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Samstag, 6. Januar 2018

Erbarmen! 68 wird 50! (Erster Teil)

Anti-Schah-Demo 1967
Mich graust´s. Jetzt kommen sie zuhauf, die wankenden Gestalten. Die halbgebildeten 68er-Groupies, die 68 noch in die Windeln schissen oder gerade mal das ABC lernten, die aber mit himmelwärts verdrehten Augen die vorgeblich große emanzipatorische Leistung der 68er belobhudeln, und die andere Sorte, für die der 68er der schlechthinnige Gottseibuns ist, der den ganz großen Kulturbruch zu verantworten hat, von der Legalisierung von Marihuana, über die allfällige Linkshuberei, die gottverdammte Hippierepublik Deutschland, die sogenannte sexuelle Revolution, den durchgeknallten #aufschrei-Feminismus, den grauen Multikultibrei und schließlich noch das schlechte Wetter.

Außerdem sollen wir, jaja, ich bin ein 68er, auch noch für die "Grünen" uns schuldig bekennen. Das ist eindeutig zuviel des Schlechten.

Schlagt mich, ich bin ein 68er! Warum aber nicht 52er, 60er, 61er, 67er, 69er, 71er, 75er oder 80er?

Vor- und Nachgeschichte. 68 war nur ein Punkt, nicht einmal der wichtigste in einer sich über Jahrzehnte, teilweise mehr als ein Jahrhundert hinziehenden Entwicklung, die die Welt auch ein bißchen besser gemacht hat, aber auch viel, viel schlechter.

Befassen wir uns also mit den Wendepunkten der Geschichte. Oder besser der Geschichten, den diese Geschichten wuchsen, obwohl sie nicht zusammengehörten, zur breiigen Gegenwart zusammen, die ich gerne die "Blechernen Zeiten" nenne.

Die Anti-Baby-Pille, der entscheidende Anstoß für die sogenannte "sexuelle Revolution" wurde im Jahr 1960 entwickelt und seit dem 1.6.1961 unter den Namen "Anovlar" hergestellt und vermarktet.

Die wichtigste Propagandistin der Anti-Baby-Pille und maßgebliche Unterstützerin der Entwicklung der Pille, Margaret Sanger, die Gründerin von "Planned Parenthood" gründete ihre "American Birth Control League" bereits 1921. "Planned Parenthood" entstand 1942, die deutsche Tochterorganisation mit dem zynischen Namen "pro familia" 1952.

1963 wurde John F. Kennedy ermordet. War das ein Wendepunkt der Geschichte? Charles Murray sagt ja, ich sage nicht nein.

Die Hippiebewegung hatte nach dem "Summer of love" 1967 ihren Höhepunkt glücklicherweise bereits überschritten. Scott Mckenzie hatte seine unerträgliche Schnulze "San Franzisco" in ebendiesem Jahr verbrochen. 

Das Woodstock-Festival fand vom 15. zum 17. August 1969 statt.

Die linke Studentenbewegung in Deutschland wurde durch die Ermordung (ich glaube bis heute nicht an einen Unfall) des Studenten Benno Ohnesorge durch den Stasi-Agenten Karl-Heinz Kurras am 2.6.1967 angestoßen.

Nach dem Mordanschlag auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 fanden deutschlandweit Blockaden der Druckereien des Springer-Konzerns statt. Bei den Unruhen an Ostern 1968 kamen zwei Menschen ums Leben.

Der Pariser Mai fand in der Tat im Jahre 1968 statt.

Die linke deutsche Frauenbewegung hatte im September 1968 ihren ersten Aufstand auf der SDS Delegiertenkonferenz im Sept. 1968: "Befreit die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen"

Der Startschuss der von Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer initiierten "genderistischen "Frauenbewegung war mit der morbiden Selbstbezichtungskampagne "Wir haben abgetrieben" im "Stern" am 6. Juni 1971 zu hören.

Den Anfangspunkt der Umweltbewegung könnte man auf den 17. Februar 1975 (Bauplatzbesetzung in Whyl) festsetzen.

Am 12/13.1. 1980 findet der Gründungsparteitag einer Partei statt, die sich zu den Grundsätzen "Ökologisch, Basisdemokratisch, Sozial, und Gewaltfrei" bekennt. Arbeitstitel: Die Grünen.

Das ist nicht beckmesserisch. Ich will damit zunächst nur sagen - um eine Runde Mitleid heischend - daß wir armen 68er nicht für alles verantwortlich sind, und schon gar nicht für das "links-rot-grün versiffte 68er-Deutschland".

In Wahrheit wuchs  in den 70iger und 80iger Jahren zusammen, was nicht zusammengehörte.

Margaret Sanger halte ich für eine der finstersten Gestalten des 20. Jahrhunderts. Ihr Ziel war keineswegs die "Befreiung der Frau", oder, wie es heute so beschönigend heißt, die "sexual and reproductive rights" der Frauen, sondern "to raise the level and increase the intelligence of the population." Auch durch Zwangssterilisation und schließlich durch die Internierung von "certain dysgenic groups." (Plan for peace 17. Jan. 1932). 

Was hatte diese fanatische Rassistin und gnadenlose Eugenikerin mit der "Frauenbefreiung" zu tun?

Waren die "Blumenkinder" harmlos, oder nicht vielmehr mit ihren Konzepten von "freier Liebe" verantwortungslos? Und was war an den Hippies eigentlich "links"? Der in einem Atomkraftwerk beschäftigte und in der IGBCE organisierte Facharbeiter ist jedenfalls der Antipode der militanten Hippies die nicht nur gegen den Atomtod sondern gleich auch noch gegen die Atomkraft demonstrierten,

Daß sich die SPD schließlich als die Partei der Anti-Atomkraft-Hippies verstand, gehört zu den berüchtigten "Treppenwitzen der Geschichte". Das Volk hat es der SPD nicht gedankt.

Daß Wilhelm Reich und die Reichisten, die Empfängnisverhütung und Abtreibung unverblümt als Voraussetzung der "general copulation" ansahen, nicht die Interessen der Frauen vertraten, war den Feministinnen der 68er Jahre zumindest geläufig. Den späteren, vor allem denen, die zu Redakteurin der Dumpfpresse aufstiegen, nicht.

Zur Ehrenrettung der 68er: das kann man nachlesen: die "sexuelle Revolution" in der Version von Reich, Kolle et. al. war nie unser Ding. Der einflußreiche ehemalige SDS-Vorsitzende Reiche warnte vor der "repressiven Entsublimierung" und später der "Homosexualisierung der Gesellschaft". Das der als Chef-Sexualtheoretiker des SDS unbestrittene Reiche die Propaganda der Promiskuitäts-Propheten gegen Ehe und Treue heftig bekämpfte, kann man nachlesen. Wenn man will. Man wollte eigentlich noch nie, stattdessen gruselte man sich lieber über die libertinäre Kommune 2, die Reiche, der an Liebe, Treue und Ehe glaubte, eher an das "exhibitionistische Verwalten zwanghaft promiskuitiver Eheleute" erinnerte.

Ein Prediger in der Wüste. Reiche warnte vor der sexuellen und emotionalen Abstumpfung, die sich heute im allgemeinen und massenhaften Konsum einer sexualtechnisch pervertierten Pornographie äußert, völlig vergebens.

Wird fortgesetzt.

Sonntag, 7. Februar 2016

Tote Helden. Heute: Klaus von Dohnanyi

Klaus von Dohnanyi mit Pulli(!)

Klaus von Dohnanyi , den hanseatischen Aristokraten, habe ich immer ganz gut leiden können. Aber für einen zutiefst reflektierenden Politiker habe ich ihn nie gehalten. Eher für jemanden, der in der Weise "streetsmart" ist, wie man es im Hanseatischen nun einmal zu sein hat. Vanünftig und An-S-tändig. Jedenfalls hat mir das meine friesische Mutta beigebracht. Wenn sie die Stirn runzelte und etwa sagte: Dschunge nun sei ma va-nünftig, dann wußte ich, ich hatte was ganz ganz Schlimmes getan, vielleicht hatte ich mich sogar un-an-s-tändig verhalten. Jeder hanseatische Junge versank bei einer solchen Kritik im Boden.

In Regionen, wo eine gewisse Exaltiertheit üblich ist, hätte man das Wort unanständig mit weit dramatischeren Begriffen beschrieben, die mir niemals über die Lippen kommen würden.

Was Dohnanyi in der "Welt"da nun sagt ist aber nicht vanünftig, sondern einfach nur blöd.

- eigentlich müßte er ja wissen, daß die GFK nicht Bürgerkriegsflüchtlinge schützt, dafür sorgt die Europäische Qualifikationsrichtlinie
- ebenso müßte er wissen, daß uns die GFK nur verpflichtet, Flüchtlinge nicht in ihr Verfolgerland abzuschieben, nicht aber, sie aufzunehmen.
- auch im Grundgesetz steht nicht, daß wir alle politischen Flüchtlinge aufnehmen müssen, sondern nur die, die nicht bereits anderweitig Zuflucht gefunden haben. Das aber sind nach der aktuellen Statistik des BAMF nur 0,7%.
- schließlich müßte er wissen, daß die Verteilung der Flüchtlinge in Europa im Dublin-III-Übereinkommen geregelt ist. Auch wenn das eines der unsinnigsten internationalen Abkommen ist, das man sich vorstellen kann.
- und auch die Unmöglichkeit, die Grenzen Italiens und Griechenlands mangels politischen Willens zu sichern, sollte ihm bekannt sein.

Aber eigentlich habe ich den Artikel gelesen, weil ich wissen wollte, warum die AfD un-an-s-tändig sein solle. Weil sie LKWs an den deutschen Außengrenzen kontrollieren will? Erstens will sie das bisher nicht, sie sollte es aber wollen, denn jeder Grenzschutzbeamte könnte dem Herrn Burggrafen gerne erklären, daß die weitaus meisten illegalen Einwanderer in verplombten LKWs über die Grenzen kommen, sofern sie überhaupt kontrolliert werden.

Es ist also unanständig, die eigenen Grenzen zu kontrollieren? Wenn das so wäre, verlöre die Bundesrepublik ihre Gebietshoheit. Ein Staat aber, und das sollte der Dr.jur. Dohnanyi ja wissen, der seine Gebietshoheit nicht mehr garantieren kann, erfüllt eines der Kriterien eines failed state.

Ist es nun an-s-tändig, von dem Deutschen Volk zu verlangen, daß es den Weg Somalias geht? Kann nicht sein. Das wäre un-an-s-tändig.

Tote Helden? Nein, Klaus von D. lebt und erfreut sich guter Gesundheit. Aber als Held, an dem ich mich orientiere, ist er für mich gestorben.

Dienstag, 1. September 2015

Der Hüter der Verfassung als Feind der Verfassung.

Joachim Gauck, Paulskirche am 2. Okt. 2009
Artikel 82 GG spricht zwar nur davon, daß der Bundespräsidenten nach dem GG zustande gekommene Gesetze "ausfertigt", doch dies räumt dem Bundespräsidenten ein nicht nur formales Prüfungsrecht ein. Der Bundespräsident kann die Unterzeichnung verweigern, wenn er Zweifel an der Verfassungsgemäßheit eines Gesetzes hat, und diese Zweifel "evident" sind. Der Bundespräsident ist damit zwar nicht, weil gegen seine Handlung das Bundesverfassungsgericht angerufen werden kann, der einzige Hüter der Verfassung, aber er ist doch zumindest der Mithüter der Verfassung.

