Samstag, 26. Mai 2012

Der Ewige Katholikentag: Wer Dialog sagt, will betrügen

Manchmal muß ich mich in den Arm zwicken. Ist dies nicht das Zeitalter der Vielfalt, der Toleranz, des Dialogs, der Demokratie? Sind wir nicht so weltoffen wie nie? Darf hier nicht jeder, sofern er keine Strafgesetze übertritt, tun und lassen was er will? Haben wir nicht ein selten vielfältiges Angebot an Meinungen und Informationsmöglichkeiten?

Wird nicht allerorten dialogisiert, daß es nur so eine Art hat? Sind wir nicht mit allem und jedem "im Gespräch", Katholiken mit Protestanten, Christen mit Muslimen, Bischöfe mit Funktionären der Kirche, diese mit dem "einfachen Gläubigen". Ein Schuft, wer  den Dialogprozeß, den Dialog-Prozeß-Progreß verweigert.

Vielfalt, Toleranz, Demokratie. Das Motto der neuesten staatlichen Umerziehungsinitiative. Eigentlich DAS MOTTO schlechthin. Beginnen wir also mit der Vielfalt.

Wenn ich an meinem Kiosk nachsehe, mit welcher Zeitung, mit welcher Zeitschrift ich mich informieren kann, begegnet mir eine gewaltige Vielzahl. Aber keine Vielfalt. Ich darf wählen zwischen den Kirchenhasserpostilen Stern, Spiegel, taz, zugegeben mit kleinen katholisch-konservativen Einsprengseln, und den einstmals konservativen, nicht ganz so vehement antikatholischen Blättern FAZ, Welt und BILD. Ich habe die freie Wahl, ob ich mich von den für die Berichterstattung aus der Welt der Kirche zuständigen Linkskatholiken Daniel Deckers (FAZ), Gernot Facius (Welt) oder Heribert Prantl (Süddeutsche) mit der immergleichen Litanei zudröhnen lasse, nach der das Heil der Kirche davon abhängt, daß sie endlich Schwule knutscht, Priester heiraten läßt, Frauen zu Womynpriests weiht, es mit ihrer mittelalterlichen Sexualmoral endlich mal sein läßt, und Lehmann, Glück und Thierse zu den Triumvirn der deutschkatholischen Nationalkirche erwählt.

Die unglaubliche Vielfalt politischer Parteien, zu der jetzt noch eine neue, von der realsozialistischen Journaille gehypte Partei dazukommt, verdeckt, daß selbst Meinungen, die von der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung geteilt werden, keine politische Repräsentanz mehr finden. Welche Partei sollte den bitteschön ein Euroverächter wählen? Oder eine Lebensschützerin? Welche Partei könnte ein Mensch wählen, der der Auffassung ist, daß homosexuelle Lebenspartnerschaften ungleich der Ehe zwischen Mann und Frau sind? Welche Partei steht an der Seite eines Sparers, der sich davor fürchtet, daß vor lauter Euroretterei seine sauer ersparten Groschen sich in einen Haufen wertlosen, buntbedruckten Papiers verwandeln?

Elsa erwähnt einen Redner, der eine "enorm langweilige Rede" hält, und ich stelle mit einer kleinen Textcollage dar, was diese Rede, wie so viele andere, so "enorm langweilig" macht.
Die Testfrage der (passendes wie Sozialisten, Humanisten, Christen, Ökologisten, Demnokraten bitte einsetzen) gegenüber rechtspopulistischen und rechtskonservativen Gruppierungen muss sein: Welches Menschenbild haben sie? Wie halten sie es mit der Würde gerade der Menschen, die nicht ihrer Norm entsprechen, seien es ausländische Mitbürger, seien es beispielsweise homosexuelle Menschen oder andere Gruppen? (Passsendes bitte einsetzen) müssen eine klare Grenze ziehen auch gegenüber Gruppierungen, die die "christlich-abendländischen Werte" im Namen des Konservativen beschwören und gleichzeitig die Würde anderer Menschen nicht achten.
Wo ist diese Rede gehalten worden? Auf einem Jusokongreß? Auf einer christ-, sozialdemokratischen, liberalen oder grünen oder linken oder piratischen Parteiversammlung? Alles ist möglich. Der Kampf gegen Rechts richtet sich mittlerweile ja nicht mehr etwa gegen "rechte" Extremisten, sondern gegen ein weit größeres Spektrum, den "Rechtspopulismus" (zu dem unter anderem ein sehr bekannter Sozialdemokrat sich zu zählen hat), den "Rechtskonservativismus". Es geht gegen Gruppierungen die "christlich-abendländische Werte" beschwören im "Namen des Konservativen". Daß selbstverständlich auch Lebensschützer zu den "Rechten" gehören, läßt sich jeden September in Berlin betrachten, wenn sich der Marsch für das Leben unter Polizeischutz durch einen unter anderem von dem Linkskatholiken Thierse gesponserten Mob durchkämpfen mußt.

Die erklärende Beifügung "und gleichzeitig die Würde anderer Menschen nicht achten", kann man getrost weglassen, denn das ist schnell geschehen. Es genügt schon, die traditionelle freudianische Theorie zu vertreten, nach der Homosexualität eine psychische Deformation sei. Es genügt schon, Ehe als lebenswierige, auf die Zeugung und Erziehung von Kindern gerichtete Verbindung zwischen zwei verschiedengeschlechtlichen Personen zu definieren. Es reicht schon, Islamisten eine Anti-Mohammed-Karikatur vor die Nase zu halten.

