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Donnerstag, 8. August 2013

Veggie Day und Fastengebot: Katholisches Original und grünprotestantische Fälschung


Also wer noch immer nicht glaubt, daß er mit dem Veggie-Tag die Welt retten kann, der MUSS sich unbedingt diesen Film ankucken.

Und wer noch immer nicht glaubt, daß es sich wirklich um eine GLAUBENSFRAGE handelt, der MUSS umbedingt diesen Henryk-Broder-Artikel lesen.
... und jetzt gönnen wir uns am Donnerstag einen Veggie-Burger. Bei den Katholiken war das schon immer freitags der Fall, aber da ging es ja nur um einen religiösen Brauch, nicht um "Klimaschutz und Ernährungssicherheit". Verglichen mit den Grünen und ihrem Hang zum alltäglichen Totalitarismus ist die katholische Kirche eine libertäre Organisation mit Sinn für menschliche Schwächen.
Meine Rede seit Leipzig.Und Broders bösewichtige Witzischkeiten muß man sowieso immer lesen.

Doch mal ganz im Ernst. Der Veggietag ist in Wirklichkeit das Billigheimer-Angebot für Katholizismusverweigerer. Weil, katholisch ist halt nichts für Weicheier. und für Weicheier gibt es anstelle der katholischen Fastengebote eben den Veggietag.

Denn das katholische Fastengebot ist:

Viel, viel härter. Fleisch gibt es nicht nur nicht am Freitag sondern auch:
- während der Fastenzeit vor Ostern (40 Tage)
- während der Fastenzeit vor Epiphanias (zwischen dem 11.11. und dem 6.1, - 55 Tage)
- während der Quatembertage (nochmal 12 Tage)
- von Samstag abend bis zum Empfang der Eucharistie am Sonntag morgen
- natürlich jeden Freitag
zieht man Überschneidungen ab, sind das im Durchschnitt 145 Tage und keine schlappen 52.

Jedenfalls war das so vor den Liturgie- und sonstigen Reformen des 20igsten Jahrhunderts.

Das Fastengebot ist im übrigen:

Umweltschonender:

Fisch bleibt bei Katholiken erlaubt, also ein Nahrungsmittel, das in der Regel ohne zusätzlichen Verbrauch an Landfläche erzeugt wird. Die Ausnahmen von dieser Regel sind bekannt. Fischfarmen gab es - vor allem im Umfeld von Klöstern - schon im Mittelalter, ohne daß die Umwelt kollabierte, die Klimakatastrophe hereinbrach und die ausgebeuteten Massen verhungerten. Selbst Umweltorganisationen empfehlen wegen der umweltschonenden Erzeugung und der reichlichen Ressourcen den Konsum des klassischsten aller katholischen Fische; des Karpfen,

Gesünder:

Was die gesundheitlichen Vorzüge der katholischen Diät angeht, so sind sie erweislich der veganen weit überlegen. Nicht Vegetarier, sondern Pescetarier (die ihre Ernährung auf Gemüse, Getreide und Fisch beschränken) leben am längsten.

Intelligenter:

Fisch liefert die überlebenswichtigen und für das Ernährung des Gehirns essentiellen Omega-3 Fettsäuren. Was zu beweisen war: mit der Aufweichung des Fastengebots zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die katholischen Theologen erweislich immer dümmer geworden. Die evangelische Theologie war ja schon immer unterirdisch.

Zukunftsorientierter:
Die materialistische Einrichtung im Bestehenden, der partikulare Egoismus, war seit je mit Entsagung verknüpft, während der Blick des unbürgerlichen Schwarmgeists über das Bestehende hinaus, materialistisch zum Land von Milch und Honig schweift. (Adorno/Horkheimer, Dialektik der Aufklärung)
Richtig. Denn wir fasten nicht, um die Welt zu retten, sondern um christusförmig zu werden, um der Ewigkeit willen.

Eine der besseren konservativen katholischen Webseiten nennt sich übrigens Fisheaters.

Fischfresser gilt im angelsächsischen Raum als Spitzname für Katholiken. Lies nach bei Shakespeare:
I do profess to be no less than I seem—to serve him truly that will put me in trust, to love him that is honest, to converse with him that is wise and says little, to fear judgment, to fight when I cannot choose, and to eat no fish. (King Lear, Erster Akt, Vierte Szene)
Leider hat die Kirche verlernt, in einer protestantisch gewordenen Welt, die überwältigenden Vorzüge des Fastengebots bekannt zu machen. Der Veggie-Day ist jedenfalls eine billige und völlig dysfunktionale Kopie einer weit weiseren Speiseregel. (Aus meiner Serie: und die Kirche hat - wie immer - recht)

Mittwoch, 7. August 2013

Veggie-Day: Meine Tante Grete und das hygienische Zuchthaus

Pieter Bruegel: Veggie-Day auf dem Lande
Ich versuche mir gerade vorzustellen, was meine Tante Grete wohl zur Einführung eines Veggie-Days gesagt hätte. Oder was sie wohl zum grünen Bundestagsprogramm gesagt hätte, in dem das gefordert wird. Ich glaube nicht, daß ich mit ihr einen Programmpunkt wie den der Einführung der Homo-Ehe hätte auch nur ansatzweise diskutieren könnte. Tante Grete war nicht gewalttätig, das nein, sie überließ das Ohrfeigenverteilen ihrem Ehemann.

Auch Onkel Peter war nicht eigentlich gewalttätig. Es genügte eigentlich, sich vorzustellen, welche Wirkung eine von einem Zimmermann ausgeteilte Ohrfeige haben könnte. Der Vorschlag, einen Veggie-Day einzuführen, wäre jedenfalls durch unlösbare ökonomische Sachzwänge vereitelt worden. Erstens gab es im Dorf keinen Laden, der Müsli geführt hätte. Schon der Begriff des Müslis war völlig unbekannt. Zweitens wird frischgemolkene Kuhmilch binnen eines Sommertags sauer und meine Anwesenheit im Heimatdorf meines Vaters hatte vor allem den Zweck mein leichtes Untergewicht durch den regelmäßigen Genuß von kuhwarmer Milch zu bekämpfen. Drittens wäre mittelfristig der Schinkenspeck verdorben. Und viertens müssen die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Produktion aus der Haltung von 10 Hühner, 2 Kühen und vier Schweinen ja dem Konsum zugeführt werden.

Zum Frühstück also gar es Schinkenspeck und Schwarzbrot, sowie ein Hühnerei. Mittags Schweinerenes und Kartoffeln. Abends wieder Schinkenspeck. Ich kann mich an Gemüse und Salate erinnern, wenn auch nur dunkel. Schinkenspeck war m.E. wesentlich.

