Sonntag, 15. April 2018

Was die "Westmächte" und die Islamisten dieser Welt gemeinsam haben: sie sitzen auf dem absteigenden Ast

Als der Angriff der "Westmächte" Frankreich, Großbritannien und U.S.A. auf ein paar Parkhäuser in Damaskus stattfand, saß ich im Zug und las das Buch meines Lieblings-Statistikers Hans Rosling "Factfulness". Nichts geschieht aus Zufall.

Hans Rosling, der von seinem offiziellen Titel her Professor für Öffentliches Gesundheitswesen am Karolinska Institutet in Schweden ist, der größten medzinischen Universität Schwedens und einer der renommiertesten medizinischen Forschungseinrichtungen der Welt, hat sich in den letzten Jahren seines Lebens vor allem damit beschäftigt, durch die Welt zu ziehen, und seinen Zuhörern die Welt zu erklären, so wie sie wirklich ist.

Professoren tun das immer, sollte man meinen. Aber Hans Rosling hat bei seinen Vorlesungen vor jungen Studenten vor Jahren festgestellt, daß seine Studenten sich die Welt so vorstellen, wie sie war, als ihre eigenen Lehrer die Schule verließen. Noch immer ist bei den meisten Menschen aus den reichen westlichen Staaten die Zeit nicht weitergegangen. Nicht nur bei jungen. westlichen Studenten, deren Lehrer es offenbar versäumt haben, sich auf den neuesten Stand zu bringen, sondern auch bei sehr gebildeten Menschen, Gelehrten, sogar Nobelpreisträgern, und sogar oder sogar vor allem bei Journalisten.

Fragt man den durchschnittlich informierten "Westler", so ist er der Meinung, daß sich die Welt spaltet in die reichen, vorwiegend christlichen Staaten, die sich unter anderem im Nordatlantikpakt zusammengeschlossen haben, und den armen Rest. Der "freie Westen" ist reich, die Familien sind klein, der "Rest" ist arm und bedroht uns durch seinen Kinderreichtum, durch die vielen, vielen in ihrer Heimat chancenlosen jungen Männer, die mit Gewalt in den reichen Westen vordringen und uns je nach Sichtweise "arabisieren", "islamisieren" oder "afrikanisieren" wollen.

So entsteht ein dichotomisches Weltbild, aus dem die Dystopie des kommenden "Eurabia" geboren wird, wo Bücher wie "Deutschland schafft sich ab", reißenden Absatz finden, weil die auf wenige Ghettos verengte Empirie vermischt mit einem veralteten Weltbild dieser Dystopie recht zu geben scheint.

Ein Björn Höcke, der vom "afrikanischen Ausbreitungstyp" fantasiert, findet ein begeistertes Publikum. Ja, es ist richtig, daß Afrika der Kontinent ist, in dem in vielen Staaten Armut und Kinderreichtum vorherrschen. Aber es ist nicht der "afrikanische Typ" der die Ursache dafür ist. Ursache ist wie überall und wie immer in der Geschichte der Menschheit, Armut, und zwar bittere Armut, mangelnde Hygiene, hohe Frauen- und Kindersterblichkeit, fehlende Bildung, vor allem fehlende Bildung bei jungen Mädchen und Frauen, politische Unsicherheit, Krieg.

Die TFR, die total fertility-rate, die Geburtenrate pro Frau ist deshalb das wichtigste Indiz für den relativen Reichtum und die gesellschaftliche und politische Stabilität eines Landes. Sie liegt heute in allen "Tigerstaaten", in den wirtschaftlich und politisch aufstrebenden Staaten der "Dritten Welt" bei um 2.0. Indien, Bangladesh, Indonesien haben trotz widriger Bedingungen große Fortschritte gemacht. China befindet sich, da die Geburtenziffer unter der Stabilitätsgrenze von 2,1 gelandet ist, sogar in einer demographischen Krise, ähnlich Deutschland.

Sie sinkt auch in Afrika dort, wo sich die sozialen Verhältnisse - weniger die wirtschaftlichen - ändern. So hat etwa Äthiopien eine TFR von derzeit 4,28 - sie sank aber seit 1990 von damals noch 7 auf die heutigen 4,28 und sinkt kontinuierlich weiter. Im Großraum Addis Abeba, wo die auch einstmals kinderreichen und einstmals armen Chinesen die erste Stadtbahn Schwarzafrikas gebaut haben, liegt sie aber nur noch bei 1,7. Mauritius, die Seychellen, Cap Verde, Südafrika weisen eine TFR bei 1,5, 2,3, 2,5,2,5 auch. Alle nordafrikanischen Staaten außer Ägypten liegen unter 3.0.

Dagegen gibt es eine nur eine schwache Relation zwischen Religion und Kinderzahl. (Atheisten sterben immer aus, aber das ist ein anderes Problem) . Hans Rosling hat das in einem sehr unterhaltsamen Vortrag in Dubai schlüssig dargelegt.

Die alten Ökopazifisten sind noch im Glauben an den Weltuntergang durch Überbevölkerung aufgewachsen. Der Mathusianismus ist offenbar unausrottbar. Seit der Jahrtausendwende ist diese "Gefahr", die es nie wirklich gab, abgewendet. Man muß nur die Statistiken der Weltbank, der UNO, der CIA (ich bin begeisterter World-factbook-Leser) lesen. Die meisten Politiker und fast alle Journaillisten tun dies nicht.

Die Lösung sozialer Probleme - tut mir leid, meine lieben katholischen Leser, aber eine durchschnittliche Familiengröße von 8 Personen halte ich für ein soziales Problem - aber ist Voraussetzung für den wirtschaftlichen und politischen Aufstieg. 6/7tel der Staaten dieser Welt haben dieses soziale Problem gelöst. Selbst in einem so bitter armen Land wie Niger, und selbst in der Hölle auf Erden - Afghanistan - ändern sich die sozialen Parameter. Damit schwindet die Basis für Bürgerkrieg und Krieg. Es ist in der Tat so, wie Gunnar Heinsohn weiß, daß Bürgerkrieg und Krieg dort stattfindet, wo eine Überzahl unbeschäftigter und unverheirateter Jungmänner ihr Heil in der Gewalt sieht.

Der Aufstieg der "Dritten Welt" hat bereits stattgefunden. China, Indien und Brasilien heißen die wirtschaftlichen Großmächte der Zukunft. Auch das kann man bei Heinsohn nachlesen. Mit diesem Aufstieg aber beginnt der Abstieg. Der Abstieg der "Westmächte" die in Syrien ihren moralischen Niedergang, ihre militärische und politische Impotenz bewiesen haben.

Aber auch der Abstieg des Islamismus, der seit Jahrzehnten vor allem die islamische Welt quält. Der Anteil der Kinder, die eine Primarschule besuchen ist in Afghanistan 2001 sprunghaft auf fast 100% gestiegen. Das ist das Ende.

Den 13.4.2018 wird man als Datum der Zeitenwende sehen müssen. Es ist vorbei, Mesdames et Messieurs, Ladies and Gentleman, Damen und Herren. Der Pulverdampf ist verflogen. Ihr seid die Verlierer.

Donnerstag, 5. April 2018

Das Schäuble, der Islam: was Islamophile und Islamophobe eint.

Es hat möglicherweise mit der allgemeinen Neigung des christlichen Teils unseresVolkes zu tun, an Ostern allgemein Milde walten zu lassen, daß eines der skandalösesten, aber auch erhellendsten Interviews der neueren deutschen Geschichte nicht weiter zur Kenntnis genommen wurde. 

Gemeint ist das Interview, das Wolfgang Schäuble am 31.3.2018, also am Karsamstag, der WAZ, dem Zentralorgan der Funke-Medien-Gruppe, gegeben hat.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Allgemein wird ja über den Interviewteil, bei dem es um die unsägliche Derislamgehörtodergehörtnichtzudeutschland-Debatte geht, berichtet. Aber für mich steht auch der folgende Satz im Mittelpunkt. Auf die Frage des Interviewers, wie denn der protestantische Schwabe Schäuble die Ostertage begehen wollen antwortet der:
Wir sind zu Hause in der Familie.
Ostern, das Familienfest. War da nicht noch was?  Die Osternacht? Der Ostersonntag? Das Interview fand am Karsamstag statt. Schäuble bekennt sich als Protestant. Er hat sogar zum 500sten Jahrestag der Reformation ein durchaus kritisches und informatives Buch geschrieben, aber ansonsten behauptet er, daß er "für evangelische Verhältnisse ein relativ häufiger Kirchgänger" sei. Nun also gar nichts. Aber vielleicht ist es ja nicht so wichtig. Vielleicht hat er sich ja mit hochgeschlagenem Mantelkragen doch am Ostersonntag in die Kirche begeben. Denn nichts ist für einen deutschen Politiker peinlicher als die "Gretchenfrage". Mit gewissen Ausnahmen. Manche sind auch tapfere Kirchgangsbekenner.

Da haben wir also den klassischen, lauen Christen. Und die vertreten ja häufig die Meinung, daß die christliche Religion, nicht viel besser, eigentlich sogar viel schlechter sei als andere. Da muß dann offenbar zunächst der Islam schön geschminkt werden.
In den muslimischen Gemeinschaften gibt es viele, die ein starkes Engagement gegen Antisemitismus zeigen. Und in der Geschichte sind Judenpogrome in der islamischen Welt nicht so ausgeprägt gewesen wie in anderen Regionen – um auch das mal zu sagen.
Das Schröder-Diktum: ich sach mal so.

Daß es in der Geschichte "nicht so ausgeprägte" islamische Judenpogrome gegeben haben soll, liest der Chronist mit Staunen. Beginnt die Geschichte des Aufstiegs des Islams nicht mit einem Porgrom, dem Massaker an den Männer des in Yathrib, dem späteren Medina, lebenden jüdischen Stammes der Banu Quraiza? Der medinensische Koran, der dieses Ereignis beschreibt, trieft geradezu vor Judenhaß. Der in der Geschichte des Islam tief, nämlich seit der Hidschra verwurzelte Judenhaß hat sich in der Geschichte in zahlreichen Pogrome entladen. 1011 starben bei der Plünderung Cordobas 2000 Juden, 4000 Juden fielen 1066  beim Massaker von Granada einem muslimischen Mob zum Opfer. Gerade das"goldene Al Andalus", von "aufgeklärten" Naiven als Hort der Toleranz beweihräuchert, war Schauplatz von Massakern, Pogromen, Vertreibungen. 1013 mußte der große jüdische Gelehrte (und spätere Großwesir) Samuel Ibn Naghrilla vor dem muslimischen Mob aus Cordoba fliehen, sein Sohn starb als erster beim Massaker von Granada. Mit dem Tod des jüdischen Großwesir Joseph Ibn Naghrela am Kreuz starb die Illusion, daß Juden und Muslime friedlich und ohne Diskriminierung miteinander leben können. Heute ist der islamische Kulturkreis praktisch judenfrei.

