Donnerstag, 4. Oktober 2012

Nobbie Lammert strikes again: Dany C.-B. und die Grand Armée.

Dany, Nobbie, Uli und Guy auf dem Weg nach Moskau
Hab ich gestern wieder nicht geschnallt. Wenn ein Politiker einen Kampfruf ausstößt, dann, weil er seine Getreuen unter der Fahne sammeln will. "Wir sind Europa!" rief Norbert Lammert, als Präsident des Bundestages der mit Sicherheit politisch mächtigste Katholik Deutschland, seinen Zuhörern zu.

Fast jedem, nur nicht mir, fiel auf, wen Norbert Lammert da zitierte. Diese Parole steht über einem "Manifest", das vor kurzem das übliche linksökoliberalökumenische Unterschriftenkartell mit dem üblichen Inhalt veröffentlichte:
Dort, wo das jugendliche Prekariat seine Zeltlager errichtet hat und seine Stimme öffentlich erhebt, geht es um die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit. Ob in Spanien, Portugal, in den Ländern Nordafrikas, oder in den amerikanischen Großstädten, oder in Moskau – diese Forderung wird überall machtvoll vorgebracht. Es wächst die Wut über eine Politik, die mit riesigen Summen Banken rettet, aber die Zukunft der Jugend verspielt. Doch welche Hoffnung bleibt dann für ein Europa, das immer älter wird? 
Gibt es nicht inzwischen irgendwo im internet einen Manifestgenerator? Da müßte man dann die entscheidenden Schlüsselbegriffe eingeben und erhielte dann einen Aufruf, der sprachlich vielleicht sogar noch etwas eleganter wäre. "Jugendlich" - der Progressismus ist immer jugendlich, auch wenn die Protagonisten weitestgehend schon jenseits des Rentenalters stehen. "Prekariat", "Zeltlager", "seine Stimme erhebt", "soziale Gerechtigkeit", "machtvoll", "Wut", "riesige Summen", "Banken". Fertig ist das Manifest, ein bißchen Würzmittel drüber, Leitungswasser dazu, Unterschriften drunter (aus der Datenbank), fertig ist die Wassersuppe.

Kleiner Schlenker: das Europa, das immer älter wird. Warum wird es immer älter? Senta Berger, die das Manifest unterzeichnet hat, wie sie ja schon immer Manifeste unterzeichnet hat, könnte dazu etwas sagen. 1971 hatte sie den mit Sicherheit folgenreichsten Aufruf unterschrieben, der jemals in der Bundesrepublik veröffentlicht wurde: "Wir haben abgetrieben". Seitdem ist nichts prekärer, als das Leben eines ungeborenen Kindes. Seitdem, aber nicht nur deshalb, "wird Europa immer älter".

Mich wundert immer, warum unsere politische Klasse keinen Blick zurück wagt. Vor zweihundert Jahren gab es schon einmal, was unser Polit- und Unterschriftenkartell sich so sehnlichst erhofft, das vereinte Euro-Europa, interessanterweise, wie heute, ohne Schweden, Großbrittanien und ohne Rußland. Mit einheitlicher Währung (dem Franc), einheitlichem Recht (dem Code napoleon), einer einheitlichen Armee, von der der "Linksradikale" Cohn-Bendit heute wieder träumt. Der träumt allerdings von einer popeligen Zinnsoldatenarmee mit 300.000 Soldaten.

Mickrig. Als Napoleon im Sommer 1812 den Grenzfluß Njemen (Memel) überschritt, hatte seine Armee insgesamt 600.000 Soldaten. Heute vor 200 Jahren war ein Teil dieser Armee im absichtsvoll vom eigenen Bürgermeister niedergebrannten Moskau gefangen, der aktive Kader war auf etwas mehr als 100.000 Soldaten geschrumpft. In wenigen Wochen würde der Rückzug beginnen, der mit dem Tod der Grande Armée endete.

Die Gründe für das Desaster könnten uns bekannt vorkommen. Die Armee sprach mehr als ein dutzend Sprachen. Teile der Armee warteten nur darauf, sich bei der nächstbesten Gelegenheit davon zu machen. Noch auf dem Rückzug verbündeten sich die Preußen mit Rußland, um im Folgejahr gegen Frankreich zu ziehen. Die Interessenkonflikte waren nur oberflächlich übertüncht. Das imperiale Gehabe und die politische Rücksichtslosigkeit Napoleons ließ selbst den neu installierten, mit Napoleon verschwägerten König von Schweden, den Grafen Bernadotte, zum Feind werden. Nicht nur Napoleons Nachschubwege waren überdehnt, daß ganze napoleonische Imperium, das heute in etwa die Region von EU-Europa umfaßt, war es.

Geschichte wiederholt sich als Farce. Gibt es einen schlimmeren Feind als den neuen Zaren Putin? Ist nicht Großbrittanien verhaßt? Hält sich nicht Schweden klug abseits und von europäistischen Utopien und Experimenten fern? Griechenland ist nun nicht dabei, das gehörte vor 200 Jahren noch zum osmanischen Reich, wovon es sich offenkundig bis heute weder wirtschaftlich noch geistig erholt hat. Auf keinen Fall geistig erholt hat sich unsere politische Elite von den imperialen Utopien Napoleons.

Läßt sich nachlesen. Und zwar in  Daniel Cohn-Bendits und Guy Verhofstadts epochalem Werk "Für Europa". "Nur ein Frontalangriff kann uns noch retten." Klingt wie Napoleon vor Borodino. "Angriff ist die beste Verteidigung." Wird sich Napoleon vor seinem Übergang über den Njemen auch gedacht haben. Ansonsten kann man nachlesen, daß es den Herren wohl vor allem um Macht geht. Angesichts der Globalisierung und und und.

Aber auch das: "Achte, was uns vereinigt, nicht, was uns entzweit." Kenn ich doch? Lammert!

Der Ökumenismus und der Europäismus sind offenbar Zwillinge.

Kommentare:

  1. Nobby streut wieder Nebelkerzen.
    Wir sind nicht Europa und wir sollen auch nicht Europa sein. Wir sollen einfach nur für Europa bezahlen.

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  2. "Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel."

    Bertrand Russell

    Aus diesem Grund kann es sich bei Politikern nur um dumme Menschen handeln:

    "Meistens sind die Führer keine Denker, sondern Männer der Tat. Sie haben wenig Scharfblick und könnten auch nicht anders sein, da der Scharfblick im allgemeinen zu Zweifel und Untätigkeit führt. Man findet sie namentlich unter den Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die sich an der Grenze des Irrsinns befinden."

    Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

    Das Hauptproblem von Politikern ist nicht, dass sie nichts wissen (das lässt sich nachholen), sondern dass sie sich einbilden, sie wüssten schon was, solange die Masse sich von ihren naiven Parolen beeinflussen lässt.

    Der Grund für die Beeinflussbarkeit der Massen durch politische Parolen ist die Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern):

    http://www.swupload.com//data/Das-Juengste-Gericht.pdf

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