Nun hat Joachim Gauck im Kontext der Masseneinwanderung nach Deutschland - ich spreche hier bewußt nicht von Massenflucht - davon gesprochen. daß wir "Nation neu definieren müssen." Wörtlich:
Und ich glaube, dass die Diskussion über die Chancen der Zuwanderung an Fahrt gewinnen wird, wenn sich noch mehr Menschen als bisher von dem Bild einer Nation lösen, die sehr homogen ist, in der fast alle Menschen Deutsch als Muttersprache haben, überwiegend christlich sind und hellhäutig... Tatsächlich ist die Lebenswirklichkeit hierzulande doch schon erheblich vielfältiger. Der Kopf weiß das auch, aber das Gemüt ist da manchmal noch ein wenig hinterher. Ich meine, wir müssen Nation neu definieren: als eine Gemeinschaft der Verschiedenen, die allerdings eine gemeinsame Wertebasis zu akzeptieren hat.
Müssen wir das? Hat Gauck nicht geschworen "daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde." (Art. 56 GG)

Da ist es ja schon, das D-Wort. Sogar noch im Kontext mit "Volk". Müssen wir uns von der relativen Homogenität unseres Volkes verabschieden, vor allem, wenn wir einmal von der Hautfarbe absehen, davon, daß dieses Volk überwiegend christlich ist? Oder sich zumindest der christlich-abendländischen Kultur zuzählt?

Nein, sagt mein Verfassungskommentar. Nach dem GG bildet ausdrücklich das Deutsche Volk das Staatsvolk der Bundesrepublik (Präambel, Art. 33 Abs. 1 und 2, 56, 116, 146 GG). Die Zugehörigkeit zum Deutschen Volk bildet damit das Anknüpfungskriterium für den Staatsangehörigkeitserwerb. Gegen den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit sind aus diesem Grund verfassungsrechtliche Bedenken geäußert worden. Die Homogenität des Staatsvolkes ist Verfassungsprinzip.
Im Grundgesetz wird das Deutsche Volk im Sinne einer Bevölkerung eines abgegrenzten Kulturkreises oder eine ethnische Gruppe geprägt. ... Der Begriff des Statusdeutschen in Art. 116 Abs 1 und 2 GG wird durch das Prinzip getragen, daß Abkömmlingen deutscher Staatsangehöriger in den Grenzen nach 1937 sowie verfolgter oder vertriebener deutscher Staatsangehöriger die deutsche Staatsangehörigkeit zusteht. Die hierin enthaltenen Rudiment eines im Grundgesetz verankerten Abstammungsprinzips finden darin eine Verstärkung, als es sich beim den von Art. 116 Abs. und 2 GG genannten Abkömmlingen systembedingt um solche handelt, die gerade exterritorial geboren sein können. Hinzu tritt eine grundgesetzimmanente Dominanz der deutschen Sprache als Staatssprache; nach der Präambel wird das Grundgesetz durch das Deutsche Volk legitimiert;  ... Das deutsche Volk bildet im Übrigen eine Kulturgemeinschaft, die von dem Verfassungsgeber vorgefunden worden ist und deren Bestandselemente wie die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Glaubens- und Gewissensfreiheit als Geltungsbedingungen permanent fortwirken. ... Genau diese Bestandselemente deutscher Kulturgemeinschaft konditionieren auch die Homogenität des Staatsvolkes. Ihr Ursprung aus der christlich-abendländisch verwurzelten Tradition findet einen weiteren Anknüpfungspunkt in der invocatio dei der Präambel ("in Verantwortung vor Gott"), auch und gerade wenn diese keineswegs zwingend als religiöse Anrufung zu verstehen ist, sie vielmehr individualisiert mit sittlichen, naturrechtlichen, moralischen oder auch religiösen Inhalten ausgefüllt werden kann." (Schmidt-Bleibtreu Hofmann Rdn. 7 zu Art. 116 GG).
Welcher Teufel hat nun den Pfarrer Gauck geritten, daß er genau dies, die deutsche und christlich-abendländische Prägung unsere Landes zur Disposition stellt? Ist im klar, was es für diese Land bedeutet, wenn es aufgrund der von ihm begrüßten Umvolkung des deutschen Volkes eines Tages eine nichtdeutsche, nichtchristliche Bevölkerungsmehrheit in diesem Land gibt? Wenn der Islam nicht nur zu Deutschland "gehört", sondern die dominierende Religion in diesem Land ist? Was dies für die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die Gleichberechtigung der Frau , die Glaubens- und Gewissensfreiheit bedeutet? Läßt sich die christlich-abendländische Prägung durch eine wolkige gemeinsame "Wertebasis" ersetzen?

Carl Schmitt hat einmal über die Tyrannei der Werte geschrieben, und wollte damit zum Ausdruck bringen, daß "Werte" kein Ersatz für Freiheitsrechte sein können.
Wer Wert sagt, will geltend machen und durchsetzen. Tugenden übt man aus; Normen wendet man an; Befehle werden vollzogen; aber Werte werden gesetzt und durchgesetzt. Wer ihre Geltung behauptet, muss sie geltend machen. Wer sagt, dass sie gelten, ohne dass ein Mensch sie geltend macht, will betrügen.
Der gegenwärtige Hüter der Verfassung ist einer ihrer gefährlichsten Feinde.




Dienstag, 27. Mai 2014

Europawahlen: Lechts und rinks

Wie - so frage ich mich in solchen Momenten stets - hätte wohl G.K. Chesterton, notabene Hilaire Belloc - zusammengefaßt also Chesterbelloc - das Ergebnis der Europawahlen kommentiert?

In einer fiktiven Zeitung des Chesterbellocism häte man ganz gewiß nicht die Schlagzeile gelesen, daß "die Rechten" die Wahlen gewonnen haben. Denn - siehe den Wahlsieg der unverblümt linkskommunistischen Syriza in Griechenland - auch die "Linken" haben natürlich die Wahl gewonnen. Die Rechten haben sie natürlich nicht gewonnen, denn unter diesen Rechten - siehe das Wahlprogramm der FN - finden sich reichlich Linksrechte oder auch Rechtslinke, die ein dezidiert linkspaternalistisches Programm verfechten, von der Neugewinnung der Macht eines nationalen Staates, der sich gefälligst sein eigenes Geld druckt, bis zu den sattsam bekannten und regelmäßig gescheiterten "Beschäftigungsprogrammen", die ja eigentlich Entschäftigungsprogramme heißen müßten.

Der "konservative" Kandidat der moderaten "Rechten", Jean Claude Juncker, war in Wahrheit seinem "progressiven" Gegenkandidaten so verwechselbar ähnlich, daß die Namen der Kandidaten von böszüngigen Menschen, zu denen ich mich unbedingt zähle, zu Julz oder Schuncker verballhornt wurden. In Wahrheit war doch die ganz ganz ganz große Koalition angetreten, bestehend aus  den Linkskonservativen, den Linksliberalen, den Linksgrünen, den Linkssozialdemokraten, den Linkssozialisten auf der einen gegen die Rechtslinkskonservativen, die Linksrechtsnationalisten. die Rechtslinksliberalen und Linkslinkslinken.

Wie hätte Chesterton diesen Wahlkampf oder dieses Wahlergebnis kommentiert? Schwierig zu sagen, denn die von Chesterton entworfenen literarischen Figuren Hudge (der Linksproletarianist) und Gudge (der Rrchtsproletarianist) unterschieden sich ja immerhin in Programmatik und Rhetorik, was man von Julz und Schuncker nun gewiß nicht sagen kann. Wahrscheinlich könnten die beiden selbst nicht erklären, warum sie sich selbst, und nicht den anderen wählen würden.

Doch das ganze ist eigentlich nur die Kulmination einer Angleichung der sozialistischen Linksrechten und sozialkapitalistischen Rechtslinken, die schon vor mehr als hundert Jahren, als Chesterton sein "What´s wrong" (1910) schrieb, mehr miteinander zu tun hatten, als sie sich selbst bewußt machten. Nur das Gudge ein bißchen umgänglicher geworden ist, und schon längst die Segnungen des welfare state als die Voraussetzung seiner eigenen Wohlfahrt erkannt hat.

Stellen wir uns Hudge and Gudge in den Worten Chestertons kurz vor:
There is, let us say, a certain filthy rookery in Hoxton, dripping with disease and honeycombed with crime and promiscuity. There are, let us say, two noble and courageous young men, of pure intentions and (if you prefer it) noble birth; let us call them Hudge and Gudge. Hudge, let us say, is of a bustling sort; he points out that the people must at all costs be got out of this den; he subscribes and collects money, but he finds (despite the large financial interests of the Hudges) that the thing will have to be done on the cheap if it is to be done on the spot. He therefore, runs up a row of tall bare tenements like beehives; and soon has all the poor people bundled into their little brick cells, which are certainly better than their old quarters, in so far as they are weather proof, well ventilated and supplied with clean water. But Gudge has a more delicate nature. He feels a nameless something lacking in the little brick boxes; he raises numberless objections; he even assails the celebrated Hudge Report, with the Gudge Minority Report; and by the end of a year or so has come to telling Hudge heatedly that the people were much happier where they were before. As the people preserve in both places precisely the same air of dazed amiability, it is very difficult to find out which is right. But at least one might safely say that no people ever liked stench or starvation as such, but only some peculiar pleasures entangled with them. Not so feels the sensitive Gudge. Long before the final quarrel (Hudge v. Gudge and Another), Gudge has succeeded in persuading himself that slums and stinks are really very nice things; that the habit of sleeping fourteen in a room is what has made our England great; and that the smell of open drains is absolutely essential to the rearing of a viking breed. 
But, meanwhile, has there been no degeneration in Hudge? Alas, I fear there has. Those maniacally ugly buildings which he originally put up as unpretentious sheds barely to shelter human life, grow every day more and more lovely to his deluded eye. Things he would never have dreamed of defending, except as crude necessities, things like common kitchens or infamous asbestos stoves, begin to shine quite sacredly before him, merely because they reflect the wrath of Gudge. He maintains, with the aid of eager little books by Socialists, that man is really happier in a hive than in a house. The practical difficulty of keeping total strangers out of your bedroom he describes as Brotherhood; and the necessity for climbing twenty-three flights of cold stone stairs, I dare say he calls Effort. The net result of their philanthropic adventure is this: that one has come to defending indefensible slums and still more indefensible slum-landlords, while the other has come to treating as divine the sheds and pipes which he only meant as desperate. Gudge is now a corrupt and apoplectic old Tory in the Carlton Club; if you mention poverty to him he roars at you in a thick, hoarse voice something that is conjectured to be "Do 'em good!" Nor is Hudge more happy; for he is a lean vegetarian with a gray, pointed beard and an unnaturally easy smile, who goes about telling everybody that at last we shall all sleep in one universal bedroom; and he lives in a Garden City, like one forgotten of God.
Bleibt die spannende Frage, wie Chesterbelloc denn gewählt hätten, hätte man sie unglücklicherweise in unser heutiges Zeitalter verbannt. Die ist nun nicht zu beantworten. Leicht zu beantworten wäre die Frage, was Chesterbelloc nicht gewählt hätten. Weder Hudge noch Gudge, womit denn Sozialisten, Kommunisten, aber auch Christdemokraten, Konservative und und Linksliberale ausscheiden aus der engeren Wahl. Hilaire Belloc war nun Mitglied und Parlamentarier der Liberal Party, als diese noch eher die Gestalt der alten Whig-Party als die der heutigen sozialliberalen LD hatte. Von den heutigen Sozialliberalen hätte sich Belloc mit Grausen abgewandt.