Was meint Herr Dr. jur. Schäuble also mit "nicht so ausgeprägt"?

Nachdem wir nun soweit vorbereitet sind, daß der Islam eigentlich viel friedlicher und toleranter ist als die unbenannt bleibende "Region" kommt DER SATZ
Die Muslime müssen sich klarmachen, dass sie in einem Land leben, das nicht von muslimischen Traditionen geprägt ist. Und der Rest der Bevölkerung muss akzeptieren, dass es in Deutschland einen wachsenden Anteil von Muslimen gibt.
Das klingt ja zunächst sehr paritätisch. Die Muslime müssen, die anderen müssen auch. Der "Rest der Bevölkerung" klingt aber nicht besonders verheißungsvoll. Eher schon nach dem Deutschland, das sich abschafft. Aber ich glaube eigentlich nicht, daß Dr. Schäuble ein Krypto-Sarrazinianer ist. Eher glaubt er, wie offenbar die gesamte politische Klasse inclusive der oppositionellen AfD wirklich daran, daß der "Geburtendjihad" das deutsche Volk mit vielen, vielen muslimischen Babies zur Minderheit im eigenen Land machen wird. Mit diesem Glauben ist er ja nicht allein. Samuel Huntington glaubt das, Thilo Sarrazin glaubt das, Gunnar Heinsohn glaubt das und selbstverständlich meine absoluten Lieblingsdenker Michael Klonovsky und Matthias Moosdorf.

Ich bin mal so nett, und schließe aus, daß Schäuble bewußt die muslimische Massenimmigration des Jahres 2015 perpetuieren will. Wenn nicht auf diesem Weg, wie soll der Anteil der Muslime wachsen?

Ein aktuelle destatis-Statistik scheint den Geburtenjihad zu bestätigen. Die Geburtenziffern (fertility rate) der in Deutschland lebenden Ausländerinnen stiegen im Jahr 2016 deutlich auf 2,28. Ursache ist - so glaubt man - die Massenimmigration islamischer Frauen im Jahr 2015 aus Syrien, Irak und Afghanistan.  Die Geburtenziffer der deutschen Mütter wuchsen nur moderat auf 1,46. Interpretiert man diese Statistik nach den Regeln der Kunst, ergibt sich ein anderes Bild. 

Die Geburtenziffer ausländischer Frauen in Deutschland sank bis 2010  und bewegte sich auf  das niedrige Niveau der Biodeutschen zu, das leicht anstieg. Die Geburtenziffern ausländischer Frauen stiegen parallel zum Aufstieg des IS ab dem Jahr 2011, der Höhepunkt war schließlich im Jahre 2016 erreicht, parallel zur Massenflucht von Muslimen nach Deutschland und scheinbar erwartungsgemäß ein Jahr nach dem Merkel-Ereignis 2015. Et voilá: der Geburtenjihad.

Nehmen wir die Zahlen unter die Lupe: die Statistik des StBA für 2016 weist in der Tat eine dramatische Steigerung der Zahl ausländischer, unter anderem "muslimischer" Babies um 25 % aus.  Vor allem die Zahl afghanischer, syrischer und irakischer Babies stiegt um das Vielfache. Zu diesem "muslimischen" Plus haben "muslimische" Türkinnen aber gerade einmal 200 Babies beigesteuert, die Zahl türkischer Babies sinkt seit Jahren. Dieses Plus wird durch die geburtenfauleren "muslimischen" Kosovarinnen schon wieder kompensiert - minus 300.  Daß beide Völkerschaften offenbar beim Geburtenjihad versagen, hat offenkundig damit zu tun, daß sie auch "schon länger hier leben". Vor allem die Türkinnen haben ihr kreatives Verhalten den Deutschinnen angepaßt.

Es bleiben also nur noch 36.700 afghanische, irakische und syrische Babies für den Geburtenjihad.
Nicht sonderlich beeindruckend, denn wenn man die Zahlen der russischen, rumänischen, polnischen, italienischen und serbischen Babies mit denen der afghanischen, irakischen, kosovarischen und syrischen vergleicht, zeigt sich, daß die christlichen Migrantinnen fleißiger waren: 40.400 gegen 36.700. 

Aber die Zahl schrumpft noch weiter. Nach den aktuellen Zahlen des BAMF waren die Hälfte der irakischen Flüchtlinge des Jahres 2017 Jesiden. Und noch weiter: der arabisch-islamische Zentralrat der Muslime erklärt, daß allenfalls ein Drittel der syrischen Flüchtlinge als gläubige Muslime einzustufen seien. Daß den meisten afghanischen Flüchtlingen der Islam ganz allgemein am Bürzel vorbeigeht, kann ich aus anwaltlicher Erfahrung bestätigen. Der Geburtenjihad, den die "Freie Welt" verkündet, schrumpft zum Jihädchen. 

Die Geburtenziffer von 2,28 ist übrigens mathematische Fiktion. Sie setzt eine Betrachtung des Geburtenverhaltens der 15 - 49 Jahre alten Frauen voraus. Die weit überwiegend Mehrheit der Flüchtlinge ist aber unter 30.

Und es gibt für die Anhänger der Theorie des Geburtenjihad noch weitere schlechte Nachrichten. Es ist zweifelhaft, ob die mehr als 4 Millionen "Muslime", die das BAMF nach der einfachen Methode zählt, daß das Kind einer Muslima immer ein Muslim ist, wirklich gläubige Muslime sind. Zwar bezeichnen sich die meisten als "gläubig". Fragt der Interviewer aber gemeinerweise nach der Glaubenspraxis, zeigt sich, daß lediglich um 30% behaupten, daß sie regelmäßig beten oder die Moschee besuchen. Zählt man gar nur die, die für ihren Glauben auch ein paar Euro an einen Moscheeverein spenden, dann schrumpft die Zahl der "Gläubigen" auf lediglich 20%.  Die Moscheevereine klagen landauf, landab über schrumpfende Gemeinden, zu wenige Kinder und Jugendliche, knappe Kassen. Viel zu viele sind auf Subventionen aus dem Ausland angewiesen. Der Organisationsgrad ist deutlich geringer als bei den in Deutschland lebenden Christen. Bei Christen gehören immerhin 80% derer, die sich als Christen bezeichnen, der Kirche oder einer christlichen Gemeinde an.

Das Ganze kann man auch global betrachten. Gibt es eine Relation zwischen Religion und Babies? Die Antwort lautet: Nein. Die Statistiken, unter anderem einen launigen und absolut sehenswerten Vortrag von Hans Rosling kann jeder im internet nachlesen. Eine Relation aber gibt es doch. Atheisten - mit denen sich Hans Rosling nur indirekt beschäftigt - haben nicht nur keine Lieder, sondern auch keine Kinder.

Was eint also den islamophilen Schäuble und den islamophoben Gauland? Schlechte Mathematik. 

Noch einen einzigen Satz zu der Behauptung, die eigentlich O-Ton Schäuble und nicht etwa O-Ton Wulff ist: Der Islam ist ein Teil Deutschlands. Wie kann das sein, wenn doch das Land - wiederum O-Ton Schäuble - gerade nicht muslimisch "geprägt" ist? Der eine Satz sagt das Gegenteil des anderen aus.

Ist das nun noch Nonsens, oder schon Slapstick?

Es wäre doch so einfach gewesen, einfach nur die Tatsache zu erwähnen, daß Muslime in Deutschland leben, daß viele von ihnen Bürgerrecht genießen, und daß es ihnen freisteht, in den Schranken, die unsere Verfassung setzt, ihre Religion auszuüben. 

Daß aber die Verfassung in ihrem Kernbestand, wiederum christlich geprägt ist, oder genauer jüdisch-römisch-griechisch-christlich-fränkisch, das ist dabei der Knalleffekt, den ein Schäuble niemals erwähnen würde.

Sonntag, 25. März 2018

Die Wahre Uhrzeit

Astrolabiumsuhr Dom von Münster

Die Geschichte der nachchristlichen Moderne ist eine Geschichte des Diebstahls. Als erstes stahl man uns die Zeit.

Bis zum 16. Jahrhundert war kein König, kein Fürst, kein Bischof und kein Uhrmacher im Besitz der Zeit. Nur die große Himmelsuhr, die über alle herrschte, Große wie auch Geringe, gab uns vor, wann wir am Morgen aufstehen, wann wir am Tag arbeiten, wann wir zur Mittagszeit ruhen, wann wir unseren Arbeitstag beenden, wann wir essen, wann wir schlafen. Für uns und zu unserem Wohl. Niemand zwang uns, in der dunklen Nacht zu arbeiten oder in der größten Mittagshitze.

Seit der Antike maßen nur Sonnenuhren die Zeit. Wenn zur neunten Stunde am Karfreitag die Christen den Tod Jesu Christi betrauerten, dann taten sie es bis zur "Neuzeit" zur wirklichen Todesstunde. Selbst als im Hochmittelalter mechanische Uhren aufkamen, zuletzt die gewaltigen und kunstvollen astronomischen Uhren, maßen sie noch immer den Verlauf der Sonne und der Gestirne. Sie wurden, wenn sie nach- oder vorgingen, anhand eines "Mittagsweisers" gestellt. 

In Frankfurt am Main begingen wir, herrschte noch die selbe Zeitmessung wie zur Lebenszeit Jesu die "neunte Stunde" um 16:41:15 (hh:mm:ss) tatsächlich findet die Karfreitagsmesse aber heute um 15 Uhr statt, also fast 1 3/4 Stunden früher. Der Herr wird es uns nachsehen, werden wir doch, um es mit Meister Eckhardt zu sagen, geheiligt nicht durch unsere Werke, sondern durch unser Wirken. 

