten Ehen und sozialen Randgruppen füllen würden, geleitet von schlecht bezahlten und schlecht ausgebildeten Kindergärtner_innen, daß sich die unterbezahlten Lehrer_innen der öffentlichen Schulen mit den nervenden Blagen der Unterschicht herumzuschlagen hätten um dann entnervt spätestens mit 50 in Rente zu gehen,  daß Krankenhäusern das sozial engagierte Personal und das Geld fehlen würde, in Altenheimen Insassen aus Geldmangel und Mangel an "Caritas" mit Drogen ruhig gestellt würden, und daß man sich die Hospize gleich sparen würde, um den alten Kranken stattdessen den Cocktail bieten würde, über dessen "nichtkommerzielle" Verabreichung in diesen Tag so engagiert gestritten wird.

Hört sich das jetzt vielleicht unchristlich an? Ganz genau. Aber ihr wolltet es nicht anders.

Mittwoch, 28. November 2012

Treiben Piraten, Grüne, Schwule, Linke die Kirche ins Meer?

Louis Duveau, Un messe en mer, 1793
Clemens Bittlinger, die falsche Schlange, die unsere protestantischen MitbrüderInnen und Mitschwesteriche an ihrem Busen nähren, hebt wieder ihr Haupt. In der Haßkamapgne gegen unseren Landpfarrer hat er die Stunde genutzt, um sich wieder einmal als verfolgte Unschuld zu verkaufen. Schade, daß der Artikel nicht mehr in vollem Wortlaut online steht, aber Clemens, mit tränenleerem Blick unter dem Kreuz ist schon sehenswert.

Kernsatz (O-Ton Bittlinger):
"Warum haben sich diese fanatisierten Zeitgenossen (gemeint ist die Blogozoese, die die Aktion "Katechismus für Bittlinger" initiiert hat) ausgerechnet den christlichen Glauben als Basis für ihre Hass- und Hetztiraden ausgesucht?" Denn mit Christus, folgert er selbst, habe all das nicht mehr zu tun, vielmehr gehe es um Katholizismus, Rechthaberei und Macht.
Das mußte mal gesagt werden. Katholizismus hat mit Christentum REIN GARNICHTS zu tun. Das haben die Deutschen Christen auch schon so gesehen. Die örtlichen evangelischen Christen sehen das übrigens ganz anders als der "Liedermacher" B. Bittlinger ist für seine Haßtiraden gegen Katholiken von seinen eigenen Oberen zurechtgewiesen worden. Man lädt ihn zwar zu diversen Veranstaltungen zwecks musikalischer Untermalung gerne ein, Ökumene machen aber andere, und sie machen es eindeutig besser. Nur Peter Steinacker stehe noch hinter ihm, wehklagt Clemens Bittlinger.

Paßt. War es nicht Peter Steinacker, der in der EKHN die Einsegnung homosexueller Lebenspartnerschaften durchgedrückt hat? Mit Argumenten, die mir - nunja ich bin ja theologischer Laie und vielleicht seh ich da ja was falsch - die Schuhe ausziehen? Steinacker war es übrigens völlig wurscht, daß er mit seiner Politik gerade die tiefgläubigen und engagierten conservativen Christen, unter anderem die Bundestagsabgeordnete Steinbach - aus der Kirche trieb.

Eine schöne Überleitung zum Thema Schwule und zum Thema Piraten und zum Thema Grüne. Das besondere Engagement der Grünpiraten gilt ja bekanntlich dem Kampf für Homoehe und "volle Gleichstellung" lesbischwulbitransgendermäßig geprägter "Menschen" (merke: wer Menschheit sagt, will betrügen). Lassen wir die offiziellen Begründungen (Menschenrechte, Gleichbehandlung, Nichtdiskriminierung) beseite, und beschäftigen wir uns mit der - zum Beispiel - Bedeutung folgenden Satzes, der inhaltlich von nahezu allen linksbewegten Kämpfern für lesbischwule Rechte geteilt wird:
Abweichende geschlechtliche oder sexuelle Identität bzw. Orientierung darf ferner nicht als Krankheit oder Perversion eingestuft werden.
Der Satz stammt aus dem aktuellen Programm der Piraten. Mit diesem Satz wird eine wissenschaftliche Meinung unter Kuratel gestellt, die noch bis Anfang der siebziger Jahre einhellige Meinung der wissenschaftlichen Psychologie war. Gesetzliche Initiativen, die Denk- und Forschungsverbote aussprechen, gelten gemeinhin als typisches Charaktermerkmal totalitärer Gesellschaften. Es soll also schon nicht mehr gedacht oder gesagt werden dürfen, daß ausgeübte Homosexualität krank oder pervers oder sündhaft sei.

Denkt man sich die Honosexuellenpolitik als Vehikel für den antichristlichen Kulturkampf (der Kulturkampf war nie nur antikatholisch, sondern in Deutschland auch antilutheranisch), so läßt sich leicht erkennen, was intendiert ist. Die Bibel wg. Römer 1, 26-28 nur noch als Bückware zum wissenschaftlichen Gebrauch und unter Vorlage des Personalausweises? Der KKK wg. Rdn. 2357 - 2358 nur noch mit Zensurbalken? So ähnlich kann man sich das vorstellen.