Chesterton und Belloc wären wohl am vergangen Donnerstag, als in Great Britain gewählt wurde, zu Hause geblieben.

Mittwoch, 16. April 2014

Vom Recht auf das rechte Maß

Johann ohne Land unterzeichnet die 12 Kopien der Magna Charta

Als Katalog der "Menschenrechte" wird die Magna Charta im Allgemeinen mißverstanden.  Doch das Programm der Charta ist viel weiter gespannt. Sie enthält unter Ziffer 35 unter anderem das Recht auf ein einheitliches Maßsystem für das gesamte Königreich.
"Una mensura Vini sit per totum regnum nostrum, et una mensione cervisie, et una mensura bladi, scilicet quarterium Londoniense, et una latitudo pannorum tinctorum et russetorum et halbergetorum, scilicet due ulne infra listasde ponderibus sit autem sit ut de mensuris."
" Es soll im ganzen Königreich ein einheitliches Maß für Wein, Bier und Korn geben, nämlich das Quart von London, außerdem ein einheitliches Maß für gefärbten Stoff, sowohl für rotgefärbten als auch für mehrfarbigen, nämlich zwei Ellen zwischen den Webkanten. Gewichte sollen in gleicher Weise vereinheitlicht werden."
Mit dem einheitlichen Maß für Wein ist die gallon gemeint, gemessen nach einem zylindrischen Gefäß mit einer Höhe von 6 und einem Durchmesser von 7 inch, später vereinheitlicht zu 231 Cubikinch. Die Doppelelle war das übliche Maß für mittelalterliche Webstühle. Sie entsprach einem Yard = drei Fuß = 2 Cubit.

Die Vereinheitlichung der Maße war eine wesentliche Erleichterung für den Handel innerhalb des Königreichs. Noch immer ist diesem System, was seine weltweite Verbreitung angeht, dem metrischen in der praktischen Anwendung weit überlegen. Das Maß unserer Kreditkarten, EC-Karten, der neuen Persos und Führerscheine beträgt 3 3/8 mal 2 1/8 inch. Das wichtigste Vehikel des internationalen Handels, der Container, mißt 40 X 8 Fuß. Der Ölhandel mißt nach wie vor im alten Wein-Maß der Magna Charta nämlich mit der Maßeinheit Barrel = 42 Gallons = 336 pint = 9702 cubic inch.

Mit der Gallon rechnete also schon unser verehrter Erzbischof von Canterbury Kardinal Stephen Langton, der als Hauptverfasser der Magna Charta gilt. Und ganz nebenbei eine der schönsten Sequenzen gedichtet hat, die wir kennen, die Pfingstsequenz.

Von ihm können wir lernen, daß das rechte Maß ebenso wichtig ist wie die Unschuldsvermutung des Strafrechts (die ist in Artikel 39 der Charta geregelt).

Mittwoch, 9. April 2014

Aufkläricht: über die Verschlimmbesserung der Welt. Die metrische Misere

Leonardo Da Vinci: Der Vitruvianische Mann
Mein Spezialgebiet im Philosophiestudium war die Geschichtsphilosophie. Nichts Ungewöhnliches für einen Jung-Marxianer. "Wir Kommunisten kennen nur eine einzige Wissenschaft: die Wissenschaft der Geschichte". (Karl Marx, Deutsche Ideologie, MEW 3,18). Monatelang studierten wir sozialrevolutionären Schüler in der Juso-Baracke am Ostbahnhof dieses Werk. Die sogenannten Marxschen Frühschriften waren absolut angesagt in den Jahren 1967 ff.

Fatalistischer Optimismus würde ich die Geschichtsauffassung des Histomat heute nennen. Die Welt stürzte nicht mehr auf Armaggedon zu, nein, la classe ouvrière va au paradis. Diese Ideologie, der Glaube also an die naturnotwendige Besserwerdung der menschlichen Gesellschaft, ist tief eingesunken.

Wie tief der Glaube an die himmelhohe Überlegenheit der Neuzeit ist, läßt sich mit kleinen Eyperimenten bestätigen. So ist der Glaube, daß die Vor-Neuzeitler der festen Überzeugung waren, der Erde sei eine Scheibe, praktisch unausrottbar.

Tatsächlich ist dieser für den politisch-theologischen Religionsersatz des Progressismus typische Unfug soweit daneben wie daneben nur sein kann. Die Antike wußte nicht nur um die Kugelgestalt der Erde, man kannte auch Berechnungen der Größe dieser Kugel, und im dritten Jahrhundert vor Christus entwickelte der geniale Wissenschaftler Eratosthenes eine einfache Methode zur Berechnung des Erdumfangs mit erstaunlich präzisem Ergebnis. Von der Antike bis zur Neuzeit gab es keinen Wissenschaftler von Rang - und auch keinen Papst -, der der Überzeugung war, die Erde sei eine Scheibe.

Der Glaube an den Glauben an die tellerförmige Erde kam erst im Jahre 1830 auf, als kirchenfeindliche Schreiber in den Annalen zu wühlen begannen, um aus den Irrtümern christlicher Exoten eine angebliche kirchliche Lehre zusammenzuflicken die es nie gegeben hatte.

Der Glaube an die schlechthinnige Überlegenheit des Neuen, hat uns so manche Misere beschert. Eine ist die, die ich die metrische Misere nennen. An ihr läßt sich anschaulich nachvollziehen, welche Blüten die Vergötzung des "Wandels", je nach Sprache, des "Change", des "Changement", des "Aufbruchs" treibt.

Als die metrische Revolution, die das buchstäblich seit Jahrtausenden überkommene Maßsystem in Inch und Fuß, in Ellen und Digt ablösen sollte, über Festland-Europa kam, verschwand ein fünftausend Jahre altes Maßsystem, das sich nicht nur am menschlichen Maß orientierte, sondern darüber hinaus Zeit und Raum, Erde und Himmel, den Globus und die Himmelsmechanik in ein sinnvolles Verhältnis brachte.

Der Progressismus hatte den Akteuren der metrischen Revolution offenbar den Blick für den inneren Sinn des überkommenen Systems vernebelt. Auf den ersten Blick schien ihnen alte System zwar human, da es sich an Maßeinheiten orientiert, die uns umgeben, doch aufgrund seines mangelnden Reproduzierbarkeit für präzisere Messungen untauglich. Der Samen des Mohns (1/12 Zoll), Die Länge des Gerstenkorns (1/3 Zoll), die Breite eines Fingers (1 Digit), die Breite eines Daumens (1 Zoll), Die Breite einer Hand (1 Palm), die Länge eines Fußes (1 Fuß), die Länge eines Unterarms von Ellbogen bis zu Fingerspitze des Mittelfingers (1 Elle (cubit), die Breite zweier ausgebreiteter Arme (1Klafter, gleichzeitig die Durchschnittsgröße eines erwachsenen Mannes) all dies schien lediglich arbiträr, also für ein an wissenschaftlicher Präzision interessiertes Zeitalter überholt.

Die "Sophisters, economists and calculators"(Burke) die sich an die metrische Revolution machten waren allen Ernstes der Auffassung, daß sich die Maße für Elle, inch und Klafter an den körperlichen Dimensionen des jeweiligen Landesfürsten orientierten. Dabei hätte sie wissen können, daß sich das Maß für das antike "Urmeter", den cubit (Elle), über 5.000 Jahre bis heute nicht oder nur minimal verändert hatte. Das aus alter Zeit stammende angelsächsische Maß der Elle weicht von den altägyptischen Maßen um weniger als 1,4 % ab.

Es mußte also ein Kalibrierung gegeben haben, die heute unbekannt ist. Oder die man auch nicht sehen wollte. Mit ein paar Rechenkünsten  und Kenntnissen der ägyptischen Mythologie und Mathematik  läßt sich diese (mutmaßliche) Kalibrierung finden.

Zunächst: die Angaben über die Größe des Cubit sind nicht ganz eindeutig. Sie schwanken zwischen 0,450 und 0,463 Meter. Aus der Dimension des bekanntesten ägyptischen Gebäudes. der Cheops-Pyramide, läßt sich errechnen, daß die Größe eher bei über 0,460 m lag. Die Pyramide ist heute 230,33 m breit. Sie hat eindeutig durch Beschädigung und Erosion an Breite verloren. Nimmt man für den cubit den häufig angegebenen Wert von 0,463 (der Größe der attischen Elle, als des bedeutendsten Handelspartners der Ägypter), ergibt sich ein Betrag von 497, 473 cubit. Rechnet man einen Verlust durch Zerstörung und Erosion ein, so beträgt die wahrscheinliche Länge, mit der die Bauherren selbst rechneten - sie liebten große, runde Zahlen - bei 500 cubit. Zählt man die Längen aller vier Seiten der Pyramide zusammen, so ergibt sich präzise eine halbe nautische Meile, deren Maß in ägyptischen cubit genau 4.000 cubit beträgt (präzise gesagte, "kleinen" cubit). Zufall? Unwahrscheinlich.

An noch einem weiteren Bauwerk können wir unser Maß kalibrieren, dem Obelisk von Luxor, der heute auf der Place de la Concorde steht. Er ist nach Angaben in entsprechenden Dokumenten 23,165 m hoch, bei einem Cubit von 0,463 m wären das dann nahezu präzise 50 cubit. Der ägyptische Cubit wäre damit genau ein 4.000stel der Seemeile, damit wäre dann der Umfang der Erde 86.400.000 cubit.

Eine Zahl, bei der es bei jedem Navigator klingelt. Es handelt sich nämlich um das Produkt von 24 (Stunden) * 60 (Minuten) * 60 (Sekunden) * 1000. Der cubit wäre damit definiert als die Strecke, die ein Gegenstand auf Äquatorebene binnen einer 1000stel Sekunde zurücklegt.

Wer dann noch immer an Zufall glaubt, dem hilft vieleicht ein Blick in das "Amduat". die "Schrift der verborgenen Kammer". In dieser Schrift ist die Reise des Sonnengotts Re in der (jeder) Nacht beschrieben. Re legt in einer Stunde eine Strecke von 309 iteru zurück, in 12 Stunden somit eine Strecke von 3708 iteru = 74.160.000 meh (großen Ellen) = 86.520.000 cubit. Offenbar ein Ergebnis das der Rundung auf 309 zu verdanken ist, nimmt man die nächst kleinere Zahl ergibt sich 86.240.000.

Die ursprüngliche Definition des Meters - ein 10.000.000ster Teil eines Erdquadranten - ist schon 1799 faktisch aufgegeben worden, nachdem man feststellte, daß die Erde nicht die Form einer Kugel, sondern eher die einer Kartoffel hat. 1898 definierte man daher den Urmeter - ein arbiträres Maß also - zum Meter.