Unsere Leiber sind da weniger nachsichtig, denn unser "Bio-Rhytmus" wird durch die Große Himmelsuhr nachjustiert. Jeder Arbeitsmediziner weiß das, aber die vermaledeiten "Ökologen", denen wir aus Gründen der "Energieersparnis" die Sommerzeit zu verundanken haben, dachten bei dieser Regelung an die menschliche Ökologie zuletzt.

Es sind nicht nur die Zeiten der Zeitumstellung, die bei vielen zu extremer Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Unwohlsein, manchmal zu massiven psychischen Störungen führen, es ist die Uhrzeit, die mit unserer astronomischen und biologischen Uhr nicht im Einklang steht. In der "Sommerzeit" stehen wir chronisch zu früh auf und gehen zu früh ins Bett, wir brechen ausgerechnet dann, wenn wir unsere Leistungspitze erreichen, nämlich am späten Vormittag, die Arbeit ab, um "zu Mittag zu essen", wo dieser Mittag doch je nach Ortslage manchmal mehr als zwei Stunden zu früh beginnt. Dann, wenn unser Körper eigentlich "Mittagsruhe" befiehlt, müssen wir ran.

Müde quälen wir uns durch den Nachmittag, ziehen uns mittags einen doppelten Espresso mit ganz viel Zucker rein, um auf Touren zu kommen. Wieviel Verluste an menschlicher Produktivität und Gesundheit kostet uns diese Ordnung? Wieviele vermeidbare Unfälle, wieviele vermeidbare Fehlleistungen? 

Es ist die Mechanisierung unseres Arbeitslebens, die diesen Entwicklung erzwungen hat, aber die moderne Technik könnte uns gerade von dieser Zeitsklaverei befreien.

Ein Glossar:

Temporale Stunden: die Antike maß die Zeit mit Skaphen. Eine genial einfache Vorrichtung, die den Sonnentag immer in 12 gleiche Teile einteilte. Die sommerlichen Stunden waren also länger als die winterlichen.

Äquatoriale Stunden: Mechanische Uhren können durchaus auch die temporalen Stunden messen. Die astronomischen Uhren des Mittelalters haben sowohl Skalen für die temporalen Stunden, wie auch für die gleich langen "äquatorialen" Stunden. In Zeiten, in denen es wichtiger war, die Arbeitsstunden und nicht die Gebetszeiten zu messen (und zu bezahlen)  wurden die einfachen mechanischen Uhren vorherrschend.

Mittlere Ortszeit: Die Länge der Tage schwankt wegen der Präzession der Erdachse und der elliptischen Form der Umlaufbahn der Erde. Nimmt man hingegen die mittlere Tageslänge, verschiebt sich die Mittagszeit um bis zu 16 Minuten. Sie ist mit den präziser werdenden mechanischen Uhren leichter zu messen, also setzte sie sich durch.

Eisenbahnzeit: Die Einteilung in Zeitzonen hieß ursprünglich tatsächlich Eisenbahnzeit. Diese Zeiteinteilung wurde notwendig, als die Verkehrsmittel schneller wurden. Um zu vermeiden, daß Bahnfahrer, die sich in östlicher oder westlicher Richtung bewegten, auf jeder Station ihre Uhren an die Ortszeit anpassen mußten, führte man zunächst die Eisenbahnzeit ein - jede Eisenbahngesellschaft hatte ihre eigene Zeit - und fasste schließlich die Eisenbahnzeiten in Zonen zusammen. Diese Zeitzonen führen aber nun zu Abweichung von manchmal mehr als einer Stunde.

Sommerzeit: Noch ein Anschlag auf die Volksgesundheit. Im Sommer wurde die Zeit - vorgeblich um Energie zu sparen - um eine Stunde verlängert. Wohlgemerkt, die Zonenzeit. Seitdem differieren "Wahre Zeit", nämlich Sonnenzeit und Uhrzeit um manchmal mehr als zwei Stunden. Der Abstand der MESZ (der Mittel-Europäischen-Sommer-Zeit) ist nun maximal. Weit weg von kosmischer Ordnung, geistlicher Tradition und dem Naturwesen Mensch.

Gäbe es einen Weg zurück? Ja, er wäre sogar sehr einfach. Alles was wir dazu brauchen, haben wir schon am Himmel installiert und tragen wir bereits in unseren Taschen. Eine satellitengesteuerte App für unsere Smartphones, die uns sowohl die UTC - die Universal Time Coordinated - als auch die Wahre Ortszeit zeigen könnte, gibt es bereits. Die UTC ist in jedem Computer mit Netzverbindung gewissermaßen fest eingebaut.

So trägt also jeder die optimale "Eisenbahnzeit", oder besser "Flugzeugzeit" in der Tasche. Die UTC zeigt auf Reisen immer die richtige Reisezeit. Fahrpläne nach UTC? Optimal. Steht im übrigen auf jedem Flugzeugticket.

Und um unserer Humanökologie zuliebe wäre es nur eine Frage der Verabredung, ob wir die WOZ nutzen oder nicht.

"Wir treffen uns beim Italiener um 12:30 WOZ; 14:11 Zulu?"

Wohl bekomms. Der Espresso doppio kann dann auch mal entfallen.

Die astronomische Uhr des Doms von Münster wurde von 1540 bis 1542 von dem Mathematiker Dietrich Tzwyvel, dem Franziskanermönch Johann von Aachen und dem Schlosser Nikolaus Windemaker berechnet und erbaut. Ludger Tom Ring schuf die Malereien. Eine Vorgängeruhr die wahrscheinlich Ende des 14. Jahrhunderts erbaut wurde, wurde während der Zeit der Täuferherrschaft zerstört. Das Uhrwerk ist von 1929 bis 1932 erneuert wurden.

Dienstag, 13. März 2018

Liebe Leser - zum vorletzten Mal

wir sind gerade noch einmal davongekommen. Denn der Bundesgerichtshof hat in einer Entscheidung, die ganz gewiß von den Richtenden unser Bundesverfassungsgerichtshof aufgehoben werden wird, noch einmal - ein letztes Mal - das sogenannte generische Maskulinum verteidigt.

Die Kundin, so der Inhalt des Urteils, muß es hinnehmen, daß sie in Rundschreiben ihrer Sparkasse als "Kunde" angesprochen wird. Was aber, wenn die Bundesverfassungsrichtenden dieses Urteil aufheben? Wie gesagt, ich bin mir dessen ganz sicher, spätestens, seitdem eine grüne Richterin dem hier zuständigen ersten Senat angehört, der es offenbar gelungen ist, in dem berühmten Urteil zur Mehrgeschlechtlichkeit ihre Sicht der Dinge zu vermitteln.

Dann bricht der Damm. Die Justiz verröchelt, denn die Urteile, die sowieso kein Mensch mehr versteht, werden dann vor lauter inclusive language noch unverständlicher werden. Was aber, wenn die Richtenden von den Gerichteten nicht mehr verstanden werden? Sie werden zum Faustrecht zurückkehren. Mord, Totschlag, Plünderung und Brandschatzung werden wieder zu unserem Alltag gehören.

Ich werde nach mehr als 39 Jahren meine Schreiben an das "Bundesamt für Migration und Geflüchtete" richten müssen statt an das BAMFlüchtlinge,  nachdem ich nun schon seit Jahren nicht mehr ans das Studentenwerk schreibe, sondern an das Studierendenwerk. Selbstverfreilich werde ich meine Schreiben an die unbekannten Mitarbeiter eines beliebigen Amtes, wo ich doch den Eid auf die Verfassung geleistet habe, nicht mehr mit '"Sehr geehrte Damen und Herren" beginnen lassen, sondern mit "Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Irgendwieandersgeschlechtliche", in Erwartung des Protestschreibens eines Mitarbeitenden, das sich als Zwitter nicht korrekt angeschrieben fühlt.

Der Erste Senat des BVerfG dräut. Es gibt kein Entkommen.


Sonntag, 11. März 2018

Verlage gegen rechts anno 1522?

Im Jahre 1522 erschien Luthers sogenanntes "Septembertestament", d.i. die Übersetzung des Neuen Testaments in die deutsche Sprache auf der Leipziger Buchmesse. Die 3.000 Exemplare waren schnell vergriffen. Die Reformation war in vollem Gang. Drei Jahre später begann das Große Schlachten.

Schnitt.

2018. Die Messeleitung der Leipziger Buchmesse gründet mit diversen Mainstream-Verlagen die Initiative #verlagegegenrechts. Die ersten rechten Verlage geben daraufhin auf.

Hätte ein Hashtag #verlagegegenhäresie uns1522 vor der Reformation bewahren können?

Mit Sicherheit nicht. Denn geistesgeschichtlich steht der antisemitische Fürstenknecht und Katholikenfresser Luther den totalitären Zensurfanatikern von heute näher, als sie glauben. Luther konnte unbehelligt seine Bücher verkaufen. Die Renaissance war im Kern katholisch-liberal und die Behauptung, die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache, sei von der Kirche unterbunden worden, weil die "dummen Gläubigen" nicht das Original verstehen können sollten, ist ein schlichtes Ammenmärchen.

In Wahrheit mußte Luther keinen Tag seines Lebens um Freiheit und Leben fürchten. Er war der erfolgreichste Buchautor seiner Zeit. Mächtige Fürsten hielten seine Hand über ihn, denn er versprach, die Macht der Kirche zu brechen. Die Reformation machte die protestantischen Fürsten, die bis dahin ihre Macht mit Kaiser und Kirche teilen mußen, zu absoluten Herrschern.

Reformation, Gallizismus und Anglkanismus zerstörten die "balance des pouvoirs" des Mittelalters. Initiativen wie #verlagegenrechts befeuern einen neuen Absolutismus. Diesmal ist es der der politischen Linken.

Montag, 5. März 2018

Das Deutschlandlied ist eh schon schlimm genug.

Aus dem "Vaterland" soll das vermeintlich gendergerechte "Heimatland" werden? Nebbich. Herumdoktern an Symptomen.

Ich hielt das "Deutschlandlied" schon immer für die zweit-schrecklichste Nationalhymne der Welt.

