Gegen den Widerstand der deutschsprachigen Journaille kann niemand Bischof werden - siehe den casus Wagner - und niemand Bischof bleiben - siehe den casus Mixa.
Im Juni 2010 erschien ein Interview des Deutschlandfunks mit dem antikatholischen Aktivisten und FAZ-Redakteur Deckers, in dem dieser offen einräumt, daß Mixa einer konzertierten Intrige von linkskatholischen Heckenschützen und Journaillisten verschiedener linksliberaler Follitons zum Opfer gefallen ist. Das Interview ist im internet nicht mehr zu finden. Meine Mitschrift läßt sich hier nachlesen.
Vergleichbares ist im Fall Tebartz-van Elst nicht nur vorstellbar, sonder gewiß. Wer also ist Papst? Je nachdem, wie der Papst in Sachen TvE entscheidet, werden wir wissen, ob der Papst der Papst ist. Die historische Schlagzeile der Bildzeitung werden wir dann endgültig nicht mehr als lustigen Wortwitz, sondern als Drohung verstehen müssen.
Montag, 21. Oktober 2013
Sonntag, 20. Oktober 2013
Im Schauprozeß gegen Tebartz-van Elst steht auch die Kirche vor Gericht
| Madonna von Fatima, Kirche St. Dominik, Lissabon |
Gerade zurück von der Wallfahrt nach Fatima. Während ich die Zeitungen einer Woche aufräume, lese ich die Schlagzeilen. Kein Wort über Fatima, keine Nachricht, auch nicht unter "Aus aller Welt", daß der Papst am 13. Oktober, dem wichtigsten Tag des Fatima-Jahres, die Weihe an das Unbefleckte Herz der Gottesmutter von Fatima in Rom wiederholt hat. Natürlich auch kein Wort über die diesjährige Fatima-Wallfahrt. Stattdessen Bischofs-Bashing aus allen privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Rohren.
Die Erde hat mich wieder. Ich sehne mich noch mehr zurück zum Himmel auf Erden. Der Platz vor der Basilika faßt 600.000 Menschen, auch dieses Jahr ist der Platz voll. Wieviel werden es wohl sein? 100.000 ? 200.000? Ich weiß es nicht. Jedenfalls viele. Auf dem Platz versammelt sich das Volk. Nicht die Schönen und Reichen, so sieht es hier nicht aus.
Vor dem Tabernakel in der älteren Kirche am Nordostrand des riesigen Platzes und vor den Gräbern der Kinder drängen sich die Gläubigen, Priester halten den ganzen Tag über Messen, vor dem Erscheinungsort, mitten auf dem Platz beten den ganzen Tag über Gläubige aus allen Ländern den Rosenkranz.
Auch hier - keine wirkliche Parallele zu Limburg - hat man einen modernen "Protz"bau gebaut, Protzbau, wenn man alles was über einen kleinen siebenstelligen Betrag hinausgeht, hier sind es 70 Millionen, schon als "Protz" ansieht. Ein liturgisch disfunktionales Rund, ganz im Sinne der nachkonziliaren Kirche, ohne Tabernakel, ohne eigentliche Reliquien. Das Licht kommt von einem der Industriearchitektur entlehnten Sheddach, das geschickt mit lichtdurchlässigen Segeln kaschiert ist. Natürlich umrunden die Sitzgelegenheiten - Kniebänke gibt es nur im vorderen Bereich - den Volxaltar. Papst Johannes Paul II hat zwar einen Stein aus dem Petrusgrab gestiftet, doch der ist, nimmt man es genau, eine Reliquie dritter Klasse.
Für die Hauptwallfahrtszeit ist dieser Bau bei weitem zu klein, als Ort der Anbetung des allerheiligsten Himmelsbrotes und als Ort Verehrung der Seligen erst gar nicht vorgesehen. Die Akkustik ist beeindruckend, die Lichtführung vorbildlich, aber mehr als ein wohl konstruierter Vorlesungssaal mit sakraler Dekoration ist dies nicht.
Keine Parallele zu Limburg, denn das architektonische Ensemble am Limburger Dom ist städtebaulich und architektonisch vorbildlich, und es ist, als Verwaltungszentrum, Ort der Versammlung und Sitz des Bischofs durchaus alles andere als disfunktional.
Aber eine andere Parallele zu Limburg läßt sich hier finden.