1960 wurde dann festgelegt:
Ein Meter ist das 1 650 763,73-fache der Wellenlänge der von Atomen des Nuklids 86Kr beim Übergang vom Zustand 5d5 zum Zustand 2p10 ausgesandten, sich im Vakuum ausbreitenden Strahlung.
Ganz toll, Jungs. Diese geniale Definition, die jeder Physikstudent, im 23. Semester, der zufällig in einem Großlabor arbeitet, ohne weiteres binnen weniger Wochen nachvollziehen kann, ist ebenfalls schon Geschichte.

Eratosthenes wird vor Lachen von seiner Wolke gefallen sein, als er diese verschwurbelte Definition gelesen hat.

Das Maß, mit dem Da Vinci gearbeitet hat, ist übrigens der cubit. Er ist auf einer Linie am untersten Rand seiner Zeichnung eingetrage. Ein Klafter = 4 cubit = 24 digit. (Und ein cubit natürlich ein 86.400.000stel des Erdumfangs, entsprechend 24 Stunden zu je 60 Minuten zu je 60 Sekunden nicht zu vergessen).

Sonntag, 24. November 2013

Tagesevangelium: Blitz aus Ost



Heute fünf Stunden Kirche. Morgens früh Schola in Nieder-Ramstadt, danach Chor in Ober-Ramstadt, um fünf Gregorianische Messe in Nieder-Ramstadt. Schola, Chor, Schola. Und ich fühle mich jetzt doch ein bißchen angestrengt und heiser. Am Morgen Te Deum, am Mittag Lobe den Herren, am Abend Ave Maris Stella.

Am letzten Sonntag im Kirchenjahr wird nach der alten Ordnung Matthäus 24, 15-31 gelesen. Ein Text, der heute ganz aus der Leseordung verschwunden ist. Obwohl man durch die Einführung eines auf drei Jahre verteilten Lesezyklus doch eigentlich mehr Texte erwarten sollte, sind es in Wahrheit weniger.
Auf daß den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden, so daß innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volk vorgetragen werden. 
Heißt es in Zif. 51 der Konstitution Sacrosanctum Concilium. Pustekuchen. Viel der alten Texte sind im Orkus verschwunden. Über die Lesung zum Fastnachtssonntag, wo sinnigerweise von der "Schelle" die Rede ist, habe ich schon häufiger geschrieben. Nun liegt Fastnachtsonntag "irgendwo" im Jahreskreis, so daß die so passende Lesung an diesem Tag, wo ein Pfarrer eigentlich so wunderbar über die Narrenschelle predigen könnte, fehlt.

Warum aber nun nicht mehr der alte Text der apokalyptischen Prophezeiung aus Matthäus? Weil man die Rede vom Gericht und der "großen Bedrängnis" nicht mehr hören will? In einer Zeit in der so viel und so falsch von der "Barmherzigkeit" zu hören ist, paßt die Rede vom Gericht nicht mehr.

"Ab oriente" soll der Herr kommen am Tag des Gerichts, heißt es in der Lesung heute. In dieser Erwartung hat man stets die Kirchen so gebaut, daß der Blick der Gläubigen nach Osten gerichtet war. Auch der Blick des zelebrierenden Priesters richtete sich nach Osten. Der Gottesdienst war "orientiert", geostet, wie die alten Kirchen selbst stets geostet waren. Mag sein, daß in einer Zeit, in der Pfarrer und Gemeinde den "Mahltisch" umstehen, keiner mehr hören soll, daß wir den Blick gen Osten richten sollen, in Erwartung der Wiederkunft des Weltenrichters. Die Schatzkammer ist nicht geöffnet worden. Man hat sie geschlossen.

Sonntag, 27. Oktober 2013

WOZ, MOZ, MEZ, MESZ: Warum wir eine Uhrzeitenwende brauchen.

Unsere Sonnenuhr
Seit einigen Tagen sind wir Eigentümer einer Sonnenuhr. Sie steht noch nicht im Garten und es ist eigentlich nicht die richtige Zeit für Sonnenuhren, aber weil sie an unsere Hochzeit erinnern soll, ist sie eben jetzt angekommen. Der Hersteller ist ein englischer Sonnenuhr-macher, Keith Bunting.

Seine Uhren haben mir am besten gefallen, sie bestehen aus einem edlen und stabilen Material, sind präzise, sie lassen sich individualisieren und - ganz wichtig - auf den jeweiligen Standort einstellen. 

Mit Uhren beschäftige ich mich, seit ich in Lund zum ersten Mal eine astronomische Uhr gesehen habe. Und seit ich mich mit Sonnenuhren beschäftige, weiß ich, daß es noch etwas Faszinierenderes gibt als die noch so ausgefeilteste astronomische Uhr: die große Himmelsuhr des Schöpfers aller Dinge.

Denn diese Uhr hat noch einen anderen Vorteil gegenüber all den Apparaten, die die Menschheit erfunden hat, um die Zeit zu messen: sie stimmt überein mit unserer inneren Uhr. Sonnenuhren zeigen die wahre Uhrzeit (WOZ), um zwölf steht die Sonne im Zenit, mechanische Uhren gehen mal vor, mal gehen sie nach, weil sich die Mittagszeit durch die Präzession der Erdachse und durch die elliptische Form der Erdumlaufbahn verschiebt. Mechanische Uhren gehen daher je nach Jahreszeit mehr als eine Viertelstunde "nach" oder "vor". Der Effekt (auf unserer Sonnenuhr ist er durch die Zeitgleichung, die Tabelle am unteren Rand dargestellt) macht insgesamt mehr als eine halbe Stunde aus.

Als die ersten noch recht ungenauen mechanischen Uhren aufkamen, fiel das nicht weiter auf, denn man mußte die Uhren sowieso regelmäßig nach einer Sonnenuhr stellen, einem "Mittagsweiser". Je präziser die Uhren wurden, umso mehr wurde deutlich, daß die Sonnen-Zeit eben nicht mechanisch verläuft, daß die Tage mal kürzer, mal länger sind als präzise 24 Stunden. Weil es viel zu aufwendig gewesen wäre, nun die präziser gewordenen mechanischen Uhren regelmäßig an die Sonne, unseren natürlichen Zeitgeber, anzupassen, einigte man sich auf die "Mittlere Ortszeit"(MOZ).

Mit der Einführung der "Eisenbahnzeit", der Zeitzonen nämlich, entfernten sich Wahre Ortszeit und Uhrzeit noch ein weiteres Stück. Die Anpassung wurde notwendig, weil mit den schnellen Eisenbahnen bei einer Reise in Richtung oder gegen die Richtung der Erdbewegung die Reisenden ständig ihre Uhren verstellen mußten, ein übersichtlicher Fahrplan, der die wirklichen Reisezeiten berücksichtigte, war so nicht möglich. Also führte man Zeitzonen ein, wir wohnen in der Zeitzone, in der die MEZ, die Mitteleuropäische Zeit gilt. Auch diese Neuerung läßt sich auf unserer Sonnenuhr ablesen. Die zwölfte Stunde beginnt etwa 25 Minuten bevor der Schatten des Gnomons genau nach Norden zeigt.  die "XII" ist daher 25 Minuten weiter westlich.

Und kommt noch die Sommerzeit dazu, kann es passieren, daß es zur "wahren" Mittagszeit an meinem Wohnort schon 13 Uhr 40 ist. Ein guter Grund wenigstens die Sommerzeit abzuschaffen. Also bitte dieses Petition unbedingt unterschreiben. Der Initiator ist ein Arzt, und er kann gute medizinische Gründen für die Abschaffung wenigsten dieser Form der "mechanischen" Zeit nennen.

Der Sinnspruch auf unserer Uhr - auf eine Sonnenuhr gehört immer sowas - stammt von der astronomischen Uhr in Münster

Astra regunt homines
Sed regit astra deus
Cedunt astra deo
Precibus deus ipse piorum

Die Gestirne beherrschen die Menschen
Doch Gott herrscht über die Gestirne
Die Gestirne folgen Gott
Gott selbst aber hört die Gebete der Frommen

Dienstag, 4. Juni 2013

Die "Welt" von heute: Ein bißchen Rassismus darf sein: solange es gegen heterosexuelle katholische Franzosen geht.

Busch: "Pater Filucius" Antikatholischer und antifranzösischer Chauvinismus anno 1870
Schau schau, da kommt er wieder zum Vorschein: der preußisch-protestantische Ethnozentrismus gerichtet gegen Katholiken und Franzosen, in einer Sprache, die wir aus ganz anderen Postillen kennen (für Menschen mit längerer Leitung: dem "Stürmer")
Hier, in der France profonde, regiert bisweilen ein Rückzug ins Private, in die eigenen vier Wände, der so gar nichts vom kulturellen Reichtum der "deutschen Innerlichkeit" hat, der vielmehr ein dumpfes, freudloses Leben anzeigt, das Affekte wie Habgier, Geiz und Missgunst zeitigt – die französische Literatur hat das immer wieder gestaltet. Hässliche, verfettete Menschen in schlecht gelüfteten, geduckten Häusern, die anderen das Ausleben ihrer Wünsche, Sehnsüchte und Begierden nicht gönnen – auch das ist Frankreich, ein Frankreich freilich, das der Durchschnittstourist nicht wahrnimmt und das auch von der allgegenwärtigen Tourismusbranche nach Kräften heruntergespielt wird.
Das muß man zweimal lesen:
Hässliche, verfettete Menschen in schlecht gelüfteten, geduckten Häusern ... die so gar nichts vom kulturellen Reichtum der "deutschen Innerlichkeit" ... haben.
Deutscher Dünkel, wie gehabt. Nur daß man anno 1870 diesen Haß auf den "Erbfeind" verbunden mit der dünkelhaften Überhöhung der eigenen Kultur dann auch noch gleich gegen andere Menschen mit anderen unästhetischen Körpermerkmalen richtete:
Busch, Plisch und Plum


Kurz die Hose, lang der Rock, 
Krumm die Nase und der Stock, 
Augen schwarz und Seele grau, 
Hut nach hinten, Miene schlau – 
 So ist Schmulchen Schievelbeiner. 
(Schöner ist doch unsereiner!)


Samstag, 1. Juni 2013

Nachtrag zu "Der Rock und die Grünen": Hey Greenies! Leave us kids alone!


We don´t need no education, we don´t need no thought control(Pink Floyd).

Wer bei Google die Worte "Grüne" und "Verbot" eingibt findet. VierMillionenAchthundertUndDreißig Eintragungen. Die Grünen sind die "Teacher"-Partei schlechthin. Dabei klebte zu antiautoritären Zeiten der "We don´t need no education"-Bapper auf jedem Kinderladendreirad.

Rock stand mal für Freiheit? Jedenfalls der von Pink Floyd (s.o.) den Stones (Street fighting man), den Beatles (Taxman), und auch von MC5 (Kick out the jams) und den "Ton Steine Scherben" (Keine Macht für niemand). Lang ists her. Die früheren Kinderladenkids und ihre Eltern sind grüne Sozialarbeiter und Lehrer geworden. Wäre ja nicht das erste Mal, daß eine anarcho-sozialistische Bewegung in blanken Autoritarismus umschlägt. Wer von Freiheit redet, und nicht weiß, daß das Eigentum zur wesentlichen Bedingung der Freiheit gehört, wird entweder lernen, oder in irgendeiner Form des autoritären Kollektivismus enden.

