Mittwoch, 19. September 2012

Ultrakonservativ? Ja seid ihr noch zu retten?

Schon seit längerem stößt mir sauer auf, daß das Wort "konservativ" in der *piep*liberalen *Piep*presse nicht mehr ohne das pejorative Adjektiv "ultra" vorkommt. Ein Konservativer also ist stets ultrakonservativ. So wie rechts nur noch als rechtsextrem vorkommt. Dabei sitzt doch der Weltenrichter "zur Rechten Gottes"?

Daß dieser *Piep*jargon nun auch von der von mir sehr geschätzten und Seite kath.net gepflegt wird, versaut mir mindestens den heutigen Abend.

Vielleicht auch noch den morgigen.

Schmidbergers Auffassung, daß die "Hermeneutik der Kontinuität" nett gemeint, aber inhaltlich unzutreffend ist, teile ich. Offenkundig kann sich selbst ein geistiger Riese wie Benedikt XVI nicht ganz aus den Fesseln des zeitgeist, wie der Engländer sagen würden, befreien.

Die Lehre von der Hermeneutik der Kontinuität ordne ich in die die Rubrik "ecumenical niceness" ein. Schade. Muß man wohl auf den nächsten Papst warten. Oder auf den übernächsten.

Kommentare:

  1. Wow, nach so vielen Artikeln doch mal wieder einer, den ich nicht teilen kann! Ich ordne ihn in die Kategorie "conservative niceness" ein und warte auf den nächsten oder übernächsten Artikel ;)

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  2. Ich weiß nicht, ob man die Versuche des Papstes, das Konzil zu retten, so einfach beiseiteschieben kann.
    Dieser Kommentar und einiges andere von "Oldendorf" ist zumindest bedenkenswert:
    http://www.kathnews.de/ein-entwicklungsgang-zum-mantra-der-kontinuitaet

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  3. Ich denke bei diesem Vorgang an das Schicksal eines berühmten politisch Verfolgten: Paul Gerhardt. Den vertrieb Friedrich Wilhelm der I. eigentlich unbeabsichtigt aus Berlin, weil er den lutherischen wie auch den reformierten Pfarrer verbot, die jeweils andere Konfession von der Kanzel herab zu kritisieren. War gut gemeint, selbstverständlich. Nur daß sich Paul nicht daran halten konnte. Später schrieb er folgenden Satz in sein Testament für seinen Sohn: "und hüte dich vor den Synkretisten, denn die sind weder Gott noch den Menschen treu." Wenn es nun wirklich so sein sollte, daß den Piusbrüdern die Aufnahme in die Kirche nur dann zugesagt sein soll, wenn sie in Zukunft keine Kritik mehr an den Brüchen des V II. üben dürfen, dann kommt mir das doch ziemlich preußisch vor.

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  4. Was ich mich schon immer frage ist, Was stellt sich so ein gestandener Pius eigentlich vor, was geschehen soll?
    Man kann doch nicht die Zeit zurückdrehen, und über 40 Jahre Kirchengeschichte ungeschehen machen!
    Ich denke so einen Weg würde auch die Mehrheit der Katholiken gar nicht mitgehen.
    Kardinal Ratzinger hat immer wieder auf Fehlentwicklungen hingewiesen und hat als Papst viel geleistet, aber sagen "Hey Herrschaften seit dem Konzil sind wir alle auf dem falschen Schiff und nur die Pius sind auf dem richtigen Schiff geblieben!" das kann man doch ehrlicherweise nicht erwarten!

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  5. es geht sicher nicht um ein kritikverbot, aber um die feststellung, dass das vat II. im sinne einer hermeneutik der reform zu interpretieren ist. man kann doch nicht im ernst erwarten, dass ein papst im hinblick auf ein konzil weitergeht als zu der aussage, dass es eben im licht der tradition zu interpretieren sei. ich denke, hier ist doch genug freiraum für kritik gegeben. die grundsätzliche legitimität dieses konzils wird doch kein papst jemals infrage stellen können. mir scheint, dass diese begriffsklauberei auf seiten der lefebvristen eher eine folge interner machtkämpfe ist.

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  6. Vielleicht wittern die Leute, die ständig 'ultra'konservativ sagen auch eine Unklarheit im Begriff 'konservativ', die objektiv existiert:

    Denn 'konservativ' ohne weitere Erläuterung bedeutet doch, zu erhalten, was ist und es - wenn überhaupt - nur langsam zu ändern.