Wer die Geschichte des Wallfahrtsortes kennt, und die Botschaft, um die es hier geht, weiß, daß die Marienerscheinungen vom 13. Mai 1917 bis zum 13. Oktober eine dezidiert politische Botschaft hatten. Die Botschaft richtete sich gegen den militanten Atheismus, der in diesem Jahren auch Portugal selbst beherrschte, aber bald, beginnend mit der russischen Revolution, noch viel blutigere Folgen für die Kirche zeitigen würde.
Nach der Revolution vom 1910, die zum Sturz des portugiesischen Königs führte, setzten die *piep*liberalen Republikaner eine antiklerikale Politik um, die in ihrer Brutalität selbst im vorwiegend antiklerikalen Europa dieser Jahre neue Maßstäbe setzte. Nicht nur wurde die Kirche erneut flächendeckend enteignet, wurden Orden aufgelöst, enteignet, und aus dem Land getrieben. Kirchliche Schule wurden verstaatlicht, in den nunmehr verstaatlichten Schulen wurde der Religionsunterricht abgeschafft. Priesterseminare wurden zwangsweise geschlossen, selbst das Glockengeläut wurde untersagt, Priester und Ordensleute wurde das Tragen der Soutane oder des Habits in der Öffentlichkeit verboten. Öffentliche Prozessionen wurden unterbunden, jede öffentliche Kundgabe des Glaubens stand unter Strafandrohung. Die Republik war der festen Überzeugung, daß der katholische Glaube, der Portugal so lange geprägt hatte, innerhalb von zwei Generationen aussterben werde. Und man wollte, weil er so gar nicht freiwillig ausstarb, kräftig nachhelfen.
Auch die drei Hirtenkinder, denen die Muttergottes von Fatima erschienen waren, wurden Opfer dieser brutalen Repression. Unmittelbar vor der von der Muttergottes angekündigten Erscheinung am 13. August 1917 wurden die drei Kinder, Lucia (10 Jahre), Francisco (9 Jahre) und Jacinta (7 Jahre) durch den Ortspräfekten verhaftet. Sie wurde ins Gefängnis geworfen, und mit der Drohung, man werde sie in siedendem Öl zu Tode braten, wenn sie ihre "Lügen" nicht widerriefen und die geheime Botschaft offenbarten, unter Druck gesetzt. Die Kinder widerriefen weder, noch verrieten sie das Geheimnis, das die Gottesmutter ihnen anvertraut hatte. Nach Tagen wurden die Kinder freigelassen. Am 13. Oktober wurden 70.000 Menschen Zeugen der Erscheinung und Zeugen des "Sonnenwunders".
Wer nun die Pressekampagne gegen TvE dieser Tage sich zumutet, wird Parallelen erkennen müssen. Wieder einmal den Gipfel in der Kategorie hate-session dürfte Anne Will erreicht haben. Die Sendung ist ein echter Augenöffner. Da geht es längst nicht mehr um aus dem Ruder gelaufenen Baukosten eines eigentlich eher bescheidenen Bauvorhabens.
Schon die Zusammensetzung des Tribunals ist Spitze: Anne Will selbst, als Teil des wohl prominentesten Lesbenpärchens der Republik gewissermaßen eine geborene Feindin der Kirche, die militante, ehemals *piep*liberale nunmehr sozialdemokratische Atheistin Ingrid Matthäus-Maier, der KvD (Katholikenfresser vom Dienst) des Spiegel, Wensierski, der linkskatholische Haßprediger, Erst-Unterzeichner des Memorandum 2011 und langjährige Berater des *piep*liberalen Bischofs Kamphaus, und Münsteraner Professor (sic!) Schüller, schließlich der Prototyp des liberalkatholischen Weicheis, der hammurgische Weihbischof Jaschke.
Ein Schauprozess. Was ist das? Ein Prozeß der keinen Verteidiger kennt (wäre Jaschke einer, ich würde sofort beantragen, diesen notorischen Mandantenverräter aus der Kammer zu werfen und in den Knast zu stecken). Keine unabhängigen Richter - parteiischer als die Homolobbyistin Will in Sache Kirche kann man eigentlich kaum sein. Nur Ankläger: Will, Matthäus-Maier, Wensierski, Schüller.