Der Versuch, mir Onkel Peter beim Konsum von Bircher-Benner-Müsli, Grünkernbratlingen und Bionade vorzustellen, gelingt mir nicht. Die Einreichung eines Scheidungsantrags wäre völlig undenkbar gewesen, so daß das Bircher-Benner-Müsli als Denkunmöglichkeit einzustufen ist.

Daß der extensive Milch-, Fleisch- und Eierkonsum ihrer Familie, wie die Grünen behaupten, nur durch Massentierhaltung, Naturvernichtung, Arzneimittelmißbrauch etc. aufrechterhalten werden könne, hätte meine Tante Grete mit einem Kopfschütteln beantwortet. Daß Schweinekoteletts für die Klimakatastrophe veranwortlich sein könnten, hätte Tante Grete sinnlich-praktisch widerlegen können, der heutige Pächter ihres kleinen Landbesitzes. Dr. K (heutzutage ist Landwirtschaft eine Wissenschaft) könnte es agrarökonomisch agrarwissenschaftlich widerlegen.

Nun ja, die Grünen haben wohl in ihrer Mehrheit noch keine Kuh von nahem gesehen und schwadronieren gleichwohl über die per se schädliche Massentierhaltung. Der "Veggie-Day" findet sich im Programmkapitel "Massentierhaltung-nein danke!". Daß Massentierhaltung nicht per se  artungerecht ist (die häufig von mir gehüteten Kühe meiner Tante Grete hätten dieser These entschieden widersprochen), könnte man ja wissen. Es sei denn, man lebt in einer Altbauviertel-Maisonette im Grünwählerviertel und der eigene Kontakt mit der Tiernatur beschränkt sich auf das Bressehuhn vom Szenerestaurant und die Haltung einer Hauskatze.

Der politische Inhalt ist vielmehr höchst religiös-politisch. Daß diese Religion von der Präses der Synode der EKD vorgetragen wird, hat was. Ihre Kurzfassung ist jedenfalls einer religionswissenschaftlichen Analyse bestens zugänglich.
60 Kilo Fleisch verbraucht jede BürgerIn in Deutschland in jedem Jahr. 
Klassische Polemik. 60 Kilo Fleisch klingt richtig eklig. 164 Gramm pro Tag hörte sich ja ganz anders an. Aussage: Fleischessen as such ist sündhaft.
Wir wollen in unserem Land aber keine Massentierhaltung mehr. 
Interessanterweise enthält das Programm keine Definition, was denn unter Massentierhaltung zu verstehen sei. Ist schon jeder Laufstall "Massentierhaltung". Zurück zur vermeintlichen Idylle der Anbindehaltung? Das wäre nicht nur romantisch, sonder tierverachtend.
Wir schlagen den Veggie Day vor, nicht weil wir das Fleisch essen verbieten wollen, es geht nicht um eine Zwangsveranstaltung.
Ja, die Dialektik des Dementi.
Wir leben auf Kosten derjenigen, deren Existenzen bedroht sind, weil beispielsweise der Regenwald abgerodet wird. Ein wöchentlicher Veggie Day in den Kantinen wäre ein großer Schritt für die Beendigung der Massentierhaltung und für eine gesunde Ernährung.
Als ich politisch laufen lernte, teilte sich die Welt der politischen Aktivisten zwischen Autonomen und Müslis. Die theologisch-politischen Implikationen waren mir damals nicht bewußt. Daß der Erfinder des Müslis, der calvinistische Schweizer Arzt Maximillian Bircher-Benner keineswegs nur eine schmackhaftere und gesündere Art des Frühstücks erfinden wollte, sondern eine Lebensreform nach mönchischem Vorbild anstrebte, läßt sich an der therapeutischen Orientierung der von ihm betriebenen Klinik nachvollziehen. Thomas Mann hat seine Erfahrung in dieser Klinik literarisch in seinem "Zauberberg" verarbeitet. Die Klinik, so Thomas Mann, sei schlicht ein "hygienisches Zuchthaus".

Da schließt sich der Kreis. Schon Luthers Theologie der "innerweltlichen Askese" war ja eine mönchische Revolte gegen die katholische Lebensfreude der Renaissance. In seiner moralischen Empörung über den katholischen Leichtsinn seiner Zeit wollte Luther die ganze Welt in ein Kloster verwandeln.

Das war dann nun aber noch die Zeit, da die Protestanten noch mit demonstrativem Wurstessen gegen das katholische Fastengebot protestierten. Offenkundig strebt in grünprotestantischer Gestalt die evangelische Lebensreformbewegung ihrer endgültigen Vollendung entgegen. Erst Frau Göring-Eckardt durfte das Werk Luthers vollenden, und uns selbst das Wurstessen noch verbieten.

Samstag, 12. Januar 2013

Erinnerung an die Zukunft: Ökumene statt Ökumiste 1861

Ernst Ludwig von Gerlach 1795 - 1877
Wenn Kirchenfürsten in Deutschland über Ökumene reden, vor allem das unsägliche protestantische Paar Nikolaus Schneider und Margot Käßmann, frage ich mich, ob es denn nicht anders ginge. Durch Zufall - oder im Kontext meiner stets intensiven Beschäftigung mit meiner Heimatregion Noaddeutschland - stieß ich da auf die Texte eines höchst politisch und allerhöchst christlich gesinnten Herrn aus dem 19. Jahrhundert: Ja, es geht auch anders. Nach vorne, nicht nach hinten:

1860 trafen sich in Erfurt prominente evangelische und katholische Christen zur wohl ersten ökumenischen Konferenz auf deutschem Boden. Das Treffen war nicht gerade ein Erfolg. Von offizieller Seite wurde das Bemühen um ein Bündnis zum Teil scharf kritisiert, auch Teile der Conservativen Partei, die auf dem Treffen prominent vertreten war, setzten sich von der Konferenz ab. Die wichtigste und einflußreichste Persönlichkeit der Conservativen Partei Preußens aber, Ernst Ludwig von Gerlach, verteidigte das Treffen.

Von Gerlachs Plädoyer für  eine evangelisch-katholische Zusammenarbeit sollte sich als geradezu prophetisch erweisen. Ein Jahrzehnt später zettelten der conservative Dissident von Bismarck und die liberale Mehrheit des preußischen und deutschen Parlaments den Kulturkampf an, der die katholische Kirche schwer traf, mit Folgen  für die Katholiken, die bis heute die Kirche in Deutschland schwer belasten.

