Ja, Benedikt der XVIte ist MEIN Papst. Nicht nur deshalb, weil er der einzige Papst ist, dessen gesamtes Pontifikat ich als Katholik durchlebt habe. Ich bin am 8.12.2002 in die katholische Kirche aufgenommen worden, in den letzten Jahren des Pontifikats Johannes Paul IIten. Sondern auch, weil es ein Buch Joseph Ratzingers war, das "Salz der Erde", das mir den katholischen Glauben begreifbar gemacht hat.
Ich habe es in Berlin gekauft, in einem wunderlichen katholischen Laden, irgendwo auf dem Weg zu irgendeinem Gericht. Ich habe da mal gefragt, ob es nicht ein Buch gäbe, wo alles über den Katholizismus drinstünde, bitte verständlich formuliert, für Menschen die zum Beispiel Juristen sind, und auch sonst von beschränkter Natur.
Das müsse ich lesen, sei genau das richtige für mich. Ich war - um ehrlich zu sein - geschockt. Der? Der Panzerkardinal? Über Ratzinger hatte ich bisher nur alles erdenklich Schlechte gehört und gelesen. Aber das Buch war gut. Genau das richtige. Als ich alles durchgelesen hatte, kaufte ich mir das nächste Ratzinger-Buch. Und dann noch eines und inzwischen habe ich fast die ganze Bibliothek. Immer wieder faszinierte mich dieser glasklare Stil, nie habe ich ein Buch zur Seite gelegt, ohne das Gefühl, wieder etwas über den Glauben gelernt zu haben, endlich wieder eine Antwort auf die vielen Fragen gefunden zu haben, die unser ach so schrecklich komplizierter Glaube aufwirft.
Später habe ich dann Predigten und Ansprachen gehört, und immer hat mich diese leise, brüchige Stimme angerührt, dieser kleine Mann mit den typischen Gesten eines Schüchternen, der alles schon verstanden hat, aber sich doch dazu überwinden muß, zu diesen Massen zu reden, die sich vor ihm versammeln, um ihn zu hören.
Eine Rede gibt es, die Rede vor dem Bundestag anläßlich seine Besuchs in Deutschland, die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist. Sie ist mir in Erinnerung geblieben, weil sie mein Lebensthema betrifft, das Verhältnis von Politik und Recht. Und ich habe mit Bedauern zur Kenntnis nehmen müssen, daß diese große Rede, die ganz bestimmt zu den wichtigsten Reden gehört, die in unserem Parlament jemals gehalten worden sind, nicht gehört, und wenn sie gehört worden ist, wohl nicht verstanden worden ist, und auf keinen Fall von irgend jemandem, dem sie zugedacht war, "beherzigt" worden ist.
Danach war wieder nur Geschäft.
Donnerstag, 28. Februar 2013
Dienstag, 19. Februar 2013
Max (Horkheimer) und Joseph (Ratzinger) diese beiden: über den Eros
Das kurze Filmchen über meinen Lieblingsprofessor Max Horkheimer könnt ich mir immer wieder ansehen. Wie Max nach einem kurzen Resümee der Marxschen Theorie hinter seiner schwarzen Hornbrille kurz und knackig hervorblafft:
DIESE THEORIE IST FALSCH!!!
Einfach unnachahmlich. Über das berühmte Interview Max Horkheimers über die "Sehnsucht nach dem ganz Anderen" hab ich ja auch schon mal ein bißchen geschrieben. Daß die Ikone der 68er, dessen mit Adorno geschriebenes Werk "Dialektik der Aufklärung" in die berühmt-berüchtigte "Schwarze Reihe" aufgenommen wurde, den Sexualrevolutionären ins Stammbuch schrieb, daß wir "die Pille mit dem Tod der erotischen Liebe bezahlen" müssen, hat wohl einige erschüttert, aber doch letztlich keinen mehr wirklich bewegt.
Aber Horkheimers Diagnose traf zu, ebenso wie alle Prognosen seines Zeit- und Leidgenossen Papst Paul VI, die er in "Humanae vitae" niederschrieb. Horkheimer sagte den Tod der erotischen Liebe voraus, Paul VI das Ende der christlichen Ehe. Beides trat ein, oder höre ich Widerspruch?