"Es geht inzwischen längst nicht mehr um den Limburger Bischof, inzwischen wird auch längst gefragt, ist diese Kirche zu reich, und warum genau finanzieren ausnahmslos alle Steuerzahler die Kirche mit, wenn die doch zumindest bei Bauvorhaben weder Mühen noch vor allem Kosten scheut."So die einleitenden Worte der "Moderatorin". Könnte von einer beliebigen Atheistenwebsite abgeschrieben sein und ist so verdreht wie verlogen. Es geht wieder einmal um die Dotationen, Entschädigungen für die flächendeckende Enteignung jeglichen kirchlichen Besitzes 1803 - die in der Summe nur eine äußerst schäbige Entschädigung für das Riesenvermögen waren, daß die weltlichen Fürsten jener Zeit der Kirche raubten. Das Problem ließe sich einfach lösen, durch die Kapitalisierung der Dotationen - aber seit fast einem Jahrhundert - die Kapitalisierung der Dotationen ist bereits Auftrag der Weimarer Verfassung - zahlt der Staat lieber die bescheidenen Zinsen auf das Kapital, als sich noch höher zu verschulden, um das Problem, das ich wirklich für eines halte, aus der Welt zu schaffen. Warum wohl?
Die Sendung ist kaum zu ertragen. Aber die Äußerungen lassen doch tief blicken. Kurz zusammengefaßt, und für die, die sich diesen Schauprozeß nicht zumuten wollen:
Schüller beklagt sich darüber, daß TvE einen Priester gemaßregelt hat, der ein homosexuelles Paar "getraut" hat und dies - so Schüller - sei für ihn der Anlaß für die Aufgabe seines "Berater"amtes gewesen. Konsequent, man lese das Memorandum Libertinage.de. Der aus dem Off eingeschaltete Riebel - Mitglied des veranwortlichen Kontrollgremiums behauptet, der Bischof sei krank. Jaschke findet natürlich die Hetzjagd der Journaille irgendwie so ganz toll schön kritisch. (Und erntet natürlich Beifall - katholisches Anbiedermeier at its best), Matthäus-Maier bringt die Diskussion auf die sogenannten Dotationen - gar nicht zu unrecht.
Wer wissen will, worum es geht, sehe sich das Propagandafilmchen ab der Minute 45 an. Da geht es um das "riesige Vermögen" der Kirche. In der Folge geht es dann zur Sache. Das kirchliche Arbeitsrecht wird ins Visier genommen, die christlichen Kindergärten, die christlichen Krankenhäuser, die christlichen Schulen. Das Recht der Kirche, von ihren Angestellten in ihren Einrichtungen zu verlangen, daß sie nicht nur der Kirche angehören, sondern sich auch an die Normen der Kirche halten. Und was die Dotationen angeht - die Juristin Matthäus-Maier ist allen Ernstes der Auffassung, daß man die Dotationen entgegen des ausdrücklichen Auftrages der Verfassung, die von Ablösung spricht, "kassieren" könne. Und unter Bruch des Konkordats, also eines völkerrechtlich verbindlichen Vertrages, weil der ja "von Hitler" mit dem päpstlichen Stuhl geschlossen wurde. Wensierski stimmt zu.
Die Kirche steht vor Gericht. Und was Napoleon vor mehr als zweihundert Jahren nicht zu Ende gebracht hat, soll nun gnadenlos exekutiert werden: die vollständige Enteignung der Kirche und die flächendeckende Säkularisierung all ihrer Einrichtungen. Wenn man den Beifall der jungen Menschen, die dieser jakobinischen hate-session beigewohnt haben ins Kalkül zieht, könnte man schon ein bißchen Angst bekommen.
Und was Matthäus-Maier angeht: sie steht geisteshistorisch für den Unmenschen, der vor 96 Jahren nicht davor zurückschreckte, drei kleinen Kindern, die von ihrem Glauben nicht abließen, mit dem Tod durch Verbrennung zu drohen.
Freitag, 4. Oktober 2013
Dummdeutsch: Wertkonservativ
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| Konfuzius. Traditionelle Darstellung |
Seit mehr als einem Monat liegt dieser Blog brach. Der Grund ist einfach: horror vacui. Je größer die Leere nach dem letzten Post ist, desto größer der Horror davor, dieses Vaccum zu füllen.
Deshalb fange ich langsam an. Heute mit einem Exkurs zu einem dummen Wort: wertkonservativ. Man hörte das Wort in letzter Zeit öfter. Vor allem von Publizisten und Politikern, gerade auch von denen, sie sich selbst als konservativ einschätzen.
