Donnerstag, 7. Juni 2012

Men in Black: Fronleichnam


Frack: der korrekte Dresscode für den Himmelträger an Fronleichnam. Und wer nicht glaubt, daß selbst bei Tradis noch ein Zylinder dazugehört: bitte hier. Ich finde das zum Beispiel ESSENTIELL! Weiße Handschuhe sind ja wohl das mindeste, oder?

Aggiornamento-mäßig käme dann ja noch unbedingt die RayBan Predator 2 dazu. Man muß ja doch mit der Zeit gehen.

DER TEPPICH


Dachte ich mir doch, daß es nur Minuten dauern konnte, bis jemand UNSEREN FRONLEICHNAMSBLUMENTEPPICH ins Netz stellt. Man beachte die Schattierung mit dunkelgelben Blütenblättern im Innern und auf der rechten Seite des Kelches.

Étiquette catholique: Fronleichnam

Kein Bild heute. Weil man als Baldachinträger keine Hände frei hat. Schade, denn der Blumenteppich, den Gemeindemitglieder vor der Tür unserer Kirche hingelegt hatten, war einzigartig. Bestimmt der großartigste der Provinz Starkenburg. Aber der findet sich bestimmt demnächst irgendwo im internet.

Auch gelernt hab ich was. Als wir uns dem Teppich näherten, wollten wir - wie die gesamte Gemeinde, die den Teppich nicht beschädigen wollte - am Teppich vorbei laufen. Kurzkommando von Hochwürden: über den Teppich. Hätte man wissen können. Denn für wen werden diese Teppiche gelegt und gestaltet in stundenlanger Arbeit aus hunderten von Blütenblättern? Für den Herrn, der mitten unter uns ist.

Wir haben uns darum bemüht, zu schweben. Ist fast gelungen, der Teppich sah nach unserem Vorbeischweben nahezu unberührt aus.

Baldachintragen ist nach wie vor ein reiner Männerjob. Wegen der Kraftentfaltung sicherlich. Ob auch aus spirituellen Gründen, weiß ich nicht. Eigentlich trägt man ja Frack und weiße Handschuhe. Hätte ich sehr schmuck gefunden. Aber auf mich hört ja keiner. (die Alternative schwarzer Anzug und Rayban fand auch keinen Anklang)

Mittwoch, 6. Juni 2012

Polit-Kitsch: Anarchos im Priesterrock

Was ist das: 140 Diakone und Priester der Diözese Freiburg rufen zum Widaschdand auf.

Ich sage, was das ist. Das ist Kitsch. Die billige, falsche, schiefe Wiederholung eines Dramas als Provinzposse.

Schon die dramatische Rhetorik verursacht bei mir leichten Brechreiz. Es geht um ein "besonders brennendes Anliegen, das keinen Aufschub duldet." Was könnte das sein? Die dramatische Entwicklung der Abtreibungszahlen, die auch in der offiziellen - geschönten - Statistik nicht unter 100.000 im Jahr sinken wollen? Der dramatische Rückgang der Geburten, die sich zuspitzende demographische Krise? Der ebenso dramatische Rückgang der Zahlen der Eheschließungen, begleitet von einer Vervielfachung der Zahl der Scheidungen? die stets zunehmende Zahl der zerstörten Familien, die wachsende Zahl der Alleinerziehenden, die Versingelung der Gesellschaft? Kurz, die vor unseren Augen sich vollziehende, mutwillig von blinden Politikern, Publizisten, leider auch von irregeleiteten Christenmenschen orchestrierte und geförderte Erosion einer tragenden Säule der christlich-abendländischen Zivilisation, der monogamen, auf Lebenszeit angelegten Ehe?

No Sir. Es geht um das, um das es immer geht, wenn sich die Memorandistas melden. Diesmal die Kommunion von wiederverheirateten Geschiedenen. Mutig - nur was riskieren die Herren da eigentlich - werfen sich die Herrschaften in die Bresche und brechen das Recht.
In unse­ren Gemein­den gehen wie­der­ver­hei­ra­te Geschie­dene mit unse­rem Ein­ver­ständ­nis zur Kom­mu­nion und emp­fan­gen das Buß­sa­kra­ment und die Kran­ken­sal­bung.
Kenn ich die Melodie. WoRechtzuUnrechtwirdwirdWidaschdandzurPflicht. Den Spruch konnte jeder Altanarcho der seligen 60er im Schlaf runterbeten. Das war damals schon Kitsch, denn was konnte eigentlich Widaschdand in einer rechtsstaatlich verfassten stabilen Demokratie bedeuten. Nichts. Nichts anders als eine Verhöhnung der Menschen, die wenige Jahrzehnte zuvor wirklich unter Einsatz ihres Lebens, das viele verloren, gegen eine mörderische Diktatur Widerstand leisteten. Widerstand und nicht Widaschdand. Widaschdand den leisten satte, wohlbesoldete, pensionsberechtigte Kirchenbeamte, die wissen, daß sich ihre Vorgesetzten nicht wagen werden, dem Zeitgeist zu trotzen, um ihnen zu zeigen, daß die Verletzung von Gesetzen, auch wenn es "nur" Kirchengesetze sind, Konsequenzen haben kann.

Widaschdand den leisten Opportunisten, die sich als Anarchos verkleiden.

Ich bin alt genug, daß ich noch die Gelegenheit hatte, Menschen kennenzulernen, die wirklich Widerstand geleistet haben. Umso stärker der Brechreiz, der sich regt, wenn ich das dumme Pamphlet dieser Widaschdändler lese.