Aber auch die Evangelischen verloren im Kulturkampf Einfluß und Selbständigkeit. Die mangelnde Einigkeit rächte sich. Es gelang Bismarck, der sich aus machtpolitischem Kalkül auf die Seite der prinzipiell kirchenfeindlichen im Kern jakobinischen "Altliberalen" geschlagen hatte, liberale Katholiken und conservative Katholiken, liberale Protestanten und conservative Protestanten gegeneinander auszuspielen. Beide Konfessionen verloren. Der Mitbegründer der Conservativen und ihr mit Abstand wichtigster Mann, Ernst Ludwig von Gerlach, geriet in die völlige politische Isolation. Aus Protest gegen die Eroberungs-Politik Preußens, gegen das, wie er es in Verketzerung des preußischen Staatsmottos nannte "suum cuique rapit", gegen die Sprengung des Bündnisses zwischen Österreich und Preußen, gegen den deutsch-deutschen, aber auch den deutsch französischen Krieg, in Opposition gegen den Kulturkampf des Dr. Virchow und des Reichskanzlers von Bismarck trat von Gerlach schließlich 1873 aus der Conservativen Partei aus und schloß sich der Zentrumsfraktion an.

Der deutsche Conservativismus, der in der Folge nationalistisch, schließlich gar antisemitisch degenerierte, starb 1873. Von Gerlachs politische Voraussagen trafen ein. Die deutsche Geschichte nahm den bekannten katatrophalen Verlauf.

Was von Gerlach über das Klima eines interkonfessionellen Gespräch sagte, halte ich für noch immer zukunftsweisend, und für noch immer unverstanden. Von Gerlach hätte niemals einer "Ökumene der Profile" das Wort geredet, ebensowenig der Ökumene der Indifferenz, der zeitgeistigen Gleichmacherei, des kleinsten gemeinsamen Nenners. Die Ökumene von Gerlachs war eine der heißen Herzen, keine des lauen Gewäschs:
Der Verfasser dieses Aufsatz sagt kein Wort gegen Kontroversen und Bekehrungseifer. Brennte die Bruderliebe erst heller und schärfer auf beiden Seiten, gerade dann würde wir mehr hören und sehen als jetzt von gutem Eifer auf beiden Seiten. nicht der Eifer um das Haus Gottes, der nach Joh. 2,17 den Herrn selbst gefressen hat, nicht der heiße Trieb, Seelen zu gewinnen, zerreißt die Kirche, sondern die kalte, tote Gleichgültigkeit, das leere, laue Nebeneinander-Existieren ohne Glauben und ohne Liebe. Indifferenz, nicht Intoleranz, - Lauheit, die der Herr ausspeit aus seinem Munde, - das sind die Krankheiten, an denen die Zeit und matt und krank ist, und an denen diesseits und jenseits die Kirche Gottes darnieder liegt.
Von Gerlach bezeichnete seine eigene religiöse Orientierung als "evangelische Katholizität", was aufwendig zu erklären wäre. Aber wer einen Blick auf und in die von von Gerlachs verehrten und geliebten König Friedrich Wilhelm des IV erbaute Friedenskirche wirft, kann einen spontanen Eindruck gewinnen.

Das Zerwürfnis zwischen von Gerlach und seinem einstigen Schüler von Bismarck war ein Jahrzehnt später fundamental. Eine Rede, in der von Gerlach die Rechts-, Staats-  und Kirchenpolitik des nunmehr "altliberal" gewandelten von Bismarck kritisierte, führte zu einem Strafverfahren und zur Entlassung des  auch von seinen Fachkollegen hochverehrten Richters und Präsidenten des Oberlandesgerichts in Magdeburg. In dieser Rede kritisierte von Gerlach die als Instrument des Kirchenkampfes eingeführte Civilehe.

Es lohnt sich die Rede durchzulesen. Man kann aus dieser Rede vieles lernen. Über das Verhältnis von Staat und Kirche (den "Laizisten" ins Stammbuch). Über das Verhältnis von Bismarck und Gerlach. (den Bismarck-Verehrern ins Stammbuch) Über "altliberale" Verlogenheit. (Den *piep*liberalen ins Stammbuch) Über conservativen Opportunismus und etatistische Verblendung. (den heutigen "Christdemokratien" ins Stammbuch) Über Raubpolitik (von Gerlach vergleicht Wilhelm den I. mit dem italienischen "Raubkönig" Victor Emmanuel, von Bismarck mit Cavour und Garibaldi) (den ochlokratischen Nationalisten ins Stammbuch).

1874, als diese Rede gehalten wurde, war der Kirchenstaat gefallen, der Kulturkampf war in vollem Gange. Die Conservativen Preußens - obwohl vorwiegend evangelisch - hatten vor 1870 um der Freiheit der Kirche willen die Existenz des Kirchenstaats politisch verteidigt. Nun verteidigte der letzte versprengte Conservative, die Religionsfreiheit der preußischen und deutschen Christen, nicht etwa nur der Katholiken.

Die Auseinandersetzung unserer Tage ist wieder einmal eine um die Einheit der Christen, wieder einmal um die Verteidigung der Familie, wieder einmal um die Freiheit der Religion. (Auch) auf diesem Hintergrund ist die Gestalt des Politikers von Gerlach geradezu atemberaubend aktuell.
Um es zum Schluß noch einmal klar zu sagen, was gerade den Politiker Gerlach für uns heute zu einer so atemberaubend aktuellen Gestalt werden läßt, das ist sein einsames Frondieren gegen Führertum und totalen Staat ("Staatsomnipotenz") um der konservativen Rechtsstaatsidee willen. Am 20. Januar 1873 hat Gerlach im Abgeordnetenhaus in die Kulturkampfdebatte eingegriffen und erklärt: "Die Staatsomnipotenz ist ein Leugnen Gottes, also auch des Eides. Damit fällt der Zeugeneid, der Fahneneid, der Amtseid, der Krönungseid." Der stenographische Bericht verzeichnet stürmische Heiterkeit. - Uns ist wahrhaft das Lachen vergangen, eher werden uns die Tränen kommen." (Hans Joachim Schoeps, Das andere Preußen, Berlin 1974, S. 92)

Dienstag, 11. Dezember 2012

Die nützliche Idiotin

Nützliche Idioten sollen nach Lenin die Menschen sein, die die kommunistische Ideologie zwar ablehnen, aber in ihrer Naivität oder ihrer Dummheit, auch wegen ihrer Geldgier dennoch faktisch das Geschäft der Kommunisten betreiben.

Nun haben wir ja eine Präses der Evangelischen Synode in Deutschland, die gleichzeitig Spitzenkandidatin der Grünen ist. Über die Grünen - denen ich 15 Jahre angehört habe - ist auf diesem Blog schon einiges gesagt worden. Das Sündenregister antichristlicher und antikirchlicher Initiativen der Grünen ist lang. Gerade ist auf den letzten Parteitag ein Beschluß mit überwältigender Mehrheit abgesegnet worden, der konsequent umgesetzt zur völligen - im übrigen verfassungswidrigen - Vernichtung der kirchlichen Autonomie im Bereich diakonischer Werke der Kirche führte.