Heute auch ein Einstieg in ein neues Label: Dummdeutsch. Politisch-theologisches Dummdeutsch zumeist, den es sind gerade die politisch-theologischen Begriffe, die verbogen, verfälscht und umgefälscht werden. Mit nachvollziehbarer Absicht.
Absichtsvoll werden die Wörter verbogen. Nehmen wir das Wort Familie: Familie ist dort, wo Kinder sind. Vielleicht die dummdeutscheste aller Begriffsverwirrungen, denn dann wäre ein Kindergarten, eine Kinderkrippe, ein Erziehungsheim, ein Schulbus, ein Spielplatz Familie, denn da sind ja Kinder.
Ein Trupp Jugendamtsmitarbeiter, die mithilfe einer Polizeistreife Kinder klauen, wäre dann Familie, denn in dem Einsatzbus, in dem die weinenden und schreienden Kinder gefangen sind, ist ja dann doch Familie, oder? Die Zahl der "Inobhutnahmen" durch die Jugendämter ist übrigens parallel zur Entleerung der Begriffe "Ehe und Familie" dramatisch gestiegen. Definitionen besitzen materielle Gewalt. Die "traditionelle" Familie gilt nunmehr als Inbegriff eines Gewaltzusammenhangs. Die an Zahl und Anzahl der Gefangenen zunehmenden Kinderbewahranstalten gelten hingegen als Kinderparadies.
Zurück zum Anfang: warum also ist das Wort "konservativ" ungebräuchlich geworden? Weil es prinzipiell einen guten Klang hatte, aber gleichzeitig einem politischen Lager zugeordnet war, dem bürgerlichen Lager. Die sprachliche Cuvée "wertkonservativ" hat einen Autor, und dessen Absichten waren offenkundig. Der Autor dieses Kunstwortes ist der sozialdemokratische Politiker Erhard Eppler. In seinem 1975 erschienen Buch "Ende oder Wende" - das zu dem in den 70er beliebten Genre der Doomsdayliteratur gehört - bezeichnet Eppler seine eigene Position, die eines Ökosozialisten, als "wertkonservativ", die gegnerische Position als "strukturkonservativ". Ansonsten ist das Buch nicht weiter lesenswert, es referiert im wesentlichen die Gruselschocker vom nahen Weltenende, die in den 70igern in Umlauf waren. Der Klappentext, etwa der, den Gustav Heinemann seinem Bruder im Geiste im Spiegel geschrieben hat, sollte genügen. Heute wirken die Thesen - etwa die von der drohenden Überbevölkerung - nur noch peinlich bis fatal.
Das Buch war mit gutem Grund wenig erfolgreich, aber die Aufspaltung des Wortes konservativ in wertkonservativ und strukturkonservativ hatte Bestand. Damit war gelungen, auch der politischen Linken, also den Feinden der konservativen "Gesellschaftsstruktur", beinhaltend die repressive Sexualmoral der Katholischen Kirche, der auf dem privaten Eigentum beruhenden "kapitalistischen" Wirtschaft, der "traditionellen Familie, das positiv besetze Wort "konservativ" zu verleihen. Was ist nun "wertkonservativ"?
Als wertkonservativ bezeichnete Eppler eine Politik, die sich für die Bewahrung der Natur, einer humanen und solidarischen menschlichen Gemeinschaft, sowie Wert und Würde des Einzelnen einsetzt. Damit bezog sich Eppler vor allem auf die in den 1970er Jahren erstarkende Umwelt- und Friedensbewegung.Diese wolle Herrschaftsstrukturen verändern, um bestimmte Werte zu erhalten. (laut wikipedia)Die grünkommunistische Bewegung um die Altkommunisten, Altanarchisten und Sexualrevolutionäre Trittin, Roth, Cohn-Bendit, Fischer, Kretschmann durften sich nun als wertkonservativ geadelt fühlen, denn für Umweltschutz und für die "humane und solidarische menschliche Gesellschaft", die sich für die "Würde des Einzelnen" einsetzt ist doch schließlich ein jeder, nicht?
Ein Geniestreich. Ein Musterbeispiel für Newspeak, für die absichtsvolle Veränderung der politischen Sprache. Man sollte einen Preis für Sprachverhunzung einführen. Wie wäre es mit der ehernen Brechstange für Sprachunkultur? Erhard Eppler sollte der erste Preisträger sein.