Auch Professor Joseph Ratzinger, hat ja, um beim Thema zu bleiben, etwas über den Eros geschrieben. In seiner ersten Enzyklika "Deus Caritas est", und, rückblickend, klingt es wie eine Anwort und Bestätigung des knackigen Kernsatzes "Die Pille müssen wir mit dem Tod der erotischen Liebe bezahlen":
Heute wird dem Christentum der Vergangenheit vielfach Leibfeindlichkeit vorgeworfen, und Tendenzen in dieser Richtung hat es auch immer gegeben. Aber die Art von Verherrlichung des Leibes, die wir heute erleben, ist trügerisch. Der zum ,,Sex’’ degradierte Eros wird zur Ware, zur bloßen ,,Sache’’; man kann ihn kaufen und verkaufen, ja, der Mensch selbst wird dabei zur Ware. In Wirklichkeit ist dies gerade nicht das große Ja des Menschen zu seinem Leib. Im Gegenteil: Er betrachtet nun den Leib und die Geschlechtlichkeit als das bloß Materielle an sich, das er kalkulierend einsetzt und ausnützt. Es erscheint nicht als Bereich seiner Freiheit, sondern als ein Etwas, das er auf seine Weise zugleich genußvoll und unschädlich zu machen versucht. In Wirklichkeit stehen wir dabei vor einer Entwürdigung des menschlichen Leibes, der nicht mehr ins Ganze der Freiheit unserer Existenz integriert, nicht mehr lebendiger Ausdruck der Ganzheit unseres Seins ist, sondern gleichsam ins bloß Biologische zurückgestoßen wird. Die scheinbare Verherrlichung des Leibes kann ganz schnell in Haß auf die Leiblichkeit umschlagen. Demgegenüber hat der christliche Glaube immer den Menschen als das zweieinige Wesen angesehen, in dem Geist und Materie ineinandergreifen und beide gerade so einen neuen Adel erfahren. Ja, Eros will uns zum Göttlichen hinreißen, uns über uns selbst hinausführen, aber gerade darum verlangt er einen Weg des Aufstiegs, der Verzichte, der Reinigungen und Heilungen.Ja das ist fern, ach so fern von dem was unsere Kirchenreformer unter "Liebe" und befreiter Sexualität verstehen, wovon sie ja beständig reden, und lebte Max Horkheimer noch und hätten am letzten Samstag Max Horkheimer und Benedikt der XVI gemeinsam vor dem Fernseher gesessen, um sich das Wort zum Sonntag anzuhören, so hätten sie vermutlich synchron den Kopf geschüttelt:
Deshalb verbinde ich mit dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. meine Vision von Kirche: Ich wünsche mir, dass meine katholische Kirche den Mut aufbringt und sich durchringt zu tiefgreifenden Reformen im Geiste Jesu: Dass die Kirche offen, bescheiden, mitfühlend gerade auch auf die Menschen zugeht, die anders leben, als es offiziell-kirchlichen Vorstellungen entspricht. Ich denke an wiederverheiratete Geschiedene oder an homosexuelle Partnerschaften. Ich wünsche auch, dass sich die Kirche öffnet für demokratische Strukturen vor Ort. Und wegkommt vom strengen römischen Zentralismus. Ich wünsche mir, dass meine Kirche bereit ist zur Gleichstellung von Frau und Mann in allen Bereichen. Und dass sie ernsthaft darüber nachdenkt, ob der Pflichtzölibat für Priester wirklich dem Evangelium Jesu entspricht und noch zeitgemäß ist.Da ließe sich nun vieles dazu sagen, verbindet es doch alle linken Marotten, radikaler Individualismus (MEINE katholische Kirche). Indifferentismus (gegenüber allen die "anders leben"), Untergrundromantik (wer sind wohl die Nicht-offiziell-kirchlichen?), Gleichmacherei (Gleichstellung von Mann und Frau in ALLEN Bereichen (also konsequenterweise das Ende von Bidet und Pissoir)), Demokratismus (natürlich erst mal vor Ort), die Banalisierung der Sakramente von Ehe (>Scheidung), und Priestertum (>Zölibat). und Eucharistie (>gemeinsames "Abendmahl")
Das gar nicht so unerklärliche Faible für "homosexuelle Partnerschaften" zählt immer zu diesem Katalog. Gleichmacherei auch hier. Die eigentümliche Neigung zum schwul-schwülstigen hat noch alle "Leveller" gekennzeichnet, von den Jakobinern über den Turnvater Jahn bis zur nazi-sozialistischen SA.
Aber ist denn, um zum Thema zurückzukommen, die Anziehung innerhalb einer "homosexuellen Partnerschaft" erotisch? Das wäre eine Vergewaltigung der deutschen, oder genauer, der griechischen Sprache, denn Eros zwischen Homos ist Homoerotik. Erotische Liebe ist stets die zwischen zwei wesentlich, nämlich sexuell verschiedenen Partnern. Ein Abglanz der göttlichen Caritas, die mit der, nun wieder horkheimerisch "Sehnsucht nach dem ganz Anderen" beantwortet wird. Horkheimer, Ratzinger und Paulus (Epheser 5, 21 ff.) wären sich hier völlig einig.
