Sonntag, 26. August 2012

υποτασσομενοι αλληλοις εν φοβω θεου


hatte schon gedacht, diese Lesung gibt es gar nicht mehr. Aber am heutigen Sonntag wird diese Epistel (Epheser 5, 21-33) wirklich und wahrhaftig gelesen. Bis auf den ersten Satz der (bedauerlicherweise) in der alten lateinischen Lesung fehlt, war dies der Text, der bei jeder christlichen (nicht nur katholischen) Hochzeitsmesse gelesen wurde. Jedenfalls bis in die fünfziger Jahre. Also, um es historiographisch zu sagen, bis zum Ende des "Golden Age of Marriage". Nach der Liturgiereform blieb nur noch ein Rumpftext.

Eine Predigt über diesen Text hab ich übrigens noch nie gehört.

Auch so unbefangen wie Luther übersetzt heute kein Übersetzer mehr diesen Text:

21 und seid untereinander untertan in der Furcht Gottes.
22 Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem HERRN.
23 Denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus das Haupt ist der Gemeinde, und er ist seines Leibes Heiland.
24 Aber wie nun die Gemeinde ist Christo untertan, also auch die Weiber ihren Männern in allen Dingen.
25 Ihr Männer, liebet eure Weiber, gleichwie Christus auch geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben,
26 auf daß er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort,
27 auf daß er sie sich selbst darstellte als eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas, sondern daß sie heilig sei und unsträflich.
28 Also sollen auch die Männer ihre Weiber lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer sein Weib liebt, der liebt sich selbst.
29 Denn niemand hat jemals sein eigen Fleisch gehaßt; sondern er nährt es und pflegt sein, gleichwie auch der HERR die Gemeinde.
30 Denn wir sind die Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebein.
31 "Um deswillen wird ein Mensch verlassen Vater und Mutter und seinem Weibe anhangen, und werden die zwei ein Fleisch sein.
32 Das Geheimnis ist groß; ich sage aber von Christo und der Gemeinde.
33 Doch auch ihr, ja ein jeglicher habe lieb sein Weib als sich selbst; das Weib aber fürchte den Mann.

So mal nebenbei lesen geht offenbar noch, aber bei Hochzeiten habe ich diesen Text bisher nur bei Eheschließungen nach dem Usus antiquior gehört. Warum?

Kommentare:

  1. Die ersten Sätze dieser Lesung werden auch gerne in der Messe weggelassen. Ich war mal Lektorin und bin entsprechend angewiesen worden. Als eine Ko-Lektorin und ich dem Pfarrer sagten, dass es uns nichts ausmacht, das zu lesen, schließlich stünde es nun mal so da, meinte der, uns vielleicht nicht, aber vielen anderen schon und er müsste sich dann wieder mit Protestschreiben und Kirchenaustritten rumschlagen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich wundere mich eh schon seit langem, wo die "Protestgruppe Bibel - für eine zeitgemäßes Evangelium" bleibt.
      Das Merkwürdige ist, dass man den ersten Satz, der ja quasi eine Hermeneutik für die Folgenden ist, überhaupt wenig beachtet und einfach nur sagt, hier würde ein überholtes Rollenbild geschildert... "ordnet euch EINANDER unter"...
      Bei uns in Freiburg gab es auch neulich Zensur: http://invenimus.blogspot.de/2012/08/dienst-der-wahrheit.html

      Löschen
  2. Also bitte: wenn schon, dann:

    ὑποτασσόμενοι ἀλλήλοις έν φόβῳ θεοῦ

    Das gibt Unicode schon noch her ...

    Ansonsten: abstrakt verstandene "Gleichberechtigung von Mann und Frau" ist das goldene Kalb des Modernismus - wen wundert dann diese Scheu?

    Danke übrigens für die kraftvollen Lutherverse (sagt ein bekennender Evangelischer)!

    AntwortenLöschen
  3. Also bei uns im Dom (!) haben sie das bis 25 auch weggelassen ... Und ich habe mich gewundert, dass heute zwei Frauen die Lesungen gemacht haben. Das passiert sonst nie. Und wir hatten eine Kantorin (gut sie konnte singen und es ist Urlaubszeit). Erstaunlich, dass die Kirche immer noch nicht gemerkt hat, dass es nicht die Anpassung an den Zeitgeist ist, der die Leute wieder in die Kirche zurückbringt.

    AntwortenLöschen
  4. Der Fehler, der meines Erachtens oft gemacht wird, ist, daß der Fokus zu sehr auf dem Eingang des Textes liegt und manche alles ausblenden, was danach kommt. Es geht um die gegenseitige Unterordnung und um den Bezug auf Christus und die Kirche, das tiefe Geheimnis, wie es der Apostel nennt.