Aber es gibt ja noch andere Mittel, die Kirche aus dem öffentlichen Raum zu vertreiben. Die Grünen haben auf ihrem letzten Parteitag, zunächst unbemerkt, folgendes beschlossen:
BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, das Betriebsverfassungsgesetz dahingehend zu ändern, dass die Anerkennung als Tendenzbetrieb gemäß §118 BetrVG nur für Betriebe in kirchlicher Trägerschaft gilt, die mehrheitlich vom jeweiligen Träger finanziert werden.
Klingt harmlos. Der Beschluß ist auch auf den ersten Blick niemandem so recht aufgefallen. Bei jedem Juristen, aber auch bei jedem Kenner der atheistischen Szene schrillen aber bei diesem Antrag, der mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde, alle Alarmglocken.

Zunächst entspricht dieses Programm dem Lieblingsprojekt sämtlicher militant atheistischer Organisationen, von den "Laizisten in der SPD" bis zur Giordano-Bruno-Gesellschaft. Der Beschluß betrifft nahezu alle caritativen Einrichtungen der Kirchen von Kindergärten bis zu Behindertenwerkstätten, von Krankenhäusern bis zu Altenheimen, sie beträfe fast alle Tätigkeitsbereiche von Caritas und Diakonie. In keinem dieser Bereich mehr wäre der "Dritte Weg" der Selbstorganisation der Kirchen, der Verfassungsrang (Art. 140 GG iVm Art. 137 Abs. 3 WRV) hat, legal.

Denkt man weiter, wäre letztlich in diesen Bereichen von der christlichen Botschaft zu schweigen, die Kirche müßte auch militante Atheisten einstellen, sie hätte keinerlei Möglichkeit mehr, von ihren Beschäftigten zu verlangen, daß sie die Botschaft ihres Arbeitgebers in Wort und Tat teilen. Es gälte Streikrecht, es herrschte VerDi. Diese linksgrüne Frontorganisation hat kürzlich versucht, den Dritten Weg gerichtlich beseitigen zu lassen, und ist zunächst vor dem BAG gescheitert. Wären diese Initiativen siegreich, die caritative Tätigkeit der Kirchen wäre damit beendet.

Daß dieses grüne Vorhaben verfassungswidrig wäre, wird von den Betreibern unverblümt eingeräumt. Aber verfassungsändernde Mehrheiten lassen sich ja "organisieren". Wären die Christen in diesem Land wirklich in der Lage, dies zu verhindern? Bei nur 60 Prozent organisierten und gerade noch an die 10 Prozent aktiven Christen? Und abzüglich der Steinackers, Bittlingers, Käßmanns, Göring-Eckhardts und Kretschmanns (die beiden letzteren haben diesem Beschluß nicht widersprochen).?

Den Rest an kirchlicher Autonomie beseitigt dann der EGMR: er hat in einem vor kurzem ergangenen Urteil die katholische Kirche in Deutschland dazu verurteilt, einen geschiedenen wiederverheirateten Organisten weiterzubeschäftigen.

Die Entwicklung in Großbrittanien, wo die Kirche Adoptionsvermittlungseinrichtungen schließen mußte, weil sie nicht an Homosexuelle vermitteln wollte, könnte sich bei weiterer Entwicklung auch hier fortsetzen. Strafrechtliche Verfahren, gegen Pfarrer die Schwule "diskriminieren" gibt es z.B. in Schweden. Ein Pfarrer an den Pranger zu stellen - wie mit unserem Landpfarrer geschehen - ist ja jetzt schon möglich. Daß die Gegenseite in der Post schnüffelt, rührt niemanden. Verfassung und Gesetz scheinen kein Hindernis mehr zu sein.

Können wir uns eine Kirche vorstellen, die sich nur noch in Hinterzimmern trifft, weil Glocken und Orgeln stören, wo gewisse Texte aus der Bibel nicht mehr zitiert werden dürfen, ohne sich des Risikos eines "Antisdiskriminierungsverfahrens" auszusetzen? Die in ihren Kindergärten und Schulen, Ihren Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen auch militante Atheisten, bekennende und in einer LPartG lebende Homosexuelle, Ehebrecher und Polygamisten beschäftigen müsste? Eine Gesellschaft, wo das Tragen einer Soutane oder eines Habits strikt verboten wäre, weil es die "negative Bekenntnisfreiheit" beeinträchtigte? Ist es nicht schon Realität, daß ein Priester mit Soutane sich dem Risiko einer Beschimpfung als "Kinderficker" aussetzt? Daß christliche Demonstranten nur mit Hilfe der Polizei gegen einen heulenden und gewalttätigen Mob ihr Versammlungsrecht wahrnehmen können?

Um sich eine christenfreie Gesellschaft vorzustellen, braucht es so viel Fantasie auch nicht mehr.

Dienstag, 27. November 2012

Skandal! Der Heilige Vater schweigt nicht nur zur Odenwaldschule, sondern auch zu "kreuz.net"!

Als ich dieses Filmchen auf der Seite von Spiegel-TV dachte ich ja zuerst: mal wieder antikatholische Hetze im StürmerSpiegel-Stil. Nicht nur, daß der Papst an kreuz.net schuld ist, der Schlußsatz ist wirklich der Hammer

Und was sagt der Papst zu kreuz.net? Er schweigt.

Nun also wieder ein neues Label auf meinem Blog. Fürchte, daß ich das in nächster Zeit noch öfter nutzen werden.

"Anti-Katholizismus ist der Anti-Semitismus der moderaten Linken" (Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn) Obwohl, gehört der Spiegel angesichts der antijüdischen Ausfälle der unseligen Herrn Augstein jun. eigentlich noch zur "moderaten" Linken?