Taxman Mr. Cem-

Freitag, 31. Mai 2013

Die Grünen als Rocker? Nehmt das, Witzfiguren!


Cem Özdemir, das fleischgewordene Multikultidesaster, wollte mal witzisch sein. Dabei gehört Humor ja nun wirklich nicht zum Alleinstellungsmerkmal der Grünen, die im Prinzip zur humorfreien, weil moralinsauren Fraktion der von Jean Paul gegründeten Kultur des Weltschmerz gehören. 
„Nur sein Auge sah alle die tausend Qualen der Menschen bei ihren Untergängen. Diesen Weltschmerz kann er, so zu sagen, nur aushalten durch den Anblick der Seligkeit, die nachher vergütet.“ (Jean Paul, Selina oder über die Unsterblichkeit)
So kennen wir die Grünen. Und so kennen wir sie nicht:
"Ein persönliche Bitte: Liebe konservative Politiker, tut was ihr wollt und tut es wo ihr wollt, aber bitte lasst den Rock'n'Roll in Ruhe. Erst von und zu Guttenberg bei ACDC, jetzt Wulffs bei Springsteen. Was kommt noch? Kauder bei Manu Chao? Diese Musik steht so ziemlich für das exakte Gegenteil Eurer Politik. Wann stellt Seehofer, natürlich in der BILD, seine Sex Pistols Plattensammlung vor? Gnade BILD & Co. Habt Erbarmen. Cem"
Die Grünen als Rock´nRoller? Gut, war mal so, teilweise. Als Spontis die Bockenheimer/Schumannstraße in Frankfurt besetzten, stellte Joschka Fischer, braver Mieter in selbigem Haus, die Boxen auf den Balkon und drehte den Topakt der späten 60iger auf, MC5 ." Kick out the jams, Motahfucka". Auf den Bassboxen konnte man anschließend Spiegeleier braten. Und Claudia, die Mutter der A13-Oberstudienräte war mal Managerin des deutschen Pendants "Ton Steine Scherben". "Keine Macht für Niemand" . Text: "Keiner hat die Macht jemanden zu regieren"?

Wie sich das wohl mit einer Maximalsteuerbelastung von jenseits der 100% verträgt.? "There is one for you nineteen for me". (Beatles)  Nimm das Cem:

Let me tell you how it will be,
There’s one for you, nineteen for me,
‘Cause I’m the Taxman,
Yeah, I’m the Taxman.

Should five per cent appear too small,
Be thankful I don’t take it all.
‘Cause I’m the Taxman,
Yeah, I’m the Taxman.

 (If you drive a car ), I’ll tax the street,
(If you try to sit ), I’ll tax your seat,
(If you get too cold ), I’ll tax the heat,
(If you take a walk ), I’ll tax your feet. Taxman.

 ‘Cause I’m the Taxman, Yeah, I’m the Taxman.

Don’t ask me what I want it for (Haha! Mister Wilson!)
If you don’t want to pay some more (Haha! Mister Heath!),
‘Cause I’m the Taxman,
Yeah, I’m the Taxman.

 Now my advice for those who die, (Taxman!)
Declare the pennies on your eyes, (Taxman!)
‘Cause I’m the Taxman,
Yeah, I’m the Taxman.
And you’re working for no-one but me, (Taxman).

Die Klemmies von der ML rümpften übrigens die Nase über die Anarcho-Rocker. Daß Jürgen Trittin (KB(, Reinhard Bütikofer, Ralf Fücks, Winfried Kretschmann (KBW) sich jemals eine Vinylscheibe mit Anarcho-Punk-Rock reingezogen haben, glaubt doch kein Schwein. Mal was von einer marxistisch-leninistischen Punk-Rock-Band gehört? Eben. Es sei denn, man versteht die Leningrad-Cowboys als Agitpropband des Realsozialismus. Die Jungs, die sich damals nicht dummgekifft haben, sind heute bei den Radikalkonservativen und lesen Eifrei. Der dummegekiffte Rest wählt grün. Speed kills.

Sonntag, 26. Mai 2013

Gegen Eigentum und Familie, Religion und Vaterland: Wer sind eigentlich "Die Grünen" ?

Sie sind für die Enteignung der "Reichen" und verstehen als "Reiche" offenbar schon Menschen mit mehr als 60.000 Euro Einkommen pro Jahr. Sie wissen, daß sie mit ihren Steuerplänen die mittelständische Industrie vernichten könnten, scheren sich aber nicht weiter darum.

Sie halten die Ehe für eine anachronistische Institution, wollen deshalb unter anderem das Ehegattensplitting abschaffen - das zuvor noch für das Homokonkubinat eingeführt werden soll - und sind der Auffassung, daß der Staat viel besser für die Kinder sorgen kann, als Vater und Mutter. Sie sind die engagiertesten Kämpfer für die Gleichmachung von "Homoehe" und "traditioneller" Familie, selbstverständlich sprechen sie sich für das Adoptionsrecht Homosexueller aus, und natürlich sind sie für den sexuellen Egalitarismus, die 50%ige Frauenquote - wobei sie gleichzeitg behaupten, Geschlecht sei eine soziale Konstruktion.

Sie sind wieder mal stramm "antizionistisch", und daß ihre Pläne für die Aufhebung des kirchlichen Arbeitsrechts gegen die Verfassung verstößt, stört sie nicht weiter. Es vergeht kein Parteitag, wo keine laizistischen Resolutionen verabschiedet werden, und dennoch bezeichnen sich einige als "katholisch" oder "evangelisch", sie sitzen in den katholischen und evangelischen Laiengremien im ZK der Katholiken und evangelischen Synoden.

Sie verwechseln Patriotismus und Nationalismus, kämpften einst für das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" und wollen ebendies für die europäischen Völker abschaffen, indem sie ihre Souveränität in einem europäischen Superstaat auflösen wollen.

Wer sind die? Wie leben die? Wo arbeiten die? Haben die Familie? Sind die verheiratet? Haben die eine Religion? Das Handelsblatt hat die Riege der "linken" Grünen, also der geistigen Eltern des aktuellen, traditionskommunistischen Kurses vorgestellt:

Jürgen Trittin: Arbeit: HiWi an der Universität, dann Angestellter der Partei, anschließend Berufspolitiker. Familie: Lebensgefährtin und Adoptivtocher. Religion: unbekannt Politische Herkunft: Kommunistischer Bund

Claudia Roth: Arbeit: Bis 1985 selbständig, seit 1985 Parteiangestellte, dann Berufspolitikern. Familie: bekennender Single. Religion: ex-katholisch Politische Herkunft: Autonome

Gerhard Schick: Arbeit: HiWi an einer Universität, anschließend bei Forschungsinstituten tätig. Familie: eingetragene Lebenspartnerschaft (PACS nach fr. Recht) Religion: katholisch Politische Herkunft: nicht bekannt.

Sven Giegold: Arbeit: Berufspolitiker. Nach Ende des Studiums "Bewegungsarbeiter", seit 2009 EU-Parlamentarier. Familie: Single. Religion: Evangelisch (Präsidialversammlung der EKD) Politische Herkunft: Attac (Association pour une taxe Tobin pour l'aide aux citoyens)

Lisa Paus: Arbeit: Parteimitarbeiterin, anschließend Abgeordnete. Familie: Lebensgefährte, ein Kind. Religion: keine Angaben. Politische Herkunft: Attac

Was hören wir da von Mrs. Hudge?
Wir können es uns nicht leisten, das Modell der Alleinverdiener-Ehe wie in den Fünfzigerjahren auf einen Sockel zu stellen. Frauen brauchen eigene existenzsichernde Arbeit, daher müssen wir weg vom Ehegattensplitting.
Das ist fern von jeder Wirklichkeit. Die Alleinverdiener-Ehe ist ein Minderheitenmodell. Aber auch die Doppelverdiener-Ehe, in der beide Ehepartner dasselbe Einkommen haben, ist rein statistisch gesehen eine Seltenheit. Vom Ehegattensplitting profitieren Familie, wo einer wegen der Kinder kürzer tritt, Ehen, in denen ein Ehepartner weniger verdient als der andere, Ehen mit unterschiedlich verdienenden Partnern mit unterschiedlichen Qualifikationen. Ehen, in denen ein Ehepartner - typischerweise als Selbständiger - ein saisonal unterschiedliches Einkommen hat.

Das Sozialideal von Mrs. Hudge ist das kinderlose Ehepaar im öffentlichen Dienst der gleichen Gehaltsstufe. Nur diesem Paar kann es egal sein, ob es ein Ehegattensplitting gibt oder nicht.

Es ist das Ideal der Bionadebourgeoisie., gleichzeitig ist es das sozialistische Ideal des "Sandheap", des Sandhaufens identischer Individuen.

Von diesen fünfen, den ArchitektInnen der radikalegalitaristischen Wende der Grünen ist keiner verheiratet, zwei sind Single, einer ist verpartnert. Nur eine einzige Frau hat ein einziges Kind. Nur eine Frau hat für wenige Jahre außerhalb des Biotops der öffentlichen Institutionen und wissenschaftlichen Institute ihre Brötchen verdient.

Das Sein bestimmt halt das Bewußtsein.

Exsurge Gilbert!


Donnerstag, 23. Mai 2013

Peinlich, peinlich: Die SPD macht sich 150 Jahre alt.


Ist die SPD wirklich vor 150 Jahren am 23.5.1863 gegründet worden? Keineswegs, an diesem Datum gründete sich der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein Ferdinand Lassalles, einer der Vorläuferorganisationen der SPD, doch eben nicht die SPD. Erst 1875 vereinigte sich der ADAV mit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Bebels zur Sozialistischen Arbeiterpartei und erst 1890 wurde aus dieser Partei die SPD.

Den 23. Mai 1863 zum Gründungstag der SPD zu erklären, macht ebensoviel und ebensowenig Sinn, wie die Behauptung, die CDU sei bereits im Jahre 1848 mit der Gründung des Katholischen Klubs im Paulskirchenparlament, oder mit der Gründung der Katholischen Fraktion im Preußischen Landtag, oder der Soester Konferenz am 12. Januar 1864, oder dem Soester Programm vom 28.10. 1870  (des Zentrums) entstanden. Verfolgt man die protestantisch-konservativen Wurzeln der CDU, dann wäre sie womöglich schon am 24. Juli 1848 mit der Gründung des preußischen "Vereins zur Wahrung der Interessen des Grundbesitzes und zur Förderung des Wohlstands aller Klassen" ins politische Leben getreten.

Daß sowohl die preußischen Conservativen wie vor allem das katholische Zentrum zu den Vorläuferorganisationen der CDU gehörten, wird kein Historiker bestreiten. Doch die CDU verstand sich als "neue" Partei, während die olle SPD darauf bestand, stets die selbe geblieben zu sein, die Partei Lassalles.