    Ich hatte mich schon mal dran abgearbeitet: Blitzlicht zum Fest der hl. Familie

    Diese Lesung kommt übrigens WiMRE mehrmals im Jahr vor, bei uns wird sie immer in voller Länge gelesen (gestern übrigens von mir, ich hab natürlich auch gut lesen ;) - abgesehen davon wüßte ich aber auch keine andere Lektorin, die sich an dieser Lesung riebe). Lektionare sind nicht dazu da, daß man in ihnen herumkürzt.

    Zur Frage mit den Hochzeiten: wie bei anderen Feiern gibt es in der ordentlichen Form für Brautmessen (und wahrscheinlich auch für die entsprechenden Wortgottesdienste) Lesungen zur Auswahl, insofern kommt es halt darauf, was die künftigen Eheleute schön finden.

    AntwortenLöschen
  5. ich habe das zu beginn meiner zeit hier einmal versucht, das gab natürlich theater ohne ende. die atmosphäre ist ideologisch einfach so kontaminiert, dass es kaum möglich ist, über diese wahrheiten zu sprechen. so werde ich bis zur nächsten trauung im a.o. ritus warten.....

    AntwortenLöschen
  6. Ich finde es gut, dass hier wieder einmal auf die Bibel, deren Lehre es ja strikt einzuhalten gilt, hinweisen.
    Viele Ehemänner haben ja schon vergessen, dass ihnen ihre Ehefrauen untertan zu sein haben und Gehorsam schulden, weil sie, die Männer, ja "das Haupt der Frau" sind.
    Dazu gab es früher noch Hirtenbriefe dazu:

    "Wer grundsätzlich die Verantwortung des Mannes und Vaters als Haupt der Ehefrau und der Familie leugnet, stellt sich in Gegensatz zum Evangelium und zur Lehre der Kirche... Die Lehre selbst aber, um die es hier geht, ist in Gottes Wort klar bezeugt. Wer sie leugnet, verkennt und verkehrt die hohe Berufung und Verantwortung des Mannes und Vaters, dem zum Dienst der Liebe an Frau und Kindern eine Leitungsgewalt übertragen ist... Das gilt für jede Ehe..."

    Zitiert aus dem Hirtenwort der deutschen Erzbischöfe und Bischöfe zur Neuordnung des Ehe- und Familienrechtes vom 30.1.1953, in: Kirchlicher Amtsanzeiger für die Diözese Trier, 97, 1953, 41-44.

    Und wenn sich die Ehefrau dann im Laufe der Zeit als böse Hexe herausstellt, dürfen wir sie natürlich verbrennen, weil das ja auch in der Bibel steht: 2Mo 22,17 Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen.

    AntwortenLöschen
  7. @F.M. Ist Dir der Begriff "Synapse" geläufig? Bei Dir ist offenbar gerade eine eingerastet (die "die Kirche verbrennt Hexen-Synapse") Dennoch sei gedankt für das interessante Zitat. Aber wenn man schon die Bibel studiert sollte man sie in jedem Fall GANZ lesen. Warum wird dieses Zitat eigentlich immer nur unter dem Gesichtspunkt gelesen, was Frauen ihren Männer "schulden" und nicht, was Männer ihren Frauen "schulden". Ist die Verpflichtung der Männer ihren Frauen gegenüber denn gleichgültig oder ist sie trivial? Sie ist es nicht, denn sonst hätte ich wohl nicht so viel mit Scheidungswitwen und -waisen zu tun.

    AntwortenLöschen
  8. Trackback:
    http://frischer-wind.blogspot.de/2012/09/eph-521-33.html

    LG

    AntwortenLöschen
  9. Zitat: ... die Kirche verbrennt Hexen ...

    Diese Aussage ist falsch! Die Kirche hat niemals Frauen als Hexen verbrannt. Sie hat nach der Verurteilung der Frauen als Hexen die blutige Drecksarbeit natürlich immer die weltliche Gerichtsbarkeit machen lassen. Kann man in diversen bayerischen und württembergischen Archiven in minuziös geführten Prozessprotokollen nachlesen. Besonders gewütet hat die weltliche Gerichtsbarkeit unter den Frauen und Männern im heutigen Unterfranken. Wenn Sie an Details interssiert sind (was ich allerdings nicht vermute) lesen Sie nach im Landesarchiv Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Dort sind im Staatsarchiv sogar einige Quellen zur Hexenverfolgung digital aufbereitet und online zugänglich.

    Quelle:

    http://www.landesarchiv-bw.de/web/hexenverfolgung_in_franken/45869

    AntwortenLöschen