Probleme oder so? Frau Göring-Eckardt sieht keine. Wirklich überhaupt keine.
FAZ:Immerhin ist Ihr Mann Pfarrer. Mit dem haben Sie zwei Kinder. Sie wollten den Grünen beibringen, dass es normale Familien mit Mutter, Vater, Kindern gibt. Wie schwierig war das?  
G-E-: Es ist vor allem mehr als zehn Jahre her. Ich habe mit einigen Gleichaltrigen bei den Grünen versucht, Familie als positiven Begriff zu etablieren. Familie ist für mich nicht allein die klassische Vater-Mutter-Kind-Konstellation, sondern auch die Patchworkfamilie oder die schwule Lebenspartnerschaft mit adoptierten Kindern oder auch lesbische Partnerinnen mit Kindern. Aber unabhängig davon konnte ich die Abneigung gegen den Begriff Familie nicht verstehen.
FAZ: Die Aktion von Pussy Riot in einer Moskauer Kathedrale fanden viele Grüne gut. Wie sehen Sie das? 
G-E: Ich habe mich dafür ausgesprochen, dass Pussy Riot den Preis der Lutherstadt Wittenberg bekommen sollten. Die friedliche Revolution in der DDR hat auch damit begonnen, dass in Kirchen Provokationen stattgefunden haben. Pussy Riot hätten an keinem anderen Ort eine solche Aufmerksamkeit für ihr Anliegen erregen können. Deswegen fand ich die Idee der Stadt Wittenberg gut, diesen Frauen den Preis für das unerschrockene Wort zu verleihen.
In unserer Gemeinde sieht sich unser Pfarrer der Hetze der versammelten Journaille ausgesetzt. Der evangelische Pfarrer und Macher gar schröcklicher Liedelein Bittlinger haut auch noch mal mit drauf. In Hessen zieht der christdemokratische Minister Grüttner, das Diakonische Werk Hessen Seit´an Seit´mit dem schwulen Aktivisten Volker Beck gegen die christliche OjK zu Felde.

Sind das die neuen "Deutschen Christen"?


Samstag, 10. November 2012

Da bin ich aber beruhigt: Pussy Riot ohne Lutherpreis nur...

München 1938

Wie soeben zu hören und zu lesen war, bekommt Mösenaufstand (denglish; Pussy Riot) trotz massivstem publizistischen Einsatzes und dringender Appelle nahezu sämtlicher Gut- und Bestmenschen dieser Republik

Nicht

den diesjährigen Lutherpreis. Martin Luther, wo immer er auch ist - vieles spricht für eine Existenz in dem aus lutherischer Sicht nichtexistenten Fegefeuer, was ja dann auch wieder egal ist, denn was nicht existent ist, kann ja dann auch keine Brandflecken verursachen - ist sicher sehr erleichtert, daß drei moralisch uneinwandfreien jungen Damen für eine aus Sicht der orthodoxen Kirche blasphemische, aus neuprotestantischer Sicht aber gaaaaanz toll mutige Aktion kein - auch das noch - Lutherpreis verliehen worden ist. Dafür wird aber nun eine gaaaaaanz toll mutige Initiative "Keine Bedienung für Nazis" ausgezeichnet. Wow! Schließlich

wimmelt

es auf unseren Straßen nur so von Braunhemden, die unbedingt ein Bier bei einem aufrechten Antifawirt saufen wollen.

Mich beschleicht allerdings irgendwie der Gedanke, daß die toll mutigen Wirte, lebten sie vor sagen wir mal nunmehr 74 Jahren, ganz andere Schilder an ihre Tür aufgehängt hätten. Und ich frage mich, was wohl mit den Wirten geschieht, die sich weigern, ein "Rassisten werden hier nicht bedient"-Schild an ihre Tür zu hängen.

Die Nachricht paßt ganz wunderbar zu der Info, daß Frau Göring-Eckhardt, Präses der Evangelischen Synode dieses glücklichen und von lauter mutigen, querdenkenden und entschlossen gesichtzeigenden  Menschen geradezu überbevölkerten Landes zur Spitzenkandidatin der Grünen gewählt worden ist. Warum, so frage ich mich, führt dies nun nicht zu entschiedenen und mutigen Initiativen wie der, den EKD- und den Grünen-Laden einfach zusammenzuschmeißen. So  in etwa in Gestalt einer ökopazilesbischwulgenderbitransevangeliantifasozialpussyriotischen gesamtdeutschen KirchenPartei oder Parteikirche, wo dann Sonntags neben der üblichen Predigt auch noch gleich die Delegierten zum nächsten Parteitag gewählt werden. Das würde doch vielen Menschen Wege ersparen, den CoZwo-Ausstoß vermindern und den ÖPEENNVAU ganz entschieden entlasten.

Nein, meine lieben protestantischen Mitchristen, mich erinnern diese Vorgänge leider an Zeiten, in denen ihr euch mehrheitlich bedauerlicherweise nicht der Mehrheitsmeinung Eurer ganz und gar unchristlichen Mitbürger widersetzt habt. Kommen Euch diese Schilder "Hier werden ... nicht bedient" nicht bekannt vor?

Paßt nicht? Google sagt die Wahrheit. Einfach den Satz "Juden werden hier nicht bedient" bei Google eingeben, auf "Images" klicken und staunen.

Und noch eine letzte Frage: woran erkennt ein antifaschistischer Kneipier wohl einen Rassisten? An Trachtenjanker, dirndlbekleideter Ehefrau und blauäugigblonder Kinderschar? 

Mittwoch, 8. August 2012

Jaschkophonie


Früher habe ich ja Hans Jochen Jaschke auch schon mal ein noadisch-deftiges "Halt den Sabbel" zugerufen. Aber einerseits ist das ja un-an-s-tändig, also ganz und gar nicht meiner und Hans Jochen Jaschkes hanseatischer Erziehung gemäß, und andererseits muß man einfach mal die positiven Seiten von Hans-Jochen Jaschkes Verlautbarungen sehen. Verfolgt Jaschke vielleicht ein geniales Konzept, nämlich die linksrotgrünschwulesbischeuromane Journaille in den Wahnsinn zu treiben?

Ha-Jo erzeugt einfach ein Maximum an Verwirrung auf der Seite des Feindes der katholischen Kirche. Wenn Jaschke so mal richtig den Sabbel aufmacht, weiß keiner am Ende, was denn nun eigentlich, ob die katholische Kirche nun, oder ob sie nicht, andererseits könnte man natürlich sagen, aber ganz im Gegenteil, also wenn Sie das so sehen wollen, nicht wahr?

So zum Beispiel:

Jochen Jaschke hat das Recht homosexueller Paare auf Gleichstellung betont.

Oho!

Zugleich spricht er sich gegen eine Gleichbehandlung eingetragener Lebenspartnerschaften mit der Ehe aus.

Aha!