Dsï Lu sprach: »Der Fürst von We wartet auf den Meister, um die Regierung auszuüben. Was würde der Meister zuerst in Angriff nehmen?« Der Meister sprach: »Sicherlich die Richtigstellung der Begriffe.« Dsï Lu sprach: »Darum sollte es sich handeln? Da hat der Meister weit gefehlt! Warum denn deren Richtigstellung?« Der Meister sprach: »Wie roh du bist, Yu! Der Edle läßt das, was er nicht versteht, sozusagen beiseite. Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht; stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande; kommen die Werke nicht zustande, so gedeiht Moral und Kunst nicht; gedeiht Moral und Kunst nicht, so treffen die Strafen nicht; treffen die Strafen nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Darum sorge der Edle, daß er seine Begriffe unter allen Umständen zu Worte bringen kann und seine Worte unter allen Umständen zu Taten machen kann. Der Edle duldet nicht, daß in seinen Worten irgend etwas in Unordnung ist. Das ist es, worauf alles ankommt.« (Kung Fu Zi)
Donnerstag, 15. August 2013
Himmelfahrt und Sonnenstich
| Kräutersträuße für Mariä Himmelfahrt |
Einer Tradition zufolge, deren Gründe ich nicht kenne (Brauchtumspezialisten bitte melden), muß der Strauß vorwiegend aus Wildkräutern bestehen. Die wachsen vor allem an ungangbaren Stellen, auf Brachflächen, an Waldrändern, am Rand vielbefahrener Straßen. Sammeln heißt also immer Sonnenhitze (gesammelt wird am Tag vorher), Disteln, Dornen und Brennesseln. Hart, wenn man mal wieder die Handschuhe vergessen hat, Dumm, wenn auch noch die groben Schuhe zuhause geblieben sind, und man mit Straßenschuhen über Schuttflächen stolpert.
Aber wir lernen, was draußen in der Natur an Heilkräuter einfach so wächst. Oder in verwilderten und aufgelassenen Gärten. Wir lernen auch, daß nicht immer und überall die selben Kräuter wachsen, und nicht immer in derselben Qualität. Johanniskraut war ziemlich verblüht, Königskerzen gab es reichlich, der Wiesensalbe war besonders prächtig. Goldrute, Beifuß und Rainfarn gibt es eigentlich immer und überall. Schafgarbe war ziemlich schwer zu finden. Es gab verwilderte Echinacea und ein paar Ringelblumen aus dem Garten waren diesmal auch dabei.
Immer sind es zuwenig Kräuter und am späten Abend, wenn schließlich alles fertig ist, stellen wir meistens fest, daß es weniger Sträuße waren, als erhofft.. Aber die Königskerzen, die meist in den Sträußen erst richtig aufblühen, lohnen die Mühe.
Donnerstag, 8. August 2013
Veggie Day und Fastengebot: Katholisches Original und grünprotestantische Fälschung
Also wer noch immer nicht glaubt, daß er mit dem Veggie-Tag die Welt retten kann, der MUSS sich unbedingt diesen Film ankucken.
Und wer noch immer nicht glaubt, daß es sich wirklich um eine GLAUBENSFRAGE handelt, der MUSS umbedingt diesen Henryk-Broder-Artikel lesen.
... und jetzt gönnen wir uns am Donnerstag einen Veggie-Burger. Bei den Katholiken war das schon immer freitags der Fall, aber da ging es ja nur um einen religiösen Brauch, nicht um "Klimaschutz und Ernährungssicherheit". Verglichen mit den Grünen und ihrem Hang zum alltäglichen Totalitarismus ist die katholische Kirche eine libertäre Organisation mit Sinn für menschliche Schwächen.Meine Rede seit Leipzig.Und Broders bösewichtige Witzischkeiten muß man sowieso immer lesen.
Doch mal ganz im Ernst. Der Veggietag ist in Wirklichkeit das Billigheimer-Angebot für Katholizismusverweigerer. Weil, katholisch ist halt nichts für Weicheier. und für Weicheier gibt es anstelle der katholischen Fastengebote eben den Veggietag.
Denn das katholische Fastengebot ist:
Viel, viel härter. Fleisch gibt es nicht nur nicht am Freitag sondern auch:
- während der Fastenzeit vor Ostern (40 Tage)
- während der Fastenzeit vor Epiphanias (zwischen dem 11.11. und dem 6.1, - 55 Tage)
- während der Quatembertage (nochmal 12 Tage)
- von Samstag abend bis zum Empfang der Eucharistie am Sonntag morgen
- natürlich jeden Freitag
zieht man Überschneidungen ab, sind das im Durchschnitt 145 Tage und keine schlappen 52.