Die Marsellaise mit ihrem "Qu’un sang impur Abreuve nos sillons!" ist die schrecklichste.

Bei der ersten Strophe - die Hitler als einzige singen ließ - meldet sich schon der Schüttelfrost. Nicht nur wegen des "Deutschland über alles", daß ich eher peinlich als patriotisch finde, sondern vor allem wegen der annexionistischen Kampfparole "bis an den Belt". Der lag nämlich damals 1841, als das "Lied der Deuschen" erdichtet wurde, im Gegensatz zu Maas, Memel und Etsch außerhalb des Deutschen Bundes im dänischen Schleswig.

Jahre später sollte wegen Schleswig zunächst der deutsch-dänische Krieg ausbrechen, der zur Annexion Schleswigs durch Preußen und Österreich führte, dann 1866 der deutsch-deutsche Krieg, der zu weiteren preußischen Annexionen führte. Schleswig-Holstein, Hannover, Nassau, Kurhessen und die Stadt Frankfurt verloren 1866 ihre Selbständigkeit. Der Deutsche Bund zerbrach, die Neue Europäische Unfriedensordnung war im Werden.

"Deutsche Frauen, Deutsche Treue, Deutscher Wein und Deutscher Sang" (Zweite Strophe), Sang reimt sich auf Klang. Nein, ein Meisterpoet, war er wirklich nicht, der von Fallersleben.

Die Einigkeit, das Recht und die Freiheit der dritten Strophe.hatte der Dichter Hoffmann von Fallersleben wie die ganze bismarckianisch-nationalliberale Partei nie wirklich im Sinn. Der imperiale Annexionsmus und despotische Zentralismus, den von Fallersleben wirklich meinte und später frenetisch bejubelte, zerbrach vielmehr die Einigkeit, zertrat das Recht und vernichtete die Freiheit.

Die Melodie war einfach nur geklaut. Haydn sie für die österreichische Kaiserhymne komponiert, und sich ganz gewiß nicht gewünscht, daß damit einmal "Wein, Weib und Gesang" und der kleindeutsche Kleingeist besungen werde.

Ich fand es schade, daß sich die wiedervereinigten Deutschen nicht für das "Auferstanden aus Ruinen" entschieden hat. Die Melodie stammt von einem der begabtesten deutschen Komponisten, der Text weckt weder düstere Assoziationen noch ist er an irgendeiner Stelle peinlich. In seiner Urfassung erinnerte er an die Hoffnung, die die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 trug.
Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt. Laß uns Dir zum Guten dienen Deutschland heilig Vaterland. Alte Not gilt es zu zwingen und wir schlagen sie vereint;Denn es muß uns doch gelingen daß die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint, über Deutschland scheint
Das "Lied der Deutschen" kann man von mir aus solange durchgendern, bis die Schwarte kracht.

Sonntag, 4. März 2018

Ob Grün, ob Blau: die Apokalypse ist das führende politische Geschäftsmodell.

Doomsday-Prophezeiungen und die entsprechenden Gruselfilme sind für Menschen meiner Generation ein immer wiederkehrendes Erlebnis.  Geil fürAdrenalin-Junkies (nicht die Prophezeiungen, sondern die Filme). Ich kenne sie alle. Die Filme und die Weltuntergangspropheten. Das Sujet des Weltuntergangsfilms weckt meine Begeisterung, der Typus der Weltuntergangspartei - im Bundestag stellen sie hundert Prozent der Abgeordneten - mobilisiert meinen Gähn-Reflex. Leider halten die meisten meiner Mitbürger die Fiktionen ihrer Politiker für die Wirklichkeit. Und die Politiker gewinnen damit Wahlen. Die einen setzen dabei auf die Klimakatastrophe - die anderen auf den islamischen Geburtendjihad.

Im Moment gerade droht uns ein grausamer Tod durch eine Stickoxid-Vergiftung. Und, natürlich, der islamische Geburtendjihad.

Die Gänsehaut bleibt bei mir aus. Desensibilisierung nennt man das. In den letzten Jahrzehnten bin ich schon viel zu oft gestorben, als daß mich noch irgendetwas schocken könnte.

Der Dritte Weltkrieg:

Blieb uns erspart. Stattdessen ging die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, die uns mit der Vernichtung unserer dekadenten Lebensweise drohte, einfach pleite. Selber dekadent. Filmographie? Unendlich. Mein Lieblingsfilm: Mad Max.

Der Atomtod.

Auf jedem Ostermarsch bin ich schon als Teenie mitgerannt. Überall in unserer Stadt bauten völlig Verrückte (oder einfach nur Geschäftstüchtige?) atombombensichere Bunker. Die stehen da heute noch, und in der Schule brachte man uns bei, daß wir uns beim Atomschlag sofort unter die Schulbänke werfen sollten, und die Ranzen über unsere Köpfe halten sollten. Fand ich total spannend. Aber daraus wurde nichts. Lieblingsfilm: The Day After.

Der stumme Frühling 1962

1962 prophezeite die Doomsday-Prophetin Rachel Carson das Ende der gesamten Insekten- und Vogelpopulation vor allem durch das Pestizid DDT. Carson wurde ausgezeichnet, Straßen wurden nach ihr benannt, DDT wurde verboten, die Todesfälle durch Malaria stiegen dramatisch an, denn das wirksamste Insektizid zur Bekämpfung von Malaria fehlte nun.  Die Diskussion über lebensgefährliche Pestizide aber wurde verstetigt. Zur Zeit droht der Untergang der Menschheit, wenn nicht sofort der Einsatz von Glyphosat endet. Wissenschaftliche Beweise, daß Glyphosat wirklich krebserregend ist, fehlen.

Der Atomtod II.

Wieder jede Menge Stoff für Grusel. Wenn Biblis (gerade mal um die Ecke, von meinem Wohnort aus gesehen) durchgeht, müssen wir alle sterben. Ich rechnete mir schon aus, ob ich schneller mit dem Fahrrad oder dem Auto aus der Gefahrenzone raus wäre. (Gewinner: das Fahrrad). Dann ging tatsächlich Tschernobyl in die Luft. Wieder mußten wir alle sterben. Heute, 25 Jahre später, gehen die offiziellen Schätzungen von 50 Toten unmittelbar an der Unfallstelle und von rund 8.000 Toten durch erhöhte Strahlenbelastung aus. Die Region um Tschernobyl ist unbewohnbar. Wölfe und andere Wildtiere finden das nicht. Die Welt aber ging nicht unter.

Dann Fukushima: Durch den Tsunami, der das Atomkraftwerk Fukushima zerstörte, starben mehr als 18.000 Menschen. Der Reaktorunfall hat nach allem menschlichen Ermessen zu keinem einzigen Todesopfer geführt. Die Bevölkerung konnte rechtzeitig evakuiert werden. Eine Erhöhung der Erkrankungsraten durch Krebs ist nicht nachgewiesen.

Inzwischen sind fast alle Staaten, die aus der Atomenergie aussteigen wollten, wieder aus dem Atomausstieg ausgestiegen. Inzwischen sind 79 Atomkraftwerke im Bau oder in der Planung.

Das Ende des Wachstums (1972)

Noch ein Bestseller des Ökologismus. Wohl die größte Fehlprognose, die die Welt je gesehen hat. Bereits 1992 sollten alle Ölquellen versiegen. Bis zum Jahr 2.000 sollte es auch zu Ende sein mit Erdgas, Kupfer, Blei, Aluminium und Wolfram.  Tatsächlich wurde bis heute doppelt soviel Erdöl gefördert, als angeblich noch vorhanden war. Und "Peak Oil" ist noch immer nicht erreicht.

Bis 2032 sollte die Erdbevölkerung bereits auf 13 Milliarden Menschen ansteigen, die Nahrungsmittelproduktion sollte 2020 so dramatisch einbrechen, daß weltweite Hungersnöte drohten.

Die Filmemacher waren begeistert. Wann spielt der Doomsday-Film "Blade Runner"? 2019. Los Angeles ist eine hoffnungslos übervölkerte Megalopolis, in der die Sonne nie mehr scheint, in der der ständige Regen und der fast undurchdringliche Smog eine lichtlose, düstere Atmosphäre schafft,  die die gruselige Vision einer Revolte der Roboter umrahmt. Einer meiner Lieblingsfilme.

Die Klimakatastrophe

Noch so ein Hollywood-Schinken: Soylent Green. Jetzt aber volle Kanne: die Ozeane sterben, der Treibhauseffekt hat die Welt in eine schwüle, feuchte, schwitzende Hölle verwandelt, die Rohstoff-Ressourcen sind erschöpft, die Überbevölkerung verwandelt New York in einen Höllenpfuhl, die Nahrungsmittel gehen zur Neige, die meisten leben von der Kunstnahrung "Soylent Green", die angeblich aus hochpotenten Algen hergestellt wird. Euthanasie ist der einzige Ausweg aus der Hölle dieses Dasein. Und der gute Bulle entdeckt, daß Soylent Green aus Menschenfleisch besteht.

Der Film spielt im Jahr 2022, das Buch erschien im Jahr 1966, der Film kam 1973 raus. Ich frage mich heute, ob der Club of Rome eigentlich von Hollywood abgeschrieben hat, oder Hollywood vom Club of Rome.

Dumm nur, daß auch diesmal der Doomsday auf sich warten läßt. Seit 1998 macht die Klimaerwärmung eine Pause. Und das, obwohl die Menschheit seit der Jahrtausendwende 25% der CO2-Menge in die Luft geblasen hat, die sie in ihrer ganzen Geschichte seit Beginn des Industriezeitalters freigesetzt hat.

Es gibt sogar Ketzer, die glauben, ein bißchen mehr Wärme wäre gar nicht so schlecht.

Inzwischen kommt der Club of Rome mit einem Neuen Wälzer raus, wo zwar drin steht, daß alles nur Blödsinn war mit der Überbevölkerung, dem Versiegen der Rohstoffressourcen etc. etc., aber die Klimakatastrophe, die werde nun aber wirklich garantiert echt und ehrlich ganz bestimmt eintreten und die Welt werde jetzt nicht 2020, sondern ganz bestimmt und nun endgültig 2052 untergehen.

Le Waldsterben.