Was die Sache noch ein bißchen peinlicher macht. Galt doch das Lassallsche Erbe immer schon - Marx sprach vom "Untertanengeist der Lassallschen Sekte" - als Ausdruck eines etatistisch-autoritären Denkens. Das Gründungsdokument der Lassallschen Partei,  Lassalles "Offenes Antwortschreiben" zeigt, wohin der Hase lief. Lassalle geißelt in diesem Schreiben vor allem den Konkurrenten, den Abgeordneten Schulze-Delitzsch, der auf die Selbstorganisation der Arbeiter setzte, auf gegenseitige Hilfe, auf Genossenschaften, auf Kredit-, Rohstoff- , Konsum- und Vorschußvereine. Das, so Lassalle, sei nur für den kleinen Handwerksbetrieb tauglich, nicht aber für die Arbeiter, die in der "Großen Industrie" schufteten. Für die Arbeiterklasse gebe es nur eine Strategie: die Einführung des Allgemeinen Wahlrechts, mit der die Arbeiter den Staat erobern sollten, damit dieser staatliche Kredite zur Gründung von sogenannten "Produktionsvereinen" gewähre. Nur so könne der Arbeiter dem "ehernen Lohngesetz" entkommen.

Man erkennt unschwer das Konzept des Volkseigenen Betriebes, der bei Lassalle aber immerhin noch so gemeint ist, wie er heißt.

Unschwer erkennt man auch den Etatisten, dem Selbstorganisation ein Greuel, jede Selbsttätigkeit verdächtig ist. War es ein Wunder, daß sich der nationalistische Etatist Bismarck und Lassalle bestens verstanden? Bismarck hat später eingeräumt, daß die von ihm eingeleiteten Sozialreformen von Lassalle inspiriert waren, daß man sich bei geheimen Gesprächen und in einer geheimen Korrespondenz, die erst im 20. Jahrhundert ans Licht kam, stets der gegenseitigen Wertschätzung versichert habe.

Recht verstanden leben wir also noch immer im autoritären Sozialstaat des kongenialen Paares Bismarck/Lassalle. Und recht verstanden stehen Katholiken, jedenfalls soweit sie der katholischen Soziallehre folgen, die eben Selbstorganisation, Selbsthilfe, freie Assoziation, Subsidiarität predigt, noch immer auf der "anderen Seite":
Enthält der Sozialismus - wie übrigens jeder Irrtum - auch einiges Richtige, was die Päpste nie bestritten haben, so liegt ihm doch eine Gesellschaftsauffassung zugrunde, die ihm eigentümlich ist, mit der echten christlichen Auffassung aber in Widerspruch steht. Religiöser Sozialismus, christlicher Sozialismus sind Widersprüche in sich; es ist unmöglich, gleichzeitig guter Katholik und wirklicher Sozialist zu sein. (Pius XI, Quadragesimo anno

Sonntag, 28. April 2013

Grüner Parteitag: Den Staat als Räuberbande denken.

Aurelius Augustinus, älteste Darstellung

Wie wohl Augustinus und Leo der XIIIte den heute endenden Grünen-Parteitag kommentiert hätte?

Die Grünen haben eine lineare Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 45 % (bis 60.000 Euro Jahreseinkommen) und 49 % (ab 80.000 Euro Jahreseinkommen) beschlossen, bei gleichzeitiger Abschaffung des Ehegattensplittings. Gleichzeitig soll eine Vermögensabgabe von 1,5 % gezahlt werden, aus verfassungrechtlichen Gründen gedeckelt auf 35 % des Jahreseinkommens. Ein Gutverdiener - nicht etwa ein Bestverdiener - zahlt damit bis zu 84 % Einkommenssteuern per anno, und zwar unabhängig davon, ob er eine Familie zu ernähren hat, oder nicht. Die Grünen also, so schließe ich, sind die geschworenen Feinde des Privateigentums, der Familie und - die durch die Verfassung garantierten Sonderrechte der Kirchen im Arbeitsrecht sollen abgeschafft werden - der Kirche.

So hätte Leo den Parteitag kommentiert:
The right to possess private property is derived from nature, not from man; and the State has the right to control its use in the interests of the public good alone, but by no means to absorb it altogether. The State would therefore be unjust and cruel if under the name of taxation it were to deprive the private owner of more than is fair.
Und so Augustinus:
Remota itaque iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia?

Samstag, 27. April 2013

Wo keimt die Gesellschaft? Kinder als Gemächsel

Die "Think Tanks" aller politischen Parteien haben inzwischen "Strategiepapiere" zum Umgang mit der liberalkonservativen AfD produziert. Oder verzapft.

Schon erstaunlich, was da an vorwiegend mit Steuergeldern finanzierten obskuren Institutionen existiert. Die FDP unterhält im Hans-Dehler-Haus zum Beispiel eine Abteilung "Strategie, Dialog und Kampagnen". Stell ich mir als so ne Art Oberste Heeresleitung der Freien Demokraten vor. Wahrscheinlich stehen da mit Dreispitz, Epauletten und doppelgeknöpften Litewkas uniformierte Strategen um den Sandkasten und postieren liberale Panzerhaubitzen und freidemokratische Leopardpanzer um ein versprengtes Häuflein mit Weltkriegs II-Flinten ausgestattete AfDler.

Jedenfalls sind die genialischen strategischen Erkenntnisse der FDP-OHL so geheim, daß sie die Presse nur in homöopathischen Dosen erreichen. Die erlauchten Strategen erkennen messerscharf in der liberalkonservativen AfD den Feind. Carl Schmitt läßt grüßen. 
Die, soweit erkennbar, ausgesprochen wertkonservativen Positionen zum Beispiel in der Familien-, Integrations- und Innenpolitik stehen den Inhalten der FDP diametral gegenüber.
Diesen Blog intressiert ja vor allem die Familienpolitik. Da heißt es  im AfD-Programm eigentlich nur kurz und knackig: "Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft." Na und?
So schreibt die Abteilung Strategie, Dialog und Kampagnen des Thomas-Dehler-Hauses zur AfD-Programmatik: "Die Forderungen erinnern hier an einige Kernpunkte der Tea-Party-Bewegung." Damit meinen die Liberalen etwa die familienpolitischen Aussagen der AfD, die für einen Schutz der Familie als Keimzelle der Gesellschaft eintritt und Bildung als Kernaufgabe der Familie sieht.
Nun sieht ja auch Art. 6 GG die Familie als Keinzelle der Gesellschaft, die deshalb folgerichtig "unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung" steht. Art 6 GG also: Tea-Party. Prosit! Unsere selbsternannte Rechtsstaats und Verfassungspartei FDP kann  bei folgendem Text wohl nur noch an Tea-Party denken.
Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.  Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft. ...
Wo die *piep*liberalen mittlerweile die "Keimzelle" der Gesellschaft verorten, offenbart die folgende rührende Gesellschaftsnotiz:
Nach einer kurzen Pause melde ich mich hier mit einer privaten Nachricht zurück. Am Wochenende bin ich Vater geworden. Mutter und Kind sind wohlauf.
Soweit ja nicht unbedingt schlagzeilenträchtig. Nur daß der Vater liberaler Bundestagsabgeorndeter, stockschwul und mit einem Mann "verheiratet" ist. Und so heißt es dann in diesem rührenden Posting weiter:
Mutter und Kind sind wohlauf. Gemeinsam mit ihrer Frau und meinem Mann freuen wir uns sehr über unsere wundervolle Tochter.
Das also ist das "moderne" Familienbild, daß unsere "modernen" Parteien - die CDU ziert sich noch ein bißchen - gegen das "Tea-Party" Modell der Verfassung stellen. Vor kurzem hat da schon der emeritierte Oberbürgermeister meiner Heimatstadt Brehm, Henning Scherf ähnlich geschwärmt. Seine mit einer Frau "verheiratete" Tochter, hat ein Kind von einem mit einem Mann "verheirateten"Mann.

Patchwork-familiy by nature. Da wird es in Zukunft sicher interessante Momente geben. Zum Beispiel, wenn das kleine Mädchen vom Sexualkundeunterricht nach Hause kommt, und seine lieben Mammis fragt, wie es denn wohl gezeugt worden sei. Und wie fühlt man sich eigentlich als aufgeklärter Liberaler, nachdem man das eigene Kind, wie es Kant ausdrückt, zum "Gemächsel" gemacht hat?

Dienstag, 23. April 2013

Hommage to Maggie Thatcher: There is no such things like a left-wing roman catholic.

Gibt es linke Christen? Gar linke Katholiken? Oder sogar sozialistische Katholiken? Womöglich auch noch bolschewistische Katholiken?

Wie Sand am Meer, möchte man meinen. Es scheint vielmehr schon fast so, als gäbe es gar keine anderen Katholiken mehr als Linkskatholiken. Aber kann ein Katholik Sozialist sein?

No sir. Entweder weiß/gold oder Rot. Aber nicht weiß/gold/rot. Noch bis in die 50iger Jahre predigten brave katholische Pfarrer ihren Schäflein - trotz Kanzelparagraph, der ja noch bis 1953 galt, daß sie sich unterstehen sollten, bei den anstehenden Wahlen etwa die gottlosen Sozialisten zu wählen. Recht so. Und sie folgten dabei dem Lehramt der katholischen Kirche.
To remedy these wrongs the socialists, working on the poor man's envy of the rich, are striving to do away with private property, and contend that individual possessions should become the common property of all, to be administered by the State or by municipal bodies. They hold that by thus transferring property from private individuals to the community, the present mischievous state of things will be set to rights, inasmuch as each citizen will then get his fair share of whatever there is to enjoy. But their contentions are so clearly powerless to end the controversy that were they carried into effect the working man himself would be among the first to suffer. They are, moreover, emphatically unjust, for they would rob the lawful possessor, distort the functions of the State, and create utter confusion in the community.
So Leo XII in seiner berühmten Enzyklika "rerum novarum": "Um dieses Übel (der Pauperisierung der eigentumslosen Lohnabhängigen) zu bekämpfen, kämpfen die Sozialisten, indem sie den Neid der Armen gegen die Reichen schüren, dafür, das private Eigentum abzuschaffen, sie fordern, daß persönliches Eigentum das Eigentum aller werde, verwaltet durch den Staat oder durch kommunale Körperschaften. ... Doch es ist völlig klar, daß Ihr Programm ungeeignet sind, um das Dilemma zu lösen, vielmehr wird, wenn diese Utopien umgesetzt würden, der arbeitende Mensch der erste sein, der darunter leiden wird. Darüberhinaus ist dies eine schreiende Ungerechtigkeit, denn sie würden den rechtmäßigen Eigentümer berauben, die Funktion des Staates zerstören, und ein völliges gesellschaftliches Chaos anrichten".