Alois Glück hat diese Rede gehalten, nicht auf einem Parteikongreß der X-Partei, sondern auf der Vollversammlung des Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Was also ist die "Vielfalt"? Es ist die Vielfalt à la mode Republique démocratique allemande, die Vielfalt der Blockparteien der Nationalen Front. Unversehens finden wir uns in einer neuen Republik wieder in den Farben der DDR. Unversehens ist der "Kampf gegen Rechts" zur Staatsräson des Landes geworden. Daß sich die Aggiornamentalisten als Opportunisten qua definitionem in die Nationale Front einreihen, hätte mich gewundert, wenn sie es nicht getan hätten.

Die einfältige Vielfalt der Neuen DDR spiegelt sich mit wenigen Ausnahmen auch auf dem Katholikentag wieder. "Alte Messe"?. Gehört nicht zum Programm. Die Thesen des Bundes katholischer Ärzte zur Frage der Behandelbarkeit von Homosexualität? "Entspricht nicht der katholischen Lehre". Das große Thema Lebensschutz? Das Suchprogramm findet es nicht. Selbst Bischöfe gehören offenbar nicht mehr zum "Spektrum". Es fehlt die "Mitte der Kirche". Die wahre Mitte um Katechismus und Papst. Denn diese Mitte ist inzwischen nicht mehr Mitte, sondern rechts von der neuen Mitte.

Was kann, auf diesem Hintergrund, Dialog bedeuten? Nichts. Denn mit These und Antithese eines philosphischen Dialogs hat dies nichts zu tun. Eine Antithese zur These kann es nicht geben, ist doch Vielfalt definiert als Einfalt-Vielfalt links von der Mitte der Kirche. Gemeint ist vielmehr der monologisierende Prozeß-Progreß in dem sich die Immergleichen mit dem Immergleichen befassen und uns stolz als Ergebnis des Dialog-Prozeß-Progresses das Immergleiche präsentieren.
Der andere Grund ist der Dialogprozess. Es ist natürlich wichtig, dass nach dem ermutigenden Start und auch vielen lebendigen Entwicklungen in nicht wenigen Diözesen und in unseren Gemeinschaften nun auch eine Konkretisierung spürbar wird. Das haben wir beispielsweise vor wenigen Wochen beim Tag der Diakonin erlebt, für den sich die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands und der Katholische Deutsche Frauenbund in Kooperation mit dem ZdK sehr engagiert haben. Unsere Pressemeldung dazu begann mit dem Satz: "Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat nochmals für das Anliegen des Diakonats der Frau geworben." Ich finde dies wichtig und bekräftige dies, wann immer ich gefragt werde. Wir haben mit der Führung der beiden großen Frauenverbände vereinbart, dass wir uns noch vor der Sommerpause über das weitere Vorgehen zu diesem Anliegen beraten.
Hätten Sie´s gewußt? Die Spannung steigt. Welches Mäuslein wird wohl der Dialog-Prozeß-Progreß noch gebären, von dem wir nicht schon wissen?

Jetzt schon ist klar, welches Ergebnis der Dialog-Prozeß-Progreß nicht zeitigen wird. Eine Reform der zum mit schrecklichen Schlagerliedlein begleiteten Ringelpietz verkommenen Doityourselfliturgie mit der  Reformpriester ihre Gemeinde bestrafen, wird dieser Prozeß nicht hervorbringen.

Keine Gebetsinitiative wird uns vom Priestermangel erlösen, geschweige denn eine innerkirchliche Initiative, die die Würde und das Amt des Priesters erneut zum Strahlen bringt, auf daß sich junge Männer für dieses Amt entscheiden. Denn ihnen ist dieses Amts ja gar nicht zugedacht. Vielmehr sollen die vielen Stealth-Priesterinnen, die uns schon jetzt mit Überstola gewandet auf das Kommende seelisch und ästhetisch vorbereiten, die vakanten Pfarrstellen besetzen. Die in Überzahl produzierten Gemeindereferenten sollen ins Amt rücken. Auf daß Sozialarbeiter werde, was in persona Christi capitis war.

Kein Ruck wird durch die deutsche Christenheit gehen, auf daß sie mit einer Stimme für eine Kultur des Lebens spricht. Kein Kulturkampf wird um die Definition der Ehe ausbrechen. Nicht wird sich das Zentralkomitee in die Bresche für die Verteidigung des großen Und zwischen Ehe und Familie werfen. Wir werden auf keine Initiative für die Wahrung der Religionsfreiheit hoffen dürfen, die in Europa immer mehr schwindet.

Wer Dialog sagt, will betrügen.

Kommentare:

  1. Medial werden wir schon seit einer geraumen Weile sprachlich besch*ssen. Es war kurz vor der Ära Schröder als ein Bundesminister sagte, man wolle mehr gegen "Extremismus" tun, bei der Zweiten Deutschen Folxverdummung wurde in den Prime-Time-Nachrichten daraus "Rechts-Extremismus".

    Inzwischen sind Antifa, Gewerkschaften und evg. Gemeinden führend in Bündnissen "gegen rechts", der Extremismus wird sinnfälligerweise unterschlagen. Die katholischen Gemeinden spielen oft mit, weil man sonst befürchten muß, als "Rechts-Sympathisant" auf der medialen Anklagebank zu sitzen, wo es bekanntermaßen keine Verteidiger und keinen Prozeß gibt, sondern nur die Anklage und die Hinrichtung.

    Ich warte auf den Tag, an dem ich in der Zeitung lese, daß ein Anarchist einem traditionellen Anarchisten vorwirft, er wäre zu rechts. Christel Wegner(Niedersachsen) würde dann sofort den Geheimdienst zur Aufdeckung konterrevolutionärer Elemente anrufen.

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  2. Es ist einer der besseren Texte zum Thema, die ich gelesen habe.

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