Schreckensbilder von entlaubten und entrindeten Wäldern machten Anfang der 80iger Jahre die Runde. Erst stirbt der Wald und dann der Mensch, war uns allen sofort klar. Die Bundesregierung investierte zig Millionen in die Erforschung des Waldsterbens. Ursache war der Saure Regen, der ja nicht nur den Wald, sondern auch den Menschen und seine Kulturdenkmäler betraf.

Dieser hatte seine Ursache wiederum in schwefelhaltigen Treibstoffen und den fehlenden Filteranlagen von Braunkohlekraftwerken. Später stellte sich heraus, daß die Schreckensbilder aus immer demselben Waldgebiet im Erzgebirge und dem Harz stammten. Die Schwefelemissionen wurden innerhalb weniger Jahre drastisch reduziert, die Bundesregierung verkündete 2003 offiziell das Ende von "Le Waldsterben". Die Franzosen hörten auf, über uns zu witzeln, der Waldschadensbericht blieb uns erhalten.

Le Walsterben

Der folgende Text ist nur ein kleiner Scherz:
So ein Wal ist eine tolle Sache. In den Barten des Blauwals findet sich Fischbein für körperformende Kleidung (Korsetts, Reifröcke) und diverse Accessoires (Sonnenschirme). Ein Pottwal liefert Ambra für allerlei Duftwässerchen und Walrat für feine Kerzen. Aus allen großen Meeressäugern kann man Tran gewinnen, nützlich als Energieträger (Beleuchtung), als wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie (Farben, Pflegemittel, Sprengstoffe), für Medizin und Kosmetik (Salben, Seifen) und für Lebensmittel (Margarine, Suppen, Gelatine). Nicht zu vergessen: Der Wal ist ein nachwachsender Rohstoff.Da wundert die Anziehungskraft nicht, die der Walfang über Jahrhunderte auf abenteuerlustige Tierliebhaber ausübte. Monate oder gar Jahre auf den Weltmeeren fernab der zivilisierten Metropolen unterwegs, trotzten diese Naturburschen allen Gefahren der See. Beseelt von dem Anspruch, der Menschheit Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu sichern, setzten sie tagtäglich ihr Leben ein. Wahre Helden, denen Herman Melville in der Figur des fiktiven Kapitäns Ahab ein literarisches Denkmal für die Ewigkeit erbaute.
1972 setzte die hochemotionale Bewegung zur Rettung der Wale ein. Zu diesem Zeitpunkt war der "Peak Wal" schon seit mehr als einem Jahrzehnt überschritten, für die Produkte, die bis dahin aus Waltran und Fischbein hergestellt worden waren, existierten schon lange preisgünstigere und bessere Alternativen. Walfang war schlicht unwirtschaftlich geworden, als 1986 der IWC sein Walfangmoratorium verkündete, dümpelten nur noch ein paar alte, rostige Walfang-Seelenverkäufer über die Meere. Der angebliche "Sieg" der Walschützer war noch nicht einmal ein Nachhutgefecht. Nicht Greenpeace, sondern die Petrochemie rettete die Wale.

Das hat die Filmindustrie nicht daran gehindert, im Jahre 1986 einen rührenden Walrettungsfilm zu drehen. Mr. Spock, der praktisch unsterbliche Held meiner Jugend, rettet nach einer Zeitreise ins Jahr 1986(!) das letzte Buckelwalpärchen vor dem Tod, um den unausweichlichen Weltuntergang im 23. Jahrhundert zu verhindern.

Die Überbevölkerung

Superexponentiell sollte die Bevölkerung wachsen, so die Prognostiker von Hollywood. Oder vom Club of Rome. Oder - ist ja auch egal.

Bei einem Vortrag vor der TED-Konferenz witzelte der Forscher Hans Rosling
Die Weltsicht, die meine Studenten haben, entspricht der Wirklichkeit des Jahres, in dem ihre Lehrer geboren wurden.
Einfach ansehen, sich über das sympathische schwedenglisch von Hans Rosling freuen und über seinen  Humor, der einen guten Professor von einem schlechten unterscheidet.

Ich liebe Statistiken. So wie mein großes Vorbild aus meiner "Heimatstadt" Friedrich Carl von Moser. Hans Rosling hat der Statistik das Tanzen beigebracht.

Der Geburten-Dschihad.

Deutschland schafft sich ab. Der Geburtendschihad wird die EU ergänzend zu der massiven Einwanderung von Muslimen in Eurabia verwandeln. Spätestens im Jahre 2075, wird der Islam durch die religionsbedingt größere Fruchtbarkeit seiner Anhänger das Christentum als führende Religion überholen. Sagt das PEW-Institut, und hat wohl mit dieser Analyse seinen Ruf als seriöses Prognose-Institut verspielt.

Die Studie hat einen geradezu monströsen Webfehler. Sie zählt nämlich - wie alle Statistiken dieser Machart - die Abkömmlinge von Muslimen schlichtweg als Muslime. Muslime haben nicht die Chance, sich offiziell als Atheisten oder Agnostiker zu bekennen, auch wenn sie es sind. In Deutschland etwa - so eine Studie des Religionsforschers Dr. Michael Blume - dürften etwa 60% der Statistik-Muslime bestenfalls als kulturmuslimische Agnostiker einzustufen sein.

Offenbar geht das PEW-Institut im übrigen von einer statischen, statt einer dynamischen Statistik aus. Berücksichtigt man diese Dynamik, wird offensichtlich, daß auch der islamischen Welt ein massiver Geburtenrückgang unter das Niveau der Bestandserhaltung droht. In der Türkei und dem Iran wurde dieses Niveau mittlerweile mit einer Fruchtbarkeitsrate von 2,01 und 1,97 unterschritten.

Für Hans-Rosling Fans hier die statistisch-dynamische Weltsicht auf das Problem "Religion and babies".

Aller Rottenmeister Gauckelsack

so nannte Luther die apokalyptische Offenbarung des Johannes. Endzeitprophezeiungen waren schon immer das bevorzugte Instrument des politischen Scharlatans. Derzeit halte ich praktisch alle politischen Parteien unseres Landes für chiliastische Sekten.

Für Klimakatastrophen-Komiker: ich bin keineswegs ein Gegner der Naturschutzbewegung, ganz im Gegenteil.

Für die gläubigen Anhänger der Anti-Religion des Geburten-Dschihad: daß die Duldung der unkontrollierten Einwanderung von völlig verrohten jungen Männern aus den Bürgerkriegsregionen der islamischen Welt ein lebensgefährliche Fehlentwickung ist, halte ich für unübersehbar und offenkundig.

Aber ich halte mich von Parteien fern, zu deren Geschäftskonzept die Endzeit-Prophetie gehört, fern von harten wissenschaftlichen Fakten.

Freitag, 2. März 2018

Politische Religionskritik - die totalitäre Versuchung

Sachsenspiegel. Darstellung der Zwei-Schwerter-Lehre
Die Rede des jungen christdemokratischen Abgeordneten Amthor gegen den Vorschlag der AfD-Fraktion - einen Gesetzesentwurf hat die AfD ja nicht vorgelegt - das Tragen der Burka und des Niqab in der Öffentlichkeit zu verbieten, könnte einen politischen Wendepunkt markieren. Da tritt nämlich der AfD ein junger Politiker entgegen, der ausdrücklich erklärt, daß er diese Initiative unterstützt, der an anderer Stelle auch klar gesagt, hat, daß seiner Auffassung nach der "Islam nicht zu Deutschland gehört", der die "Ehe für Alle" für verfassungswidrig hält und die unkontrollierte Massenzuwanderung für ein Übel.

Die Argumente sollten uns Katholiken interessieren. Als erstes kritisiert Amthor, daß es sich die AfD anmaßt, Muslimen vorzuschreiben, was sie für sich als verbindlich erachten und was nicht, was also religiöse Plicht und religiöses Recht ist. Kein einziges Gericht der Bundesrepublik oder Europas - Amthor hebt das hervor - vertritt die Auffassung, das Tragen eines Niqab oder einer Burka sei nicht durch die Religionsfreiheit gedeckt. Aber dieses Argument ist eigentlich zu schwach. 

Vielmehr ist es so, daß seit 494 nach Christus jeder Potlitiker, der sich der "westlichen" Kultur zuzählt, zu wissen hat, daß ihn religiöse Dogmen und Normen nichts angehen, daß es ausschließlich Sache der religiösen Gemeinschaften selbst ist, zu bestimmen, was sie für elementare Glaubensinhalte und für religiös begründete sittliche Normen halten, und was nicht.

Seit 494, seit dem höflichen Schreiben des (übrigens berberischen) Papstes Gelasius des Ersten an den oströmischen KaiserAnastasios I gilt für das Recht des lateinischen Christums, daß sich die Kaiser um christliche Dogmen nicht zu scheren haben. Es waren danach noch viele Kämpfe zu bestehen, bis sich die sogenannte "Zwei-Schwerter-Lehre" durchsetzte. Das Jahr 494 aber, in dem die katholische Kirche ihre politische Unabhängigkeit verkündete, können wir als das Geburtsjahr der "balance des pouvoirs" (Montesquieu) ansehen, die bis heute das elementarste Prinzip aller westlichen Verfassungsstaaten ist, oder zumindest sein sollte.

Daß gegen dieses Prinzip von politischer Seite immer wieder verstoßen wurden - siehe den von Bismarck und den "Liberalen" angezettelten "Culturkampf" - ist ein anderes Kapitel. Bis heute genießt die Kirche keineswegs überall und zu jeder Zeit die "Freiheit der Kirche", auch die Kirchenkapitel des GG, die das Selbstverwaltungsrecht der Kirchen festschreiben,  sind ein ständiger Zankapfel, sie stehen unter dem ständigen Beschuß insbesondere der politischen Linken.