1895, also Jahrzehnte vor dem großen gesellschaftlichen Experiment Realsozialismus ist diese Enzyklika geschrieben worden, 94 Jahre vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Aber halten wir fest: die sozialistische Lehre - übrigens, wie in der Enzyklika zu lesen, auch der sozialdemokratische Hochsteuerstaat - ist mit der katholischen Lehre nicht zu vereinbaren. Das hat nun so manchen Katholiken nicht daran gehindert, sich einer sozialistischen Partei anzuschließen. So zum Beispiel den Intimfeind Maggie Thatchers, Jacques Delors. Den Maggie Thatcher in einer ihrer berühmtesten Ansprachen wie folgt adressiert hat:
Yes, the Commission does want to increase its powers. Yes, it is a non-elected body and I do not want the Commission to increase its powers at the expense of the House, so of course we are differing. Of course… The President of the Commission, Mr. Delors, said at a press conference the other day that he wanted the European Parliament to be the democratic body of the Community, he wanted the Commission to be the Executive and he wanted the Council of Ministers to be the Senate. No. No. No. 
Or…. or…..or….. Perhaps the Labour party would give all those things up easily. Perhaps it would agree to a single currency, to total abolition of the pound sterling. Perhaps, being totally incompetent with monetary matters, they’d be only too delighted to hand over full responsibility as they did to the IMF, to a central bank. The fact is they have no competence on money and no competence on the economy—so, yes, the right honorable Gentleman would be glad to hand it all over. What is the point in trying to get elected to Parliament only to hand over your sterling and the powers of this House to Europe?
Aus der politischen Zuordnung der Kontrahenten kann man schließen, daß der Superstaat, den der linkskatholische Sozialist Jacques Delores im Auge hatte, ein sozialistisches Projekt ist. Vielleicht kein realsozialistisches aber doch sicher ein geldsozialistisches. Und daß die Lehre von rerum novarum längst vergessen ist.

Samstag, 6. April 2013

Wie die Zeit vergeht: "Mädchen und Jungenschulen hatten wir vor 150 Jahren."

Steinbrück ist mal wieder in einem Fettnapf gelatscht. Ausgerechnet aus religiösen Gründen denkt Steinbrück über nach Mädchen und Jungen getrennten (Sport)Unterricht nach. Was das mit Religion zu tun hat, erschließt sich mir nach heftigem Nachdenken durchaus, aber nicht ohne weiteres. Wo es ja schon so ist, daß der liebe Herrgot im Gegensatz zu Judith Butler durchaus einen Blick für die Differenz der Geschlechter hat.

Nun könnte man ja pädagogische Gründen dafür finden, oder besser, die liegen eigentlich auf der Hand. Aber zunächst geht es mal darum, den Kandidaten für seinen höchstgenderungerechten Vorschlag fertig zu machen.
Junge Leute benötigen moderne gesellschaftliche Orientierung – in Ergänzung oder auch im Gegensatz zu tradierten Familienriten. Mädchen- und Jungenschulen hatten wir vor 150 Jahren. Wir haben in Deutschland eben keine Geschlechtertrennung. Es kann nicht sein, dass wir jetzt die gesellschaftliche Uhr zurückdrehen.
Sagt Herr Buschkowsky - und outet sich damit als der verbohrte Sozialdemokrat, der er letztendlich ist. Wäre das wahr, dann müßte ich jetzt ungefähr 163 Jahre alt sein, denn im Alter von sechs Jahren wurde ich in eine Knabenschule eingeschult, und mit zehn Jahren besuchte ich ein Jungengymnasium. Buschkowsky schlägt mal hundert Jahre drauf. Erst Anfang der 60iger wurden wir koeduziert.

Mit, wie man heute weiß, fatalen Folgen. In unseren koeduzierten und efeminisierten Schulen geraten offenkundig die Jungen unter die Räder. 80% aller Schulversager ohne irgendeinen Abschluß sind männlichen Geschlechts. 80% der Sitzenbleiber sind Jungs. Der Anteil der jungen Männer an den Abiturient*innen sowie Hochschulabsolvent*innen beträgt nur noch schlappe 40 %.  Fatal für ein Industrie- und Hochtechnologieland, daß auf gut ausgebildete und immer noch vorwiegend männliche Ingenieure angewiesen ist.

Fatal auch für die holde Weiblichkeit, denn von den gut ausgebildeten Akademikerinnen bleiben 30 % unverheiratet. Frauen heiraten halt immer noch nicht nach unten, Männer vögeln lieber unverbindlich durch die Gegend und feiern das goldene Sexalter. (Vorsicht, link nur für starke Nerv*innen).

Man könnte also sagen, daß kaum etwas pädagogisch und gesellschaftlich gesehen so viel Unheil angerichtet hat, wie die Koedukation.

Aber nun geht es ja darum "die Werte des Grundgesetzes gegen Angriffe von Konservativen jeder Couleur zu verteidigen" sagt ausgerechnet ein "Linker", der (reform)kommunistische Bundestagsabgeordnete Jan Korte.

Und da wird es dann vielleicht doch wieder religiös. Es sind ja vorwiegend christliche Initiativen, die die guten alten Mädchen- und Jungengymnasien wieder beleben, und dabei bemerkenswerte pädagogische Erfolge erzielen. Gegen den verbissenen Widerstand der z.B. brandenburgischen rotroten Regierungs-Linken, die auch nach juristischen Niederlagen durch drei Instanzen in Potsdam ein christliches Jungengymnasium noch immer verhindern wollen, weil sie der irren Auffassung sind, die Koedukation sei von Verfassung wegen geboten.

Montag, 1. April 2013

Über Privateigentum, Veganer, Prohibition und Pädagogik.

Schon länger frage ich mich, wie sich eigentlich der systematische Zusammenhang zwischen eurokratischer Planwirtschaft (die sich als Variante des Geldsozialismus darstellt), veganer Weltanschauung  und der EU-Tabakrichtlinie erklären läßt. Schließlich bin ich seit meiner Studentenzeit Dialektiker und weiß, daß Alles mit Allem zusammenhängt. Für einen Chesterbelloc-Leser ist aber nun nichts leichter als das:
Die Sache hinter dem Bolschwismus und vielen anderen modernen Dingen ist eine neuartige Form des Zweifels. Dieser Zweifel ist nicht lediglich ein Zweifel an Gott; es ist vielmehr ein ganz spezifischer Zweifel am Menschen. Die Alte Moral, die Christliche Religion, die Katholische Kirche unterschied sich von dieser neuen Mentalität, weil sie wirklich und wahrhaftig an die Rechte des Menschen glaubte.  Das bedeutet, daß sie daran glaubte, daß gewöhnliche Menschen ausgestattet seien mit Macht, Privilegien und Autorität. Jeder gewöhnliche Mensch hat also ein Recht an toter Materie, jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt; dies ist das Recht auf privates Eigentum. Jeder gewöhnliche Mensch hat das Recht, über die Tiere zu herrschen, jedenfalls innerhalb der Grenzen der objektiven Vernunft; dies ist der Gegensatz zum Vegetarianismus und vielen anderen Dingen. Jeder gewöhnliche Mensch hat das Recht, über seine eigene Gesundheit zu befinden, und welche Risiken er auf sich nehmen will in Bezug auf die gewöhnlichen Dinge, die ihn umgeben; dies ist der Gegensatz zur Prohibition und vielen anderen Dingen. Jeder gewöhnliche Mensch hat das Recht über die Gesundheit seiner Kinder zu befinden und er hat ganz allgemein das Recht, seine eigenen Kinder zu erziehen, so gut er es eben vermag; dies ist der Gegensatz zu vielen Formen der modernen staatlichen Pädagogik. Wo aber die Alte Religion in all diesen elementaren Dingen dem gewöhnlichen Menschen vertraute, da mißtraut die Moderne Philosophie dem gewöhnlichen Menschen. Sie besteht darauf, daß nur eine ganz außergewöhnliche Sorte Mensch das Recht hat, in diesen elementaren Dingen Entscheidungen zu treffen; und wer zu diesen außergewöhnlichen Menschen gehört, der hat das Recht, über andere sogar eher zu herrschen als über sich selbst. (Gilbert Keith Chesterton, The Outline of Sanity 1927)

Kardinal Woelki und der unverhoffte Tod der katholischen Soziallehre

Kaum ein Halbsatz hat den linksliberalen journaillistischen Sumpf so heftig aufwallen lassen, wie Bergoglios These von der "armen Kirche an der Seite der Armen". Das deutsche Folliton ist begeistert, die Journaille klatscht frenetisch Beifall, die FDP stellt gleich die nötigen Anträge. Die haben zwar nur das Ziel, die Kirche ärmer zu machen, doch irgendwo muß man ja schließlich anfangen.

Ich habe ja schon darauf gewartet, daß einer unser katholischen Prälaten einstimmen würde, und in der Tat, einer gab ein Interview und seit wenigen Tagen ist alles anders mit der katholischen Soziallehre. Kein Blatt Papier paßt nunmehr zwischen die Kirche und die Linkspartei. Kardinal Woelki ist für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und die Erhöhung der Erbschaftssteuer. Bingo! Aber ist das auch katholisch?

Nein. Ganz im Gegenteil. Aber zunächst muß man das Ziel der Vermögenssteuer verstehen. Die Vermögenssteuer ist eine Substanzsteuer, sie wird grundsätzlich erhoben ohne Rücksicht auf das Einkommen des Steuerpflichtigen, ebenso wie die erwähnte Erbschaftssteuer, wie Grundsteuer und Grunderwerbssteuer. Daß sie ohne Rücksicht darauf erhoben wird, ob der Steuerpflichtige die Steuer aus seinem Einkommen erwirtschaften kann, oder ob er gezwungen ist, einen Teil seinesVermögens zu verkaufen, war für das Bundesverfassungsgericht einer der Gründe, die Vermögenssteuer in ihrer früheren Form für verfassungswidrig zu halten.
Die Vermögensteuer darf nur so bemessen werden, daß sie in ihrem Zusammenwirken mit den sonstigen Steuerbelastungen die Substanz des Vermögens, den Vermögensstamm, unberührt läßt und aus den üblicherweise zu erwartenden, möglichen Erträgen (Sollerträge) bezahlt werden kann. Andernfalls führte eine Vermögensbesteuerung im Ergebnis zu einer schrittweisen Konfiskation, die den Steuerpflichtigen dadurch übermäßig belasten und seine Vermögensverhältnisse grundlegend beeinträchtigen würde
Es geht bei den reinen Substanzsteuern, als bei Erbschafts-, Vermögens-, Grund- und Grunderwerbssteuer stets um die entschädigungslose Enteignung von Vermögen. Wer nun glaubt, und Woelki scheint dies zu glauben, dies entspreche der katholischen Soziallehre, ist schief gewickelt. Das Grundgesetz der katholischen Soziallehre, nämlich die Enzyklika "rerum novarum" Leos des XIIIten besagt eindeutig das Gegenteil.

Leo XIII lobt die großen Vorzüge, die eine gleichmäßigere Verteilung des Eigentums für den Einzelnen und die Gesellschaft hat, und am Ende dieser Lobeshymne ermahnt er die Staatenlenker, nicht durch überhöhte Steuern dieses Eigentum zu konfiszieren. Leo ist, um es mit einem Begriff zu beschreiben, den Chesterton und Belloc geprägt haben, Distributist. Es ist keineswegs und keinesfalls Sozialist. Die Enzyklika rerum novarum enthält vielmehr eine heftige Kritik an den sozialistischen Utopien seiner Zeit. Leo will nicht das Eigentum abschaffen, sondern es gleichmäßiger verteilen.