Eine vertiefte Auseinandersetzung zum Thema, Horkheimer/Ratzinger/68er findet sich hier. Achtung, das ist echte, schwere Theorie! Ohne Literatur-Apparat nicht zu bewältigen!
Montag, 11. Februar 2013
Fratres carissimi - Benedikt tritt zurück.
Fratres carissimi
Non solum propter tres canonizationes ad hoc Consistorium vos convocavi, sed etiam ut vobis decisionem magni momenti pro Ecclesiae vitae communicem. Conscientia mea iterum atque iterum coram Deo explorata ad cognitionem certam perveni vires meas ingravescente aetate non iam aptas esse ad munus Petrinum aeque administrandum.
Bene conscius sum hoc munus secundum suam essentiam spiritualem non solum agendo et loquendo exsequi debere, sed non minus patiendo et orando. Attamen in mundo nostri temporis rapidis mutationibus subiecto et quaestionibus magni ponderis pro vita fidei perturbato ad navem Sancti Petri gubernandam et ad annuntiandum Evangelium etiam vigor quidam corporis et animae necessarius est, qui ultimis mensibus in me modo tali minuitur, ut incapacitatem meam ad ministerium mihi commissum bene administrandum agnoscere debeam. Quapropter bene conscius ponderis huius actus plena libertate declaro me ministerio Episcopi Romae, Successoris Sancti Petri, mihi per manus Cardinalium die 19 aprilis MMV commissum renuntiare ita ut a die 28 februarii MMXIII, hora 29, sedes Romae, sedes Sancti Petri vacet et Conclave ad eligendum novum Summum Pontificem ab his quibus competit convocandum esse.
Fratres carissimi, ex toto corde gratias ago vobis pro omni amore et labore, quo mecum pondus ministerii mei portastis et veniam peto pro omnibus defectibus meis. Nunc autem Sanctam Dei Ecclesiam curae Summi eius Pastoris, Domini nostri Iesu Christi confidimus sanctamque eius Matrem Mariam imploramus, ut patribus Cardinalibus in eligendo novo Summo Pontifice materna sua bonitate assistat. Quod ad me attinet etiam in futuro vita orationi dedicata Sanctae Ecclesiae Dei toto ex corde servire velim.
Ex Aedibus Vaticanis, die 10 mensis februarii MMXIII
BENEDICTUS PP XVI
Es fiel mir schon häufiger auf, daß die Übersetzung der Reden der Päpste in die deutsche und englische Sprache einen eigentümlichen Charakter haben. Dies beginnt bei der Übersetzung der Anrede. Heißt es im lateinischen Original "Carissimi" also "Liebste", in der italienischen Übersetzung entsprechend "Carissimi", im Französischen "Frères très chers", im spanischen "Queridisimos hermanos", so übersetzen die Angelsachsen und Germanen mit "Dear brothers" und "Liebe Mitbrüder". Meine Emotionen beziehen sich nun nicht wesentlich auf die Übersetzung, aber warum ist die deutsche Übersetzung eigentlich immer die schluffigste? Nicht nur "Liebe" statt "Liebste", sondern auch noch "Mit"brüder statt einfach nur "Brüder"?
Es hat mir immer in der Seele weh getan, daß dieser Papst, der wegen meiner späten Konversion zur katholischen Kirche im letzten Jahr des Pontifikates von Johannes Paul II auch biographisch "Mein" Papst gewesen war, von seinen "Mit"brüdern so wenig angenommen und so wenig unterstützt worden ist. Sagen wir es doch, wie es ist - abgesehen von vorschriftsmäßigen Floskeln, die einem deutschen Bischof ja nicht erspart bleiben, ist dieser so liebenswürdige, so feine, so kluge, so gebildete Papst von seinem deutschen "Mit"brüdern eher als Unglück angesehen worden.
Dabei war es doch dieser Theologenpapst, der am besten geeignet gewesen war, dem hochwissenschaftlich daherkommenden Neoatheismus (oder theologisch gesehen, dem Neoarianismus) die "eigene Melodie vorzusingen" um die "Verhältnisse zum Tanzen zu bringen".
Doch aus deutschen Landen kam etwa in der Kommentierung zu Benedikts Jesusbüchern nur Altbackenes und Altbekanntes oder - gar nichts. Und die große Rede Benedikts vor dem deutschen Parlament ist, wenn ich die Meinungsäußerung deutscher Politiker Revue passieren lasse - einfach nicht verstanden worden. Klassische Bildung geht der demokratischen Elite offenbar völlig ab.
Rückblickend scheint mir, als habe es der Heilige Geist mit uns Deutschen noch einmal im Guten versucht.
