Dienstag, 19. Februar 2013

Max (Horkheimer) und Joseph (Ratzinger) diese beiden: über den Eros


Das kurze Filmchen über meinen Lieblingsprofessor Max Horkheimer könnt ich mir immer wieder ansehen. Wie Max nach einem kurzen Resümee der Marxschen Theorie hinter seiner schwarzen Hornbrille kurz und knackig hervorblafft:

DIESE THEORIE IST FALSCH!!!

Einfach unnachahmlich. Über das berühmte Interview Max Horkheimers über die "Sehnsucht nach dem ganz Anderen" hab ich ja auch schon mal ein bißchen geschrieben. Daß die Ikone der 68er, dessen mit Adorno geschriebenes Werk "Dialektik der Aufklärung" in die berühmt-berüchtigte "Schwarze Reihe" aufgenommen wurde, den Sexualrevolutionären ins Stammbuch schrieb, daß wir "die Pille mit dem Tod der erotischen Liebe bezahlen" müssen, hat wohl einige erschüttert, aber doch letztlich keinen mehr wirklich bewegt.

Aber Horkheimers Diagnose traf zu, ebenso wie alle Prognosen seines Zeit- und Leidgenossen Papst Paul VI, die er in "Humanae vitae" niederschrieb. Horkheimer sagte den Tod der erotischen Liebe voraus, Paul VI das Ende der christlichen Ehe. Beides trat ein, oder höre ich Widerspruch?

Auch Professor Joseph Ratzinger, hat ja, um beim Thema zu bleiben, etwas über den Eros geschrieben. In seiner ersten Enzyklika "Deus Caritas est", und, rückblickend, klingt es wie eine Anwort und Bestätigung des knackigen Kernsatzes "Die Pille müssen wir mit dem Tod der erotischen Liebe bezahlen":
Heute wird dem Christentum der Vergangenheit vielfach Leibfeindlichkeit vorgeworfen, und Tendenzen in dieser Richtung hat es auch immer gegeben. Aber die Art von Verherrlichung des Leibes, die wir heute erleben, ist trügerisch. Der zum ,,Sex’’ degradierte Eros wird zur Ware, zur bloßen ,,Sache’’; man kann ihn kaufen und verkaufen, ja, der Mensch selbst wird dabei zur Ware. In Wirklichkeit ist dies gerade nicht das große Ja des Menschen zu seinem Leib. Im Gegenteil: Er betrachtet nun den Leib und die Geschlechtlichkeit als das bloß Materielle an sich, das er kalkulierend einsetzt und ausnützt. Es erscheint nicht als Bereich seiner Freiheit, sondern als ein Etwas, das er auf seine Weise zugleich genußvoll und unschädlich zu machen versucht. In Wirklichkeit stehen wir dabei vor einer Entwürdigung des menschlichen Leibes, der nicht mehr ins Ganze der Freiheit unserer Existenz integriert, nicht mehr lebendiger Ausdruck der Ganzheit unseres Seins ist, sondern gleichsam ins bloß Biologische zurückgestoßen wird. Die scheinbare Verherrlichung des Leibes kann ganz schnell in Haß auf die Leiblichkeit umschlagen. Demgegenüber hat der christliche Glaube immer den Menschen als das zweieinige Wesen angesehen, in dem Geist und Materie ineinandergreifen und beide gerade so einen neuen Adel erfahren. Ja, Eros will uns zum Göttlichen hinreißen, uns über uns selbst hinausführen, aber gerade darum verlangt er einen Weg des Aufstiegs, der Verzichte, der Reinigungen und Heilungen.
Ja das ist fern, ach so fern von dem was unsere Kirchenreformer unter "Liebe" und befreiter Sexualität verstehen, wovon sie ja beständig reden, und lebte Max Horkheimer noch und hätten am letzten Samstag Max Horkheimer und Benedikt der XVI gemeinsam vor dem Fernseher gesessen, um sich das Wort zum Sonntag anzuhören, so hätten sie vermutlich synchron den Kopf geschüttelt:
Deshalb verbinde ich mit dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. meine Vision von Kirche: Ich wünsche mir, dass meine katholische Kirche den Mut aufbringt und sich durchringt zu tiefgreifenden Reformen im Geiste Jesu: Dass die Kirche offen, bescheiden, mitfühlend gerade auch auf die Menschen zugeht, die anders leben, als es offiziell-kirchlichen Vorstellungen entspricht. Ich denke an wiederverheiratete Geschiedene oder an homosexuelle Partnerschaften. Ich wünsche auch, dass sich die Kirche öffnet für demokratische Strukturen vor Ort. Und wegkommt vom strengen römischen Zentralismus. Ich wünsche mir, dass meine Kirche bereit ist zur Gleichstellung von Frau und Mann in allen Bereichen. Und dass sie ernsthaft darüber nachdenkt, ob der Pflichtzölibat für Priester wirklich dem Evangelium Jesu entspricht und noch zeitgemäß ist.
Da ließe sich nun vieles dazu sagen, verbindet es doch alle linken Marotten, radikaler Individualismus (MEINE katholische Kirche). Indifferentismus (gegenüber allen die "anders leben"), Untergrundromantik (wer sind wohl die Nicht-offiziell-kirchlichen?), Gleichmacherei (Gleichstellung von Mann und Frau in ALLEN Bereichen (also konsequenterweise das Ende von Bidet und Pissoir)), Demokratismus (natürlich erst mal vor Ort), die Banalisierung der Sakramente von Ehe (>Scheidung), und Priestertum (>Zölibat). und Eucharistie (>gemeinsames "Abendmahl")