Er könne zwar als juristischer Laie nicht beurteilen, ob die Ausdehung des Ehegattensplittings auf homosexuelle Paare angemessen sei.

Soso!

Wenn sich aber Homosexuelle in Liebe und Treue zusammenfänden und bereit seien, Verantwortung füreinander zu übernehmen, müsse das auch entsprechend rechtlich gewürdigt werden. «Ich bin dafür, dass hier gut überlegt und diskutiert wird, wie das aussehen kann.»

Oho!

Jaschke verteidigte in dem Zusammenhang die Forderung der katholischen Kirche an Homosexuelle, enthaltsam zu leben. «Wenn es um Sexualität geht, dann müssen wir mit unseren sexuellen Anlagen richtig umgehen, ob wir homo oder hetero sind. Dazu gehört auch die Enthaltsamkeit.»

Aha!

Allerdings dürfe man nicht von jedem Homosexuellen fordern, dass er das Ziel der Enthaltsamkeit erreichen müsse. In jedem Fall sei es besser, wenn ein Mensch in einer festen und stabilen Beziehung lebe, statt «vagabundierend» seine Sexualität zu leben, so der Weihbischof.

Oho!

Schon mancher soll bei dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln, den Verstand verloren haben.

Ist es denkbar, daß HaJoJaschke in Wirklichkeit der hammurgisch-katholische Piet Klocke ist? Der ist ja aus Brehm. HaJoJaschke aus Hammurch. Das stimmt mich nun wirklich. Also ich würde das anderseits. Gar nicht an zu denken, nicht wahr, oder doch?

Samstag, 19. Mai 2012

In echt: Katholikentag verleiht den aggiornamento-Preis

Eigentlich wollte ich ja heute ein bißchen über den Katholikentag witzeln. Aber das ist nicht nur unchristlich, wie uns heute Robert Zollitsch sagt, sondern auch völlig unmöglich.Witz lebt von der Überzeichnung. Im Kern ist jeder Witz eine Karikatur. Wie kann man aber Nachrichten wie die folgenden noch karikieren:
 Zum ersten Mal verleiht der Katholikentag in Mannheim den Aggiornamento-Preis. Auf dem ersten Platz: der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mit seiner "72 Stunden Aktion". In der Preis-Jury saßen unter anderem Erzbischof Robert Zollitsch und ZdK-Präsident Alois Glück.
Es ist auf den ersten Blick zu erkennen, daß diese Nachricht einfach nicht zu toppen ist.
Fleisch? – Nein, danke! Donnerstags verzichten die Mitarbeiter der Geschäftsstelle auf Braten, Wurst und Co beim gemeinsamen Mittagessen. Denn bei der Fleischproduktion entsteht jede Menge CO2.
Es wird selbst dem größten Humorathleten nicht gelingen, diese Info humoristisch zu überzeichnen. Davon abgesehen ist ja auch dieses Beispiel völliger Unkenntnis der christlichen Fastentradition ebenso unlustig wie die mit diesem Aufruf verbundene gleichzeitige Huldigung der Klimareligion unserer Tage. Die bietet übrigens alles, was die Religion auch bietet: Mülltrennung als Lebenssinn, die Kompostierung des eigenen Leibes im Friedwald als neue Form des Eingehens in die Ewigkeit, Ablaß und Vergebung unserer Sünden, sogar zum Sonderpreis:
Laut Berechnungen des Katholikentags ist ein Umweltausgleich schon für wenige Euro möglich. So könne beispielsweise eine Bahnanreise von Hamburg nach Mannheim durch das Pflanzen von drei Bäumen ausgeglichen werden. Für die gleiche Strecke per Auto wären sieben Bäume nötig. Pro neugepflanztem Baum setzt die Kirche Kosten von einem Euro an.
So preiswert war der Tetzel nicht.

Montag, 14. Mai 2012

Father Kung, the left-wing-wacko on the fringe speaks out

Dieser Papst wagt es sogar, sich vielfach gegen das Ökumenische Konzil - nach dem Kirchenrecht die höchste Autorität in der katholischen Kirche - zu stellen. Er gefährdet die Einheit der Kirche, indem er illegal ordinierte Bischöfe der traditionalistischen Pius-Bruderschaft ohne Vorbedingungen in die Kirche aufnimmt, obwohl sie das Konzil in zentralen Punkten ablehnen. So betreibt er die 'Rückkehr' der Konzilsfeinde, um einige hundert Pius-Priester zu gewinnen.
usw. usf.  Father Kung übertrifft sich mal wieder selbst. Die Empörung geht sogar so weit, daß er NICHT zum Katholikentag kommt. Da fehlt einem doch direkt was. Der Drewermann kommt ja auch nicht mehr. Ist wenigstens Uta Ranke-Heinemann da? Sonst lohnt sich doch sowieso kein Besuch. Außer zur Heiligen Messe am 19.5.2012 um 9 Uhr in Maria Hilf.

Sonntag, 13. Mai 2012

Wallfahrt nach Trier II: Friedrich! Der Kampf geht weiter!

Pilgerin, Messe der Piusbruderschaft 6. Mai 2012, Trier
Es ist nicht so, daß ich mich inzwischen zum Dauerwallfahrer entwickelt habe, aber aus Gründen, die ich ein andermal und auch nur vielleicht berichten werde, war ich am 6. Mai 2012 noch einmal in Trier. Noch einmal Alte Messe, noch einmal 3 Stunden anstehen, um den Heiligen Rock nur zu sehen, nur das Glas zu berühren, hinter dem der Rock ausgestellt ist. Das muß genügen. Mehr war im übrigen für die meisten Wallfahrer aller Jahrhunderte auch nicht drin.

Die Gregorianische Messe am 6. Mai richtet die Piusbruderschaft aus. Auch wenn die veranstaltende Diözese die Bruderschaft noch immer mit spitzen Fingern anfasst, und man sich selbstverfreilich beeilt zu betonen, daß die vollständige Wiedereingliederung noch nicht erreicht sei, wird auch die Piusbruderschaft in Trier willkommen geheißen. Die Messe findet - wie auch die gregorianische Messe mit Kardinal Brandmüller am 21. April - in St. Maximin statt. Die ehemalige Abteikirche dient heute als Turnhalle. Was nicht bedeutet, daß wir uns hier nicht an einem heiligen Ort befinden. St. Maximin ist, wie manch andere Kirche, wie der Petersdom selbst, auf einem antiken Gräberfeld errichtet, mit um tausend Gräbern. Eines dieser Gräber beherbergt den Bischof Agritius, der für die Überführung des Heiligen Rocks und die Reliquien des Heiligen Matthias gesorgt hatte. Ein zentraler Ort für Trier also, und nicht etwa ein Ort, an den man die Anhänger der Alten Messe "verbannt" hatte.