Die AfD bliebt übrigens von Amthors Kritik völlig unberührt, denn mein besonderer Liebling Klonovsky schreibt im Anschluß an diese "Philippika" von keinem Zweifel angekränkelt folgendes:
Im Übrigen, um zum Gegenstand seines Vortrags zu kommen, sind weder der Niqab noch die Burka noch irgendeine andere Art der weiblichen Verschleierung religiöse Symbole, die unter die Religionsfreiheit fallen; es gibt von Seiten des Propheten Mohammed keine einzige Anweisung zur Gesichtsverschleierung, jeder islamische Rechtsgelehrte wird das bestätigen.
Nun sind ja "Die gefährlichsten Unwahrheiten, Wahrheiten, mäßig entstellt." (Georg Christoph Lichtenstein)

Und genau so ist es hier. Richtig ist, daß sich nirgendwo im Koran ein Zitat findet, daß die Verschleierung in Form des Niqab wörtlich empfiehlt. Richtig ist aber auch, daß praktisch alle muslimischen Rechtsgelehrten unter Berufung auf Koran und Hadithen die Verschleierung mindestens im Form des Hidjab für die religiöse Pflicht einer frommen Muslima halten. Für die Deutsche Islamkonferenz ein Dauerthema, und deshalb findet sich dort auch eine sorgfältige Ausarbeitung.

(Die Autorin des Beitrags für die DIK ist übrigens die promovierte und hablilitierte Islamwissenschaftlerin und Arabistin Dr. Dr. Rotraud Wielandt. Frau Dr. Dr. Wielandt wurde von Benedikt dem XVIten in die Päpstliche Kommission für religiöse Beziehungen zu den Muslimen berufen.)

Das, nämlich die vorherrschende Meinung unter Muslimen selbst, genügt kirchenrechtlich, denn es gebietet eben der Grundsatz der Religionsfreiheit, daß es die Religionsgemeinschaften selbst sind, die darüber zu bestimmen haben, wie ihre Heiligen Schrift zu interpretieren sind und wie die Gläubigen sie zu leben haben. Und es gibt, um Amthors Argument zu wiederholen, kein einziges Verfassungsgericht, auch nicht der EGMR, der das französische Burka-Verbot für vereinbar mit der EMRK gehalten hat, das den Hidjab, die Burka oder den Niqab nicht für ein religiöses Symbol hält.

Die Religionsfreiheit ist nicht schrankenlos, aber das ist hier nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr, daß nach dem Wille der AfD und sekundiert von dem alternativen Groß-Denker Klonovsky von staatlicher Seite aus in die religiöse Sphäre eingegriffen werden soll, daß es die Politik ist, die bestimmen will, was Gläubige zu glauben haben.

Wer so denkt und handelt, der legt nicht nur die Axt an die Wurzeln unserer Verfassung, sondern die Axt an die Wurzeln unserer Kultur. 

Das aktuelle Programm der AfD ist übrigens voll mit religionsfeindlichen und staatskirchenrechtswidrigen Forderungen und sie betreffen keineswegs nur Muslime, sondern gerade auch Christen wie etwa die Forderung nach der Wiedereinführung des Verbots der Voraustrauung - es wurde 2008 wegen verfassungsrechtlicher Bedenken aufgehoben - oder die Forderung nach entschädigungsloser  und damit verfassungswidriger "Aufhebung" der sogenannten staatlichen Dotationen an die Kirchen.

Als der Bundesparteitag der AfD für dieses Program die Hand gehoben hat, hat keiner der großartigen "Juristen" die heute als AfD-Abgeordneten unseren - der Juristen - Stand kompromittieren, auch nur mit der Wimper gezuckt.

Ich habe vier Jahre lang der AfD angehört, seit ihrer Gründung, die Veröffentlichung des Entwurf des Bundestagswahlprogramms am 8.März 2017 war für mich Grund und Anlaß für meinen Parteiaustritt noch am selben Tag. Die AfD stellt sich nunmehr bewußt in die Tradition der religions- und kirchenfeindlichen Verfassung von 1848, sie bejubelt Bismarck, der die Christen unseres Landes mit fatalen Folgen für unsere politische Kultur gequält hat, sie bekennt sich zu Gustav Stresemann, über den viel Gutes zu sagen wäre. Doch Stresemann war auch Freimaurer, und das paßt zu dem aktuellen Anti-Katholizismus der AfD wie die Faust aufs Auge.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Klonovsky, Moosdorf, Stresemann-Stiftung: Islamkritik von Dumpfbacken für Dumpfbacken

Klonovsky, der Vielschreiber und ehemalige Angestellte der beiden AfD-Hallodris Petry und Pretzell, wird ja in der rechtslibertären Szene gerne als Vorzeigeintellektueller herumgezeigt. Ich gebe zu, daß mich seine flotte Schreibe hin und wieder amüsiert.

Von seiner akademisch-intellektuellen Satisfaktionsfähigkeit halte ich weit weniger, Der folgende Text, den er zusammen mit dem bekennenden Cellisten Moosdorf auf den Seiten der Stresemannstiftung veröffentlich hat, hat mir vielmehr die Schuhe ausgezogen. Islamkritik, wie sie ganz bestimmt nicht sein sollte. Da guckst du:
Da es sich bei den Einwanderern überwiegend um junge muslimische Männer handelt, der Strom der sogenannten Flüchtlinge nicht abreißt, außerdem die Rede von Familiennachzug ist und Muslime ohnehin ein viel produktiveres  Fortpflanzungsverhalten als Europäer zeigen, steht seitdem die Frage im Raum: Gehört vielleicht umgekehrt Deutschland eines Tages zum Islam?
Schaun wir mal. Es handelte sich bei den Einwanderer überwiegend um junge Männer - diese These ist richtig. 2015 waren etwa ⅔ der Asylantragsteller Männer und sie waren eher jung. Aber waren sie alle muslimisch? Wenn man davon ausgeht, daß jeder Flüchtling, der aus Syrien, Afghanistan und Irak stammt, muslimisch ist, stimmt die These.

Nur haben wir da ein klitzekleines Problem. Auch das BAMF - kaum klüger als Meister Superschlau Klonovsky - zählt als Muslim jeden, der von muslimischen Eltern abstammt, die wiederum als muslimisch angesehen werden, wenn sie aus einem muslimischen Land stammen.

Würde man Christen nach der selben Methode zählen, dann gehörten in Deutschland rund 95% der Bevölkerung dem christlichen Glauben an. Tatsächlich sind es nur 55%, nämlich die, die einer christlichen Denomination angehören und Kirchensteuern zahlen. Zählte man die in Deutschland lebenden Muslime nach der selben Methode, wären gerade einmal ein paar tausend der angeblich 4,4 Millionen "Muslime" "echte" Muslime. Zählt man die Mitglieder der Moscheevereine - eine realistischere Vorgehensweise - lebten hier rund 800.000 Muslime. Dies ist ein Bevölkerungsanteil von präzise 0,96%. Wie gesagt, wenn man nicht einfach alles als Muslim zählt, was von einer muslimischen Mutter oder Großmutter stammt. Aber so zählen die "Wissenschaftler" unseres Landes. Mit einer löblichen Ausnahme.

Muslime also zeigen ein "ohnehin viel produktiveres Fortpflanzungsverhalten als Europäer"?

Schauen wir mal. Ich ziehe diesmal eine Informationsquelle zur Rate, an deren Objektivität hoffentlich keiner zweifelt - die CIA. Die maßgebliche Zahl ist dabei die "fertility rate", Sie liegt im Iran bei 1,97 Kinder pro Frau, in der Türkei bei 2,01, in Frankreich bei 2,07, in Tunesien bei 2,23, im bevölkerungsreichsten muslimisch geprägten Land der Welt, Indonesien, bei 2,11. Zählen wir mal Frankreich als europäisches Land.

Die vor Jahren eingewanderte "muslimische" Bevölkerung hat sich nach Einreise in Deutschland in der Regel bereits in der nächsten Generation dem generativen Verhalten der ansässigen Bevölkerung angepaßt. Die hier lebende türkische Bevölkerung hat zum Beispiel nahezu genauso wenig Kinder wie die deutschstämmige. Eine Fruchtbarkeitsrate von 2,1 wird von Bevölkerungswissenschaftler als Voraussetzung für den Bestandserhalt angesehen.

Weiter im Text.
Weltweit existiert kein islamischer Staat, der zugleich demokratisch ist und seinen Bürgern Rechtssicherheit, Meinungs- und Religionsfreiheit sowie den Geschlechtern gleiche Rechte zugesteht
Wirklich gar kein einziger? Nach der Arabellion, die ja von Tunesien ausging, gab sich die tunesische Republik eine neue Verfassung. Sie ist seitdem aus den Berichten von Amnesty international et. al. verschwunden. Kein Beobachter bestreitet, daß in Indonesien heute ein Mehrparteiensystem existiert, daß freie Wahlen stattfinden, daß Meinung- und Pressefreiheit gewährleistet sind, die Polygamie, genauer die Polygynie, ist in Tunesien seit 1956 abgeschafft - wie übrigens in der Türkei seit den 20iger Jahren. Der Gesetzgeber unternimmt ernsthafte Anstrengungen, die noch bestehenden rechtlichen Benachteiligungen von Frauen abzuschaffen. Als erstes muslimisches Land hat Tunesien das Verbot der Heirat einer Muslima mit einem Nicht-Muslim abgeschafft.

30% der tunesischen Abgeordneten sind weiblichen Geschlechts. Mit Wirkung ab dem 1.Januar 2018 wurde die Möglichkeit einer "Wiedergutmachungseheschließung" nach einer Vergewaltigung abgeschafft, die Vergewaltigung in der Ehe ist nunmehr strafbar, eine neues Gesetz schützt Frauen umfassend vor Gewalt. An den Universitäten werden Frauen mit Niqab oder Burka nicht unterrichtet, die Islamisten des Landes sind nachhaltig marginalisert. Noch einmal also:
Weltweit existiert kein islamischer Staat, der zugleich demokratisch ist und seinen Bürgern Rechtssicherheit, Meinungs- und Religionsfreiheit sowie den Geschlechtern gleiche Rechte zugesteht
Ist das so? Und weiter im Text.
Nach der bislang umfangreichsten globalen Demografie-Studie des renommierten Pew-Instituts in Washington wird es 2070 erstmals in der Geschichte mehr Muslime als Christen geben.
Die Demografie ist eine nur leidlich präzise Wissenschaft. Das PEW-Institut geht bei seiner Studie u.a. davon aus, daß muslimische Migranten in Großbritannien eine Geburtenrate von 2,9 aufweisen, also mehr Kinder haben werden, als die durchschnittliche Geschlechtsgenossin aus den Herkunftsregionen. Die meisten muslimischen Immigranten in Great Britain stammen aus Pakistan. Dort liegt die Geburtsrate inzwischen bei 2,62, nachdem sie vor allem seit 2000 steil abgestürzt ist.