    Seit über 200 Jahren leben wir allerdings in der Moderne, unsere real existierende Tradition ist eine Tradition der Umwälzung und der Revolution.

    Gegenkräfte dazu können garnicht aus dieser existierenden Tradition schöpfen, sie müssen auf viel ältere und stärkere Überlieferungslinien zurückgreifen. Wer die 'Exzesse' der Moderne bekämpfen will, muß die Moderne selbst bekämpfen, weil die 'Exzesse' eben keine sind, sondern das Wesen der Moderne selbst,von Anfang an in ihr angelegt.

    Ein nicht 'ultra'konservativer ist also im Grunde ein Moderner und Liberaler, dem es einfach nur zu schnell geht.

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  7. Die Frage lieber Julius ist also
    Versuchen wir die "Exzesse der Moderne" nach vorne zu überwinden, oder indem wir zurückgehen.
    Guardini hat sich in einer Zeit, lange vor dem Konzil darüber sehr tiefschürfende und überraschend aktuelle Gedanken gemacht (z.B in "Briefe vom Comer See" "Ende der Neuzeit" und anderen)
    Es bräuchte Seiten um das alles aufzudröseln.
    Aber er (Guardini) sieht m.E sehr scharf wie die Errungenschaften (die echten!) der Antike, des Mittelalters und des Humanismus sozusagen, in dieser unserer Zeit, für die er auch keinen rechten Namen weiß, "unter die Räder geraten" und damit auch der Glaube.
    Er sieht die Zukunft des Glaubens eigentlich fast apokalyptisch.
    In dieser Situation ist die Verführung zu denken ",man könne und müsse irgendwie zurück, dieses oder jenes neue, moderne "abschaffen" und dann wäre gut!" einfach sehr groß und irgendwie sind wir alle dieser Versuchung ausgesetzt.
    Langer Rede kurzer Sinn. Die Pius haben schon sehr Recht mit ihrer Analyse der Situation. Nur ihre Therapie scheint mir verkehrt.
    Wir müssen, um es salopp auszudrücken, "da durch" christliche Kultur, Volkskirche ist aus und vorbei.
    Aber, es hängt alles davon ab, dass Einzelne, in Verbindung mit der eucharistischen, marianischen, kurz katholischen Kirche, deren Garant der Papst ist, den Glauben, das Depositum fidei, bewahren.
    Irgendwann werden die Zeiten sich auch wieder ändern, und dann hängt alles davon ab, das das Saatgut über den "Winter" gerettet wurde.
    M.E. ist nämlich immer noch Winter in der Kirche und nicht, wie die Konzilseuphoriker uns weißmachen wollen, schon lange Frühling.

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    1. """Wir müssen, um es salopp auszudrücken, "da durch" christliche Kultur, Volkskirche ist aus und vorbei.
      """

      Sehe ich genau so. Und wenn die Zustände in der Kirche vor VII wirklich in Ordnung gewesen wären, wäre VII auch anders interpretiert worden. Da war sehr vieles hohl und zur bloßen Konvention geworden.

      Der Versuch, alles zu reformieren, hatte schon eine gewisse Plausibilität damals (ich war damals gerade Meßdiener geworden und erinnere mich noch dunkel).

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    2. Danke genau das hier :
      -----
      nd wenn die Zustände in der Kirche vor VII wirklich in Ordnung gewesen wären, wäre VII auch anders interpretiert worden. ---

      ist auch genau mein Punkt.

      Ich war damals noch ein Kind, aber ich erinnere mich, dass von 'Heute auf nachher' nach dem Konzil sich Meinungen, Ansichten, Verhaltensweisen änderten, so als wäre alles vorher nur etwas gewesen "was man halt so macht".

      Ich finde immer wieder, hier: http://www.sinfonia-sacra.de/Joseph_Overath_Liturgiereform.pdf
      ist gut beschrieben, wie seltsam das war, nach dem Konzil.

      Vielleicht ist das das eigentliche Drama des 2ten Vatikanums, das die Konzilsväter lediglich mal gründlich putzen wollten und dabei nicht nur geputzt, sondern auch tapeziert, renoviert und sortiert werden müsste.
      Und irgendwie hat man diese Aufgabe noch gar nicht realisiert.

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  8. http://www.kathnews.de/pius-info-fragt-pater-schmidberger-antwortet
    Sehr gut meiner Meinung nach!

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