Der nächste Papst wird breitere Schultern haben. Daß nun ausgerechnet Bischof Müller, den man hierorts mit dem unübersetzbaren Begriff des "Urumbels" bezeichnen würde, Benedikts Position bei der Glaubenskongregation besetzt, könnte rein klimatisch darauf hindeuten, welche Statur der künftige Papst haben wird. Ich habe da eine konkrete Vorstellung, wer es werden könnte.
Non solum propter tres canonizationes ad hoc Consistorium vos convocavi, sed etiam ut vobis decisionem magni momenti pro Ecclesiae vitae communicem. Conscientia mea iterum atque iterum coram Deo explorata ad cognitionem certam perveni vires meas ingravescente aetate non iam aptas esse ad munus Petrinum aeque administrandum.
Bene conscius sum hoc munus secundum suam essentiam spiritualem non solum agendo et loquendo exsequi debere, sed non minus patiendo et orando. Attamen in mundo nostri temporis rapidis mutationibus subiecto et quaestionibus magni ponderis pro vita fidei perturbato ad navem Sancti Petri gubernandam et ad annuntiandum Evangelium etiam vigor quidam corporis et animae necessarius est, qui ultimis mensibus in me modo tali minuitur, ut incapacitatem meam ad ministerium mihi commissum bene administrandum agnoscere debeam. Quapropter bene conscius ponderis huius actus plena libertate declaro me ministerio Episcopi Romae, Successoris Sancti Petri, mihi per manus Cardinalium die 19 aprilis MMV commissum renuntiare ita ut a die 28 februarii MMXIII, hora 29, sedes Romae, sedes Sancti Petri vacet et Conclave ad eligendum novum Summum Pontificem ab his quibus competit convocandum esse.
Fratres carissimi, ex toto corde gratias ago vobis pro omni amore et labore, quo mecum pondus ministerii mei portastis et veniam peto pro omnibus defectibus meis. Nunc autem Sanctam Dei Ecclesiam curae Summi eius Pastoris, Domini nostri Iesu Christi confidimus sanctamque eius Matrem Mariam imploramus, ut patribus Cardinalibus in eligendo novo Summo Pontifice materna sua bonitate assistat. Quod ad me attinet etiam in futuro vita orationi dedicata Sanctae Ecclesiae Dei toto ex corde servire velim.
Ex Aedibus Vaticanis, die 10 mensis februarii MMXIII
BENEDICTUS PP XVI
Es fiel mir schon häufiger auf, daß die Übersetzung der Reden der Päpste in die deutsche und englische Sprache einen eigentümlichen Charakter haben. Dies beginnt bei der Übersetzung der Anrede. Heißt es im lateinischen Original "Carissimi" also "Liebste", in der italienischen Übersetzung entsprechend "Carissimi", im Französischen "Frères très chers", im spanischen "Queridisimos hermanos", so übersetzen die Angelsachsen und Germanen mit "Dear brothers" und "Liebe Mitbrüder". Meine Emotionen beziehen sich nun nicht wesentlich auf die Übersetzung, aber warum ist die deutsche Übersetzung eigentlich immer die schluffigste? Nicht nur "Liebe" statt "Liebste", sondern auch noch "Mit"brüder statt einfach nur "Brüder"?
Es hat mir immer in der Seele weh getan, daß dieser Papst, der wegen meiner späten Konversion zur katholischen Kirche im letzten Jahr des Pontifikates von Johannes Paul II auch biographisch "Mein" Papst gewesen war, von seinen "Mit"brüdern so wenig angenommen und so wenig unterstützt worden ist. Sagen wir es doch, wie es ist - abgesehen von vorschriftsmäßigen Floskeln, die einem deutschen Bischof ja nicht erspart bleiben, ist dieser so liebenswürdige, so feine, so kluge, so gebildete Papst von seinem deutschen "Mit"brüdern eher als Unglück angesehen worden.
Dabei war es doch dieser Theologenpapst, der am besten geeignet gewesen war, dem hochwissenschaftlich daherkommenden Neoatheismus (oder theologisch gesehen, dem Neoarianismus) die "eigene Melodie vorzusingen" um die "Verhältnisse zum Tanzen zu bringen".
Doch aus deutschen Landen kam etwa in der Kommentierung zu Benedikts Jesusbüchern nur Altbackenes und Altbekanntes oder - gar nichts. Und die große Rede Benedikts vor dem deutschen Parlament ist, wenn ich die Meinungsäußerung deutscher Politiker Revue passieren lasse - einfach nicht verstanden worden. Klassische Bildung geht der demokratischen Elite offenbar völlig ab.
Rückblickend scheint mir, als habe es der Heilige Geist mit uns Deutschen noch einmal im Guten versucht.