Usw. usf. Der Rest wirkt so, als hätten die beiden Autoren im wesentlichen Dr. Google bei ihrem lichtvollen Aufsatz zu Rate gezogen. Es gibt so gut wie keinen Absatz, bei dem es mir nicht die Schuhe auszieht. Ich habe mich als "Asylrechtler" seit bald 40 Jahren mit dem Islam und seinen Risiken und Nebenwirkungen zu beschäftigen. Die Probleme kenne ich sehr, sehr, sehr gut. Um so weniger goutiere ich den paranoiden Bockmist, den teutsche Islamkritiker verzapfen.

Dienstag, 27. Februar 2018

Unser täglich Gift gib uns heute.

Männer sind Schweine, Autofahrer Umweltschweine, vor allem die, die einen Diesel fahren.

Als ich noch klein war, da gab es eine Kampagne für den blauen Himmel über der Ruhr. Das war auch wirklich nötig, denn an schlechten Tagen konnte man mitten im Ruhrpott nicht die Hand vor Augen sehen. Der Himmel wurde später, viel später dann doch noch blau. Auch weil die Montanindustrie einfach pleite ging.

Die Menschen heizten mit Briketts, die Dieselautos verpesteten die Straße mit schwarzen Rauchwolken, die Zweitakter hinterließen müffelnde blaue Fahnen, die Dampflokomotiven stießen riesige Dampfwolken aus, bei Nebel war die Luft gelb und es roch nach Schwefel.

Ich kann mich noch an Vorfälle am Rhein erinnern, wo tausende Fische mit dem Bauch nach oben den Fluß heruntertrieben. Kläranlagen, vor allem die Rieselfelder, waren selbst ein Gesundheitsrisiko, aber die Bundesregierung unterhielt trotzdem keine Kommission für Risikofolgenabschätzung.

Langsam bekamen wir das in den Griff.

Heute kann sich wohl kein jüngerer Mensch mehr vorstellen, in wieviel Dreck wir damals völlig unbekümmert lebten.

Andererseits war Abtreibung verboten, weil man ja wußte, daß ein abgetriebenes Kind tot ist. Mit dem Lebensschutz hatten die Leute früher echt was drauf.

Heute gibt es ein Riesenbohei, wegen eines einfach nur gegriffenen Grenzwertes von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft. Wir Kinder konnten die Umweltverschmutzung unseres Landes sehen, riechen und schmecken. Um die Umweltverschmutzung, die diese Prinzessinnen auf der Erbse gefährlich finden, zu messen braucht es empfindlichste Instrumente, und die "wissenschaftlichen" Gutachten über die angebliche Gefährlichkeit solcher winzigen Spuren von eigentlich natürlichen Gasen sind reinste Spökenkiekerei.

Trotzdem sieht man an jeder Ecke eine Demonstration mit jammervoll vermummten Menschen, die uns verdeutlichen wollen, daß sie gleich sterben müssen, wenn wir unser Dieselauto anwerfen.

Nach dem Urteil des BVerwG werden wohl Millionen ihr altes Auto verschrotten müssen, weil es nun buchstäblich nichts mehr wert ist. Es sind nicht die, die sich locker eine schweineteure Hybridschleuder für 50.000 Eisen leisten können, sondern die, die gerade mal ein paar Euro für einen alten Diesel zusammenkratzen konnten.

Nach den offiziellen Statistiken sterben jedes Jahr in Deutschland rund 100.000 Kinder bei Abtreibungen. Die kleine Demonstration von Abtreibungsgegnern in Berlin von wenigen tausend Personen wird beschimpft, terrorisiert, bestenfalls beschwiegen.

Dieses Land hat jedes Maß verloren.

Montag, 26. Februar 2018

Die neue atheistische Kraft II

Wer hätte gedacht, daß im 21. Jahrhundert die Leben-Jesu-Forschung des unsäglichen Herrn Strauß fröhliche Urständ feiern würde. Aber lesen Sie selbst, werter Leser:
Es gab nun also mit Augustus einen Alleinherrscher, der das Römische Weltreich befriedet hatte und zur allgemeinen Steuerschätzung im ganzen Reich eine Volkszählung durchführen ließ, zu der nach christlicher Überlieferung Joseph mit Maria von Nazareth nach Bethlehem kam, wo Maria Jesus zur Welt brachte. Dieser wurde in der Zeit seines späteren Wirkens als jüdischer Wanderprediger von seinen Jüngern für den Messias (Christus) gehalten und lange nach seinem Tod – auf Betreiben des Apostels Paulus, der aus dem jüdischen Glauben Christi den christlichen Glauben formte – rückwirkend zum Mensch gewordenen Gott verklärt. Und mit der Auferstehung schien Jesus Christus es in der Außenwirkung mit dem griechischen Dionysos, dem persischen Mithras und dem ägyptischen Osiris gleichgetan zu haben.
Wo? In der neuen "citizen-times", dem Organ der Stresemann-Stiftung, die die "Ideale" der Revolution von 1848 hochhält. Stresemann war bekanntlich Freimaurer, also dem christlichen Glauben eher nicht zugeneigt, Bewunderer des "liberalen" Theologen Naumann, der der selben Schule angehörte, der auch der unsägliche David Friedrich Strauß angehörte, der wiederum solchen Schmonzes wie den obigen gleich schockweise absonderte. Diese Stresemann-Stiftung hinwiederum ist mittlerweile zur neuen Parteistiftung der AfD ausersehen.

Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

CDU: Die jung-weiblich-bunte Weisheit des Brahmanen.

Jünger, weiblich, bunter solle die CDU werden, so das Mantra des inzwischen aus dem Amt geschiedenen ehemaligen CDU-Generalsekretärs. Und tatsächlich, auf dem heutigen CDU-Parteitag hat die leider noch immer nicht aus dem Amt geschiedene Bundeskanzlerin verkündet, daß die spärlichen paar Ministerpöstchen, die ihre Splitterpartei noch besetzen darf, von ausnahmslos jungen, weiblichen, bunten Kandidat*innen besetzt werden  sollen.

Es bleibt die allseits beliebte und völlig unverzichtbare Frau von der Leyen. Jung ist die zwar nicht, aber Frau.

Auch Peter Altmaier ist zwar sowohl Mann als auch 59 Jahre alt, da er aber gewissermaßen in einem symbiotischen Verhältnis mit Frau Merkel existiert, könnte er auch unter Frau zählen.

Jens Spahn ist schwul und 37, zählt also sowohl unter bunt als auch unter jung.

Julia Klöckner ist weiblich und 45 zählt also noch unter jung. Jedenfalls in einer Partei, die im Jahre 1949 den damals noch taufrischen 76 Jahre alten Kanzler Adenauer stellte.

Die 46jährige Anja Karliczek soll Bildungsministerin werden. Ob eine Hotelfachfrau die richtige Person für das Amt ist, kann man ja mal fragen, aber Hauptsache weiblich und "jung".

Ein 45jähriger Dr.med mit dem Vornamen Helge wird "Kanzleramtsminister". Zählt auch noch unter jung. Und Helge klingt irgendwie ähnlich wie Helga.

Frau Annette Widmann-Mauz übernimmt das Staatsministerium für Integration. 51 Jahr alt. Keine abgeschlossene Berufsausbildung, verheiratet ohne Kinder. Auch nicht gerade eine Fachfrau, aber als Bundesvorsitzender der "Frauen-Union" unausweichlich.

Der Chef-Propagandist des "jünger-weiblicher-bunter", Herr GK Tauber trat mit einem launigen Zitat von der politischen Bühne ab;
Füge dich der Zeit, erfülle deinen Platz und räum ihn auch getrost: Es fehlt nicht an Ersatz! (nach Friedrich Rückert)
Das ist zunächst, womit sich Tauber ja treu bleibt, offensiv unkonservativ. Denn die völlige Ersetzbarkeit einer Person ist ja das genaue Gegenteil des "christlichen Menschenbildes" des christlichen Konservatismus, der die Einzigartigkeit der Person, den "Personalismus" betont. 

Das Zitat hat aber genau deshalb Pfiff. Wer Rückert kennt, weiß, daß das Zitat aus Rückerts Lehrgedicht "Die Weisheit des Brahmanen" stammt. Das Streben des Hinduisten wie des Buddhisten aber zielt auf die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten ab. Beide sehen als höchstes Lebens-Ziel die Auflösung des Ichs entweder in der Leerheit - dem Nirvana - oder in der Vereinigung mit dem Einheitsbewußtsein, dem Brahman.

Es besteht also die berechtigte Hoffnung, daß in naher Zeit die CDU der Botschaft ihres Propheten Tauber folgend im Nirvana entschwindet. Endlich wäre die CDU aus dem ewigen Kreislauf der Wiederwahl erlöst.

Freitag, 23. Februar 2018

Andrea Maria Nahles: eine katholische Misere.

Andrea Maria Nahles. Schon mal gehört? Bestimmt nicht, denn Andrea Nahles verschweigt ebenso ostentativ ihren katholischen Adelstitel "Maria" wie Jutta Ditfurth ihr "von".

Warum tut sie das? Weil katholisch sein ebenso einer politischen Karriere abträglich ist wie adlig sein. Obwohl sie andererseits homestories zuläßt, in denen uns berichtet wird, daß sie als Meßdienerin gedient hat, sich als gläubige Katholikin versteht, und, wann immer es möglich ist, in dem winzigen Ort in der Eifel, in dem sie geboren und aufgewachsen ist die Sonntagsmesse besucht.

Aber diese Homestories haben dann auch den gewissen Schnick, den cafeteriakatholische Homestories nun einmal haben.