Montag, 4. Juni 2012

Joschka Fischer, die Apokalypse und der Rosenkranz

Albrecht Dürer:Die Frau der Apokalypse

Wenn man so kurz vor 1950 geboren wurde, Abitur gemacht hat und so um 1968 anfing zu studieren ließ es sich kaum vermeiden, dem SDS beizutreten. Oder sich in irgendeiner Vor- oder Umfeldorganisation zu tummeln. Schön zu sehen, daß das bei vielen nicht zu bleibenden Schäden geführt hat.

Joschkas VÖLLIG IRRER Aufsatz zur Eurokrise zeigt zwar, daß das vorhandene Risiko für die geistige Gesundheit nicht zu unterschätzen war, doch Edgar Gärtners Anmerkung zu ebendiesem Aufsatz und sein Ratschlag - Rosenkranz beten - beweist, daß man sich doch aus dem geistigen Sumpf um die Frankfurter Bockenheimer/Schumannstraße herausarbeiten kann.

Auch andere 68er haben in der absolut humorfreien Szene angestrengter Revolutionäre nicht ihre Witzischkeit verloren, wie man hier nachlesen kann. Es gibt also noch Hoffnung.

Diktatur der Ahnungslosen Und: Familienphotos

Familienphoto, Fachschaft Jura 1973
Joschka Fischers Aufsatz über den ich vor einigen Tagen informiert und den ich vor einigen Tagen kommentiert habe, ist nun abgewandelt und in  deutscher Sprache in der  - wenn wundert es - Süddeutschen erschienen. In der deutschen Version ist der starke Tobak, den mein lieber Exgenosse und Es-Streetfighter Joschka den Deutschen in die Pfeife stopft noch ein bißchen stärker. Knaster sozusagen.
Im 20. Jahrhundert hat Deutschland zweimal mit Krieg bis hin zum Verbrechen und Völkermord sich selbst und die europäische Ordnung zerstört, um den Kontinent zu unterjochen.
Entweder hat Joschka die deutsche Sprache verlernt, oder die englische nicht recht erlernt, oder er meint, den Deutschen ein Mehr an Geschichtsklitterung zumuten zu können, als er dem Leser im Ausland zumuten mag.
Germany destroyed itself – and the European order – twice in the twentieth century, and then convinced the West that it had drawn the right conclusions.
Heißt es in der englischen Version. Zurück zur deutschen Variante. Der Erste Weltkrieg, den das Deutsche Reich nicht wollte, aber nicht vermeiden konnte, diente dem Ziel, "den Kontinent zu unterjochen" "bis hin zum Verbrechen und Völkermord". Das ist aberwitzig. Die Kriegsschuldthese ist viel diskutiert worden. Nach fast einem Jahrhundert fleißiger Arbeit der Historiographen werden die Ursachen des Ersten Weltkrieges nicht in der "Schuld" einer der Kriegsparteien gesehen.
Der Erste Weltkrieg war ein tragischer und unnötiger Konflikt. Er war unnötig, weil die Kette der Ereignisse, die zu seinem Ausbruch führte, während der fünfwöchigen Krise, die dem ersten bewaffneten Zusammenstoß vorausging, noch jederzeit hätte unterbunden werden können.
 So sieht es einer der renommiertesten englischen Militärhistoriker John Keegan. Sir John Keegan, um genau zu sein. Her Majesty the Queen hat ihn für seine Verdienste um die militärhistorische Forschung geadelt. Very british. Und sehr deutsch, der Herr Fischer.

Da wir gerade am Familienphoto veröffentlichen sind, nette Bildchen aus meiner idyllischen Jugend kann ich leider nicht bieten. Wir hatten gerade Nachkrieg, als ich studieren war. Auf obigem Foto ließen sich diverse Mitglieder renommierter Anwaltsbüros in ihren jungen Jahren entdecken sowie ein ehemaliger Außenminister. Aber das laß ich mal im Unscharfen.

Scharf find ich es allerdings, daß ein ehemals höchst militanter Linksradikaler heute und ehemaliger Außenminister die längst überholte These vertritt, Deutschland trage "Schuld"auch  am Ersten Weltkrieg, um damit zu begründen, daß dasselbe Deutschland nun auch noch den letzten Cent hinüberzureichen habe - übrigens unter Verstoß gegen völkerrechtlich verbindliche europäische Vertrage - um einer Bande unverantwortlicher Politikdelinquenten den Hals zu retten.

Über das Thema Patriotismus und Katholizismus wäre noch einiges zu sagen. Demnächst in diesem Theater. Jedenfalls kann man als Zwischenstand schon mal festhalten, daß die militant antikatholische "Süddeutsche" auch dem militant antipatritotischen Herrn Fischer ein Forum bietet. Da wächst zusammen, was zusammen gehört. Donoso Cortez, der Namensgeber dieses Blogs, zählte den militant antipatriotischen Internationalismus wie den militanten Antikatholizismus zum selben poitischen Lager.

Freitag, 1. Juni 2012

Babyrosenkranz: "Dein Blut komme über uns?"

"Sein Blut komme über uns und unsere Kinder" heißt es im Matthäus-Evangelium. Es ist die Selbstverfluchung des jüdischen Volkes angesichts des Todesurteils gegen Jesus Christus. Kann man diese Selbstverfluchung einfach umkehren und zu einem Gebet wandeln - wie im Babyrosenkranz geschehen. Ich habe Zweifel.