Jedenfalls war das so vor den Liturgie- und sonstigen Reformen des 20igsten Jahrhunderts.
Das Fastengebot ist im übrigen:
Umweltschonender:
Fisch bleibt bei Katholiken erlaubt, also ein Nahrungsmittel, das in der Regel ohne zusätzlichen Verbrauch an Landfläche erzeugt wird. Die Ausnahmen von dieser Regel sind bekannt. Fischfarmen gab es - vor allem im Umfeld von Klöstern - schon im Mittelalter, ohne daß die Umwelt kollabierte, die Klimakatastrophe hereinbrach und die ausgebeuteten Massen verhungerten. Selbst Umweltorganisationen empfehlen wegen der umweltschonenden Erzeugung und der reichlichen Ressourcen den Konsum des klassischsten aller katholischen Fische; des Karpfen,
Gesünder:
Was die gesundheitlichen Vorzüge der katholischen Diät angeht, so sind sie erweislich der veganen weit überlegen. Nicht Vegetarier, sondern Pescetarier (die ihre Ernährung auf Gemüse, Getreide und Fisch beschränken) leben am längsten.
Intelligenter:
Fisch liefert die überlebenswichtigen und für das Ernährung des Gehirns essentiellen Omega-3 Fettsäuren. Was zu beweisen war: mit der Aufweichung des Fastengebots zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die katholischen Theologen erweislich immer dümmer geworden. Die evangelische Theologie war ja schon immer unterirdisch.
Zukunftsorientierter:
Die materialistische Einrichtung im Bestehenden, der partikulare Egoismus, war seit je mit Entsagung verknüpft, während der Blick des unbürgerlichen Schwarmgeists über das Bestehende hinaus, materialistisch zum Land von Milch und Honig schweift. (Adorno/Horkheimer, Dialektik der Aufklärung)Richtig. Denn wir fasten nicht, um die Welt zu retten, sondern um christusförmig zu werden, um der Ewigkeit willen.
Eine der besseren konservativen katholischen Webseiten nennt sich übrigens Fisheaters.
Fischfresser gilt im angelsächsischen Raum als Spitzname für Katholiken. Lies nach bei Shakespeare:
I do profess to be no less than I seem—to serve him truly that will put me in trust, to love him that is honest, to converse with him that is wise and says little, to fear judgment, to fight when I cannot choose, and to eat no fish. (King Lear, Erster Akt, Vierte Szene)Leider hat die Kirche verlernt, in einer protestantisch gewordenen Welt, die überwältigenden Vorzüge des Fastengebots bekannt zu machen. Der Veggie-Day ist jedenfalls eine billige und völlig dysfunktionale Kopie einer weit weiseren Speiseregel. (Aus meiner Serie: und die Kirche hat - wie immer - recht)
Mittwoch, 7. August 2013
Veggie-Day: Meine Tante Grete und das hygienische Zuchthaus
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| Pieter Bruegel: Veggie-Day auf dem Lande |
Auch Onkel Peter war nicht eigentlich gewalttätig. Es genügte eigentlich, sich vorzustellen, welche Wirkung eine von einem Zimmermann ausgeteilte Ohrfeige haben könnte. Der Vorschlag, einen Veggie-Day einzuführen, wäre jedenfalls durch unlösbare ökonomische Sachzwänge vereitelt worden. Erstens gab es im Dorf keinen Laden, der Müsli geführt hätte. Schon der Begriff des Müslis war völlig unbekannt. Zweitens wird frischgemolkene Kuhmilch binnen eines Sommertags sauer und meine Anwesenheit im Heimatdorf meines Vaters hatte vor allem den Zweck mein leichtes Untergewicht durch den regelmäßigen Genuß von kuhwarmer Milch zu bekämpfen. Drittens wäre mittelfristig der Schinkenspeck verdorben. Und viertens müssen die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Produktion aus der Haltung von 10 Hühner, 2 Kühen und vier Schweinen ja dem Konsum zugeführt werden.