Der nächste Papst wird breitere Schultern haben. Daß nun ausgerechnet Bischof Müller, den man hierorts mit dem unübersetzbaren Begriff des "Urumbels" bezeichnen würde, Benedikts Position bei der Glaubenskongregation besetzt, könnte rein klimatisch darauf hindeuten, welche Statur der künftige Papst haben wird. Ich habe da eine konkrete Vorstellung, wer es werden könnte.
Samstag, 2. Februar 2013
Mariä Lichtmeß: Katholisch first class
Ich genieße das Privileg, einer Gemeinde anzugehören, deren Pfarrer regelmäßig die Messe im Usus antiquior feiert. Ein nicht nur mystisches, sondern auch irdisches Erlebnis, denn Riten und Gesten gehen in eine sinnlich-manifestere Zeit zurück.
Die Messe zu Mariä Lichtmess beginnt mit einer Prozession und der Pfarrer, der an der Spitze der Prozession geht, trägt - ein Pluviale. Einen Regenmantel (pluvium=Regen), um es der Wortbedeutung gemäß zu übersetzen. Prozessionen fanden in sinnlich-manifesteren Zeiten außerhalb der Kirchengebäude statt.
Die Hymne des Tages ist die der Complet, das nunc dimittis. Hier in einer irdischen Version der Voices8. Und hier noch einmal etwas ätherischer in der Fassung des Exeter Cathedral Chor.
Gegengift, wo doch jetzt auf allen Kanälen nicht nur vom post-agrarischen, sondern selbst vom post-industriellen Zeitalter die Rede ist. Vor allem von den Protagonist_Innen, die irgendwas mit Medien machen.
Die Alte Messe vermittelt uns die irdische Tatsache, daß unser Leben in seiner bloßen Existenz noch immer von Regen und Sonnenschein abhängig ist. Und daß sich die Gläubigen nicht zum Stelldichein am Mahltisch einfinden, sondern zur Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Über Busenspalten und das feministisch-puritanische Verhängnis
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| Königin Luise, Dekolletée |
Mann geht mir das auf die Nerven! Wenn ich die Tageszeitung aufschlage: Sexismusdebatte. In jedem Blättgen, auf jeder Homepage, vorzugsweise auf der der Pornopostille Stern "feministische Heulerei".
Die Szene, die Laura Himmelreich beschreibt, erinnert mich an eine Szene auf dem Schulhof. Ihr"Wie findet man es, wenn man im fortgeschrittenen Alter zum Hoffnungsträger aufsteigt?" war recht gesehen ihr Einstieg in eine Bataille. Brüderle hätte nun so reagieren können, daß er ihr sein Glas rheinischen Weißwein in ihr, wie man hört, ansehnliches Dekolletée kippte. Ist es etwa fein, einen Menschen auf sein Alter anzusprechen? Bei einer Dame wäre kein Mensch von Anstand auf diese Idee gekommen.
Brüderle reagierte mit einer Bemerkung, die sich nicht nach Kompliment anhört, sondern nach Gegenattacke. Und mit einem stieren Blick auf den Busen der Dame. Und mit weiteren Gesten und Worten, die eher offenbaren, daß es ziemlich schwer ist, übermüdet und angetrunken noch die Contenance und die Regeln des Anstands zu wahren. Ein gefundenes Fressen für die Dämlichkeiten, für die Frauen stets nur Opfer und Männer immer nur Täter sind. Gleich werden die Jammer-Homepages eröffnet, auf denen - bemerkenswerterweise - ausschließlich weibliche Opfer über sexistische Anmache klagen.
Feministische Heulerei eben. Ist niemals in diesem Äon auch nur ein einziger Mann von einer einzigen Frau angebaggert worden? Muß doch wohl so sein, denn wäre es anders, würde die Menschheit wohl ihre Existenz vermissen müssen, denn es ist doch eine allbekannte aber auch allverschwiegene Tatsache, daß nicht Männer, sondern meist Frauen die Initiative ergreifen. Weibliche Arbeitskleidung war dabei immer schon wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Agitprop-Arbeit am Mann.
Manchmal geht die Anbaggerei eben schief. Um verdeckte Signale richtig zu verstehen, brauch es eben emotionale Intelligenz. Soll bei Männern ja nicht so hoch entwickelt sein. Das Problem ist nun allerdings so alt wie die Menschheit, und die Lösungsversuche zum Teil Hohe Religion.
Wie hier:
Sage den Gläubigen, daß sie zügeln ihren BlickDie puritanische Lösung. Daß dies keine gute Idee war, zeigt die Geschichte der puritanischen Bewegungen, nicht nur der islamischen, sondern auch der der protestanischen "innerweltlichen Askese". Richtete sich des Augustinermönchs Luthers Revolte doch vor allem gegen die sinnenfrohe Renaissance. Was zur Folge hat, daß in erzprotestantischen Gegenden Männer und Frauen noch immer irgendwie mönchisch gekleidet sind. Und daß Frauen die Freiheiten, die sie in der katholischen Welt genossen, vollständig verloren.