Nahles hat die Methode Kennedy aus ganzem Herzen verinnerlicht. Nur so, indem er klar und eindeutig erklärte, daß seine religiöse Überzeugung nichts mit seiner politischen Praxis zu tun habe, daß er nur seinem persönlichen Gewissen, niemals der Lehre seine Kirche folgen werde, konnte ein Katholik in dem damals, Anfang der 60iger Jahre mehrheitlich weiß, angelsächsisch und protestantisch dominierten Amerika, Präsident der Vereinigten Staaten werden. Kennedy formulierte die Prinzipien der katholischen Schizophrenie während seiner Kampagne als er zu einer Rede vor der protestantischen Greater Houston Ministerial Association geladen wurde.
I do not speak for my church on public matters; and the church does not speak for me. Whatever issue may come before me as President, if I should be elected, on birth control, divorce, censorship, gambling or any other subject, I will make my decision in accordance with these views -- in accordance with what my conscience tells me to be in the national interest, and without regard to outside religious pressure or dictates. And no power or threat of punishment could cause me to decide otherwise. 
Wenig später, als drei amerikanische Bischöfe erklärten, daß ein katholischer Christ keinen Kandidaten wählen dürften, der nicht die Sicht der katholischen Kirche im Hinblick auf Abtreibung und künstliche Empfängnisverhütung teile, kam die Probe aufs Exempel. Kennedy enthielt sich bewußt jeder Meinungsäußerung zu diesem Aufruf - und wurde gewählt.

Kennedy hatte in Wahrheit einen revolutionären Epochenwandel herbeigeführt, auch wenn er ihn nicht mehr selbst erlebte. In Wahrheit war der politische Code der USA niemals kirchlich, weder katholisch noch protestantisch, aber er war genuin christlich. Auch wenn die "founding fathers" häufiger Freimaurer als engagierte Christen waren, akzeptierten sie doch den christlichen Code, den Katalog der christlichen Prinzipien als genetischen Code ihrer Republik. Sie schrieben diesen Code in ihre Verfassungen: life, liberty and property.

Einer der bedeutendsten, zumindest der einflußreichste Soziologe der USA, Charles Murray hat das Jahr des Todes Kennedys, 1963 als den Wendepunkt angesehen, als das Ende des "sturdy codes" und den Beginn der Epoche der "ecumenical niceness".

Kommen wir zurück zu Andrea Maria Nahles. Vor vierzig Jahren diente sie in ihrer Gemeinde, wie sie stolz berichtet als erste Meßdienerin. Die Liturgierevolution hatte es möglich gemacht. War ihr wohl bewußt, daß sie damit ein Jahrtausende altes Tabu brach, daß sich bis in vorchristliche Zeiten zurückverfolgen läßt? Wahrscheinlich.

Noch eine Geschichte aus ihrer katholischen Kindheit, die sie der Presse immer stolz berichtet. Als der Weihbischof die Gemeinde besuchte, habe man ihr eingeschärft, den Herrn Bischof mit der korrekten Ansprache anzureden, nämlich mit "Hochwürdigster Herr Bischof".  Sie weigerte sich, und begrüßten als Obermeßdienerin den "lieben Herrn Weihbischof".

Nun wäre ja gerade die traditionelle Ansprache in den antiautoritären Siebzigern mutig gewesen. Es hätte bedeutet, einer Institution die Ehre zu erweisen, die in der Kulturrevolution schon längst zu Boden gegangen war. 

Kann eine Katholikin Sozialistin sein? Folgt man der authentischen katholischen Soziallehre, so wie sie von Leo dem XIIIten in seiner berühmten Enzyklika "rerum novarum" formuliert wurde, niemals. 

Trotzdem hat sich Andrea Nahles ihre Selbständigkeit bewahrt. In Fragen des Lebensschutzes hat sie nicht nur einmal gegen ihre eigene Partei gestimmt..

Als es aber um das revolutionärste aller modernistischen Projekt ging, die Dekonstruktion der Ehe, nämlich die "Ehe für alle", hat sie versagt. Kein einziger Abgeordneter der SPD stimmte gegen die Verabschiedung von der elementarsten Institution des christlichen Abendlandes. Auch nicht Frau Andrea Maria Nahles.

Andrea Nahles ist nicht unverheiratet und nicht kinderlos, wie so manche unserer revolutionären Politikerinnen. Ihre Ehe ist geschieden, sie erzieht ihr Kind allein. Sie lebt noch immer in ihrem kleinen Eifel-Dort, sie besucht noch immer jeden Sonntag die Heilige Messe.

Ganz unsympathisch ist sie mir keineswegs. Aber gleichzeitig repräsentiert sie den vorherrschenden Typus des liberalen katholischen Politikers. Und dieser Typus erwartet von sich, wie es Kennedy formuliert hat, im Widerspruch zu seinen innersten Überzeugungen zu leben, weil es der Staatsraison entspricht oder - schlimmer noch - der Parteiraison.

Dienstag, 20. Februar 2018

Mein persönlicher Aschermittwoch

Pierrot

Ich bin kein gebürtiger Fastnachter. Ich bin lutherisch getauft und in der Vorstellung des entlaufenen Augustinermönchs Luther ist das Leben ja gewissermaßen ein einziger Bußgang. Daß das geheime Motto der Calvinisten lautet: "Du darfst alles, solange es keinen Spaß macht" (Watzlawik) setze ich als bekannt voraus.

Nun hat mich ein gnädiges Geschick im Alter von zwei Jahren in das Rheinland geführt, und Rheinland ist Fastnachtsland, ob nun mehrheitlich protestantisch, wie mein damaliger Wohnort, die alte Kaiserstadt Worms, oder mehrheitlich katholisch wie die kurfürstliche Residenz Mainz.

Es war immer ein bißchen schwierig, meiner kulturprotestantischen Mutti zu verdeutlichen, daß ich eine Knallplättchenpistole und ein Cowboykostüm benötige, um meiner gesellschaftlichen Ausgrenzung zu entgehen, aber ich war erfolgreich, auch wenn ich gegen die kulturkatholischen Kinder im Kostümwettbewerb nicht den Hauch einer Chance hatte.

Rosenmontag und Fastnachtsdienstag war jedenfalls frei, auch wenn ich nach einer Umsiedlung in eine wiederum kulturprotestantische Stadt Fastnacht vorwiegend als Fernsehfastnacht feierte. Der organisierte Frohsinn, weder der protzige der Kölner, noch der prollige der Düsseldorfer noch der volkstümliche der Mainzer hat mich nie so richtig überzeugt. Aber ich ließ mich von der Fröhlichkeit dieses urkatholischen Festes anstecken. Fastnacht war Heimat, auch wenn ich eigentlich immer nur Gast war und bis heute Gast geblieben bin.

Trotz aller deutschen Vereinsmeierei war für mich noch bis vor wenigen Jahren Fastnacht ein urkatholisches, plebejisches Fest.

Das ist vorbei.

Fastnacht wurde okkupiert. Okkupiert von der selben satten, selbstzufriedenen unendlich selbstgerechten Klasse, die die Medien beherrscht, Zeitungen, Zeitschriften, das kommerzielle internet, den Staats- und Kommerzfunk. Da sitzen sie nun und beobachten mißgelaunt den Aufstand der Plebejer.

Der Adel, ob Kurfürst oder Großherzog hat den alljährlichen plebejischen Aufstand noch anders gemanagt, nämlich durch die Selbst-plebejisierung. Der Kurfürst von Mainz zog an Fastnacht das Los und diente bis Aschermittwoch meist als Mundschenk, Saaldiener oder auch mal als Schreiner.

Der Neue Adel beschimpft die Plebejer, die den Aufstand wagen und wirft sie aus dem Saal. AfD wählen? Falsche Partei. 2017 haben die humorfreien Meenzer den Fraktionsvorsitzenden der rheinland-pfälzischen AfD, einen Oberstleutnant, von den Saaldienern aus dem Saal werfen lassen. 2018 haben sie die AfD erst gar nicht eingeladen. Dafür wird auf der Bühne um so heftiger gegen die "Partei der kleinen Leute" gewettert, Reichow, jedes Jahr der absolute Tiefpunkt der Meenzer als Humorkanonade getarnten Hate-Session schlägt vor, die Diäten der AfD-Abgeordneten in Reichsmark von 1923 auszuzahlen. Ein anderer Humor-Athlet unterstellt der First Lady der USA sie stamme aus dem Rotlicht-Milieu. Auf der Straße AfD-Bashing, Trump-Bashing, Putin-Bashing, Kaczynski-Bashing, Orban-Bashing, auf jedem Rosenmontagszug dieselben Sujets, als hätte der Beauftragte des Zentralkomitees für Agitation und Propaganda die diesjährigen Mottowagen vorzensiert.

Einer unterschreitet wieder einmal die Grenzen des guten Geschmacks um mehrere Klafter Tilly, der Düsseldorfer Wagenbauer läßt den nackten Trump durch einen russischen Bären vergewaltigen.

Aber der Besuch des Düsseldorfer Rosenmontagszugs ist eh für Familien mit Kindern, oder empfindsame Katholiken nicht empfehlenswert. Tilly hat schon mal Kardinal Meisner als Hexenverfolger oder Papst Benedikt als Anti-Semiten "karikiert". Ansonsten ist der in der "Giordano-Bruno-Stiftung" organisierte militante Atheist Tilly mit weitem Abstand der Meister der Zote.

Der Kölner Guido Canz findet es toll lustig, Donald Trump mit Benzin zu übergießen und bei lebendigem Leib zu verbrennen. Diakon Pauels, Faschingsredner, predigt witzgewaltig von der Kanzel einer katholischen Kirche herab gegen den Zölibat, während halbnackte Hüpfdohlen im Altarraum ein Tänzchen aufführen-

Und die Zeit läßt eine hochgelahrte Professorin gegen Indianerkostüme wettern und den gutgemeinten Vorschlag unterbreiten, daß sich die Deutschen doch mal als Kartoffel verkleiden könnten.

Am Dienstag erhole ich mich beim Karnevalsumzug in der nächstgelegenen urkatholischen Kleinstadt. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß die Bürger alle "Zeit" gelesen haben und sich um so engagierter als Mohren, gerne auch mit Menschenfresserkostüm, Indianer, Chinesen, Indonesier., Hexen und andere Angehörige diskriminierter Minderheiten, wie Einhörner, Prinzen, Prinzessinnen und Gardeoffiziere verkleiden.

Nur der Domino ist etwas außer Mode geraten.

Karneval lebt. Jedenfalls außerhalb der Wohnzonen der Bionade-Beourgeoisie.

Nächste Fastnacht bleibt die Glotze kalt.