Zum Frühstück also gar es Schinkenspeck und Schwarzbrot, sowie ein Hühnerei. Mittags Schweinerenes und Kartoffeln. Abends wieder Schinkenspeck. Ich kann mich an Gemüse und Salate erinnern, wenn auch nur dunkel. Schinkenspeck war m.E. wesentlich.
Der Versuch, mir Onkel Peter beim Konsum von Bircher-Benner-Müsli, Grünkernbratlingen und Bionade vorzustellen, gelingt mir nicht. Die Einreichung eines Scheidungsantrags wäre völlig undenkbar gewesen, so daß das Bircher-Benner-Müsli als Denkunmöglichkeit einzustufen ist.
Daß der extensive Milch-, Fleisch- und Eierkonsum ihrer Familie, wie die Grünen behaupten, nur durch Massentierhaltung, Naturvernichtung, Arzneimittelmißbrauch etc. aufrechterhalten werden könne, hätte meine Tante Grete mit einem Kopfschütteln beantwortet. Daß Schweinekoteletts für die Klimakatastrophe veranwortlich sein könnten, hätte Tante Grete sinnlich-praktisch widerlegen können, der heutige Pächter ihres kleinen Landbesitzes. Dr. K (heutzutage ist Landwirtschaft eine Wissenschaft) könnte es agrarökonomisch agrarwissenschaftlich widerlegen.
Nun ja, die Grünen haben wohl in ihrer Mehrheit noch keine Kuh von nahem gesehen und schwadronieren gleichwohl über die per se schädliche Massentierhaltung. Der "Veggie-Day" findet sich im Programmkapitel "Massentierhaltung-nein danke!". Daß Massentierhaltung nicht per se artungerecht ist (die häufig von mir gehüteten Kühe meiner Tante Grete hätten dieser These entschieden widersprochen), könnte man ja wissen. Es sei denn, man lebt in einer Altbauviertel-Maisonette im Grünwählerviertel und der eigene Kontakt mit der Tiernatur beschränkt sich auf das Bressehuhn vom Szenerestaurant und die Haltung einer Hauskatze.
Der politische Inhalt ist vielmehr höchst religiös-politisch. Daß diese Religion von der Präses der Synode der EKD vorgetragen wird, hat was. Ihre Kurzfassung ist jedenfalls einer religionswissenschaftlichen Analyse bestens zugänglich.
60 Kilo Fleisch verbraucht jede BürgerIn in Deutschland in jedem Jahr.Klassische Polemik. 60 Kilo Fleisch klingt richtig eklig. 164 Gramm pro Tag hörte sich ja ganz anders an. Aussage: Fleischessen as such ist sündhaft.
Wir wollen in unserem Land aber keine Massentierhaltung mehr.Interessanterweise enthält das Programm keine Definition, was denn unter Massentierhaltung zu verstehen sei. Ist schon jeder Laufstall "Massentierhaltung". Zurück zur vermeintlichen Idylle der Anbindehaltung? Das wäre nicht nur romantisch, sonder tierverachtend.
Wir schlagen den Veggie Day vor, nicht weil wir das Fleisch essen verbieten wollen, es geht nicht um eine Zwangsveranstaltung.Ja, die Dialektik des Dementi.
Wir leben auf Kosten derjenigen, deren Existenzen bedroht sind, weil beispielsweise der Regenwald abgerodet wird. Ein wöchentlicher Veggie Day in den Kantinen wäre ein großer Schritt für die Beendigung der Massentierhaltung und für eine gesunde Ernährung.Als ich politisch laufen lernte, teilte sich die Welt der politischen Aktivisten zwischen Autonomen und Müslis. Die theologisch-politischen Implikationen waren mir damals nicht bewußt. Daß der Erfinder des Müslis, der calvinistische Schweizer Arzt Maximillian Bircher-Benner keineswegs nur eine schmackhaftere und gesündere Art des Frühstücks erfinden wollte, sondern eine Lebensreform nach mönchischem Vorbild anstrebte, läßt sich an der therapeutischen Orientierung der von ihm betriebenen Klinik nachvollziehen. Thomas Mann hat seine Erfahrung in dieser Klinik literarisch in seinem "Zauberberg" verarbeitet. Die Klinik, so Thomas Mann, sei schlicht ein "hygienisches Zuchthaus".
Da schließt sich der Kreis. Schon Luthers Theologie der "innerweltlichen Askese" war ja eine mönchische Revolte gegen die katholische Lebensfreude der Renaissance. In seiner moralischen Empörung über den katholischen Leichtsinn seiner Zeit wollte Luther die ganze Welt in ein Kloster verwandeln.