Und hüten ihre Sinnlichkeit,
Das ist untadliger für euch.
Denn Gott ist kundig Eure Thuns.
Sag auch den gläubigen Frauen, daß sie zügeln ihre Blicke
Und hüten ihre Sinnlichkeit,
Nicht zeigen ihre Reize,
Als das was sichtbar ist davon,
Auch daß sie schlagen ihre Schleier
Um ihre Busenspalten. (Muhammad, Koran 24. Sure, Das Licht, Vers 30/31, in der Übersetzung von Friedrich Rückert)
Wo ordnen wir den Feminismus ein? In die Tradition des Puritanismus, sogar in ihre verschärfte Variante, denn der Feminismus gebietet nicht nur den Hosenanzug, sondern - wohlverstanden -eigentlich jeglichen Verkehr mit dem anderen Geschlecht. Das Sozialideal des Feminismus ist genau genommen die lesbische Nonne, die als Quotenfrau über das niedere Gewürm der an Maschinen, Zeichencomputern und Mülltonnen werkelnden Männlichkeit herrscht.
Muslimische Sekten, kommunistische Taboriten, protestantische Calvinisten, radikale Feministen und Maoisten zeichneten sich modemäßig gesehen dadurch aus, daß sie Männer und Frauen am liebsten in grauen Säcken verbergen (der Islam macht allerdings hinter verschlossenen Türen eine radikale Alternative auf). Das Brüderle/Himmelreich-Problem kann man auch so lösen, nur daß wirklich kein Mensch mit auch nur Restverstand in einer islamistischen, kommunistischen, calvinistischen, feministischen oder maoistischen Gesellschaft leben möchte.
Die Alternative ist conservativ und kompliziert. Frau ist Kleidung erlaubt, die ihre Vorzüge nicht verbirgt, sondern betont. Mann benimmt sich, (Methode Schiller, errötend folgt er ihren Spuren). Frei sind nur Gesellschaften, in denen freie Bürger Waffen tragen dürfen. Dazu gehören eben auch die Waffen einer Frau.
Die berühmte Szene zwischen Luise von Preußen und Kaiser Napoleon am 6. Juli 1807 wäre in unserer hach so emanzipierten Gesellschaft völlig undenkbar. Luise war von den einflußreichen Minister von Stein und von Hardenberg dazu bewogen worden, höchstpersönlich mit Napoleon über das Schicksal des militärisch besiegten Preußen zu verhandeln. Keine ganz gewöhnliche Entscheidung, aber in den Zeiten, in denen Frauen angeblich unter dem Patriarchat ächzten, war ihre Rolle nicht selten stärker als die der modernen Quotenfrau.
Luise erschien zu diesem Gespräch keineswegs hochgeschlossen, sondern in einem Kleid der damaligen Mode. Talleyrand berichtete danach erschüttert von "dem tiefsten und vollsten Dekolletée, das eine Deutsche je zeigte". Ein durchaus beeindruckendes Argument, wie man weiß, doch in den Verhandlungen setzte Luise nicht auf weibliche Waffen sondern auf überzeugende Argumente. Das Gespräch ist dokumentiert, Luise erscheint als kluge und geschickte Verhandlerin, nicht als Mäuschen, das sich auf seine körperlichen Vorzüge verläßt. Den Frauenhasser Napoleon hat sie letztlich nicht beeindrucken können, aber die Demütigung ihrer verehrten Königin haben die Preußen übel aufgenommen.
Frauen sind heute entweder schön oder mächtig. Kanzlerinnen und Außenministerinnen, Fraktionsführerinnen erscheinen mindestens in Jacket, meistens im Hosenanzug. Androgyn, nicht sexy, männlich, nicht weiblich. Die wirklich und nicht nur scheinbar mächtigen Frauen der Vergangenheit von Königin Elisabeth von England über Madame Pompadour, Katharina der Großen, Maria Theresia von Österreich, Luise von Preußen wären nie im Traum auf die Idee gekommen, Verhandlungspartnern in Männerkleidung entgegenzutreten. Aber diese Frauen hatten wirklich, was die Hosenanzugträgerinnen, Angela Merkel, Hillary Clinton und Nancy Pelosi nur scheinbar haben: Macht.