Das gar nicht so unerklärliche Faible für "homosexuelle Partnerschaften" zählt immer zu diesem Katalog. Gleichmacherei auch hier. Die eigentümliche Neigung zum schwul-schwülstigen hat noch alle "Leveller"  gekennzeichnet, von den Jakobinern über den Turnvater Jahn bis zur nazi-sozialistischen SA.

Aber ist denn, um zum Thema zurückzukommen, die Anziehung innerhalb einer "homosexuellen Partnerschaft" erotisch? Das wäre eine Vergewaltigung der deutschen, oder genauer, der griechischen Sprache, denn Eros zwischen Homos ist Homoerotik. Erotische Liebe ist stets die zwischen zwei wesentlich, nämlich sexuell verschiedenen Partnern. Ein Abglanz der göttlichen Caritas, die mit der, nun wieder horkheimerisch "Sehnsucht nach dem ganz Anderen" beantwortet wird. Horkheimer, Ratzinger und Paulus (Epheser 5, 21 ff.) wären sich hier völlig einig.

Eine vertiefte Auseinandersetzung zum Thema, Horkheimer/Ratzinger/68er findet sich hier. Achtung, das ist echte, schwere Theorie! Ohne Literatur-Apparat nicht zu bewältigen!


Kommentare:

  1. Danke! Find ich großartig - alles was ich gerne sagen wollte, bloß fehlen mir dazu die Worte bzw. die Fähigkeiten des Ausdrucks.

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  2. Sehr interessant und bedenkenswert, aber was ist gemeint mit dem Tod der erotischen Liebe?

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  3. Von mir einen Widerspruch in der Hinsicht, dass Mr. Max sagt, Freiheit und Gerechtigkeit wuerden sich ausschliessen bzw. entgegengesetzte Begriffe sein. Entweder er hat einen falschen Gerechtigkeitsbegriff aber vielmehr denke ich, er koennte einen falschen Freiheitsbegriff haben.

    Die Freiheit besteht schliesslich darin, dem Boesen zu entsagen und das Gute zu waehlen, fuer alle anderen und fuer sich selbst. Es kann kein Widerspruch sein, fuer sich selbst und andere gleichzeitig das Gute zu waehlen, denn Gott will immer und ueberall fuer Jeden das Gute. Der Wille Gottes umschliesst aber auch seine Gerechtigkeit, die den Menschen ja in die Liebe und Freiheit fuehren soll.

    Oder?

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  4. @Kerstin: Max H. meint nicht "Gerechtigkeit" sondern "soziale Gerechtigkeit" also Gleichheit. Max Horkheimer denkt bei dem Begriff an Sozialismus, also an Gleichmacherei. Freiheit und Gleichheit sind - das hat Marx tatsächlich nicht sehen wollen - sich widersprechende Zielvorstellungen. Die völlige "Gleichstellung", der wir uns nähern, ist nur um den Preis der umfassenden staatlichen Bevormundung zu haben. Eine Gesellschaft der Gleichen ist stets eine Gesellschaft der Unfreien. Jede identitäre Bewegung von den Taboriten des 15. Jahrhunderts, bis zu den Nazis des 20. endet noch stets in der Diktatur. Auch der (unter anderem) feministische Gleichstellungswahn wird zunächst in der völligen Verblödung, anschließend in der völligen Sterilität enden.

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