Das war dann nun aber noch die Zeit, da die Protestanten noch mit demonstrativem Wurstessen gegen das katholische Fastengebot protestierten. Offenkundig strebt in grünprotestantischer Gestalt die evangelische Lebensreformbewegung ihrer endgültigen Vollendung entgegen. Erst Frau Göring-Eckardt durfte das Werk Luthers vollenden, und uns selbst das Wurstessen noch verbieten.
Donnerstag, 1. August 2013
1. August 2013: das Ende des Proletariats.
An der Wahl des Begriffs "Proletarier" läßt sich nachvollziehen, daß der Erfinder dieses Wortes ein klassisch gebildeter Mensch war. Marx, der die lateinische Sprache wie alle Gebildeten seiner Zeit in Wort und Schrift fließend beherrschte, wußte, daß nach dem Census der Römischen Republik Bürger mit einem Vermögen von weniger als 11.000 Assen nicht mit ihrem Vermögen, sondern mit ihren Kindern registriert wurden.
Die Proletarier waren, etwas vereinfacht gesagt, freie römische Bürger, deren einziger Reichtum, deren einziges Eigentum ihre Kinder waren. Marx, der Menschenfreund, wollte aber nun dem eigentumslosen Arbeiter bekannterweise nicht zu Eigentum verhelfen, vielmehr wollte er dem freien Proletarier auch noch das letzte Eigentum entziehen, daß ihm nach seiner Enteignung verblieben war: seine Kinder. Unter den 10 Artikeln des "Kommunistischen Manifests" findet sich als zehnter die "öffentliche und unentgeltliche Erziehung aller Kinder."
In Engels Entwurf für das Kommunistische Manifest hieß es übrigens noch wesentlich klarer und radikaler:
Erziehung sämtlicher Kinder, von dem Augenblicke an, wo sie der ersten mütterlichen Pflege entbehren können, in Nationalanstalten und auf Nationalkosten. Erziehung und Fabrikation zusammen.Es ist also nun erreicht. Seit dem 1. August gibt es den Anspruch auf einen Krippenplatz nach dem ersten Geburtstag des Kindes. Das sozialistische Paradeis ist nun angebrochen. Auch wenn gegen den heftigen Widerstand insbesondere der journaillistischen Klasse den letzten widerständigen Proletariern ein Almosen von beeindruckenden hundert Euro (Erziehungsgeld, in politisch korrektem Newspeak Herdprämie) gewährt wird - daß nach dem erhofften Wahl-Sieg der Vereinigten Parteien der Arbeiterklasse selbstverständlich abgeschafft werden wir - so wird die "öffentliche und unentgeltliche Erziehung" mit dem faktischen Arbeitszwang für beide Eltern bald Realität sein.
Tausend Euro wird ein Krippenplatz kosten. Kein Problem, denn dieses Geld zahlen ja dann die Eltern mit ihren Steuern, deren Höhe gleichzeitig dazu führt, daß das Einkommen nur eines erwachsenen Familienmitglied nicht mehr ausreicht, um eine Familie zu ernähren. Wer hätte gedacht, daß eine christlich-liberale Regierung erreicht, was Marx-Engels erträumten.
Dem gemeinen Volk wird es indessen ganz mulmig. Die Zahl derer, die sich vor der Familiengründung - zu Recht - fürchten, weil sie schwere wirtschaftliche Probleme befürchten, wenn sie sich auf dieses Wagnis einlassen ist dramatisch gestiegen. Die Zahl derer, die die hohe finanzielle Belastung als Grund dafür ansehen, daß so wenig Deutsche "Familie wagen", ist binnen nur eines Jahres von 58% auf 67 % gestiegen. Wer sich die unsägliche "Herdprämien"-Polemik der journaillistischen Klasse in Erinnerung ruft, kann nachvollziehen, warum die Angst vor der Familiengründung gewachsen ist. Eines hat die Debatte jedenfalls bewirkt: allen ist nun klar, daß sie nach der Geburt eines Kindes in DIESEM Land auf staatliche Hilfe angewiesen sind.
Die Staatsquote - der Anteil des Staates am wirtschaftlichen Geschehen - ist wieder im Steigen begriffen. Grund ist unter anderem die massive Vermehrung der in staatlichen Kinderbetreuungseinrichtungen Beschäftigten.
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