Offenkundig geht mit der "Emanzipation" der Frau ihre Verzwergung einher. Logisch, denn der Feminismus gehört der Kultur des Egalitarismus an. Der "Weltgeist zu Pferde" war im übrigen ein ausgeprägter Frauenhasser, und Frauenhasser sind seine modernen Nachfolger_Innen, gleich ob männlich oder weiblich. Alice Schwarzer steht in der Tradition des Sanscullotismus, nicht in der Tradition der Großen Frauen.
Sonntag, 27. Januar 2013
Der "Stern" und der "Sexismus"
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| Dance card 11. Jan 1887 |
Wenn ich ganz spontan und mit geschlossenen Augen die Worte "Stern" und Sexismus" assoziiere, fällt mir etwas ganz anderes ein, als der Herr Brüderle und seine altväterlich-undiskreten Sprüche gegenüber einer Journalistin, die noch nicht einmal halb so alt war, wie der Herr Fraktionsvorsitzende.
Spontan denke ich an die Bildchen, die der Herr Nannen, der Gründer des "Stern" gestaltet hat, als er noch für die Propagandaabteilung der Waffen-SS antisemitische Pornobildchen produzierte. (Zarte Seelen sollten NICHT auf diesen link klicken)
Spontan denke ich an die morbide "Wir haben abgetrieben" - Aktion, mit der die Porno-Postille keineswegs die Frauenbefreiung vorantrieb, wie Alice Schwarzer, das Dummerchen, glaubte, sondern - die Redakteure des Stern hatten ihren Wilhelm Reich gelesen - die sexuelle Revolution.
Spontan denke ich an die aussichtslose Klage ebender Alice Schwarzer gegen den Stern der 70iger Jahre, der sich als pornographischste Illustrierte der Nation profilierte und die Zeitungskioske mit Arsch- und Tittenbildchen flutete.
Und was hat Brüderle so schreckliches gesagt, daß die junge Journalistin ein ganzes Jahr benötigte, um diesen furchtbaren Schock zu verdauen? "Sie können ein Dirndl ausfüllen" (womöglich stierer Blick auf das, was Muhammad in Sure 24,31 erwähnt). "Ich möchte, daß Sie meine Tanzkarte annehmen."
Tanzkarte? Süß. Ich dachte das wäre nur was für Damen. Was sollen wir darüber denken? Auch Du Rainer? Und nicht nur Der Vorzende?
Aber ansonsten Jungs und Mädels vom Stern: da sind wir von Euch ganz anderes gewohnt, echten, harten Stoff.
Immerhin hat die Affäre ja einiges zum interkulturellen Dialog beigetragen, selbst die Hürriyet beschäftigt sich in einem wahrscheinlich höchst investigativen Artikel mit dem eigenartigen Kleidungsstück bayerischer Ladys. (Und solcher, die so scheinen wollen)
Und hier muß ich unbedingt noch eine tiefgründigste Analyse des ganzen Vorgangs aus vermutlich thomistischer Sicht empfehlen. (Naja, über Theologie und so weiß ich nicht wirklich viel)
Und außerdem noch sehr lesenswert eine umfassende Darstellung des Diskurses betreffend des ungentlemanliken Herrn B. (der ja nun wirklich eine Schande für seine Gattung ist) auf den Seiten des blogonischen Imperiums.
Wir haben ein Thema.
Samstag, 26. Januar 2013
Na also: Es gibt noch christliche Juristen: Polnisches Parlament lehnt Homo-Ehe ab.
Es gibt schon reichlich Gelegenheiten, daß ich an meinem eigenen - dem Juristenstand - verzweifle. Dazu gehören vor allem Entscheidungen der höchsten Gerichte, die offenbaren, daß der Verstand der lieben Kollegen von der Genderpest befallen ist.
Dazu gehört insbesondere das Urteil des EuGH, mit dem der Hof die Versicherer Europas unabhängig von geschlechterspezifischen Risiken (Männer fahren aggressiver Auto -daher höhere Tarife in der Autohaftpflicht, Männer sterben früher - daher günstigere Tarife in der privaten Rentenversicherung) dazu verpflichtete, sogenannte Unisex-Tarife anzubieten.
In der Kommentierung dieses Urteils schrieb ich damals, daß uns dieser Tag noch in Erinnerung bleiben wird. An mich selbst hatte ich erst nicht gedacht. Nun, nachdem mir meine Versicherung berechnet hat, was ich im Alter erwarten kann, fällt mir auf, daß auch mich der Genderwahn viel Geld kosten wird. Ich habe eine Risikolebensversicherung, die für mich wegen meines Geschlechts (höheres Versterbensrisiko) teurer war, als für eine Frau. (Das Thema Männer und Motorrad, hatten wir glaube ich mal, man spricht unter Unfallmediziner vom sogenannten Morbus Kawasaki). Getröstet hat mich, daß ich bei der Verrentung dafür eine höhere Rente erwarten kann. Ist nicht, wegen Unisex. (Der Verlust liegt, kapitalisiert, im fünfstelligen Bereich)
Nun ja, der Indianer weint nicht, der Katholik schon gar nicht, aber es wächst in mir der ganz persönlich-individuell-konkrete Wunsch, das "sogenannte europäische Haus" an allen vier Ecken anzuzünden.