Außerdem gibt es wenige Versammlungsgebäude in Trier, die, wie heute, 2.500 Menschen aufnehmen können. So viele sind erschienen, offenbar nicht nur Mitglieder der Gemeinden der Piusbruderschaften, einige treffe ich wieder, die ich auch vor 15 Tagen getroffen haben.

Die Bruderschaft hat den Raum mit rot-goldenen Wandbehängen, Statuen, einem monumentalen Altar, vielen Kerzen und Blumen zu einem beeindruckenden Kirchenraum umgestaltet. Katholische Prachtentfaltung eben, wie auch das levitierte Hochamt, daß in diesem Raum zelebriert wird, die katholische Messe in ihrer ganzen liturgischen Pracht erstrahlen läßt. Bei der Wandlung schlägt eine Glocke. Ich wundere mich. Dieses Gebäude ist wirklich eine Heilige Turnhalle, ohne Orgel, Glocke oder irgendeine andere gottesdienstliche Ausstattung. Beim Hinausgehen entdecke ich einen fahrbaren Glockenstuhl, auch die Glocke hat die Bruderschaft mitgebracht. Unwillkürlich suche ich nach dem Giga-Sattelschlepper, mit dem die Brüder ihre Faltkathedrale transportiert haben, und finde nichts. Ein Wunder, offenkundig.

Wie auch bei dem Gottesdienst der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften fällt auf, daß eine ungewöhnlich hohe Zahl von jungen Priester und Seminaristen anwesend ist. Anders als vor fünfzehn Tagen sind auch zahlreiche Nonnen und Mönche aus diversen Orden anwesend. Mir fällt die ungewöhnlich hohe Zahl von jungen Frauen auf, die "exzentrisch" gekleidet sind, also mit züchtigem wadenlangem Rock, mit langen Haaren, ungeschminkt und unaufgebrezelt, überhaupt ist dies eine junge Versammlung, junge Priester, junge Ordensangehörige, viele junge Menschen, kinderreiche Familien. Katholisches Leben, wie es noch vor vierzig, fünfzig Jahren ganz alltäglich war.

Auch die Alte Messe ist für diese Versammlung offenbar ganz alltäglich. Die Gesänge des Ordinariums singt hier keiner vom Blatt, auch wenn die besonders feierliche Gesangsweise der Osterzeit nicht ganz unkompliziert ist. Jeder weiß, was zu tun ist, beim "descendit de caelis" des Credo fallen alle auf die Knie, man erhebt sich, kniet wieder, erhebt sich, bekreuzigt sich, verneigt sich. Diese Versammlung ist eines Geistes. Faith is in the air. In Chor und Schola singen viele junge Stimmen, offenbar stellt das Seminar der Bruderschaft die Schola, die Mädchengymnasien den Chor. Ich bin gerührt. Ein Indianer weint nicht. Manchmal aber verquetscht er ein paar Tränen, die keiner sieht.

Die Predigt handelt von einem Thema, daß die Offiziellen der Wallfahrt peinlichst vermeiden. Es geht um die Echtheit der Tunika. Es geht um die Verehrung einer der bedeutendsten Reliquien der Christenheit. Der Prediger hält sich dabei nicht mit den durchaus interessanten Erkenntnissen der Archäologie und der Textilforschung auf. Sein Argument für die Echtheit des Heiligen Rocks ist beschämend schlicht. Insbesondere bei den großen Wallfahrten im Jahre 1891 und 1933 seien zahlreiche Wunderheilungen dokumentiert worden. Für diese Heilungen gebe es ärztliche Gutachten, 1891 seien elf medizinisch und wissenschaftlich nicht erklärbare Heilungen dokumentiert, 1933 sogar 40. Man habe sie nicht weniger sorgfältig untersucht, als die von der Kirche anerkannten Heilungen in Lourdes. Dies spreche unwiderlegbar für die Authentizität der Reliquie.

Der Ökumenereferent des Bistums sieht dies offenbar ganz anders:
Insbesondere den seitens evangelischer Christen wiederholt geäußerten Vorwurf der "Reliquienverehrung" gelte es zu entkräften. "Die Kirche von Trier verzichtet radikal auf die Frage der Echtheit. Sie betont den Symbolcharakter des Heiligen Rocks", 
Rrrrrrrradikal. Als ehemaliger Radikalinski zucke ich bei diesem Wort noch immer zusammen. Soviel zum Selbstbild der offiziellen Kirche. Es dominiert offenkundig in der Öffentlichkeit. Der theologische Eiertanz wird da nicht nur von den "Ökumenereferenten" geübt, sondern offenbar auch von einfachen Priestern:
Pater Johannes predigt: "Man kann den Heiligen Rock mit den Augen eines Skeptikers betrachten. Ist er echt? Wissenschaftlich beweisbar?" Er macht eine kunstvolle Pause und fährt fort: "Aber geht es wirklich um diese Fragen?" Kunstpause. "Nein, es geht um eine Begegnung mit Jesus. Er trägt das Kleid meines Lebens, der Kirche. Das Kleid der Armen. Tunika Christi!
Michel Friedmann berichtet das, und scheint sich doch ein wenig zu wundern. Ja so ist das, der moderne Katholik wallfahrtet nicht nach Trier, um eine heiligste Reliquie zu verehren, um einen Ablaß zu erwerben, oder gar, weil er auf ein Wunder, auf Heilung hofft, sondern um "mit den Füßen zu beten". Dies ist die banale Formel, auf die sich offenkundig die Ökumenereferenten aller Konfessionen geeinigt haben. Ich kann das nicht abstellen, ich stelle mir bei diesem dummdeutschen Satz eine ziemlich komische Sportübung vor, die vor allem ältere Menschen wohl vor unüberwindliche Probleme stellen dürfte.

Nach zwei Stunden ist die Messe zu Ende. Mittagszeit. Wieder steht ein junger Priester am Mikrophon und ruft zum Mittagsgebet: "Vater segne Diese Gaben, Amen, Amen". Ein Kinderlied? Ja, dies ist Volkskirche, so unverkrampft katholisch, wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe, als meine katholischen Mitschüler noch Heiligenbildchen tauschten, noch zur Beichte gingen, noch ihren Namenstag feierten, brav jeden Sonntag zur Kirche gingen, als der Herr Pfarrer und der Herr Kaplan noch Soutanen trugen.

Wieder im strömenden Regen beginnt die Wallfahrt, Vorneweg Priester und Ordensangehörige, dann der ganze Stolz der deutschen Piusbruderschaft, die Schülerinnen des Sankt Theresen-Gymnasiums. 2.500 Menschen auf dem Weg zur Tunika Christi, viele Priester in Chorhemd und Soutane, Ordensleute im Habit, Fahnen, eine Blaskapelle, singende und betende Menschen, junge Frauen in Schuluniform. In der Kathedrale soll eigentlich eine von der Bruderschaft gestaltete Andacht stattfinden, aber als ich ankomme, hat die Kapelle schon ihre Instrumente eingepackt, obwohl noch viele hunderte ankommen.