Ein gleichmäßigere Verteilung des Eigentums mildere erstens den Konflikt zwischen den Besitzenden und den Habenichtsen, es steigere zweitens die Produktivität der menschlichen Arbeit (Leo sagt das Jahrzehnte vor der Entdeckung des TLC-Faktors durch E.F. Schumacher), und fördere drittens den Patriotismus und das Wohlbefinden der Menschen. Und was den Staat und die Steuer angeht:
Diese drei wichtigen Vorzüge können nur bewahrt werden, wenn sichergestellt ist, daß eines Mannes Einkommen und Vermögen nicht durch exzessive Besteuerung entzogen und erschöpft wird. Das Recht auf Privateigentum beruht nicht auf menschlicher Satzung, sondern folgt aus dem Naturrecht; der Staat hat zwar das Recht, den Gebrauch des Eigentums im Interesse des gemeinen Wohls zu kontrollieren, aber niemals das Recht, dieses Eigentum an sich zu reißen. Der Staat handelt also ungerecht und gewaltsam, wenn er unter dem Titel der Besteuerung dem privaten Eigentümer mehr entzieht, als angemessen und gerecht ist.
Hilaire Belloc hat dies wenige Jahre später in seinem Buch über den "Servile State" in ein Motto übersetzt:
...If we do not restore the Institution of Property we cannot escape restoring the Institution of Slavery; there is no third course.
Es fehlt hier der Raum, um die Enzyklika vollständig zu kommentieren. Aber Leos Rezepte für die Beantwortung der "sozialen Frage" sind wesensgemäß andere, als die der Sozialisten. Leo fordert zunächst einen gerechten Lohn auch für den einfachen Arbeiter, der ausreichen müsse, um nicht nur die elementaren Bedürfnisse eines Arbeiters und seiner Familie zu befriedigen, sondern auch, um Vermögen anzusparen und Eigentum zu schaffen.

Leo setzt auf moralische Aufrüstung in jeder Hinsicht, auf Privateigentum, auf eheliche Treue, auf die Familie als das Fundament jeder gerechten gesellschaftlichen Ordnung und auf gegenseitige Hilfe. Er setzt nicht auf den Staat, von dem er vielmehr Zurückhaltung und nicht zuletzt eine nur moderate Besteuerung verlangt, unter Beachtung des Naturrechts auf Privateigentum. Er verteidigt, weil er Familie und Privateigentum verteidigt, auch das Erbrecht. Er setzt auf den freien und unvorbemundeten Bürger, der in der Lage ist, mit der Hilfe seiner Familie, seiner Nachbarn, seiner Mitarbeiter, seiner Gemeinde seine eigenen Angelegenheiten selbst zu verwalten.

Lesen wir nach dieser Vorbereitung das Interview des Kardinals mit dem Tagesspiegel:
... der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hat deutlich gemacht, dass die Kluft hier immer größer wird. Mit Blick auf die Einkommen ist eine Angleichung erfolgt, aber nicht, was die Vermögen angeht. Es kann nicht sein, dass nur etwa zehn Prozent der reichsten deutschen Haushalte 58 Prozent des Privatvermögens besitzen. 
Sollte diese Gruppe mehr Steuern zahlen? 
Es muss eine stärkere Besteuerung der Vermögen, beispielsweise über die Erbschaftssteuer, gefunden werden und ein stärkerer sozialer Ausgleich.
Können die Rezepte von Sozialisten, die durch konfiskatorische Vermögenssteuern - oder durch die Abschaffung des Erbrechts - das Eigentum zerstören wollen, kompatibel sein mit der katholischen Soziallehre? Kann eine politische Kraft, die das Eigentum zerstören will, die Rezepte liefern für eine politische Kraft, die die Zahl der Eigentümer vermehren will? Wohl kaum.

Daß höhere Steuern - der heutige Staat nimmt soviel Steuern ein wie noch nie in der deutschen Geschichte - auch zu einer gerechtere Vermögensverteilung führen kann eigentlich niemand im Ernst behaupten. Die Steuern steigen und steigen, aber die Vermögensverteilung bleibt seit Jahrzehnten immer gleich. So besitzen in Deutschland die wohlhabendsten 20 Prozent der Bevölkerung 75 % des Immobilienvermögens. Die nächsten 20 Prozent der etwas weniger Wohlhabenden besitzen weiter 25 %. Der Rest besitzt nichts. Vor fünfzig Jahren war das schon genau so.

Verändern höhere Steuern, vor allem Substanzsteuern ,diese Eigentumsverteilung zugunsten der weniger Vermögenden? Das Gegenteil ist richtig. Wer die Vermögenssubstanz besteuert, vermehrt nicht die Zahl der Vermögenden, sondern vermindert sie. In Ländern wie Frankreich, die eine noch wesentlich brutalere Erbschaftssteuer kennen, enden viele Söhne von Unternehmern als Angestellte in den Unternehmen, die ihre Väter gegründet haben, weil sie nach Eintritt des Erbfalls das Unternehmen verkaufen mußten, um die Erbschaftssteuer zu zahlen. Das Unternehmen wird dann meist durch Kapitalgesellschaften übernommen, denen die Erbschaftssteuer völlig wurst ist, weil sie sie nicht zahlen müssen.

Sozialistische Rezepte führen eben zu sozialistischen Ergebnissen. Oder zum Staatskapitalismus. Was grosso modo das selbe ist. Das kann man eigentlich schon bei Leo dem XIIIten nachlesen. Oder bei Chesterton. Oder bei Hilaire Belloc. Oder bei E.F. Schumacher. Alles brave Katholiken.

Sonntag, 24. März 2013

Weißer Rauch: Die "arme Kirche" war nie eine "Kirche der Armen"

Die Erschießung des Paters Franzisco Vera im Jahre 1927

Er wünsche sich eine arme Kirche an der Seite der Armen hören wir vor unserem neuen Papst.

Belloc und Chesterton hätten wohl bei dem Satz von der "armen Kirche an der Seite der Armen" die Stirn gerunzelt - wahlweise den Kopf geschüttelt. Sie waren nämlich der Überzeugung, daß die Verarmung und Enteignung der Kirche Ursache der Armut der Bevölkerung in der Zeit der Entstehung des Proletarianismus/Kapitalismus sei. Folgt man ChesterBelloc, war die arme Kirche nicht etwa eine Kirche für die Armen, sondern bestenfalls eine Kirche bei den Armen. Die selben Kräfte, die die Kirche im Mutterland des Kapitalismus enteigneten und in den Untergrund trieben, trieben die verarmten und enteigneten Bauern in die Gosse.

Die moderne Sichtweise - auch die der Kirche - ist die, daß die Verarmung und Entmachtung der Kirche ihre Erlösung von der sündigen Versuchung der Macht und des Reichtums gewesen sei. ChesterBelloc zeigen aber auf, daß dieser Raub weder die Erlösung der Kirche, noch die Erlösung und Befreiung der Ärmeren gewesen sei, sondern vielmehr Ursache der modernen Sklaverei, des "Servile State".

Wirtschaftsgeschichtlich vertreten die beiden Theoretiker, Schriftsteller und Politiker gegen Marx und Max Weber eine These über die Entstehung des modernen Kapitalismus - der ja zunächst zu einer breiten Verarmung geführt hat - die, als ich den "Servile States" das erste mal las, für mich weit mehr Plausibilität für sich hat, als Marxens These von den Ursachen und Wegen der "Ursprünglichen Akkumulation".

Die mystische Theorie Max Webers, wonach der Kapitalismus die gewissermaßen materielle Folge der geistigen Revolution des Calvinismus sei, stellt Belloc vom Kopf auf die Füße. Der frühe Kapitalismus, die "Ursprüngliche Akkumulation", im kapitalistischen Mutterland  England die Akkumulation fast der Hälfte des gesellschaftlichen Reichtums in der Hand einer kleinen Schicht von Großgrundbesitzern, ging der protestantischen Revolution voraus und folgte ihre nicht nach.

Die Voraussetzung dieser historisch beispiellosen Akkumulation von Reichtum in den Händen weniger aber war - die "arme Kirche".

Es war die Enteignung der Kirche unter Heinrich dem VIIIten, und die Verteilung der Beute vor allem unter den ohnehin schon Reichen und Mächtigen, die die Enteignung und Pauperisierung großer Teile der Bevölkerung verursachte. Vor der Vertreibung und Enteignung der Orden und der Kirche war etwa 25 bis 30 Prozent des Grundeigentums in den Händen von Kirche und Orden. Die Vernichtung der katholischen Kirche in England führte dazu, daß 20 Prozent des Landes zusätzlich in das Vermögen einer Klasse von Großgrundbesitzer kam, die schon 25 bis 30 Prozent des gesellschaftlichen Vermögens besaß.

Das Vorhaben der Krone, sich das enteignete Kirchenland anzueignen, scheiterte an den mächtigen Lords, denen der schwache Nachfolger Heinrichs nichts entgegensetzen konnte. Einmal im Besitz der Hälfte des Landes, war es diese Klasse, die die politische Zukunft des Landes bestimmte. Sie setzte nach Belieben entweder in der blutigen Revolution Cromwells oder in der nicht unblutigen aber weniger blutigen "Glorious Revolution" den König ab, und ersetzte ihn durch einen Monarchen, der sich in einer stetig schwächeren Position sah, um schließlich nur noch das Land zu repräsentieren, statt es zu regieren.

Der gestürzte und katholische James II von England vertrat eine Politik der religiösen Toleranz, die Sieger trieben die katholische Kirche erneut in den Untergrund. Nicht der Protestantismus - oder genauer, der Anti-Katholizismus - etablierte den Kapitalismus, vielmehr etablierte der Kapitalismus den Protestantismus. Webers These verkehrt damit Ursache und Wirkung.

Aber halten wir fest: die arme Kirche war die Voraussetzung für die Pauperisierung der Landbevölkerung und für die Entstehung eines von jedem Besitz an den Produktionsmitteln ausgeschlossenen Proletariats. Die Idee von der "armen Kirche an der Seite der Armen" ist nicht nur liturgisch-theologisch fragwürdig, sie ist auch wirtschaftstheoretisch, politiktheoretisch und historisch falsch. Die Verarmung der Kirche war eine der Ursachen der Verarmung der Bevölkerung.

Die historische Abfolge, die die Entwicklung des kapitalistischen Mutterlandes England kennzeichnet, wiederholte sich in anderen Ländern Europas. Im Norden Europas war das Bollwerk Kirche allerdings schon beseitigt, in den katholischen Ländern des südlichen Europa wurde das Hindernis erst im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts zur Seite geräumt. Auch dort folgte der Enteignung der Kirche die Enteignung der Masse der Bevölkerung. So hat sich etwa der Süden Italiens von seiner "Befreiung" durch die Truppen des "aufgeklärten" Cavour und des Freimaurers Garibaldis wirtschaftlich nie mehr erholt, blieb auf immer die verarmte Kolonie des Nordens.

Die Enteignung der französischen Kirche ist mit einem der größten wirtschaftlichen Desaster der Neuzeit verbunden: der Einführung der Assignaten-Währung. Dieses war der Vorläufer des "linken" Papiergelds unserer Tage.

Das alles liegt lange zurück, so lange, daß sich heute wieder ein Papst eine "arme Kirche an der Seite der Armen" wünscht. Und dabei von allen linken und ganz linken Katholikenhassern des Landes, heißen sie Deckers oder Wensierski bejubelt wird.

Der katholische Denker Belloc aber hat ein völlig "umlinkes" und womöglich unserem in den Kategorien der "sozialen Gerechtigkeit" denkenden Papst unbekanntes Motto seinem Buch über den "Sklavenstaat" vorangestellt.
If we do not restore the Instititution of property, we cannot escape restoring the Institution of Slavery; there is no third course.