Schon länger frißt sich die Gedankenpest des Genderwahns auch durch die Hirne deutscher Verfassungsrichter.
Doch nun geht im Osten die Sonne auf. Ex oriente lux, wie der Lateiner sagen würde. Das polnische Parlament hat eine Initiative zur Einführung der Homo-Ehe mit Mehrheit abgelehnt. Und die Fronten, die sich hier auftun, zeigen uns vor allem, wer wessen Geistes ist. Eingebracht war der Entwurf von der angeblich liberal-konservativen PO, heftigst unterstützt von der Front aus Katholikenfressern (Palikot) und den spätkommunistischen Anhängern des Prokrustes (SLD), ebenso heftig bekämpft von der aus der Solidarnoscz hervorgegangenen PiS und den verbündeten konservativen Gruppierungen, etwa der Bauernpartei.
Entscheidend war allerdings, daß auch innerhalb der PO eine ausreichende Minderheit gegen das Modeprojekt der europäischen BoBo-Linken stimmten. Und daß auch der von der PO gestellte Justizminister dem Projekt seine Unterstützung versagte.
Dazu gehört insbesondere das Urteil des EuGH, mit dem der Hof die Versicherer Europas unabhängig von geschlechterspezifischen Risiken (Männer fahren aggressiver Auto -daher höhere Tarife in der Autohaftpflicht, Männer sterben früher - daher günstigere Tarife in der privaten Rentenversicherung) dazu verpflichtete, sogenannte Unisex-Tarife anzubieten.
In der Kommentierung dieses Urteils schrieb ich damals, daß uns dieser Tag noch in Erinnerung bleiben wird. An mich selbst hatte ich erst nicht gedacht. Nun, nachdem mir meine Versicherung berechnet hat, was ich im Alter erwarten kann, fällt mir auf, daß auch mich der Genderwahn viel Geld kosten wird. Ich habe eine Risikolebensversicherung, die für mich wegen meines Geschlechts (höheres Versterbensrisiko) teurer war, als für eine Frau. (Das Thema Männer und Motorrad, hatten wir glaube ich mal, man spricht unter Unfallmediziner vom sogenannten Morbus Kawasaki). Getröstet hat mich, daß ich bei der Verrentung dafür eine höhere Rente erwarten kann. Ist nicht, wegen Unisex. (Der Verlust liegt, kapitalisiert, im fünfstelligen Bereich)
Nun ja, der Indianer weint nicht, der Katholik schon gar nicht, aber es wächst in mir der ganz persönlich-individuell-konkrete Wunsch, das "sogenannte europäische Haus" an allen vier Ecken anzuzünden.
Schon länger frißt sich die Gedankenpest des Genderwahns auch durch die Hirne deutscher Verfassungsrichter.
Doch nun geht im Osten die Sonne auf. Ex oriente lux, wie der Lateiner sagen würde. Das polnische Parlament hat eine Initiative zur Einführung der Homo-Ehe mit Mehrheit abgelehnt. Und die Fronten, die sich hier auftun, zeigen uns vor allem, wer wessen Geistes ist. Eingebracht war der Entwurf von der angeblich liberal-konservativen PO, heftigst unterstützt von der Front aus Katholikenfressern (Palikot) und den spätkommunistischen Anhängern des Prokrustes (SLD), ebenso heftig bekämpft von der aus der Solidarnoscz hervorgegangenen PiS und den verbündeten konservativen Gruppierungen, etwa der Bauernpartei.
Entscheidend war allerdings, daß auch innerhalb der PO eine ausreichende Minderheit gegen das Modeprojekt der europäischen BoBo-Linken stimmten. Und daß auch der von der PO gestellte Justizminister dem Projekt seine Unterstützung versagte.
Wie die Online-Ausgabe der Zeitung Rzeczpospolita berichtet, nannte Justizminister Gowin in der Aussprache direkt vor dem Votum alle drei Gesetzesentwürfe zur eingetragenen Lebenspartnerschaft verfassungswidrig. Artikel 18 der polnischen Verfassung hält fest, daß „die Ehe als Verbindung einer Frau und eines Mannes, die Familie, Mutterschaft und Elternschaft“ unter dem Schutz und der Fürsorge der Republik Polen stehen.Eigentlich hält auch Art. 6 GG ebendieses fest. Was dem BVerfG allerdings mittlerweile nicht mehr auffällt.
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