Die Mikrophonbesitzer halten eine der beliebten Themenmeditationen. Pädagogisch wertvoll, geistlich hohl, irgendwas mit Feuer. Abgeschlossen wird die Meditation mit einem zum Thema passenden Liedlein aus dem NGL-Repertoire zum Mitschnippsen: "Wenn wir das Leben teilen, wie das täglich Brot" - "Jesus Christ, Feuer, das die Nacht erhält."

Dammdadadammdammdadadammdammdadadaaaaaaaahh!!

Nach fünf Stunden Gregorianik und klassischem katholischen Liedgut wirkt das wie eine kalte Dusche. Ich bestreike das Neue Geistliche Liedgut ja gewohnheitsmäßig durch Nicht-Mitsingen und ernte von meiner Herzallerliebsten missbilligende Blicke. Heute aber bin ich nicht der einzige, es breitet sich eisiges Schweigen in der Kirche aus. Niemand singt mit. Daß man auch anders katholisch sein kann, als es die offizielle Pilgerbroschüre vorsieht, ist bei den Organisatoren offenbar nicht angekommen.

Ich bin da. Mir bleiben jetzt fünf Sekunden (Michel Friedmann hat das so ausgerechnet). Ich drücke meinen Rosenkranz an die Glasplatte und sehe wie kleine Kinder ihre Hand auf das Glas legen. Pilger haben sich das offizielle Andachtsbild besorgt und berühren mit den Bildern das Glas. Es ist, wie es immer war, beim Heiligen Rock. Und die klugen Literaten, die gebildeten Theologen, die berühmten Schriftsteller, die witzigen Satiriker, sie rümpfen die Nase. Auch das war zwar nicht schon immer so, aber doch schon sehr lange.

Das Pilgerheft der Bruderschaft enthält zu meiner Freude auch einen kleinen katholischen Fremdenführer über die vielen heiligen Stätten der Stadt. Zu meiner besonderen Freude entdecke ich, daß das Grab des hochverehrten Friedrich Spee zu Langenfeld sich in der Jesuitenkirche befindet. Der Autor der "Cautio criminalis", der neben Johannes Scheffler begnadetste katholische Hymnendichter des Barock, einer der größten Prediger und geistlichen Poeten vor dem Herrn. Da muß ich hin.

Auf dem Weg begegne ich wieder der offiziellen Kirche. Vor der Konstantinsbasilika steht eine sechs Meter hohe Plastik aus rostfreiem Lochblech in der Form einer Tunika. Das Trumm soll die Stadt auch noch nach dem Ende der Wallfahrt verschönern. Für ein paar Euro kann man sich eine kleine Blechtunika kaufen, die dann von einem Angehörigen der Arbeiterklasse ans Lochblech geschweißt wird. Mit dem Erlös soll eine Arbeitsloseninitiative gefördert werden. Auf dem Platz steht eine Rednerin, die die versammelten Pilger beschallt. Ich höre etwas von Ordnungspolitik, Kritik an der ausufernden Zeitarbeit, kämpferische Töne. So muß es beim ersten Mai auf der Gewerkschaftskundgebung gewesen sein.

Ich gehe schnell weiter, finde die kleine Straße, die zum Priesterseminar und zur Jesuitenkirche führt und stehe vor dem Grab Friedrich Speees. Der Fußboden ist durchbrochen, es scheint fast so, als könnte man hinunterrufen. Auf dem Grab liegen Blumen. Ich schlage vor, die linke Faust gen Himmel zu recken und hinunterzurufen: "Friedrich! Der Kampf geht weiter!" Ich lasse mich von einem Augenrollen überzeugen, daß das gefälligst zu unterbleiben hat. Ich bleibe noch etwas und freue mich, hier zu sein.

Samstag, 7. April 2012

Karfreitag: Kleine Rechtskunde für Piraten

Hinrichtung des Seeräubers Störtebeker auf dem Grasbrook in Hammurch
Ne, Piraten sind mir nicht sympathisch. Mit Piratenmären und der Glorifizierung von gewöhnlichen Dieben, Räubern und Mördern zu Widerstandskämpfern bin ich als Sohn einer Friesin groß geworden. Meine natürliche Neugier hat mich dazu gebracht, mich mit diesem Metier näher zu befassen. Die Seeräuber des Mittelalters machten keine Gefangenen. Die Mannschaften der gekaperten Schief wurden zur Belustigung der Mannschaft "über die Planke geschickt". Ihre Gegner waren mit dem Köpfeabschneiden auch ganz fleißig, aber sie waren wenigstens im Recht.

Eine Partei, die sich "Piraten" nennt, hat da schon einige Mühe, um bei mir Sympathien zu wecken. Zumal sich das Programm ja zunächst auf die Legalisierung des Diebstahls fremden geistigen Eigentums beschränkt. Viel mehr ist da ja nicht los, abgesehen von dem müffelnden Politikmüll, der sich inzwischen dort sammelt. Daß dazu die atjakobinischen Parolen der Déchristianisation gehören, war schon im Berliner Wahlkampf zu lesen.

Dabei ist mir ja die Abschaffung der Kirchensteuer ja gar nicht so unsympathisch, der Rest wie die Behauptung es gäbe da "finanzielle und strukturelle Privilegien einzelner Glaubensgemeinschaften" ist aus dem Programm klassischer antiklerikaler Vereinigungen geklaut.

Mit ihrer Aktion gegen das "Tanzverbot" an Karfreitag haben die Piraten ein hübsches Lehrstück geboten.
Das Landesgesetz greift aus religiös motivierten Gründen in unzulässiger Form in die allgemeine Freiheit ein.
Schon ein Blick ins Gesetz hätte die kleinen Jakobinerlein eines Besseren belehren können. § 8 des HFeiertagsG verbietet ja "öffentliche Tanzveranstaltungen", "öffentliche sportliche Veranstaltungen gewerblicher Art" sowie sonstige "Aufzüge und Umzüge" die nicht dem Charakter des Tages entsprechen nicht nur an Karfreitag, sondern auch am Volkstrauertag und am Totensonntag.

Folgt man der piratisch-grünen Logik greift die Regelung doch wohl auch an diesen beiden Tagen in die "allgemeine Freiheit" ein. Sogar aus noch viel böseren Gründen. An beiden Tagen wurde nämlich ursprünglich an die Toten des 1. Weltkriegs und der Befreiungskriege gedacht. Der Ewigkeitssonntag ist gar preußischen Ursprungs, also ganz und gar Autobahn, und wird ja nicht etwa von allen Christen, sondern nur von denen evangelischer Konfession begangen.

