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| Sprengung der Christ-Erlöser-Kirche am 5.12.1931 |
Wir haben es mit einem politisch-medialen Komplex zu tun. Und im Kontext mit dem Urteil gegen die armen Mädels von Pussy Riot läuft dieser politisch-mediale Komplex wieder zu seiner Tiefstform auf. Selbst die eigentlich noch leidlich lesbare "Welt" (wo jedenfalls manchmal Badde, Maxeiner, Miersch, Broder u.a. schreiben schreiben dürfen) jazzt in der Sonntagsausgabe die Bandleaderin der drei Pussy- Riot-Mädchen, Nadeschda Kolokonnikowa, zur Widerstandskämpferin gegen das "autoritäre System" auf und verleiht ihr heute die Note "Eins" in der entsprechenden Rubrik.
Was für die "nützlichen Idioten"(Lenin) der Mainstreampresse eine Heldin ist, ist aber selbst für den liberalen englischen Guardian eher ein "evil ghost". Schauen wir uns diesen bösen Geist genauer an.
Nadeschda wird, wie ihre Hintermänner, sehr gut gewußt haben, warum sie genau diesen Ort ausgesucht hat, die Christ-Erlöser-Kathedrale. Das Bauwerk ist in doppeltem Sinn ein politisch-religiöses Symbol. Die Kirche ist eine Rekonstruktion. Den Vorgängerbau lies der später ermordete Zar Alexander I in Gedenken an den antinapoleonischen Kampf errichten, zum Dank für den Sieg über den napoleonischen Imperialismus.
Stalin ließ die nur wenige Jahrzehnte alte Kathedrale zerstören. Er wird gewußt haben, daß diese Kirche nicht nur das bedeutendste Kirchenbauwerk Russlands, sondern gleichzeitig ein nationales Symbol war. Sah sich Stalin als der neue Napoleon? Ganz sicher sah er sich - wie Trotzki- als legitimer Erbe Robespierres.
Im historischen Kontext war die Sprengung der Kirche am 5. Dezember 1931 Teil der brutalsten Phase der Verfolgung der orthodoxen Kirche in der Sowjetunion, und Teil des Versuchs, den christlichen Glauben in der Sowjetunion, nachdem er sich weigerte der marxistischen Theorie folgend, "abzusterben", auszurotten. In dieser
Phase, die von 1928 bis 1941 dauerte, wurden nahezu alle der noch fast 30.000 christlichen Kirchen bis auf ganze 500 zerstört oder zweckentfremdet, allein im Jahre 1937 wurden mehr als 85.000 orthodoxe Priester ermordet.
Erst nach dem Ende der Sowjetunion und nach dem Ende eines bis in die sechziger Jahre immer noch militant atheistischen Systems konnte daran gedacht werden, die Kirche wieder aufzubauen. Der damalige Präsident Boris Jelzin selbst beteiligte sich an der Gründung einer Stiftung, die den Wiederaufbau finanzieren sollte. Der Wiederaufbau wurde ausschließlich mit Spenden finanziert.
Es ist erschreckend zu sehen, wie die offenkundig sich freiwillig gleichschaltende deutsche Presse diese historischen Vorgänge sieht. In diversen Zeitungen
hier und
hier heißt es wörtlich gleichlautend:
Moskau - Die mächtige Christi-Erlöser-Kathedrale im Zentrum von Moskau gilt als Russlands wichtigstes Gotteshaus. Der dominante weiße Sakralbau mit den goldenen Kuppeln ist auch ein Symbol für den wiedererstarkten Einfluss der russisch-orthodoxen Kirche.
Als Dank für den hart erkämpften Sieg über Napoleon (1812) hatte Zar Alexander I. den Bau der Kathedrale verfügt, die 1883 geweiht wurde. Nach der Oktoberrevolution (1917) wurde das Gebäude 1931 als unerwünschtes Symbol des Zarenreichs gesprengt. Es sollte einem monumentalen Palast der Sowjets Platz machen, der aber nie gebaut wurde. Stattdessen wurden die Fundamente als Freibad genutzt.
1992 erließ der damalige Kremlchef Boris Jelzin einen Ukas zum Wiederaufbau der Kathedrale am linken Moskwa-Ufer nahe dem Kreml. Im August 2000 weihte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Alexi II., den Prunkbau ein, nachdem auch die kostbare Innenausstattung aus Gold und Mosaiken vollendet worden war.
Heute kommt auch Präsident Wladimir Putin zu wichtigen kirchlichen Feiertagen in die Erlöser-Kathedrale, die mit 103 Metern zu den weltweit höchsten orthodoxen Sakralbauten gehört. Das reich verzierte Gotteshaus bietet Platz für etwa 5000 Gläubige..
Was lernen wir daraus? Das, was uns die Pussytanten vermitteln wollen. Putin ist der neue Zar, unterstützt von der "einflussreichen" und wie es scheint unermesslich reichen (Das Wort Gold triggert immer) orthodoxen Kirche. Der "Ukas" würde übrigens in der modernen Verfassung der RFR abgeschafft.
Die Aktionen der sogenannten Opposition um den Prozeß werfen ein interessantes Licht auf die politische Zuordnung der drei. So ist bei militanten Aktionen unter anderem wieder einmal der unvermeidliche Herr Udalzow festgenommen worden. In Qualitätpresse und
Staatsfunk meist dezent als Oppositionsführer bezeichnet. Gerne erführe man aus den Qualitätsmedien genaueres. Sergej Stanislawowitsch Udalzow ist "Führer" einer Bewegung namens "Avantgarde der Roten Jugend AKM", Koordinator von "Linksfront" und "Rotfront" war Mitglied des Zentralkomitees der "Kommunistischen Arbeiterpartei Russlands", und hat bei der Präsidentenwahl 2012 die kommunistische Mumie Gennadi Sjuganow unterstützt.
Nadeschdas
T-Shirt paßt doch bestens zu dieser Entourage.
Die Mehrheit der Russen verurteilt nach einer Umfrage die Aktion in der wichtigsten und symbolträchtigsten russischen Kirche. Auch darauf macht sich die
Qualitätspresse einen Reim.
Die Mehrheit der Russen verurteilt einer aktuellen Umfrage zufolge die skurrile Performance der jungen Frauen, von denen zwei kleine Kinder haben. Der Grund dafür könnte sein, dass vor allem für Einwohner jenseits der Metropolen Moskau und St. Petersburg das Staatsfernsehen einzige Informationsquelle ist.
Dahinter steckt bekanntlich immer ein kluger Kopf. Zumindest muß es mal so gewesen sein. Daß die Oppositionszeitung
Nowaja Gaseta eine Auflage von mehr als einer halben Million hat, und daß fast die Hälfte aller Russen mittlerweile
Internetzugang hat, weiß die FAZ nicht. Die Zeit, da die meisten Russen weder lesen noch schreiben konnten, scheint in der Vorstellung deutscher Journaiilisten noch nicht zu Ende zu sein. Kluge Köpfe findet man hinter deutschen Zeitungen und in deutschen Zeitungsredaktionen offenbar immer seltener.
Was die TAZ wohl geschrieben hätte, wenn eine Nazi-Punk-Band - natürlich aus hübschen blauäugig blonden Mädels - eine Synagoge gestürmt hätte, um dort einen Protestsong gegen die Verflechtung der deutschen Regierung mit dem internationalen Judentum zum besten zu geben? Skurrile Performance?
Post scriptum:
Pussy-Riot-SympathisantInnen haben am Sonntag im Kölner Dom und am Freitag im Wiener Stephansdom den Gottesdienst gestört.