Sonntag, 15. April 2018

Was die "Westmächte" und die Islamisten dieser Welt gemeinsam haben: sie sitzen auf dem absteigenden Ast

Als der Angriff der "Westmächte" Frankreich, Großbritannien und U.S.A. auf ein paar Parkhäuser in Damaskus stattfand, saß ich im Zug und las das Buch meines Lieblings-Statistikers Hans Rosling "Factfulness". Nichts geschieht aus Zufall.

Hans Rosling, der von seinem offiziellen Titel her Professor für Öffentliches Gesundheitswesen am Karolinska Institutet in Schweden ist, der größten medzinischen Universität Schwedens und einer der renommiertesten medizinischen Forschungseinrichtungen der Welt, hat sich in den letzten Jahren seines Lebens vor allem damit beschäftigt, durch die Welt zu ziehen, und seinen Zuhörern die Welt zu erklären, so wie sie wirklich ist.

Professoren tun das immer, sollte man meinen. Aber Hans Rosling hat bei seinen Vorlesungen vor jungen Studenten vor Jahren festgestellt, daß seine Studenten sich die Welt so vorstellen, wie sie war, als ihre eigenen Lehrer die Schule verließen. Noch immer ist bei den meisten Menschen aus den reichen westlichen Staaten die Zeit nicht weitergegangen. Nicht nur bei jungen. westlichen Studenten, deren Lehrer es offenbar versäumt haben, sich auf den neuesten Stand zu bringen, sondern auch bei sehr gebildeten Menschen, Gelehrten, sogar Nobelpreisträgern, und sogar oder sogar vor allem bei Journalisten.

Fragt man den durchschnittlich informierten "Westler", so ist er der Meinung, daß sich die Welt spaltet in die reichen, vorwiegend christlichen Staaten, die sich unter anderem im Nordatlantikpakt zusammengeschlossen haben, und den armen Rest. Der "freie Westen" ist reich, die Familien sind klein, der "Rest" ist arm und bedroht uns durch seinen Kinderreichtum, durch die vielen, vielen in ihrer Heimat chancenlosen jungen Männer, die mit Gewalt in den reichen Westen vordringen und uns je nach Sichtweise "arabisieren", "islamisieren" oder "afrikanisieren" wollen.

So entsteht ein dichotomisches Weltbild, aus dem die Dystopie des kommenden "Eurabia" geboren wird, wo Bücher wie "Deutschland schafft sich ab", reißenden Absatz finden, weil die auf wenige Ghettos verengte Empirie vermischt mit einem veralteten Weltbild dieser Dystopie recht zu geben scheint.

Ein Björn Höcke, der vom "afrikanischen Ausbreitungstyp" fantasiert, findet ein begeistertes Publikum. Ja, es ist richtig, daß Afrika der Kontinent ist, in dem in vielen Staaten Armut und Kinderreichtum vorherrschen. Aber es ist nicht der "afrikanische Typ" der die Ursache dafür ist. Ursache ist wie überall und wie immer in der Geschichte der Menschheit, Armut, und zwar bittere Armut, mangelnde Hygiene, hohe Frauen- und Kindersterblichkeit, fehlende Bildung, vor allem fehlende Bildung bei jungen Mädchen und Frauen, politische Unsicherheit, Krieg.

Die TFR, die total fertility-rate, die Geburtenrate pro Frau ist deshalb das wichtigste Indiz für den relativen Reichtum und die gesellschaftliche und politische Stabilität eines Landes. Sie liegt heute in allen "Tigerstaaten", in den wirtschaftlich und politisch aufstrebenden Staaten der "Dritten Welt" bei um 2.0. Indien, Bangladesh, Indonesien haben trotz widriger Bedingungen große Fortschritte gemacht. China befindet sich, da die Geburtenziffer unter der Stabilitätsgrenze von 2,1 gelandet ist, sogar in einer demographischen Krise, ähnlich Deutschland.

Sie sinkt auch in Afrika dort, wo sich die sozialen Verhältnisse - weniger die wirtschaftlichen - ändern. So hat etwa Äthiopien eine TFR von derzeit 4,28 - sie sank aber seit 1990 von damals noch 7 auf die heutigen 4,28 und sinkt kontinuierlich weiter. Im Großraum Addis Abeba, wo die auch einstmals kinderreichen und einstmals armen Chinesen die erste Stadtbahn Schwarzafrikas gebaut haben, liegt sie aber nur noch bei 1,7. Mauritius, die Seychellen, Cap Verde, Südafrika weisen eine TFR bei 1,5, 2,3, 2,5,2,5 auch. Alle nordafrikanischen Staaten außer Ägypten liegen unter 3.0.

Dagegen gibt es eine nur eine schwache Relation zwischen Religion und Kinderzahl. (Atheisten sterben immer aus, aber das ist ein anderes Problem) . Hans Rosling hat das in einem sehr unterhaltsamen Vortrag in Dubai schlüssig dargelegt.

Die alten Ökopazifisten sind noch im Glauben an den Weltuntergang durch Überbevölkerung aufgewachsen. Der Mathusianismus ist offenbar unausrottbar. Seit der Jahrtausendwende ist diese "Gefahr", die es nie wirklich gab, abgewendet. Man muß nur die Statistiken der Weltbank, der UNO, der CIA (ich bin begeisterter World-factbook-Leser) lesen. Die meisten Politiker und fast alle Journaillisten tun dies nicht.

Die Lösung sozialer Probleme - tut mir leid, meine lieben katholischen Leser, aber eine durchschnittliche Familiengröße von 8 Personen halte ich für ein soziales Problem - aber ist Voraussetzung für den wirtschaftlichen und politischen Aufstieg. 6/7tel der Staaten dieser Welt haben dieses soziale Problem gelöst. Selbst in einem so bitter armen Land wie Niger, und selbst in der Hölle auf Erden - Afghanistan - ändern sich die sozialen Parameter. Damit schwindet die Basis für Bürgerkrieg und Krieg. Es ist in der Tat so, wie Gunnar Heinsohn weiß, daß Bürgerkrieg und Krieg dort stattfindet, wo eine Überzahl unbeschäftigter und unverheirateter Jungmänner ihr Heil in der Gewalt sieht.

Der Aufstieg der "Dritten Welt" hat bereits stattgefunden. China, Indien und Brasilien heißen die wirtschaftlichen Großmächte der Zukunft. Auch das kann man bei Heinsohn nachlesen. Mit diesem Aufstieg aber beginnt der Abstieg. Der Abstieg der "Westmächte" die in Syrien ihren moralischen Niedergang, ihre militärische und politische Impotenz bewiesen haben.

Aber auch der Abstieg des Islamismus, der seit Jahrzehnten vor allem die islamische Welt quält. Der Anteil der Kinder, die eine Primarschule besuchen ist in Afghanistan 2001 sprunghaft auf fast 100% gestiegen. Das ist das Ende.

Den 13.4.2018 wird man als Datum der Zeitenwende sehen müssen. Es ist vorbei, Mesdames et Messieurs, Ladies and Gentleman, Damen und Herren. Der Pulverdampf ist verflogen. Ihr seid die Verlierer.

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