Zu Tanzdemos an beiden Tagen hat bisher noch keiner aufgerufen. Oder keine. Wie auch immer.

Der Piratin Marina Weisbands Beitrag zur Debatte spricht Bände. Was sagt uns der Liebling des deutschen Follitons?:
"Wir mobilisieren nicht gegen eine Religion, sondern dagegen, dass der Glaube Einzelner das Leben aller beeinflusst“, sagte sie vor dem Verbot in einem Interview der „Berliner Zeitung“. „Alle Katholiken können beten und besinnlich sein“, betonte Weisband. „Aber wir wollen nicht, dass außerhalb ihrer Sichtweite Tanzverbot herrscht, und rufen alle, die unsere Sicht teilen, übers Internet zum Mitmachen auf. Das ist Widerstreit der Ideen, ganz normale Demokratie“.
Da ließe sich einiges zu sagen. Würden sie nicht gegen eine Religion mobilisieren, hätte sie wohl nicht ausgerechnet an Karfreitag zum Flashmob mobilisiert. Tanzverbote gibt es in den Feiertagsgesetzen der Länder nämlich dutzendweis. Daß Karfreitag keineswegs ein katholischer Feiertag, sondern ein christlicher, sogar ein eher mehr evangelischer als katholischer hat Marina Weisband offenbar noch niemand erklärt. Und schließlich geht es ja nicht darum daß "außerhalb der Sichtweite" katholischer Christen nicht getanzt werden darf, das ist ja keineswegs verboten, es geht explizit um "öffentliche" Lustbarkeiten.

Vom Widerstreit der Ideen in diesem Zusammenhang zu reden, ist Nonsens. Es geht nicht um den "demokratischen Diskurs", sondern schlicht darum, daß es die Regeln des bürgerlichen Anstands gebieten, nicht Hulligulli zu machen, wenn der Nachbar trauert. Und daß diese Regeln des bürgerlichen Anstands nun einmal in Gesetzesform gegossen sind, ist nicht kritisierenswürdig sondern rechtsstaatlich völlig normal, so normal wie die Straßenverkehrsordnung und das bürgerliche Gesetzbuch.

Als im vergangenen Jahr die Grüne Jugend zur Tanzdemo gegen den Karfreitag aufrief, stießen auf dem Römerberg eine kroatische Karfreitagsprozession und die - welch Symbol - mit Kopfhörern drapierten autistisch zuckenden Junggrünen aufeinander. Eine veritable antikatholische Demonstration also.

Daß sich ausgerechnet Marina Weisband an die Spitze einer Aktion des Neuen Kulturkampfes setzt, hat dabei eine eigene Dramatik. Marina Weisband entstammt einer jüdischen Familie, die als jüdische Kontingentflüchtlinge - als aus religiösen Gründen Verfolgte also - aus der ehemaligen Sowjetunion flüchtete. Sie selbst bezeichnet sich als gläubige Jüdin. Daß eine junge Frau mit einem solchen Hintergrund Demonstrationen organisiert, die einen  unverhüllt antichristlichen Charakter haben, ist nicht zu verstehen. Die gläubige Jüdin Marina Weisband Seit´an Seit´ mit dem militant atheistischen "Bund für Geistesfreiheit"? Eine Mesalliance. Oder jugendliche Unbedarftheit, hoffentlich. Letzteres wäre ja noch zu beheben.

Freitag, 3. Februar 2012

Conversi ad Dominum



Auf dem Fragebogen, den mir das Bistum vorgelegt hatte, als ich vor nunmehr fast 10 Jahren in die katholische Kirche aufgenommen werden wollte, fand sich die Frage nach den Gründen, die mich bewogen haben, katholisch zu werden. In einem kurzen Moment habe ich allen Ernstes erwogen mit: "Alles so schön bunt hier" zu antworten. Und bunt, farbig und vielleicht auch ein bißchen überladen waren bisher alle Blogs, die ich gestaltet habe. Nun also ein Blog mehr schwarz und weiß, weniger Bilder mehr Text. Damit hat es seine Bewandtnis.


Ich habe auf dem Fragebogen schließlich geschrieben, daß ich meine, es sei Zeit, nach Hause zu kommen. Das trifft es wohl besser. Nur daß ich dieses Zuhause nicht immer und zu allen Zeiten und Gelegenheiten anheimelnd finde. Es war wohl naiv zu meinen, daß ich als Mitglied einer Familie, die wohl seit rund 500 Jahren lutheranisch gewesen war, bei der das typisch Protestantische gewissermaßen in den Genen verankert ist, einfach so ankommen könne. Auch jetzt, nach fast einem Jahrzehnt, fühle ich mich manchmal fremd, ecke mit meiner "evangelischen" Art an.


Vor allem die Neuerungen stören mich, und aus der (nachgeholten) Perspektive eines konservativen Lutheraners wirkt nicht nur die neue, von "nachkonziliaren" Aktionisten und Memorandisten vertretene linkskatholische Morallehre, sondern auch die nachkonziliare Liturgie, nun ja, unpassend. 


Stehen beim Empfang des Leibes Christi? Shocking! Vor Jahren nahm ich als Katholik an einer katholischen Messe in einer lutheranischen Kathedrale teil. Eine nordische Kathedrale, so typisch, wie sie nur eben sein kann, mit ihren riesigen Kandelabern aus poliertem Messing, mit den geweihten Schiffsmodellen, die dort hängen, als Opfer für die gute Heimkehr. Nun, die "Kommunionhelfer" umgingen die (lutheranischen) Kniebänke und teilten wie üblich den Leib Christi an die stehenden Gläubigen aus. Plötzlich, kurz bevor ich mich in dieser typisch nordeuropäischen Kathedrale heimisch fühlen konnte, fühlte ich mich sehr fremd.


Ich habe viele Jahre als katholischer Delegierter einem örtlichen Zusammenschluß der ACK angehört, gewissermaßen als geborener Ökumeniker. Der ich ja auch bin, doch anders, als meine Mit-Mitglieder meinen, daß ich sein müßte. Die Vorstellung, die katholische Kirche sei im protestantischen Sinne zu reformieren, ist mir völlig fremd. Auch die Idee, alles sei gut, wenn die Katholischen ein bißchen protestantisch werden, die Evangelischen ein wenig katholisch, halte ich im besten Fall für die schwache Idee schwacher Geister. Ich meine vielmehr, daß mit dem Protestantismus die katholische Kirche etwas von sich abgespalten hat, das Teil der Kirche war.


Karfreitag sei das höchste evangelische, Ostern das höchste katholische Fest. So hört man. Das ist Unfug. Das Thema aber will ich gerne vertiefen. Über "Reformen" über "Ökumene" über Evangolen Und Kathogelen, möcht ich gern noch was schreiben. Vielleicht mag es ja jemand lesen.